Sommerflieder (Buddleja davidii) auf einer Baustelle mitten in Trier. Der aus China stammende Neophyt besiedelt bevorzugt offene und gestörte Standorte – seine violetten Blüten wurden hier zum Treffpunkt verschiedener Insekten.
Foto: © Trierer Umschau – Logo: © DLR Mosel
Eine Schwebfliege der Gattung Eristalis, sehr wahrscheinlich die Mistbiene (Eristalis tenax), beim Blütenbesuch am Sommerflieder. Trotz ihres bienenähnlichen Aussehens gehört die Mistbiene zu den Fliegen und besitzt keinen Stachel.
Foto: © Trierer Umschau
Eine Erdhummel aus dem Bombus-terrestris-Komplex sammelt Nahrung an den Blüten des Sommerflieders. Die äußerlich sehr ähnlichen Arten dieses Komplexes lassen sich anhand eines Fotos häufig nicht zuverlässig bis zur einzelnen Art bestimmen.
Foto: © Trierer Umschau
Ein Admiral (Vanessa atalanta) mit geöffneten Flügeln auf dem Sommerflieder. Der Wanderfalter nutzt dessen Blüten als Nektarquelle – für seine Raupen ist dagegen vor allem die Brennnessel von entscheidender Bedeutung.
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Sommerflieder
Foto: Illustration: KI-generiert / Trierer Umschau
Die Mistbiene
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Die Erdhummel
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Der Admiral
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NATUREREIGNISBEGLEITER – TEXT 60

Der Sommerflieder auf der Baustelle: Vom Flattern im Augenwinkel und einer Fremden voller Leben / NaturERLEBNISbegleiter – Lebendige Moselweinberge

Ein Einkauf, eine Baustelle mitten in Trier – und plötzlich flatterte es wieder: Vor unserer Redaktionspause begegneten uns an einem Sommerflieder Admiral, Erdhummel und Mistbiene. Eine nachgetragene Naturbeobachtung darüber, wie viel sich dort entdecken lässt, wo wir es kaum erwarten – und warum „fremd“ in der Natur nicht automatisch „wertlos“ bedeutet.

Ich wollte eigentlich nur einkaufen gehen. Keine Exkursion, keine Naturführung, keine Suche nach einer besonderen Pflanze oder einem seltenen Insekt. Und schon gar nicht war ich als Tier- oder Insektenfotograf unterwegs. Ich hatte lediglich meine kleine Kamera dabei – eine dieser Schnellschuss-Kameras, die mich inzwischen fast immer begleitet. Gut genug, um etwas festzuhalten, wenn plötzlich etwas geschieht. Nicht unbedingt gut genug, um jedes Härchen einer Hummel wissenschaftlich sauber abzubilden.

Und dann war da – vor rund einem Monat – diese Baustelle mitten in Trier. Die Fotos und Beobachtungen dieses Beitrags stammen noch aus der Zeit vor unserer Redaktionspause. Inzwischen ist der Sommer weitergezogen und auch der Sommerflieder zeigt sich nicht mehr so wie auf unseren Bildern. Aber die Begegnung ist geblieben – und mit ihr die Fragen, die sie ausgelöst hat.

Baustellen sind eigentlich Orte, an denen der Blick selten nach einer Blüte sucht. Da sind Absperrungen, Fahrzeuge, Baumaterialien, offene Erde und Menschen, die irgendwohin wollen. Auch ich wollte irgendwohin. Aber plötzlich flatterte da etwas. Eine Bewegung im Augenwinkel. Und ich blieb stehen.

Vielleicht wäre mir das vor zwei Jahren noch gar nicht aufgefallen.

 

Wenn plötzlich auffällt, was vorher gefehlt hat

 

In diesem Sommer hatte ich Insekten vermisst. Nicht aufgrund einer wissenschaftlichen Zählung und nicht, weil ich mit Klemmbrett und Erfassungsbogen durch Trier gegangen wäre. Es war eher ein Gefühl, das sich irgendwann eingestellt hatte: Es fehlte Bewegung. Ein Schmetterling, der den Weg kreuzt. Eine Hummel, die schwer zwischen Blüten unterwegs ist. Eine Schwebfliege, die für einen Augenblick scheinbar bewegungslos in der Luft steht und im nächsten Moment verschwunden ist.

Vielleicht wird man mit der Zeit tatsächlich ein wenig hypersensibel für diese kleinen Bewegungen – oder genauer gesagt: für ihr Ausbleiben. Wer anfängt, auf Natur zu achten, bemerkt irgendwann nicht mehr nur das, was da ist. Er bemerkt auch das, was nicht mehr da ist.

Und deshalb fiel mir dieses Flattern auf der Baustelle wahrscheinlich so deutlich auf. Dort bewegte sich plötzlich wieder etwas. Nicht nur ein Insekt, sondern mehrere. Und sie flogen immer wieder dieselbe Pflanze an.

 

Blaue Blüten zwischen Baustellenbetrieb

 

Die Pflanze war kaum zu übersehen. Lange violett-blaue Blütenrispen ragten aus diesem vom Menschen vollkommen veränderten Ort heraus: Sommerflieder, Buddleja davidii.

Ich begann zu fotografieren. Nicht mit dem Anspruch, daraus später wissenschaftliche Insektenaufnahmen zu machen, sondern eher aus Freude darüber, überhaupt wieder dieses Flattern zu sehen. Also Kamera hoch, abdrücken, noch einmal – und hoffen, dass auf irgendeinem Bild später etwas zu erkennen sein würde.

Es war etwas zu erkennen. Und sogar mehr, als ich in diesem Augenblick gedacht hatte. Auf den Bildern fanden wir eine Schwebfliege aus der Gattung Eristalis, sehr wahrscheinlich die Mistbiene (Eristalis tenax). Dann eine Erdhummel aus dem Bombus-terrestris-Komplex. Und schließlich einen Admiral (Vanessa atalanta), der mit geöffneten Flügeln auf den violetten Blüten saß.

Drei Tiere. Drei vollkommen unterschiedliche Lebensgeschichten. Eine Pflanze. Und eine Baustelle. Damit begann die eigentliche Geschichte erst.

 

Vielleicht wirkt die Ausbildung erst danach

 

Nur wenige Tage zuvor hatten wir unsere zweijährige Ausbildung zum Naturerlebnisbegleiter an der Mosel abgeschlossen. 49 Referentinnen und Referenten hatten uns während dieser Zeit begleitet. Über Pflanzen wurde gesprochen, über Tiere, Landschaft, Geologie, Weinbau, ökologische Zusammenhänge – und über die Frage, wie wir Natur überhaupt wahrnehmen.

Bei der Zertifikatsübergabe verwendete DLR-Dienststellenleiter Norbert Müller einen Begriff, der mir inzwischen immer besser gefällt: „Bewusstseinsbildung“. In unserem Rückblick auf die Ausbildung haben wir darüber bereits geschrieben: https://www.trierer-umschau.de/2026-08-27-ba/

Vielleicht beginnt eine solche Ausbildung deshalb nicht mit dem ersten Seminartag. Und vielleicht endet sie erst recht nicht mit einem Zertifikat. Vielleicht zeigt sich ihr Erfolg irgendwann beim Einkaufen: Man bleibt plötzlich stehen, schaut genauer und aus einem „Da fliegt etwas“ wird ein „Was fliegt da eigentlich?“. Aus einer blauen Blüte wird die Frage: „Was ist das für eine Pflanze?“ Und wenn Insekt und Pflanze zusammentreffen, kommt irgendwann die entscheidende Frage: Warum treffen sie sich gerade hier?

Das ist der Moment, in dem aus dem Sehen langsam ein Verstehen werden kann.

 

Eine Erinnerung an Lea Boehm und die Farben

 

Während ich vor dem Sommerflieder stand, musste ich an die Online-Seminare von Lea Boehm während unserer Ausbildung denken. Eine Aussage hatte sich bei mir besonders festgesetzt: die Bedeutung von Farben für Schmetterlinge bei der Orientierung an Blüten.

Natürlich ist die wissenschaftliche Wirklichkeit komplexer. Schmetterlinge fliegen nicht einfach „Blau“ oder „Rot“ an. Farbe und Kontrast können eine wichtige Rolle spielen, ebenso Blütenform, Duft, Nektarangebot, Erfahrung und weitere Signale. Aber genau diese Erinnerung war plötzlich wieder da. Vielleicht auch, weil die violett-blauen Rispen selbst für meine menschlichen Augen zwischen Baustellenbetrieb, Schotter und offenem Boden geradezu herausleuchteten.

Und dann saß dort der Admiral. Manchmal braucht theoretisches Wissen offenbar einen solchen Augenblick, damit es wieder lebendig wird.

 

Und ausgerechnet diese Pflanze ist eine Fremde

 

Später kam der zweite Teil der Geschichte. Denn der Sommerflieder gehört ursprünglich nicht hierher. Seine natürliche Heimat liegt in China. Er wurde als attraktive Zierpflanze nach Europa gebracht und konnte von Gärten und Anpflanzungen aus verwildern. Damit ist er ein Neophyt.

Und dieses Wort führt zu einer Jahreszahl, über die man stolpert, wenn man sich mit gebietsfremden Pflanzen beschäftigt: 1492.

Warum ausgerechnet 1492? Natürlich hat die Natur in diesem Jahr keine Grenze gezogen. Die Grenze haben Wissenschaftler im Nachhinein gezogen, weil sich mit der europäischen Ankunft in Amerika und dem danach immer stärker werdenden weltweiten Austausch von Waren auch die Verbreitung von Pflanzen und Tieren grundlegend veränderte. Arten, die nach 1492 durch menschlichen Einfluss in Gebiete gelangten, in denen sie vorher nicht heimisch waren, werden als Neobiota bezeichnet; bei Pflanzen sprechen wir von Neophyten.

Der Sommerflieder kam sogar Jahrhunderte später. Heute wächst er mitten in Trier. Auf einer Baustelle.

 

Fremd ist nicht automatisch invasiv – und invasiv nicht einfach „böse“

 

An dieser Stelle wird Sprache gefährlich einfach. „Fremde Art“, „Neophyt“, „invasiv“ – schnell entsteht daraus im Kopf eine Reihenfolge: fremd = invasiv = schlecht.

