TRIERER UMSCHAU
Krieg, Klimakrise und Menschenrechte: Warum Schweigen keine Antwort sein darf
Krieg, Klimakrise, Menschenrechte: Was geschieht, wenn internationale Vereinbarungen an Bedeutung verlieren und die Welt sprachlos macht? Ein persönlicher Text über das Schweigen, das Weiterschreiben – und die Hoffnung auf Frieden und Mitmenschlichkeit.
Wenn die Welt sprachlos macht
Welche Türen öffnen sich? Welchen Weg darf ich gehen? Was lässt meine Augen erstaunen? Was lässt mich laut aufschreien? Wann schweige ich? Warum gibt es Momente, in denen ich weder sehen noch hören noch sprechen möchte? Was blockiert meine Hände, die Tastatur zu ergreifen und das zu tun, was sonst so gewohnt ablaufen könnte?
Doch was ist gewohnt?
Was ist, wenn Tatsachen mich lähmen? Wenn ich in UN-Berichten davon lese, wie Männer mit Waffengewalt Frauen vergewaltigen? Kann ich das einfach übernehmen, einordnen, veröffentlichen – und zum nächsten Thema übergehen?
Zu vielem fehlen mir die Worte. Manchmal muss ich sie suchen. Manchmal muss ich mit Worten selbst erst wieder Halt finden.
Vielleicht ist genau das der Grund, warum es hier in den vergangenen Tagen stiller war.
Menschenrechte, Klimaabkommen und die Frage nach unseren Vereinbarungen
Was bleibt von unseren Vereinbarungen?
Welchen Wert haben die Menschenrechte, die Verträge zwischen den Nationen und die damit verbundenen Ziele, die man sich einst gesetzt hat? Was ist mit dem Pariser Klimaabkommen? Was ist mit den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen?
Wohin steuern wir heute – im Angesicht der Generationen, die nach uns kommen?
Wird mit den Schultern gezuckt und weitergemacht? Wird das „So schlimm wird es nicht“ wie ein Schutzschild vorgehalten und werden Wetterextreme als „normal“ abgestempelt? „Den Klimawandel gibt es nicht“ – und schon wäre eine bequeme Begründung für das Nichtstun gefunden.
Damit hat man sein Pausenbrot eingepackt und muss nur noch warten, bis es Mittag wird.
Was geschieht, wenn die Uhr stehen bleibt?
Doch was ist, wenn die Uhr stehen bleibt?
Was wäre, wenn sich der Mond bei der Sonnenfinsternis am 12. August 2026 vor die Sonne geschoben hätte und dort geblieben wäre? Was wäre, wenn sich dieser FI-Schalter – der Fehlstromschutzschalter – nicht mehr von „Off“ auf „On“ kippen ließe?
Weil wir übertrieben haben.
Weil wir verschoben haben.
Weil wir immer wieder glaubten, noch Zeit zu haben.
Aber was gibt es noch zu verschieben, wenn der Juli seine Brandflecken hinterlassen und uns eine Warnung mehr als deutlich vor Augen geführt hat?
Was erklären wir zur Priorität?
COP31 und Klimaschutz: Was erklären wir zur Priorität?
Doch die Zeiten haben sich verändert. Oder sind es unsere Argumentationen, die sich verändert haben? Sind es die ständigen Wiederholungen eines Inputs, der uns von Regierenden ins Ohr gelegt wird?
„Nur zum Besten für unser Land.“
Leider müssen wir Prioritäten setzen, heißt es. Und deshalb können wir uns um die globale Erderwärmung gerade nicht ausreichend kümmern.
Die COP31 steht an. (die 31. Klimakonferenz der Vereinten Nationen / COP = Conference of the Parties). Ja, im Sinne der Klimakrise sind wir dabei. Gleichzeitig erleben wir politische Entscheidungen, bei denen Natur- und Umweltschutz gegenüber anderen Interessen zurücktreten müssen. Wir haben uns in der Trierer Umschau bereits im Februar mit dem Infrastruktur-Zukunftsgesetz und der Frage beschäftigt, was geschieht, wenn öffentliches und militärisches Interesse eine Vorrangstellung gegenüber Umwelt- und Naturschutz erhält:
https://www.trierer-umschau.de/2026-02-26-aa/
Aber das Wichtigste steht längst auf einem anderen Tagesordnungspunkt.
Wenn Krieg wieder zur politischen Priorität wird
Vor allem, weil Krieg nun offenbar wieder einen „Kriegsminister“ braucht.
Damit wäre die Sache auf den Punkt gebracht: Krieg kennen wir. Krieg können wir organisieren. Für Krieg können wir Geld, Material und politische Aufmerksamkeit mobilisieren.
Klima dagegen scheint eine relative Sache zu sein. Und Wissenschaftler sollten sich vielleicht besser um die Modernisierung der Waffentechnik kümmern.
Später haben wir Zeit.
Später.
Wenn wir über unsere Waffensysteme stolpern und Panzer gekühlt werden müssen, weil es zu heiß sein wird, sie zu besteigen.
So verbrennen wir uns die Finger, bevor die Erde brennt.
Und dann? Schweigen?
Schweigen darf keine Antwort sein
Oder habe ich etwas vergessen?
Ja.
Weiterzuschreiben.
Die Themen nicht schleifen zu lassen. Meine Starre im Angesicht der Welt aufzulösen. Nicht deshalb, weil die Welt plötzlich einfacher geworden wäre. Nicht deshalb, weil ich Antworten auf all diese Fragen gefunden hätte.
Sondern weil Schweigen keine Antwort sein darf.
