WELTORIENTIERUNG & MENSCHSEIN
Europäischer Völkermord-Gedenktag für Sinti und Roma: Geschichte verstehen, Vorurteile überwinden, Menschlichkeit stärken
Am 2. August erinnert Europa an den Völkermord an den Sinti und Roma während der Zeit des Nationalsozialismus. Die Trierer Umschau verbindet historische Verantwortung mit geografischer Orientierung und richtet den Blick auf die heutige Situation der Roma in der Ukraine – als Beitrag für Respekt, Menschlichkeit und Verständigung.
Erinnerung verpflichtet – der 2. August als europäischer Gedenktag
Es gibt Tage im Kalender, die uns daran erinnern, dass Geschichte nicht vergangen ist. Sie lebt weiter – in Erinnerungen, in Familiengeschichten, in Vorurteilen, aber auch in der Verantwortung, die wir heute füreinander tragen.
Der 2. August ist ein solcher Tag.
An diesem Tag erinnert Europa an den Völkermord an den Sinti und Roma während der Zeit des Nationalsozialismus. Er gehört zu den dunkelsten Kapiteln deutscher und europäischer Geschichte. Hunderttausende Menschen wurden entrechtet, verfolgt und ermordet, weil sie einer Minderheit angehörten. Deutschland trägt für diese Verbrechen eine historische Verantwortung, die sich weder relativieren noch vergessen lässt.
Doch Erinnerung allein genügt nicht.
Sie verlangt von uns die Bereitschaft, den Menschen von heute zu sehen.
Weltorientierung beginnt mit Menschsein
Die Trierer Umschau möchte die Welt verständlich machen. Deshalb beginnen internationale Beiträge künftig mit einer geografischen Weltorientierung. Wir zeigen zunächst den Ort, an dem sich Geschichte ereignet hat. Denn wer verstehen möchte, was geschieht, sollte zuerst wissen, wo es geschieht.
Doch Orientierung endet nicht bei Landschaften, Weltkugeln und Landkarten.
Sie beginnt erst dort, wo wir auch den Menschen wahrnehmen.
Unsere Redaktion folgt deshalb einem einfachen Gedanken:
Das Menschsein beginnt mit Respekt.
Respekt bedeutet, einem Menschen zunächst als Menschen zu begegnen – nicht als Vorurteil, nicht als Schlagzeile und nicht als Schublade.
Wer sind Sinti und Roma?
Viele Menschen kennen die Begriffe „Sinti“ und „Roma“, ohne genau zu wissen, wen sie eigentlich bezeichnen.
Sinti und Roma bilden keine einheitliche Gruppe. Sie gehören zu einer Vielzahl von Gemeinschaften, deren gemeinsame Wurzeln mehrere Jahrhunderte zurückreichen. Ihre Vorfahren kamen ursprünglich aus Nordwestindien und gelangten über verschiedene Wanderungsbewegungen nach Europa. Heute leben Roma in nahezu allen europäischen Staaten und bilden die größte ethnische Minderheit Europas. Die Sinti leben seit rund sechs Jahrhunderten vor allem im deutschsprachigen Raum und sind seit Generationen Teil der deutschen Geschichte.
Sie sprechen teilweise Romanes, pflegen unterschiedliche kulturelle Traditionen und gehören verschiedenen Religionen an. Sie arbeiten als Handwerkerinnen und Handwerker, Musiker, Ärztinnen, Lehrkräfte, Wissenschaftler, Künstlerinnen, Unternehmer oder Pflegekräfte. Wie jede andere Bevölkerungsgruppe sind auch Sinti und Roma vielfältig und können nicht auf ein einziges Bild reduziert werden.
Dieser Beitrag kann diese lange Geschichte nur in Grundzügen darstellen. Wer sich intensiver mit Kultur, Sprache und Geschichte beschäftigen möchte, findet weiterführende Informationen unter:
https://de.wikipedia.org/wiki/Sinti
https://de.wikipedia.org/wiki/Roma_(Ethnie)
https://de.wikipedia.org/wiki/Romani
https://dokuzentrum.sintiundroma.de/
Warum der 2. August europaweit an den Genozid erinnert
Der Europäische Gedenktag erinnert an die Nacht vom 2. auf den 3. August 1944.
Im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau löste die SS in dieser Nacht das sogenannte „Zigeunerfamilienlager“ auf. Rund 4.300 noch dort inhaftierte Männer, Frauen und Kinder wurden in den Gaskammern ermordet. Dieses Verbrechen wurde zu einem Symbol für den nationalsozialistischen Völkermord an den Sinti und Roma in ganz Europa.
Heute steht der 2. August für das gemeinsame Erinnern an die Hunderttausenden Opfer dieses Genozids und für die Verpflichtung, jeder Form von Ausgrenzung und Menschenfeindlichkeit entgegenzutreten.
Erinnerung verändert auch unsere Gegenwart
Vorurteile verschwinden nicht automatisch mit dem Ende eines Krieges.
Sie können über Generationen weitergegeben werden – durch Erzählungen, Klischees oder Bilder, die selten hinterfragt werden. Deshalb bedeutet Erinnerungsarbeit weit mehr als den Blick zurück. Sie hilft auch dabei, Menschen heute unvoreingenommen zu begegnen.
Für die Trierer Umschau gehört diese Haltung zum journalistischen Selbstverständnis.