So funktioniert Ökologie nicht.

Ein Neophyt ist zunächst einmal eine Pflanze, die nach dem historischen Stichtag 1492 durch menschlichen Einfluss in ein Gebiet gelangte. Nur ein Teil dieser Pflanzen breitet sich so aus beziehungsweise beeinflusst heimische Arten und Lebensräume so, dass er naturschutzfachlich als invasiv bewertet wird.

Beim Sommerflieder gibt es durchaus Grund, genauer hinzusehen. Buddleja davidii kann sich stark ausbreiten und offene Standorte schnell besiedeln. In Deutschland wird die Art naturschutzfachlich als potenziell invasiv bewertet.

Und nun stand ich ausgerechnet vor einer solchen Pflanze, während eine Schwebfliege, eine Hummel und ein Admiral ihre Blüten besuchten. Das macht die Sache interessant.

 

Die Insekten kennen unsere Begriffe nicht

 

Der Admiral weiß nicht, dass der Sommerflieder aus China stammt. Die Erdhummel weiß nicht, was ein Neophyt ist. Und die Mistbiene hat noch nie eine Liste invasiver Arten gelesen. Für sie steht dort zunächst eine Pflanze mit Blüten – und diese Blüten bieten Nahrung.

Das ist keine Verteidigung des Sommerflieders. Es ist auch kein Argument dafür, ihn nun überall anzupflanzen. Es ist zunächst nur eine Beobachtung. Aber eine wichtige: Eine gebietsfremde und sogar potenziell invasive Pflanze kann gleichzeitig eine von Insekten intensiv genutzte Nektarquelle sein.

Beides kann wahr sein.

Vielleicht ist genau dieses „Beides“ eine der wichtigsten Lektionen beim Naturbeobachten. Natur hält sich erstaunlich selten an unsere einfachen Kategorien.

 

Der Admiral erzählt die Geschichte noch weiter

 

Nehmen wir nur den Admiral. Auf meinen Fotos sitzt er auf dem Sommerflieder und trinkt Nektar. Man könnte nun sagen: Der Sommerflieder ist gut für den Admiral. Aber damit hätten wir nur einen winzigen Ausschnitt seiner Lebensgeschichte gesehen.

Denn der Admiral braucht als Raupe etwas vollkommen anderes: vor allem die Brennnessel. Der prächtige schwarz-rot-weiße Falter auf der auffälligen violetten Blüte verdankt seine Existenz also möglicherweise einer Pflanze, die viele Menschen im Garten möglichst schnell entfernen würden.

Der Sommerflieder kann dem erwachsenen Falter Nahrung bieten. Die Brennnessel kann die nächste Generation ermöglichen. Und plötzlich wird aus zwei Pflanzen und einem Schmetterling ein Zusammenhang.

Genau darum geht es.

 

Deshalb werden aus den Schnellschüssen Artenporträts

 

Die Fotos von der Baustelle wollten wir deshalb nicht einfach im digitalen Bilderordner verschwinden lassen. Aus der zufälligen Begegnung haben wir inzwischen genauer hingeschaut.

Wir haben den Sommerflieder (Buddleja davidii) bestimmt und seine Herkunft, seine Lebensweise, seine Bedeutung für Insekten, aber auch seine problematische Ausbreitungsfähigkeit betrachtet. Wir haben uns die Mistbiene (Eristalis tenax) vorgenommen – eine Schwebfliege, die aussieht wie eine Biene, aber keine ist und deren sogenannte Rattenschwanzlarve ein vollkommen anderes Leben führt als das erwachsene Tier.

Wir haben die fotografierte Erdhummel dem Bombus-terrestris-Komplex zugeordnet und dabei gelernt, warum selbst ein gutes Foto nicht immer ausreicht, um eine Hummel zuverlässig bis zur Art zu bestimmen. Und wir haben den Admiral (Vanessa atalanta) betrachtet – einen Wanderfalter, dessen erwachsenes Leben ihn an Blüten führt, während seine Raupen vor allem auf Brennnesseln angewiesen sind.

Aus diesen Beobachtungen entstehen für unser Herbarium PLUS die wissenschaftlich orientierten Bildtafeln und die ausführlichen Arten-Fragebögen, die diesem Beitrag folgen. Die Fotografien zeigen dabei, was wir tatsächlich gesehen haben. Die Tafeln helfen beim Erkennen. Die Fragebögen gehen anschließend systematisch weiter: Wie lebt diese Art? Was braucht sie? Wovon ernährt sie sich? Wie pflanzt sie sich fort? Wo finden wir sie an der Mosel? Welche Rolle spielt sie im Ökosystem? Und bei einer Pflanze wie dem Sommerflieder eben auch: Was bedeutet es eigentlich, wenn wir sie „gebietsfremd“ nennen?

Deshalb werden wir dort einiges wieder aufgreifen und wesentlich vertiefen. Aber nicht jeder Leser wird anschließend jeden Fragebogen vollständig lesen. Die entscheidenden Zusammenhänge gehören deshalb auch in diese Geschichte. Die Fragebögen sollen sie vertiefen, nicht erst verständlich machen.

So wird aus einem Schnellschuss keine perfekte Naturfotografie. Aber vielleicht etwas Interessanteres: der Anfang einer Recherche.

 

Eine Baustelle wird zum kleinen Unterrichtsraum

 

Vielleicht gefällt mir deshalb im Nachhinein ausgerechnet der Fundort so gut. Keine sorgfältig gepflegte Naturschutzfläche, kein Lehrpfad, keine eigens angelegte Blumenwiese. Eine Baustelle. Ein Ort des Übergangs.

Offener Boden, Schotter, Störung – und mittendrin eine Pflanze, die genau mit solchen Standorten erstaunlich gut zurechtkommt. Der Sommerflieder ist eine Pionierpflanze. Gestörte, offene Flächen können ihm Möglichkeiten bieten, die er in einer geschlossenen Pflanzengesellschaft nicht hätte. Und wo er blüht, können Insekten seine Nektarquelle entdecken.

Das bedeutet wiederum nicht, dass eine Baustelle plötzlich ein wertvolles Ökosystem und der Sommerflieder dessen Retter wäre. Aber es bedeutet, dass selbst dort Beziehungen entstehen.

Man muss nur hinschauen.

 

Vielleicht ist genau das Naturerlebnisbegleitung

 

Ich wollte einkaufen gehen. Dann sah ich etwas im Augenwinkel, blieb stehen und fotografierte. Später wollten wir wissen, was wir da eigentlich gesehen hatten. Und schließlich wollten wir wissen, warum wir es gesehen hatten.

Vielleicht lässt sich die Wirkung von zwei Jahren Ausbildung zum Naturerlebnisbegleiter kaum besser beschreiben: nicht alles wissen, sondern anfangen, Fragen zu stellen. Nicht nur den Admiral sehen, sondern die Blüte. Nicht nur die Blüte sehen, sondern die Baustelle. Nicht nur „Sommerflieder“ sagen, sondern nach China, 1492 und dem Begriff Neophyt fragen. Nicht nur „invasiv“ lesen, sondern trotzdem wahrnehmen, dass dort gerade eine Hummel Nektar sammelt.

Und nicht nur über Insektensterben sprechen, sondern merken, wie sehr einem inzwischen dieses kleine Flattern im Augenwinkel fehlt, wenn es ausbleibt. Vielleicht macht genau das sensibler. Vielleicht manchmal sogar hypersensibel. Aber an diesem Tag machte es vor allem glücklich.

Da waren sie wieder: eine Schwebfliege, eine Hummel, ein Admiral. Mitten in Trier. Mitten auf einer Baustelle. Auf einer Pflanze, die eigentlich eine Fremde ist.

Und aus einem Einkauf wurde eine kleine Naturbeobachtung.

Es gibt viel zu entdecken. Vor allem Zusammenhänge.

Manchmal muss man dafür nicht einmal in die Weinberge fahren. Manchmal reicht es, auf dem Weg zum Einkaufen nicht einfach weiterzugehen.

 

 

 

Kurzvorstellung einer Pflanzenart an der Mosel: DER SOMMERFLIEDER

 

Name und wissenschaftliche Einordnung

Name: Sommerflieder, Gewöhnlicher Sommerflieder, auch Schmetterlingsstrauch

Lateinischer Name: Buddleja davidii Franch.

Familie: Braunwurzgewächse (Scrophulariaceae)

Der Sommerflieder ist ein sommergrüner, verholzender Strauch. Er stammt ursprünglich aus China und ist in Deutschland ein Neophyt. Neophyten sind Pflanzen, die erst nach 1492 durch den Einfluss des Menschen in ein Gebiet gelangt sind. In Deutschland gilt Buddleja davidii inzwischen als etabliert und weit verbreitet. Das Bundesamt für Naturschutz führt ihn in seiner aktuellen Bewertung als potenziell invasive Art auf der Handlungsliste.

 

Wie sieht der Sommerflieder aus?

Der Sommerflieder wächst als kräftiger Strauch und kann unter günstigen Bedingungen mehrere Meter hoch werden. Typisch sind seine langen, schmalen, zugespitzten Blätter. Die Blattoberseite ist grün, die Unterseite durch ihre Behaarung deutlich heller bis graufilzig.

Besonders auffällig sind die langen, dichten Blütenstände. Sie bestehen aus zahlreichen kleinen, meist violetten bis lilafarbenen Einzelblüten; je nach Sorte kommen auch rosa, rötliche oder weiße Blüten vor. Die kleinen Blüten besitzen eine lange Kronröhre und bieten Nektar.

Die Blütezeit liegt überwiegend im Sommer bis Frühherbst, ungefähr von Juli bis September; je nach Witterung und Standort kann sie darüber hinausreichen.

Nach der Blüte entstehen trockene Kapselfrüchte mit sehr zahlreichen kleinen Samen. Diese können verbreitet werden und ermöglichen dem Sommerflieder die schnelle Besiedlung offener Standorte.

Kann man den Sommerflieder essen oder nutzen?