Vielleicht besteht Schreiben manchmal gerade darin, die eigene Sprachlosigkeit zu überwinden. Nicht so zu tun, als ließe sich alles erklären. Nicht vorzugeben, auf alles eine Antwort zu besitzen. Sondern Fragen festzuhalten, Widersprüche sichtbar zu machen und daran zu erinnern, dass Menschenrechte, Frieden, Mitmenschlichkeit und der Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen keine Schönwetterbegriffe sind.
Und dass Vereinbarungen ihren Wert nicht verlieren dürfen, sobald ihre Einhaltung unbequem wird.
An Frieden, Mitmenschlichkeit und Menschenrechte glauben
Ich möchte deshalb weiter an das Wort glauben.
An den Frieden.
An die Mitmenschlichkeit.
An den Naturschutz.
An die Menschenrechte.
Und an internationale Vereinbarungen, die nicht deshalb wertlos werden dürfen, weil ihre Einhaltung unbequem geworden ist.
Vielleicht ist dies das eigentliche Geständnis nach einigen Tagen des Schweigens:
Die Welt hat mich nicht sprachlos gemacht, weil es nichts zu sagen gäbe. Sie hat mich sprachlos gemacht, weil es manchmal zu viel zu sagen gibt.
Aber gerade dann muss das Schreiben wieder beginnen.
Bertha von Suttner: Eine Warnung vor dem Krieg
Und deshalb möchte ich eine Frau zitieren, die als erste Frau mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde und die Permanenz einer Gefahr voraussah, die auch in unserer Gegenwart erschreckend vertraut erscheint.
Mit den Worten von Bertha von Suttner aus „Weltfrieden – Vom Standpunkt einer Frau aus betrachtet“ (ToppBook Wissen, Band 58, Seiten 17 bis 20) beende ich meine Gedanken:
„Ein Krieg, an dem alle großen Militärstaaten Europas teilnehmen würden, würde alle bisherigen Schrecken in demselben Maße übertreffen, wie die heutigen und die noch zu erfindenden Vernichtungswaffen die Keule übertreffen, mit der Kain seinen Bruder erschlagen haben mag. In einem solchen Krieg würde ein Ausmaß an Mord, Zerstörung und Grausamkeit enthalten sein, wie es in hundert Schlachten des Altertums nicht der Fall war. Der Fortschritt hat nicht nur die Zerstörungskraft um das Tausendfache erhöht, sondern auch das, was zerstört werden soll, ist tausendmal wertvoller geworden, und deshalb wäre der Schaden verhältnismäßig größer.
Die beschleunigte, unabsehbare Vervollkommnung und Vermehrung, die zu kolossalen Dimensionen angewachsene technische Entwicklung, die zu so fabelhaften Resultaten führt, wenn sie auf die Vermehrung des Eigentums und des Glücks gerichtet ist, zu welch ebenso gigantischen Resultaten des Elends müssen diese nicht führen, wenn sie auf das Prinzip der Zerstörung des Eigentums, des Glücks und des Lebens angewandt wird. Millionen von Kämpfern stürzen aufeinander, und der Kampf beginnt in immer größerer Entfernung. Statt des Speers, der nur eine kurze Strecke flog, statt des späteren Geschosses, das den Feind auf wenige hundert Schritte traf, pfeifen jetzt die todbringenden Bomben in meilenweiter Entfernung durch den Raum; lange bevor die beiden Kombattanten einander sehen können, überzieht die Vorhut das Feld. Doch wann und wie wird sich die Entscheidung vollziehen? „Bis die eine oder andere Seite so geschwächt ist, dass sie den Kampf aufgibt.“ Das war in früheren Zeiten die Antwort auf diese Frage. Jetzt wüten beide Seiten mit gleicher Kraft. Die Schwächung geht gleich schnell. Hunderttausende sind gefallen, aber neue Hunderttausende rücken vor, und die Entscheidung ist keinen Schritt näher gerückt. Ein besiegtes, fliehendes Heer? Das gibt es nicht mehr, denn nicht mehr bloße Heere werden ausgesandt, sondern ganze Völker. Sie kämpfen miteinander um einen Streifen Land; aber inzwischen ist das ganze Land auf beiden Seiten verwüstet, entvölkert und verwüstet. Alle Ernten sind zertreten, alle Arbeit eingestellt, alle Herde verwüstet; ein Schmerzensschrei von Grenze zu Grenze, und doch keine Entscheidung. Jedes Dorf ein Aschehaufen, jedes Feld ein Friedhof, und doch tobt der Kampf weiter; unter den Wellen des Meeres schießen die Torpedoboote, um mächtige Dampfer zu versenken; in den Wolken steigen bewaffnete und bemannte Luftballons gegen eine andere aeronautische Kraft auf, und aus der Höhe von tausend Fuß regnen verstümmelte Krieger in blutenden Trümmern herab; Minen werden gesprengt und Brücken mit ihrer Last von Menschen, Pferden und Wagen in die Wellen geschleudert; Pulvermagazine fliegen in die Luft; lange Reihen von Zügen entgleisen; Krankenhäuser brennen; und noch ist es nicht entschieden. Heer, Reserve, Miliz – Alte, Kinder, Frauen – einer nach dem anderen wird abgeschlachtet; was noch lebt, wird Opfer des Hungers, der unfehlbaren Pestilenz, und der Krieg ist vorbei. Aber es ist nicht entschieden.“
Bertha von Suttner formulierte diese Gedanken im Jahr 1899.
Vortext / Kommentar / Text: Christoph Maisenbacher (KI-supported) – 19. August 2026
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