NATUREREIGNISBEGLEITER – TEXT 57 & JULIUS KÜHN-INSTITUT (JKI) & BUNDESMINISTERIUM FÜR LANDWIRTSCHAFT, ERNÄHRUNG UND HEIMAT (BMLEH) & LANDRATSAMT BREISBAU-HOCHSCHWARZWALD
Japankäfer: Alarmstufe Rot in Deutschland – Warum der Quarantäneschädling auch Rheinland-Pfalz bedroht | NaturEREIGNISbegleiter – Lebendige Moselweinberge
Der Japankäfer ist kaum größer als eine Kaffeebohne – und zählt dennoch zu den gefährlichsten Pflanzenschädlingen Europas. Während sich der invasive Käfer von der Schweiz über Baden-Württemberg bis nach Hessen ausbreitet, warnen Behörden Reisende eindringlich davor, ihn unbemerkt als „blinden Passagier“ mitzubringen. Die Trierer Umschau erklärt, warum selbst ein einzelner Käfer weitreichende Folgen für Weinberge, Obstbau und Natur haben kann.
Alarmstufe Rot: Ein winziger Käfer mit enormen Folgen
Alarmstufe Rot – Urlauber sollten Koffer, Fahrzeuge, Zeltausrüstung, Wohnwagen oder Wohnmobile genau kontrollieren. Der Japankäfer könnte als „verbotener“ beziehungsweise „blinder Passagier“ mitgereist oder mitgeflogen sein!
Der Rhein trennt Rheinland-Pfalz derzeit noch von dem im hessischen Trebur entdeckten Japankäfer. Doch der Schädling braucht keine Brücke. Als blinder Passagier kann er unbemerkt zum Reisebegleiter auf Fahrten ins In- und Ausland werden.
Im vergangenen Jahr betraf die Gefahr vor allem die Region um Freiburg. Dort wurden sehr weitreichende Maßnahmen ergriffen, um den Japankäfer an einer weiteren Ausbreitung zu hindern. Glücklicherweise handelt es sich bislang nur um einzelne Fundorte. Dennoch gilt für den Japankäfer die höchste Alarmstufe.
Denn der Käfer ist nicht nur ein sogenannter Quarantäneschädling.
Warum der Japankäfer als Quarantäneschädling gilt
„Er befällt Obstplantagen, Weinberge, Wälder, Grünanlagen und Gärten und verursacht bei mehr als 400 Pflanzenarten Fraßschäden. Wegen der mit der Verbreitung des Japankäfers einhergehenden erheblichen wirtschaftlichen Schäden ist die Sorge vor der Ausbreitung des Japankäfers in Deutschland groß.“
So beschreibt das Aufsichts- und Dienstleistungszentrum (ADD) Rheinland-Pfalz die Situation auf seiner Internetseite (vgl. https://add.rlp.de/themen/landwirtschaft-und-weinbau/pflanzenschutz/pflanzengesundheit/bekaempfung-des-japankaefers).
Pufferzonen und strenge Schutzmaßnahmen
Auf derselben Seite erfahren Sie auch, welche Folgen die Entdeckung eines Japankäfers und die Einrichtung sogenannter Pufferzonen haben können – beispielsweise für den eingeschränkten Abtransport von Gras-, Pflanzen- und Erdabtragungen. Sobald eine Allgemeinverfügung der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion über Maßnahmen zur Bekämpfung des Japankäfers erlassen wurde, wird sie erst wieder aufgehoben,
„wenn Popillia japonica Newman auf Grundlage amtlicher Erhebungen in mindestens drei aufeinanderfolgenden Jahren im abgegrenzten Gebiet nicht nachgewiesen werden konnte.“
(vgl. Anlage: Allgemeinverfuegung_Japankaefer_2025__002_ )
Um die Bedeutung des Japankäfers besser einordnen zu können, möchten wir ihn trotz der Hoffnung, dass er sich in Rheinland-Pfalz nicht dauerhaft ausbreitet, als „Species non grata“ – als unerwünschte Art – vorstellen.
Er gilt als Quarantäneschädling, gegen dessen Ausbreitung europaweit strenge Maßnahmen gelten. Mit dem Japankäfer ist de facto nicht zu spaßen. Genau deshalb rufen die zuständigen Behörden Reisende immer wieder dazu auf, ihr Reisegepäck sorgfältig zu kontrollieren.