Der Sommerflieder ist keine übliche Nahrungspflanze. Blüten, Blätter, Samen oder andere Pflanzenteile sollten deshalb nicht als Wildgemüse, Tee oder sonstiges Lebensmittel gesammelt und verzehrt werden.

Dass Inhaltsstoffe von Buddleja davidii wissenschaftlich beispielsweise hinsichtlich antioxidativer oder kosmetischer Anwendungen untersucht werden, bedeutet ausdrücklich nicht, dass die Pflanze für den eigenständigen Verzehr geeignet ist.

Eine „Erntezeit“ im Sinne einer essbaren Wildpflanze gibt es somit nicht.

 

Was ist beim Erkennen und Mitnehmen zu beachten?

Ein wichtiges Erkennungsmerkmal sind die langen, oft leicht überhängenden Blütenrispen mit vielen kleinen röhrenförmigen Einzelblüten. Hinzu kommen die länglichen, zugespitzten Blätter mit ihrer auffallend helleren Unterseite.

● Sommerflieder nicht mit dem Gewöhnlichen Flieder (Syringa vulgaris) gleichsetzen. Trotz des deutschen Namens sind beide botanisch unterschiedliche Pflanzen.

● Für die Bestimmung auf die Kombination aus Blütenrispe, kleinen röhrenförmigen Einzelblüten und länglichen, unterseits hellen Blättern achten.

● Pflanzenteile nicht als Lebensmittel sammeln.

● Bei wild wachsenden Beständen sollte außerdem bedacht werden, dass der Sommerflieder ein gebietsfremder und potenziell invasiver Neophyt ist.

 

Woher kommt der Sommerflieder?

Die natürliche Heimat von Buddleja davidii liegt in China. Die Pflanze wurde wegen ihrer auffälligen und duftenden Blüten als Zierstrauch nach Europa gebracht. Von Gärten und Anpflanzungen aus konnte sie verwildern und sich zunehmend in der freien Landschaft etablieren.

In Deutschland gilt sie heute als eingebürgerter Neophyt.

Eine wissenschaftlich belastbare Jahresangabe, seit wann genau der Sommerflieder erstmals an der Mosel verwildert vorkommt, lässt sich aus den von mir geprüften Quellen nicht seriös ableiten. Deshalb würde ich für unseren Fragebogen hier bewusst keine Jahreszahl nennen. Heute findet er entlang der Mosel jedenfalls geeignete anthropogen geprägte und offene Standorte.

 

Welche Böden und Standorte braucht der Sommerflieder?

Der Sommerflieder ist ausgesprochen anpassungsfähig. Gerade diese Eigenschaft unterstützt seine Ausbreitung.

● Er bevorzugt sonnige und warme Standorte.

● Er kommt mit eher trockenen Bedingungen gut zurecht.

● Er wächst auf durchlässigen, mineralischen und teilweise nährstoffarmen Substraten.

● Offene Rohböden, Schotter und andere gestörte Flächen bieten gute Keimbedingungen.

● Staunässe ist für ihn ungünstiger als ein gut durchlässiger Boden.

● Etablierte Pflanzen vertragen Trockenperioden vergleichsweise gut.

Das erklärt, warum der Sommerflieder so häufig auf Bahngelände, Brachen, Schuttplätzen, Mauern und anderen stark vom Menschen veränderten Flächen erscheint.

 

Welche Besonderheiten besitzt der Sommerflieder?

Der Sommerflieder ist mehrjährig und sommergrün. Im Winter verliert er seine Blätter, treibt aber im folgenden Jahr erneut aus.

Eine seiner auffälligsten Eigenschaften ist seine Fähigkeit, gestörte Standorte schnell zu besiedeln. Wo offene Bodenstellen entstehen und Konkurrenz durch andere Gehölze zunächst gering ist, können seine zahlreichen Samen günstige Bedingungen finden.

Er ist damit eine typische Pionierpflanze vieler vom Menschen geschaffener Standorte.

Seine große Samenproduktion und seine Fähigkeit zur spontanen Ausbreitung sind zugleich Gründe dafür, seine Entwicklung aus Naturschutzsicht aufmerksam zu beobachten.

 

Welche positiven Eigenschaften besitzt der Sommerflieder?

Für Menschen ist er vor allem ein lange blühender Zierstrauch.

Für zahlreiche erwachsene Insekten stellen seine Blüten während der Blütezeit eine gut erreichbare Nektarquelle dar. Gerade Schmetterlinge besuchen Sommerflieder häufig.

Das darf allerdings nicht mit der Aussage verwechselt werden, Sommerflieder sei deshalb grundsätzlich besonders wertvoll für die heimische Biodiversität. Nektarversorgung ist nur eine ökologische Funktion einer Pflanze. Heimische Pflanzen können zusätzlich als Nahrung für Raupen, Käfer und andere spezialisierte Pflanzenfresser sowie als Bestandteil gewachsener Lebensgemeinschaften wesentlich bedeutender sein.

 

Wo findet man Sommerflieder an Weinbergen und an der Mosel?

Im bewirtschafteten Weinberg selbst ist der Sommerflieder weniger charakteristisch als an dessen Rand- und Störstellen.

Besonders wahrscheinlich ist er:

● auf Weinbergsbrachen

● an trockenen Böschungen

● auf Schotterflächen

● an Mauern und Mauerfüßen

● an Wegrändern

● auf Bahngelände

● auf aufgelassenen oder gestörten Flächen

● auf Schuttplätzen

● auf Baustellen

 

Kann man Sommerflieder im eigenen Garten kultivieren?

Ja. Sommerflieder wird seit Langem als Zierstrauch kultiviert. Aus heutiger naturschutzfachlicher Sicht sollte seine Verwendung allerdings differenziert betrachtet werden.

Das BfN bewertet Buddleja davidii aktuell als potenziell invasiv und führt ihn auf der Handlungsliste. Er ist also nicht einfach ein gewöhnliches „Unkraut“, kann aber aus Gärten entkommen und sich auf geeigneten Flächen selbstständig etablieren.

Wer bereits Sommerflieder im Garten besitzt, kann insbesondere die Samenbildung begrenzen, indem verblühte Blütenstände rechtzeitig entfernt und sachgerecht entsorgt werden. Für naturnahe Neupflanzungen sind heimische Blütensträucher und Stauden häufig die ökologisch interessantere Wahl.

 

Welche Bedeutung hat der Sommerflieder für Insekten und andere Tiere?

Hier zeigt sich das interessante ökologische Doppelgesicht dieser Pflanze.

Die Blüten produzieren Nektar und werden von zahlreichen Insekten besucht. Besonders bekannt sind Schmetterlinge, weshalb der Name „Schmetterlingsstrauch“ entstand. Auch Hummeln, andere Bienen und Schwebfliegen können die Blüten nutzen.

An Ihrem beobachteten Sommerflieder konnten wir beispielsweise bereits Admiral, Erdhummel und eine Eristalis-Schwebfliege dokumentieren.

Entscheidend ist jedoch: Blütenbesuch allein misst nicht den gesamten ökologischen Wert einer Pflanzenart. Für viele heimische Insekten ist entscheidend, ob eine Pflanze auch als Larven- oder Raupennahrung dient. Der Admiral etwa trinkt als erwachsener Falter gerne Nektar am Sommerflieder; seine Raupen benötigen dagegen vor allem Brennnesseln.

Der Sommerflieder kann daher ein attraktiver Nektarplatz sein, ersetzt aber keine vielfältige Vegetation aus heimischen Pflanzen.

 

Welche ökonomische Funktion besitzt der Sommerflieder?

Seine wichtigste wirtschaftliche Bedeutung liegt im Gartenbau und Zierpflanzenhandel. Aufgrund seiner auffälligen Blütenstände, der langen Blütezeit und der zahlreichen Insektenbesuche ist er als Gartenstrauch populär.

Eine wesentliche land- oder forstwirtschaftliche Nutzfunktion besitzt Buddleja davidii in Mitteleuropa dagegen nicht.

Wo sich die Art unerwünscht auf Infrastruktur-, Bahn- oder Naturschutzflächen ausbreitet, kann ihre Kontrolle vielmehr zusätzlichen Pflegeaufwand verursachen.

 

Welche ökologische Funktion besitzt der Sommerflieder?

Auf offenen Störflächen kann Sommerflieder schnell Vegetation bilden und während seiner Blütezeit Nektar für verschiedene erwachsene Insekten bereitstellen.

Gleichzeitig liegt genau in seiner erfolgreichen Ausbreitung das ökologische Problem. Das Bundesamt für Naturschutz bewertet die Art als potenziell invasiv. In empfindlichen Lebensräumen kann ihre Ausbreitung aus Naturschutzsicht problematisch werden, wenn sie heimische Vegetation beeinflusst oder verdrängt.

Deshalb sollte man nicht in die einfache Gegenüberstellung „Sommerflieder gut“ oder „Sommerflieder schlecht“ verfallen. Wissenschaftlich interessanter ist die Unterscheidung:

Für einzelne erwachsene Insekten kann der Strauch eine ergiebige Nektarquelle sein. Für ein artenreiches heimisches Ökosystem ersetzt er jedoch nicht die Vielfalt einheimischer Pflanzen und ihrer über lange Zeit entstandenen Beziehungen zu Tieren, Pilzen und anderen Organismen.

 

Gibt es mythologische, religiöse oder esoterische Bedeutungen?

Für Buddleja davidii gibt es in Mitteleuropa keine vergleichbar alte volkskundliche, religiöse oder mythologische Tradition wie beispielsweise für Holunder, Eiche, Linde oder Johanniskraut. Das ist angesichts seiner ostasiatischen Herkunft und seiner relativ jungen Kulturgeschichte in Europa wenig überraschend.

Der heute verbreitete symbolische Bezug entsteht vielmehr durch seinen deutschen Namen „Schmetterlingsstrauch“. Dadurch wird er gelegentlich modern mit Schmetterlingen, Leichtigkeit, Verwandlung und Naturverbundenheit assoziiert. Solche Bedeutungen sind jedoch kulturelle oder esoterische Zuschreibungen und keine botanischen Eigenschaften.