Wir möchten nicht über Menschen urteilen, bevor wir sie kennengelernt haben. Wir möchten nicht auf Schlagworte reduzieren, sondern Zusammenhänge erklären. Und wir möchten daran erinnern, dass Würde, Respekt und Mitmenschlichkeit keine abstrakten Begriffe sind, sondern die Grundlage eines friedlichen Zusammenlebens.
Gerade deshalb ist der Europäische Gedenktag für Sinti und Roma kein Tag, der ausschließlich der Vergangenheit gewidmet ist. Er stellt auch die Frage, wie wir heute miteinander umgehen.
Blick in die Gegenwart: Die Situation der Roma in der Ukraine
Wie aktuell diese Fragen geblieben sind, zeigt die folgende Pressemitteilung der Gesellschaft für bedrohte Völker. Sie richtet den Blick auf die Situation der Roma in der Ukraine. Dabei geht es nicht nur um das Erinnern an den nationalsozialistischen Völkermord, sondern auch um die Lebenswirklichkeit einer Minderheit, die bis heute mit Diskriminierung konfrontiert ist und deren Situation durch den russischen Angriffskrieg zusätzlich erschwert wird.
Nachfolgend dokumentieren wir die Pressemitteilung der Gesellschaft für bedrohte Völker.
„Europäischer Völkermord-Gedenktag für Sinti und Roma (2.8.)
Roma in der Ukraine fordern gleichberechtigtes Gedenken und Unterstützung in der Kriegssituation
Anlässlich des europäischen Völkermord-Gedenktages für Sinti und Roma am 2. August fordern Roma in der Ukraine, dass der Genozid an ihren Vorfahren stärker in das nationale Bewusstsein und in die Erinnerungskultur der Ukraine integriert wird, wie die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) berichtet: „In den von ihnen besetzten Gebieten ermordeten die Nationalsozialisten unsere Vorfahren systematisch: im Distrikt Galizien, im Reichskommissariat Ukraine und in der von der Wehrmacht kontrollierten Zone. Die Verbündeten der Nationalsozialisten – die Rumänen unter der Führung von Ion Antonescu – deportierten und ermordeten Roma im Gouvernement Transnistrien, das sie auf dem Gebiet der Ukraine eingerichtet hatten. Roma in Transkarpatien wurden von den Ungarn – einem weiteren deutschen Verbündeten unter der Führung von Miklós Horthy – ermordet“, erklärt Natalia Tomenko von der GfbV-Partnerorganisation Youth Agency for the Advocacy of Roma Culture (ARCA), deren Großmutter den Völkermord an den Roma der Ukraine überlebte.
„Während der Sowjetzeit wurden Roma nicht als Opfergruppe der Nazis anerkannt. Im Gegenteil wurden negative Stereotypen über Roma weiterverbreitet. Erst die unabhängige Ukraine unternahm Schritte, den Völkermord an den Roma in die Erinnerungskultur zu integrieren“, erinnert Sarah Reinke, Leiterin der Menschenrechtsarbeit der GfbV. Die rund 400.000 Roma in der Ukraine litten heute besonders unter dem Krieg Russlands gegen ihr Land. Sie machten einen hohen Anteil unter den 3,9 Millionen Binnenvertriebenen aus, viele Kinder der Roma-Gemeinschaften hätten keinen Zugang zu Schulbildung. Es fehle an medizinischer Versorgung, Wohnraum und Arbeit. Kinder, Frauen und Veteranen brauchten dringend Unterstützung.
Als Gründe dafür gelten neben der insgesamt prekären humanitären Lage in der Ukraine der systematische Antiziganismus, der dazu führt, dass Roma immer noch nicht als integraler und selbstverständlicher Teil der vielfältigen ukrainischen Gesellschaft akzeptiert werden. „Auch das hängt mit dem Gedenken zusammen. Hier geht es nicht nur um historische Gerechtigkeit. Ein gleichberechtigtes Gedenken ist ein Werkzeug, um Antiziganismus und Diskriminierung von Roma heute zu bekämpfen“, ist Tomenko überzeugt.
Deutschland trage eine besondere historische Verantwortung den Nachkommen der Überlebenden des Genozids gegenüber. „Auch im fünften Kriegsjahr sehen wir kein besonderes Engagement Deutschlands für diese Minderheit. Daher fordern wir gemeinsam mit unserer Partnerorganisation, dass Deutschland sicherstellt, dass besonders auch Roma von Hilfsprogrammen profitieren, dass Projekte aufgelegt werden, die auf die Bedarfe der Roma zugeschnitten sind, dass Roma unter den Binnenflüchtlingen mehr finanzielle Hilfe bekommen. In Kontakten mit den ukrainischen Partnern sollte Deutschland immer wieder die Aufmerksamkeit auf die besondere Situation und die daraus entstehenden Bedarfe der Roma lenken,“ erklärt Sarah Reinke von der Gesellschaft für bedrohte Völker.“
Vortext / Kommentar: Christoph Maisenbacher (KI-supported) – 2. August 2026
Quelle (vollständig zitierter Text): Gesellschaft für bedrohte Völker
Link-Zitate: alle Zitate, die wir übernehmen sind im Text mit einem Link versehen
SEO & Social-Media-Support: ChatGPT
Foto 1 bis 3: Illustration: KI-generiert / Trierer Umschau
Dieser Text in LEICHTER SPRACHE ist veröffentlicht unter:
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