 

 

Kurzvorstellung einer Insektenart an der Mosel: DIE MISTBIENE

 

Name und wissenschaftliche Einordnung

Name: Mistbiene, auch Scheinbienen-Keilfleckschwebfliege

Lateinischer Name: Eristalis tenax (Linnaeus, 1758)

Familie: Schwebfliegen (Syrphidae)

Ordnung: Zweiflügler (Diptera)

Die Mistbiene ist trotz ihres deutschen Namens keine Biene, sondern eine Schwebfliege. Sie gehört zu den auffälligsten bienenähnlichen Schwebfliegen. Der gedrungene, braun-schwarz und gelblich gezeichnete Körper kann auf den ersten Blick tatsächlich an eine Honigbiene erinnern.

 

Wie lebt die Mistbiene?

Mistbienen sind keine staatenbildenden Insekten. Sie besitzen weder ein gemeinsames Nest noch Arbeiterinnen oder eine Königin wie Honigbienen oder Hummeln. Die erwachsenen Tiere leben grundsätzlich einzeln.

Sie sind ausgezeichnete Flieger und können – wie andere Schwebfliegen – nahezu auf der Stelle in der Luft stehen und anschließend sehr schnell die Flugrichtung ändern.

Die Art besitzt außerdem ein erhebliches Ausbreitungsvermögen. Eristalis tenax ist eine sehr weit verbreitete und mobile Schwebfliege; Wanderbewegungen über größere Entfernungen kommen vor.

Die Larven leben dagegen in sehr feuchten bis flüssigen, organisch nährstoffreichen Lebensräumen. Bekannt sind sie als „Rattenschwanzlarven“, weil sie ein auffallend langes, teleskopartig ausziehbares Atemrohr besitzen.

 

Welche Sinnesorgane nutzt die Mistbiene?

Wie für ein fliegendes Insekt zu erwarten, spielt das Sehen eine herausragende Rolle.

● Die beiden sehr großen Facettenaugen ermöglichen eine ausgezeichnete Wahrnehmung von Bewegungen und der Umgebung.

● Zusätzlich besitzt sie drei kleine Punktaugen, sogenannte Ocelli, auf der Kopfoberseite. Diese unterstützen insbesondere die Wahrnehmung von Lichtverhältnissen und die Flugorientierung.

● Die kurzen Fühler besitzen Sinneszellen, die unter anderem chemische Reize wahrnehmen.

● Geschmacks- und Tastorgane befinden sich unter anderem an Mundwerkzeugen und Beinen.

● Bei der Nahrungssuche werden optische und chemische Signale von Blüten genutzt.

 

Wie unterscheiden sich Männchen und Weibchen?

Genau dieser Unterschied ist auf unserer wissenschaftlichen Bildtafel besonders sinnvoll darstellbar.

Männchen: Die großen Facettenaugen reichen auf der Oberseite des Kopfes bis zueinander und berühren sich.

Weibchen: Die Facettenaugen sind auf der Oberseite des Kopfes deutlich voneinander getrennt.

Die Körperlänge liegt ungefähr im Bereich von 14 bis 16 Millimetern, wobei Angaben je nach Quelle und Individuum etwas variieren können.

Beide Geschlechter zeigen die typische bienenähnliche braun-schwarz-gelbliche Färbung. Die Zeichnung des Hinterleibs kann jedoch individuell variieren und ist auch von Alter und anderen Faktoren abhängig.

Für die Geschlechtsbestimmung ist deshalb die Stellung der Augen wesentlich zuverlässiger als die Färbung.

 

Wie paaren und vermehren sich Mistbienen?

Männchen suchen nach Weibchen und können geeignete Bereiche beziehungsweise Flugräume zeitweise gegenüber anderen Männchen verteidigen.

Nach der Paarung suchen die Weibchen geeignete Stellen zur Eiablage. Die Eier werden in der Nähe organisch stark angereicherter, feuchter oder wasserführender Substrate abgelegt.

Daraus schlüpfen die charakteristischen Rattenschwanzlarven.

Ihre Lebensweise ist bemerkenswert: Die Larve kann in sehr sauerstoffarmen Flüssigkeiten leben, weil ihr langes Atemrohr bis zur Wasseroberfläche reicht. Sie selbst kann dadurch tiefer im Substrat bleiben und dennoch atmosphärische Luft aufnehmen.

Zur Verpuppung verlässt die ausgewachsene Larve normalerweise das Wasser beziehungsweise das sehr nasse Substrat und sucht einen trockeneren Bereich an Land auf. Genau deshalb haben wir unsere Mistbienen-Illustration entsprechend korrigiert.

 

Von der Geburt bis zum erwachsenen Tier

Bei Insekten spricht man normalerweise nicht von „Geburt“. Der Entwicklungszyklus beginnt mit dem Ei.

● Ei

● Rattenschwanzlarve

● Puppe

● erwachsene Mistbiene

Eristalis tenax durchläuft damit eine vollständige Metamorphose.

Eine allgemeingültige Zahl von Eiablage bis Geschlechtsreife lässt sich für Freilandtiere nicht seriös angeben, weil die Entwicklung stark von Temperatur, Nahrungsangebot und Umweltbedingungen abhängt. Unter günstigen Bedingungen kann eine Generation innerhalb weniger Wochen ihre Entwicklung durchlaufen.

Auch Angaben zu einem absoluten „Höchstalter“ erwachsener Mistbienen sollten nicht mit der Präzision einer Wirbeltier-Lebenserwartung behandelt werden. Erwachsene Tiere leben typischerweise wesentlich kürzer als ein Jahr; bei überwinternden Weibchen kann die Lebensdauer entsprechend verlängert sein.

 

Wie sieht der Jahresablauf aus?

In Mitteleuropa können Mistbienen über einen großen Teil der Vegetationsperiode beobachtet werden. Mehrere Generationen pro Jahr sind möglich.

● Im Frühjahr erscheinen beziehungsweise werden überwinternde erwachsene Tiere wieder aktiv.

● Weibchen legen Eier an geeigneten Larvenhabitaten ab.

● Daraus entwickeln sich Rattenschwanzlarven.

● Die ausgewachsenen Larven verlassen zur Verpuppung das Wasser oder nasse Substrat.

● Aus den Puppen schlüpfen neue erwachsene Mistbienen.

● Im Sommer und Herbst können weitere Generationen folgen.

● Vor allem Weibchen können als erwachsene Tiere überwintern.

Die tatsächlichen Zeitpunkte verschieben sich mit Region und Witterung.

Was frisst eine Mistbiene?

Auch hier müssen Larve und erwachsenes Tier streng unterschieden werden.

Erwachsene Mistbienen:

● Nektar

● Pollen

Sie besuchen dafür zahlreiche unterschiedliche Blütenpflanzen. Dadurch können sie beim Blütenbesuch Pollen übertragen.

Rattenschwanzlarven:

Sie leben von organischem Material beziehungsweise den darin vorhandenen Mikroorganismen und feinen organischen Partikeln, die sie aus dem umgebenden Medium aufnehmen.

Die Larve ist damit ökologisch etwas vollkommen anderes als die erwachsene blütenbesuchende Schwebfliege.

 

Wo kommt die Mistbiene vor?

Eristalis tenax besitzt eine außergewöhnlich große Verbreitung und kommt in weiten Teilen Europas sowie in zahlreichen weiteren Regionen der Erde vor.

In Deutschland ist sie weit verbreitet. In der bundesweiten Roten Liste der Schwebfliegen wird Eristalis tenax als ungefährdet geführt.

Damit ist sie grundsätzlich auch in Rheinland-Pfalz und im Moselraum zu erwarten. Geeignete Kombinationen aus blütenreichen Flächen für die erwachsenen Tiere und feuchten, organisch angereicherten Entwicklungsgewässern für die Larven fördern ihr Auftreten.

 

Besitzt die Mistbiene ein Revier?

Ein dauerhaftes Revier wie bei vielen Wirbeltieren besitzt sie nicht.

Männchen können jedoch zeitweilig kleine Flug- oder Aufenthaltsbereiche besetzen und gegenüber anderen Männchen verteidigen. Von solchen Positionen aus können sie nach vorbeifliegenden Weibchen Ausschau halten.

Weibchen bewegen sich stärker zwischen Nahrungsplätzen und geeigneten Stellen für die Eiablage.

Man sollte deshalb eher von temporärem Territorialverhalten der Männchen als von einem festen Revier sprechen.

 

Wie tarnt und verteidigt sich die Mistbiene?

Hier besitzt die Mistbiene eine ihrer faszinierendsten Eigenschaften.

Sie ähnelt einer Biene. Dieses Phänomen wird als Bates’sche Mimikry bezeichnet: Ein grundsätzlich wehrloses Tier ähnelt einem Tier, das sich wirksam verteidigen kann.

Die Mistbiene besitzt keinen Giftstachel und kann nicht wie eine Honigbiene oder Wespe stechen.

Ihre bienenähnliche Gestalt kann jedoch dazu beitragen, potenzielle Fressfeinde abzuschrecken.

Hinzu kommt ihre ausgezeichnete Flugfähigkeit. Schnelle Richtungsänderungen und Beschleunigungen sind eine weitere Möglichkeit, Gefahren zu entkommen.

 

Ist die Mistbiene gefährdet?

In Deutschland gilt Eristalis tenax derzeit als ungefährdet. Das unterscheidet sie von verschiedenen anderen Schwebfliegenarten, die teilweise stark gefährdet oder sogar vom Aussterben bedroht sind.

Das bedeutet jedoch nicht, dass ihre Lebensräume bedeutungslos wären.

● Der Verlust blütenreicher Flächen reduziert das Nahrungsangebot der erwachsenen Tiere.

● Intensive Flächenpflege kann Blütenangebote verringern.

● Pestizide können Insekten direkt oder indirekt beeinträchtigen.

● Das Verschwinden geeigneter Feuchtlebensräume kann die Larvalentwicklung einschränken.

Natürliche Feinde sind unter anderem räuberische Insekten, Spinnen und insektenfressende Vögel; auch Parasitoide und Krankheitserreger können eine Rolle spielen.

 

Welche Bedeutung hat die Mistbiene für die Natur?

Die erwachsenen Tiere gehören zu den Blütenbesuchern und Bestäubern. Beim Wechsel zwischen Blüten können sie Pollen transportieren und damit zur Bestäubung verschiedener Pflanzen beitragen. Dass Eristalis tenax als Blütenbesucher dokumentiert ist, ist auch aus Bestäuberuntersuchungen bekannt.

Die Larven erfüllen eine völlig andere Funktion. Sie verwerten Mikroorganismen und organisches Material in ihren feuchten Entwicklungslebensräumen und sind damit Teil der dortigen Zersetzungs- und Stoffkreisläufe.

Außerdem sind Mistbienen selbst Bestandteil von Nahrungsnetzen und dienen anderen Tieren als Beute.

 

Wo finde ich Mistbienen an den Moselweinbergen?

Besonders interessant sind nicht die intensiv bearbeiteten Rebflächen allein, sondern Übergangsräume.

● blütenreiche Weinbergsränder

● Weinbergsbrachen

● Böschungen

● blütenreiche Wegränder

● Gärten zwischen Weinbergen und Siedlungen

● Gewässerränder

● Gräben und andere feuchte Bereiche

● Flächen mit Sommerflieder und anderen nektarreichen Pflanzen

Gerade das Zusammenspiel verschiedener Kleinlebensräume ist wichtig: Das erwachsene Tier benötigt Blüten, während die Larve ganz andere Entwicklungsbedingungen benötigt.

 

Kommt die Mistbiene auch im Garten vor?

Ja, sehr häufig.

Ein Garten mit einem kontinuierlichen Angebot unterschiedlicher Blüten kann erwachsene Mistbienen anziehen.

Geeignet sind insbesondere offene, gut erreichbare Blüten, an denen Nektar und Pollen aufgenommen werden können. Ein Garten muss dabei keineswegs „verwildert“ sein. Entscheidend ist vielmehr ein vielfältiges Blütenangebot ohne unnötigen Einsatz von Insektiziden.

Wer eine Mistbiene im Garten sieht, muss sich vor einem Stich nicht fürchten: Als Schwebfliege besitzt sie keinen Stachel.

 

Welche ökonomische Funktion besitzt die Mistbiene?

Ihre wirtschaftliche Bedeutung liegt vor allem in ihrer Rolle als Bestäuber.

Schwebfliegen werden in der Bestäubungsforschung zunehmend als wichtige Ergänzung zu Bienen betrachtet. Die Mistbiene ist aufgrund ihrer weiten Verbreitung, ihrer Mobilität und ihrer häufigen Blütenbesuche hierfür besonders interessant.

Eine weitere Besonderheit ist, dass Eristalis tenax auch wissenschaftlich als Modellorganismus für Fragen zu Flugverhalten, Sinnesphysiologie, Migration und Bestäubung untersucht wird.

Eine unmittelbare wirtschaftliche Nutzung wie bei der Honigbiene – etwa Honig oder Wachs – gibt es dagegen nicht.

 

Welche ökologische Funktion besitzt die Mistbiene?

Die Art verbindet in ihrem Lebenszyklus zwei sehr unterschiedliche ökologische Welten.

Als erwachsene Schwebfliege:

● besucht sie Blüten,

● nimmt sie Nektar und Pollen auf,

● kann sie Pflanzen bestäuben,

● dient sie anderen Tieren als Nahrung.

Als Larve:

● lebt sie in feuchten bis flüssigen, organisch angereicherten Lebensräumen,

● ernährt sie sich von Mikroorganismen und organischen Partikeln,

● beteiligt sie sich damit an Stoffabbau und Stoffkreisläufen.

Gerade diese Verwandlung von der aquatisch beziehungsweise semiaquatisch lebenden Rattenschwanzlarve zur fliegenden Blütenbesucherin macht Eristalis tenax ökologisch besonders interessant.

 

Gibt es mythologische, religiöse oder esoterische Bedeutungen?

Für die Mistbiene selbst ist keine bedeutende traditionelle mitteleuropäische Mythologie oder religiöse Symbolik bekannt.

Das ist wichtig, weil ihre äußerliche Ähnlichkeit mit der Honigbiene leicht dazu verleitet, die umfangreiche Bienensymbolik auf sie zu übertragen. Wissenschaftlich und kulturgeschichtlich sollte man das vermeiden: Die Mistbiene ist keine Biene.

Eine moderne symbolische Deutung ließe sich allenfalls aus ihrer Mimikry ableiten – Schein und Wirklichkeit, Ähnlichkeit und Unterschied oder Anpassung. Das wäre jedoch eine heutige Interpretation und keine überlieferte mythologische Bedeutung.

 

 

Kurzvorstellung einer Insektenart an der Mosel: DIE ERDHUMMEL

 

Name und wissenschaftliche Einordnung

Name: Erdhummel, Bombus-terrestris-Komplex

Wissenschaftliche Einordnung: Gattung Bombus, Familie Apidae (Echte Bienen), Ordnung Hymenoptera (Hautflügler)

Zum Bombus-terrestris-Komplex werden in Mitteleuropa mehrere sehr ähnliche Erdhummelarten gerechnet, insbesondere:

● Dunkle Erdhummel – Bombus terrestris

● Helle Erdhummel – Bombus lucorum

● Kryptarum-Erdhummel – Bombus cryptarum

● Große Erdhummel – Bombus magnus

Gerade Arbeiterinnen dieser Arten können äußerlich so ähnlich sein, dass eine zuverlässige Bestimmung anhand eines Fotos häufig nicht möglich ist. Deshalb sollte unser beobachtetes Tier nicht ohne weitere Untersuchung einfach als Bombus terrestris bezeichnet werden.

Typisch für den Komplex ist grundsätzlich ein überwiegend schwarzer Körper mit einer gelben Binde am Vorderkörper, einer weiteren gelben Binde am Hinterleib sowie einem hellen bis weißen Hinterleibsende.

 

Wie leben Erdhummeln?

Anders als die einzeln lebende Mistbiene sind Erdhummeln staatenbildende Insekten.

Allerdings besteht ein Hummelvolk nur für eine Saison. Lediglich die im Spätsommer oder Herbst begatteten Jungköniginnen überleben normalerweise den Winter.

Im Frühjahr erwacht eine Königin aus der Winterruhe. Sie sucht zunächst Nahrung und anschließend einen geeigneten Platz für ihr Nest. Erdhummeln bevorzugen häufig unterirdische Hohlräume, beispielsweise verlassene Mäuse- oder andere Kleinsäugerbauten.

Die Königin gründet ihr Volk zunächst allein. Erst wenn die ersten Arbeiterinnen geschlüpft sind, übernehmen diese zunehmend Nahrungssuche und Versorgung des Nachwuchses.

Ein Volk der Dunklen Erdhummel kann unter günstigen Bedingungen mehrere Hundert Individuen umfassen.

 

Welche Sinnesorgane nutzen Erdhummeln?

Hummeln verfügen über hoch entwickelte Sinnesleistungen, die insbesondere für Orientierung, Blütenerkennung und Kommunikation wichtig sind.

● Zwei große Facettenaugen dienen der visuellen Orientierung und Bewegungserkennung.

● Drei kleine Punktaugen – Ocelli – auf dem Kopf unterstützen die Wahrnehmung von Licht und Orientierung.

● Hummeln können Farben wahrnehmen und auch Bereiche des ultravioletten Lichts erkennen, die für Menschen unsichtbar sind. Viele Blüten besitzen entsprechende UV-Muster.

● Die Fühler dienen unter anderem dem Geruchs-, Tast- und Geschmackssinn.

● Sinneszellen an Beinen und anderen Körperteilen nehmen Berührung und Vibrationen wahr.

● Hummeln können zudem elektrische Eigenschaften von Blüten wahrnehmen. Blütenbesuche verändern deren elektrische Felder; solche Informationen können bei der Nahrungssuche genutzt werden.

 

Wie unterscheiden sich Königin, Arbeiterin und Männchen?

Bei Hummeln reicht die einfache Unterscheidung „Männchen – Weibchen“ nicht aus. Ein Hummelvolk besitzt Königinnen, Arbeiterinnen und Männchen. Königin und Arbeiterinnen sind weiblich.

Die Größenangaben unterscheiden sich etwas zwischen den Arten des Komplexes und zwischen Quellen. Für Bombus terrestris kann man ungefähr folgende Größenordnung ansetzen:

Königin: etwa 20–23 mm, kräftig gebaut und deutlich größer als die meisten Arbeiterinnen.

Arbeiterinnen: etwa 11–17 mm, wobei innerhalb eines einzigen Volkes erhebliche Größenunterschiede auftreten können.

Männchen: etwa 14–16 mm, meist etwas schlanker beziehungsweise anders proportioniert als die Königin.

Männchen besitzen längere Fühler als die Weibchen. Arbeiterinnen und Königinnen besitzen an den Hinterbeinen die für das Pollensammeln ausgebildete Corbicula – das sogenannte Pollenkörbchen. Männchen sammeln keinen Pollen zur Versorgung eines Volkes und besitzen diese Sammelstruktur nicht in derselben Form.

Die Farbzeichnung allein ist für eine sichere Geschlechts- oder Artbestimmung nicht ausreichend.

 

Wie erfolgt Paarung und Fortpflanzung?

Im Frühjahr beginnt alles mit einer einzigen überwinterten Königin.

Sie legt nach der Nestgründung Eier. Aus den ersten weiblichen Eiern entwickeln sich Arbeiterinnen. Diese übernehmen anschließend einen großen Teil der Versorgung des Volkes.

Später im Jahr verändert sich die Produktion des Volkes: Es entstehen Männchen und neue Königinnen.

Die Geschlechtsbestimmung erfolgt bei Hummeln wie bei anderen Hautflüglern grundsätzlich über das sogenannte haplodiploide System:

● Aus befruchteten Eiern entstehen Weibchen – Arbeiterinnen oder Königinnen.

● Aus unbefruchteten Eiern entstehen normalerweise Männchen.

Jungköniginnen und Männchen verlassen das Nest und paaren sich. Nach erfolgreicher Paarung sucht die Jungkönigin einen geeigneten Überwinterungsplatz.

Das alte Volk löst sich auf. Arbeiterinnen, Männchen und normalerweise auch die alte Königin sterben.

Nur die begattete Jungkönigin trägt das Volk gewissermaßen in das nächste Jahr.

Vom Ei bis zur erwachsenen Hummel

Hummeln durchlaufen eine vollständige Metamorphose:

● Ei

● Larve

● Puppe

● erwachsene Hummel

Die Entwicklung vom Ei zum erwachsenen Tier dauert abhängig von Kaste, Temperatur, Nahrungsversorgung und anderen Bedingungen mehrere Wochen. Bei Arbeiterinnen von Bombus terrestris liegt sie unter günstigen Bedingungen ungefähr in einer Größenordnung von drei bis fünf Wochen.

Eine Arbeiterin lebt anschließend typischerweise nur einige Wochen.

Bei Königinnen sieht es völlig anders aus: Eine im Sommer entstandene Jungkönigin kann überwintern und im folgenden Frühjahr selbst ein Volk gründen. Ihre gesamte Lebensspanne kann dadurch ungefähr ein Jahr erreichen.

Eine einzelne pauschale Angabe zum „Höchstalter der Erdhummel“ wäre deshalb irreführend.

 

Wie sieht das Hummeljahr aus?

Der Jahreszyklus ist eines der interessantesten Merkmale der Erdhummeln.

Frühjahr:
Die überwinterte Königin wird aktiv, nimmt Nahrung auf und sucht einen Nistplatz.

Frühjahr bis Frühsommer:
Nestgründung, Eiablage und Aufzucht der ersten Arbeiterinnen.

Sommer:
Die Zahl der Arbeiterinnen nimmt zu. Das Volk wächst stark. Arbeiterinnen sammeln Nektar und Pollen.

Spätsommer:
Das Volk produziert zunehmend Männchen und neue Königinnen.

Spätsommer bis Herbst:
Jungköniginnen und Männchen paaren sich.

Herbst:
Das alte Volk stirbt.

Winter:
Die begattete Jungkönigin überwintert allein.

Im nächsten Frühjahr beginnt der Kreislauf von Neuem.

 

Was fressen Erdhummeln?

Erwachsene Hummeln und ihre Brut sind auf Blütenressourcen angewiesen.

● Nektar liefert vor allem Kohlenhydrate und damit Energie.

● Pollen liefert insbesondere Proteine, Fette und weitere Nährstoffe und ist für die Versorgung der Larven von zentraler Bedeutung.

Erdhummeln sind keine hoch spezialisierten Blütenbesucher. Sie können zahlreiche Pflanzenarten nutzen.

Ihre relativ kurze Rüssellänge beeinflusst allerdings, welche Blüten besonders leicht zugänglich sind. Bei tiefen Blüten können Erdhummeln gelegentlich Nektarraub betreiben: Sie beißen seitlich ein Loch in die Blütenröhre und gelangen so an den Nektar, ohne den normalen Zugang durch die Blüte zu benutzen.

 

Wo kommen Erdhummeln vor?

Die Arten des Bombus-terrestris-Komplexes sind in Europa weit verbreitet, ihre jeweiligen Verbreitungsschwerpunkte unterscheiden sich jedoch.

Für unsere Beobachtung in Rheinland-Pfalz und an der Mosel ist wichtig: Erdhummeln sind grundsätzlich in der Region zu erwarten und besiedeln sowohl naturnahe als auch stark vom Menschen geprägte Landschaften.

Dazu gehören:

● Wiesen

● Waldränder

● Böschungen

● Weinbergslandschaften

● Brachen

● Parks

● Gärten

● Siedlungsbereiche

● landwirtschaftlich genutzte Landschaften

Die Dunkle Erdhummel (Bombus terrestris) und die Helle Erdhummel (Bombus lucorum) werden in der bundesweiten Roten Liste derzeit als ungefährdet geführt. Bei Bombus cryptarum und Bombus magnus ist die Datenlage dagegen unzureichend.

 

Besitzen Erdhummeln ein Revier?

Ein Hummelvolk besitzt ein Nest, aber kein scharf abgegrenztes Nahrungsrevier im Sinne eines Wirbeltierterritoriums.

Arbeiterinnen unternehmen vom Nest aus Sammelflüge zu ergiebigen Blütenbeständen. Dabei können sie beträchtliche Entfernungen zurücklegen.

Sie lernen die Landschaft und lohnende Nahrungsplätze kennen und können wiederholt dieselben Bereiche und sogar effiziente Flugrouten zwischen Blütenbeständen nutzen.

Männchen zeigen eine andere Strategie. Sie verlassen das Nest und suchen nach Jungköniginnen. Dabei können sie artspezifische Such- und Patrouillenflüge ausführen und Duftmarkierungen einsetzen.

 

Wie verteidigen sich Erdhummeln?

Die schwarz-gelbe Zeichnung ist eine Warnfärbung. Sie signalisiert möglichen Angreifern, dass das Tier wehrhaft sein kann.

Weibliche Hummeln – Königinnen und Arbeiterinnen – besitzen einen Stachel und Giftdrüsen.

Anders als die Honigbiene besitzt eine Hummel keinen für Wirbeltierhaut typischen Widerhakenapparat, der zwangsläufig zum Verlust des Stachels führt. Eine Hummel kann deshalb grundsätzlich mehrfach stechen.

Männchen besitzen keinen Stachel.

Erdhummeln sind gegenüber Menschen normalerweise nicht aggressiv. Besonders in unmittelbarer Nestnähe können sie sich jedoch verteidigen, wenn sie sich bedroht fühlen.

 

Welche Gefahren bestehen für Erdhummeln?

Hier müssen wir zwischen dem häufigen Bombus terrestris und dem gesamten Erdhummel-Komplex unterscheiden.

Bombus terrestris gilt nach der derzeit zugrunde gelegten bundesweiten Roten Liste als ungefährdet. Dasselbe gilt für Bombus lucorum. Für B. cryptarum und B. magnus reichen die Daten für eine entsprechende Gefährdungsbewertung nicht aus.

Auch häufige Hummeln sind jedoch von Veränderungen ihrer Lebensräume abhängig.

● Verlust blütenreicher Wiesen und Säume

● häufiges oder zu frühes Mähen

● Beseitigung von Brachen

● Verlust geeigneter Nistplätze

● intensive Landwirtschaft und monotone Landschaften

● Pestizide

● längere Perioden mit wenig Blütenangebot

● extreme Hitze und Trockenheit

● Krankheitserreger und Parasiten

Zu den natürlichen Feinden beziehungsweise Gegenspielern gehören unter anderem Vögel, Spinnen, räuberische Insekten und verschiedene Parasiten und Parasitoide.

 

Welche Bedeutung haben Erdhummeln für andere Tiere und Pflanzen?

Ihre herausragende Funktion ist die Bestäubung.

Erdhummeln transportieren beim Blütenbesuch Pollen zwischen Pflanzen und tragen dadurch zur sexuellen Fortpflanzung zahlreicher Wild- und Kulturpflanzen bei.

Eine besondere Fähigkeit vieler Hummeln ist die Vibrationsbestäubung oder „Buzz Pollination“. Dabei versetzt die Hummel durch ihre Flugmuskulatur die Blüte in Schwingungen, sodass Pollen freigesetzt wird.

Gleichzeitig sind Hummeln selbst Bestandteil von Nahrungsnetzen und stehen in vielfältigen Beziehungen zu Parasiten, Räubern und anderen Organismen.

 

Wo finde ich Erdhummeln an den Moselweinbergen?

Die strukturreiche Mosellandschaft bietet zahlreiche mögliche Beobachtungsplätze.

● blütenreiche Weinbergsränder

● Böschungen

● Trockenmauern und deren Umfeld

● Weinbergsbrachen

● Wegsäume

● Wiesen zwischen oder oberhalb der Weinberge

● Gärten am Rand der Weinorte

● Gebüsche und Waldränder

● Flächen mit kontinuierlichem Blütenangebot

Für die Nestgründung sind Bereiche interessant, in denen geeignete unterirdische Hohlräume, etwa alte Kleinsäugerbaue, vorhanden sind.

Und auch hier liefert Ihre Baustellenbeobachtung ein schönes Beispiel: Eine Erdhummel aus dem

 

Kommen Erdhummeln auch in meinem Garten vor?

Ja – ausgesprochen häufig.

Gärten können für Erdhummeln sowohl Nahrungsraum als auch gelegentlich Nistplatz sein.

Besonders hilfreich ist ein möglichst durchgängiges Blütenangebot vom zeitigen Frühjahr bis in den Herbst. Gerade im Frühjahr ist Nahrung wichtig, weil frisch erwachte Königinnen gleichzeitig Energie benötigen und einen geeigneten Nistplatz suchen.

Ein Garten wird für Hummeln wertvoller, wenn nicht jede Ecke intensiv gepflegt wird und unterschiedliche heimische Blütenpflanzen vorhanden sind.

 

Welche ökonomische Funktion besitzen Erdhummeln?

Erdhummeln haben eine erhebliche wirtschaftliche Bedeutung als Bestäuber von Kulturpflanzen.

Besonders Bombus terrestris wird kommerziell gezüchtet und weltweit zur Bestäubung eingesetzt, insbesondere im geschützten Anbau.

Ein bekanntes Beispiel sind Tomaten. Ihre Blüten profitieren von der Vibrationsbestäubung durch Hummeln. Dadurch können Hummeln im Gewächshaus die arbeitsintensive künstliche Bestäubung ersetzen oder ergänzen.

Die ökonomische Leistung einer Hummel besteht deshalb nicht in einem Produkt wie Honig oder Wachs, sondern vor allem in ihrer Bestäubungsleistung.

 

Welche ökologische Funktion besitzen Erdhummeln?

Erdhummeln verbinden zahlreiche Pflanzenarten miteinander.

● Sie bestäuben Wildpflanzen.

● Sie bestäuben Kulturpflanzen.

● Sie ermöglichen beziehungsweise verbessern Samen- und Fruchtbildung.

● Sie transportieren Pollen über größere Entfernungen.

● Sie sind selbst Teil von Nahrungsnetzen.

● Ihre Nester schaffen kleinräumige biologische Gemeinschaften, in denen auch andere Organismen leben können.

Besonders bedeutsam ist ihre Fähigkeit, bereits bei vergleichsweise niedrigen Temperaturen aktiv zu sein. Durch ihre kräftige Flugmuskulatur und Thermoregulation können Hummeln ihre Körpertemperatur teilweise selbst erhöhen. Dadurch können sie zu Zeiten fliegen, in denen viele andere Insekten noch wenig aktiv sind.

 

Gibt es mythologische, religiöse oder esoterische Bedeutungen?

Eine spezifische, historisch klar belegte Mythologie gerade des Erdhummel-Komplexes ist nicht bekannt.

Hummeln wurden in der europäischen Kulturgeschichte lange weniger stark symbolisch herausgestellt als Honigbienen. Viele religiöse und mythologische Vorstellungen über „Bienen“ beziehen sich ausdrücklich oder wahrscheinlich auf die Honigbiene und sollten nicht nachträglich auf Hummeln übertragen werden.

In moderner Symbolik wird die Hummel gelegentlich mit Fleiß, Gemeinschaft, Beharrlichkeit oder dem scheinbar Unmöglichen verbunden. Besonders populär ist die Behauptung, die Hummel könne „nach den Gesetzen der Aerodynamik eigentlich nicht fliegen“. Das ist jedoch ein Mythos und wissenschaftlich falsch. Ihr Flug ist aerodynamisch gut erklärbar.

 

 

Kurzvorstellung einer Insektenart an der Mosel: DER ADMIRAL

 

Name und wissenschaftliche Einordnung

Name: Admiral

Lateinischer Name: Vanessa atalanta (Linnaeus, 1758)

Familie: Edelfalter (Nymphalidae)

Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)

Der Admiral gehört zu den bekanntesten und am leichtesten erkennbaren Tagfaltern Mitteleuropas. Seine Flügel besitzen eine dunkelbraune bis nahezu schwarze Grundfarbe. Auf den Vorderflügeln verläuft eine auffällige orange- bis rote Binde; die Flügelspitzen tragen markante weiße Flecken. Die Hinterflügel besitzen einen orange-roten Saum mit dunklen Flecken.

Die Flügelspannweite beträgt ungefähr 50 bis 60 Millimeter.

 

Wie lebt der Admiral?

Der Admiral lebt überwiegend einzelgängerisch. Er bildet weder Staaten noch dauerhafte soziale Gruppen.

Er ist ein sehr guter und ausdauernder Flieger. Besonders bemerkenswert sind seine Wanderbewegungen. Admirale können über große Entfernungen ziehen und dabei auch Gebirge und andere Landschaftsbarrieren überwinden.

In Europa finden saisonale Wanderungen zwischen unterschiedlichen Regionen statt. Ein Teil der Population bewegt sich im Frühjahr beziehungsweise Frühsommer nach Norden; im späteren Jahresverlauf können Tiere wieder südwärts ziehen.

Der Admiral ist deshalb nicht mit einem Falter gleichzusetzen, der sein gesamtes Leben auf derselben Wiese verbringt.

Gleichzeitig können heute auch erwachsene Admirale in Mitteleuropa überwintern. Die Verhältnisse sind damit komplexer als die alte vereinfachte Vorstellung: „Im Herbst fliegen alle Admirale in den Süden.“

 

Welche Sinnesorgane nutzt der Admiral?

Der Admiral verfügt über hoch entwickelte Sinnesorgane.

● Seine großen Facettenaugen ermöglichen eine gute Wahrnehmung von Farben, Formen und Bewegungen.

● Schmetterlinge können auch Bereiche des ultravioletten Lichts wahrnehmen, die für Menschen unsichtbar sind.

● Die Fühler sind wichtige Geruchs- und Orientierungsorgane. An ihren Enden besitzen Tagfalter die charakteristischen Verdickungen.

● An den Beinen befinden sich Chemorezeptoren. Schmetterlinge können damit gewissermaßen „mit den Füßen schmecken“.

● Besonders für Weibchen ist dies wichtig, wenn sie eine geeignete Pflanze für die Eiablage prüfen.

● Auch der Saugrüssel besitzt Sinneszellen, die bei der Auswahl von Nahrung eine Rolle spielen.

 

Wie unterscheiden sich Weibchen und Männchen?

Genau hier unterscheidet sich der Admiral deutlich von unserer Erdhummel und der Mistbiene:

Männchen und Weibchen sehen sich beim Admiral äußerlich sehr ähnlich.

Es gibt keinen auffälligen Geschlechtsdimorphismus, der eine einfache Unterscheidung im Gelände erlauben würde. Die Flügelzeichnung allein liefert normalerweise keine sichere Bestimmung des Geschlechts.

Beide Geschlechter besitzen ungefähr die gleiche charakteristische Grundzeichnung und eine Flügelspannweite von etwa 5 bis 6 Zentimetern.

Männchen können im Durchschnitt etwas kleiner beziehungsweise anders proportioniert sein als Weibchen, die Größenbereiche überschneiden sich jedoch stark. Die Größe eignet sich deshalb nicht zur sicheren Geschlechtsbestimmung.

Für eine zuverlässige wissenschaftliche Geschlechtsbestimmung können feinere anatomische Merkmale, insbesondere am Hinterleibsende, erforderlich sein.

Genau deshalb haben wir bei unserer Bildtafel bewusst keine künstliche Gegenüberstellung „Männchen – Weibchen“ vorgenommen.

 

Wie erfolgt Paarung und Fortpflanzung?

Männliche Admirale können geeignete Bereiche besetzen, von denen aus sie nach vorbeifliegenden Weibchen Ausschau halten. Paarungsbereite Tiere finden sich schließlich zur Kopulation.

Nach erfolgreicher Paarung sucht das Weibchen geeignete Raupennahrungspflanzen.

Von besonderer Bedeutung ist die Große Brennnessel (Urtica dioica).

Die Eier werden normalerweise einzeln an geeigneten Blättern abgelegt.

Aus dem Ei schlüpft eine Raupe. Diese baut sich häufig aus einem zusammengesponnenen beziehungsweise eingerollten Brennnesselblatt einen auffälligen Schutzraum.

Nach mehreren Raupenstadien erfolgt die Verpuppung. Die Puppe hängt frei an ihrem Befestigungspunkt.

Schließlich schlüpft der erwachsene Admiral.

 

Vom Ei zum Schmetterling

Der Admiral durchläuft eine vollständige Metamorphose:

● Ei

● Raupe

● Puppe

● erwachsener Falter

Unter günstigen sommerlichen Bedingungen kann die Entwicklung vom Ei zum Falter innerhalb weniger Wochen erfolgen. Die tatsächliche Dauer hängt stark von Temperatur und Umweltbedingungen ab.

Eine pauschale Angabe „Geschlechtsreife nach X Tagen“ ist für einen Freiland-Wanderfalter wenig sinnvoll. Nach dem Schlupf benötigen die Tiere zunächst Zeit zur vollständigen Ausreifung; Fortpflanzungsbereitschaft und Wanderverhalten werden zusätzlich durch Umweltbedingungen beeinflusst.

Auch beim „Höchstalter“ sollte man vorsichtig sein. Ein erwachsener Admiral kann mehrere Wochen bis mehrere Monate leben. Überwinternde Falter können entsprechend deutlich länger als reine Sommergenerationen leben.

 

Wie sieht das Jahr des Admirals aus?

Einen völlig starren Jahreskalender gibt es beim Admiral nicht. Wanderungen, mehrere Generationen und Überwinterung überlagern sich.

Vereinfacht kann man für Mitteleuropa sagen:

Frühjahr:
Überwinternde Falter werden wieder aktiv; zusätzlich können Tiere aus südlicheren Regionen einwandern.

Frühjahr und Sommer:
Paarung und Eiablage an Brennnesseln. Raupen und Puppen entwickeln sich.

Sommer:
Neue Faltergenerationen erscheinen. Der Admiral kann jetzt vielerorts beobachtet werden.

Spätsommer und Herbst:
Die Falter besuchen intensiv nektarreiche Blüten und später auch überreifes beziehungsweise gärendes Obst. Gleichzeitig finden großräumige Wanderbewegungen statt.

Herbst und Winter:
Ein Teil der Tiere wandert in wärmere Regionen. Andere können in geschützten Bereichen Mitteleuropas als erwachsene Falter überwintern.

Der Admiral besitzt damit einen flexiblen Jahreszyklus, der stark von Witterung und geographischer Lage beeinflusst wird.

 

Was frisst der Admiral?

Hier müssen wir – wie bei der Mistbiene – zwischen Jugendstadium und erwachsenem Tier unterscheiden.

Raupe:

● vor allem Große Brennnessel (Urtica dioica)

● daneben können weitere Arten der Brennnesselgewächse genutzt werden

Die Brennnessel ist deshalb für die Fortpflanzung des Admirals wesentlich bedeutender als viele attraktive Gartenblumen.

Erwachsener Falter:

● Blütennektar

● Baumsäfte

● Säfte von reifem und überreifem Obst

● zuckerhaltige gärende Flüssigkeiten

Im Spätsommer und Herbst lassen sich Admirale beispielsweise auf heruntergefallenem Obst beobachten.

Zu den besuchten Blüten gehören unter anderem Disteln, Wasserdost und verschiedene spät blühende Pflanzen.

Und natürlich gehört auch der Sommerflieder (Buddleja davidii) zu den häufig besuchten Nektarquellen (vgl. unser Foto).

 

Wo kommt der Admiral vor?

Vanessa atalanta besitzt ein sehr großes Verbreitungsgebiet. Die Art kommt in weiten Teilen Europas, Nordafrikas und Asiens sowie in Nordamerika vor.

In Deutschland ist der Admiral sehr häufig. Die aktuelle Rote Liste Deutschlands führt ihn als ungefährdet; sowohl der langfristige als auch der kurzfristige Bestandstrend werden dort als konstant angegeben.

Auch in Rheinland-Pfalz ist der Admiral weit verbreitet. Wie häufig er beobachtet wird, zeigt beispielsweise eine interessante Auswertung des ArtenFinders Rheinland-Pfalz: Im Jahr 2021 war Vanessa atalanta dort sogar die am häufigsten gemeldete Tagfalterart. Das ist zwar keine unmittelbare Bestandszählung, zeigt aber, wie präsent die Art in Rheinland-Pfalz ist.

 

Besitzt der Admiral ein Revier?

Ein dauerhaftes Territorium besitzt der Admiral nicht.

Männchen können jedoch zeitweise bestimmte Bereiche besetzen und verteidigen, insbesondere geeignete Plätze, von denen aus vorbeifliegende Weibchen entdeckt werden können.

Solche Verhaltensweisen dürfen nicht mit einem dauerhaften Revier eines Säugetiers oder Vogels verwechselt werden.

Hinzu kommt die außergewöhnliche Mobilität des Admirals. Ein Wanderfalter kann im Laufe seines Lebens große Distanzen zurücklegen. Ein festes „Heimatrevier“ wäre deshalb ohnehin eine irreführende Vorstellung.

 

Wie tarnt und verteidigt sich der Admiral?

Der Admiral kombiniert auffällige und unauffällige Eigenschaften.

Mit geöffneten Flügeln ist er durch seine orange-roten und weißen Zeichnungen ausgesprochen auffällig.

Mit geschlossenen Flügeln sieht die Situation völlig anders aus: Die Unterseite der Hinterflügel besitzt eine komplizierte braune, graue und schwarze Musterung. Auf Baumrinde, trockenem Pflanzenmaterial oder anderen dunklen Untergründen kann diese Zeichnung eine gute Tarnwirkung besitzen.

Bei Gefahr kann der Admiral außerdem rasch auffliegen.

Die Raupe verfolgt eine andere Strategie. Sie zieht beziehungsweise spinnt Brennnesselblätter zusammen und schafft sich darin einen Blattunterschlupf, der Schutz vor Sichtkontakt und teilweise auch vor Witterung bietet.

 

Welche Gefahren bestehen für den Admiral?

Der Admiral gehört gegenwärtig nicht zu den gefährdeten Tagfaltern Deutschlands. Die aktuelle Rote Liste bezeichnet seinen Bestand als sehr häufig und seine Entwicklung als langfristig und kurzfristig konstant.

Das bedeutet jedoch nicht, dass er von Veränderungen seiner Umwelt unabhängig wäre.

● Beseitigung von Brennnesselbeständen vernichtet mögliche Raupenhabitate.

● Verlust blütenreicher Säume verringert das Nahrungsangebot erwachsener Falter.

● Insektizide können Raupen und erwachsene Schmetterlinge beeinträchtigen.

● Intensive Mahd kann Entwicklungsstadien und Nahrungsangebote zerstören.

● Klimatische Veränderungen können Wanderzeiten, Generationenzahl und Überwinterungsmöglichkeiten verändern.

Natürliche Feinde sind unter anderem:

● Vögel

● Spinnen

● räuberische Insekten

● Parasitoide, deren Larven sich in oder an Raupen beziehungsweise Puppen entwickeln

● Krankheitserreger

Der Admiral verfolgt deshalb – wie andere Schmetterlinge – eine Strategie mit relativ vielen Nachkommen, von denen nur ein Teil das Erwachsenenstadium erreicht.

 

Welche Bedeutung besitzt der Admiral für die Natur?

Als erwachsener Falter besucht der Admiral zahlreiche Blüten und kann dabei Pollen übertragen. Seine Bestäubungsleistung ist jedoch nicht mit derjenigen hochwirksamer Bestäubergruppen wie bestimmten Bienen gleichzusetzen.

Ökologisch interessant ist vor allem seine Rolle als Verbindung zwischen verschiedenen Lebensräumen.

Als Raupe ist er eng mit der Brennnessel verbunden. Als erwachsener Falter nutzt er dagegen zahlreiche Nektarpflanzen und weitere Zuckerquellen.

Gleichzeitig ist er selbst Nahrung für andere Tiere und Wirtsorganismus für Parasitoide.

Als Wanderfalter verbindet er darüber hinaus geographisch weit voneinander entfernte Ökosysteme.

 

Wo finde ich den Admiral an den Moselweinbergen?

Die Mosellandschaft bietet sehr gute Beobachtungsmöglichkeiten.

Besonders interessant sind:

● sonnige Weinbergsbrachen

● blütenreiche Böschungen

● Wegsäume

● Waldränder oberhalb der Weinberge

● Gärten in den Weinorten

● Streuobstbereiche

● Flächen mit Brennnesseln

● spät blühende Nektarpflanzen

● Fallobst im Spätsommer und Herbst

Für die Fortpflanzung sollte man besonders nach sonnig bis halbschattig stehenden Brennnesseln Ausschau halten. Dort können Eier, zusammengesponnene Raupenverstecke und mit etwas Glück Raupen entdeckt werden.

 

Gibt es den Admiral auch in meinem Garten?

Ja – sehr gut sogar.

Der Admiral gehört zu den Schmetterlingen, die regelmäßig Gärten besuchen.

Ein Garten wird für ihn besonders interessant, wenn zwei unterschiedliche Voraussetzungen erfüllt sind:

Nahrung für den Falter: verschiedene nektarreiche Blüten vom Sommer bis in den Herbst.

Nahrung für die Raupe: Brennnesseln.

Gerade dieser Unterschied ist für naturnahe Gärten wichtig. Ein Garten voller attraktiver Blüten kann erwachsene Admirale ernähren. Ohne geeignete Raupennahrungspflanzen kann dort aber keine neue Generation entstehen.

Ein kleiner stehen gelassener Brennnesselbestand kann deshalb für den Lebenszyklus wertvoller sein als manche spektakuläre Zierpflanze.

Auch reifes beziehungsweise überreifes Obst kann Admirale im Spätsommer und Herbst anlocken.

 

Welche ökonomische Funktion besitzt der Admiral?

Eine unmittelbare wirtschaftliche Nutzung wie bei Honigbienen besitzt der Admiral nicht.

Eine gewisse Funktion ergibt sich aus seinen Blütenbesuchen und damit aus seiner Beteiligung an Bestäubungsprozessen. Diese sollte jedoch wirtschaftlich nicht überbewertet werden.

Interessanter ist seine indirekte Bedeutung.

Auffällige Tagfalter wie der Admiral sind wichtige Sympathieträger für Naturbeobachtung, Umweltbildung und Citizen Science. Gerade weil er leicht erkennbar und häufig zu beobachten ist, eignet er sich gut, Menschen an die Beschäftigung mit Insekten, Pflanzen und ökologischen Zusammenhängen heranzuführen.

Beobachtungen können beispielsweise über den ArtenFinder Rheinland-Pfalz dokumentiert und für Naturschutz und Forschung nutzbar gemacht werden. Das Portal https://artenfinder.rlp.de/ sammelt seit 2011 entsprechende Beobachtungsdaten.

 

Welche ökologische Funktion besitzt der Admiral?

Der Admiral erfüllt mehrere Funktionen gleichzeitig.

● Die Raupe ist Pflanzenfresser und insbesondere mit Brennnesseln verbunden.

● Der erwachsene Falter nutzt Blütennektar und andere Zuckerquellen.

● Beim Blütenbesuch kann er Pollen transportieren.

● Eier, Raupen, Puppen und Falter dienen anderen Organismen als Nahrung beziehungsweise Wirte.

● Durch seine Wanderungen verbindet er weit voneinander entfernte Lebensräume.

● Sein Auftreten und seine Wanderbewegungen können Hinweise auf jahreszeitliche und klimatische Veränderungen liefern.

Besonders anschaulich zeigt der Admiral, warum die ökologische Bewertung eines Gartens oder Weinbergs nicht allein anhand seiner Blütenmenge erfolgen sollte.

Ein Sommerflieder kann dem erwachsenen Admiral Nektar liefern.

Eine Brennnessel kann dagegen die Entwicklung der nächsten Generation ermöglichen.

Beide Pflanzen erfüllen für denselben Schmetterling vollkommen unterschiedliche Funktionen.

 

Gibt es mythologische, religiöse oder esoterische Bedeutungen?

Eine eigenständige, historisch weit verbreitete religiöse oder mythologische Tradition speziell für Vanessa atalanta ist im mitteleuropäischen Raum nicht in vergleichbarer Weise belegt wie allgemeine Schmetterlingssymbolik.

Der Schmetterling insgesamt besitzt dagegen eine sehr alte Symbolgeschichte.

Seine Verwandlung von der Raupe über die scheinbar leblose Puppe zum geflügelten Falter wurde in verschiedenen kulturellen und religiösen Zusammenhängen als Bild für Verwandlung, Seele, Vergänglichkeit und Wiedergeburt verstanden.

Diese allgemeine Schmetterlingssymbolik sollte jedoch nicht nachträglich als spezifische historische Bedeutung des Admirals ausgegeben werden.

Auch der Name „Admiral“ verleitet zu weitergehenden Geschichten. Er bezieht sich auf seine auffällige, gewissermaßen prächtige Erscheinung; daraus sollte aber keine historische Verbindung zur Seefahrt oder zu Admirälen konstruiert werden.

 

 

Alle Texte zum Thema „NaturEREIGNISbegleiter / Lebendige Moselweinberge“ finden Sie unter:
https://www.trierer-umschau.de/netzwerk/naturereignisbegleiter/

 

 

Vortext / Kommentar: Christoph Maisenbacher (KI-supported) – 1. Oktober 2026
Quelle (vollständig zitierter Text): *
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Foto 1: © Trierer Umschau – Logo: © DLR Mosel – Logo: © DLR Mosel – Foto 2-4: Trierer Umschau – Foto 5-8: Illustration: KI-generiert / Trierer Umschau

Dieser Text in LEICHTER SPRACHE ist veröffentlicht unter:
https://www.trierer-umschau.de/2026-10-01-bb/

Die Text-Folge „Lebendige Moselweinberge“ ist Dauno gewidmet:
vgl. https://www.trierer-umschau.de/2025-11-03-ba/