Der Japankäfer reist oft als „blinder Passagier“
Der Grund ist ebenso einfach wie beunruhigend: Mit rund zehn Millimetern beziehungsweise einem Zentimeter Körperlänge ist der Japankäfer kaum größer als eine Kaffeebohne. Er kann daher leicht übersehen werden. Umso größer können jedoch die Folgen einer unbemerkten Einschleppung sein.
Ausbreitung in Europa: Beispiele aus Italien und der Schweiz
Wer sich ein Bild von den Auswirkungen machen möchte, findet Beispiele in Italien – insbesondere in der Lombardei, im Piemont, in Emilia-Romagna und in Venetien –, in der Schweiz mit dem Tessin sowie den Kantonen Zürich, Wallis und Basel. Auch auf den portugiesischen Azoren hat sich der Japankäfer inzwischen dauerhaft etabliert.
Um das Ausmaß und die möglichen Folgen einer Ausbreitung besser nachvollziehen zu können, übernehmen wir nachfolgend den allgemeinen Teil einer Pressemitteilung des Julius-Kühn-Instituts vom Juli 2024. Damals wurde der Japankäfer in Form einer größeren Population in Basel entdeckt. Dies führte schließlich auch zur Einrichtung einer Pufferzone auf deutscher Seite.
Das Julius-Kühn-Institut erklärt die Gefahr
„Der ursprünglich aus Japan stammende Käfer kann eine Vielzahl von Pflanzen schädigen und findet auch in anderen europäischen Ländern gute Vermehrungsbedingungen, u. a. weil natürliche Gegenspieler fehlen“, sagt Dr. Bernhard Schäfer, der am Julius Kühn-Institut in Braunschweig das für Pflanzengesundheitsfragen zuständige Fachinstitut leitet.
Die Europäische Union stuft den Japankäfer als so genannten prioritären Quarantäneschädling ein, dessen Auftreten durch Jedermann meldepflichtig ist. Der Käfer frisst an den Blättern und Früchten von mehr als 300 Pflanzenarten in Gärten sowie in Landwirtschaft und Forst. Zu seinen Wirtspflanzen zählen z. B. Wein, Obstbäume und Rosen. Von den Blättern bleiben oft nur die Blattadern übrig. Die Larven (Engerlinge) ernähren sich u. a. von Gräserwurzeln und können auf Grünland und Rasenflächen erhebliche Schäden verursachen.
„Durch die neuen Käferfunde in der Grenzstadt hat sich die Bedrohungslage für Baden-Württemberg und für Deutschland verschärft“, erklärt Dr. Schäfer. Der Käfer könne nun leicht und unbeabsichtigt aus den Befallsgebieten überall nach Deutschland eingeschleppt werden, etwa als „Blinder Passagier“ an Fahrzeugen oder mit Pflanzen und Pflanzenteilen wie einem Blumenstrauß. Um eine Ansiedlung in Deutschland zu verhindern, wird die Bevölkerung aufgefordert, verdächtige Käferfunde an den zuständigen Pflanzenschutzdienst im jeweiligen Bundesland zu melden, damit Maßnahmen eingeleitet werden können. Diese Mithilfe sei von großer Bedeutung, um Schäden in Deutschland vorzubeugen, betont der JKI-Experte für Pflanzengesundheit. Die Kontaktdaten der deutschen Pflanzenschutzdienste sind hier gelistet: https://pflanzengesundheit.julius-kuehn.de/ansprechpartner.html.
Woran erkennt man einen Japankäfer?
Erkennungsmerkmale des Japankäfers:
Das Schadinsekt ist etwa so groß wie eine Kaffeebohne. Es hat einen grün schimmernden Kopf und Halsschild sowie braune Flügeldecken. Damit ähnelt der Japankäfer dem heimischen, aber harmlosen Gartenlaubkäfer. Im Gegensatz zu ihm trägt der Quarantäneschädling fünf weiße Haarbüschel an jeder Hinterleibsseite und zwei weiße Haarbüschel am Ende des Hinterleibs.
Wir haben die zur Presseinformation gehörenden Fotos bereits in unserer Bildfolge am Beginn dieses Beitrags veröffentlicht.
Auch das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) hat am 21. Juli 2025 eine Pressemitteilung veröffentlicht, die sich ausdrücklich an alle Reisenden richtet.
Bundesministerium appelliert an Urlauber
„BMLEH warnt zum Ferien[ende] vor Einschleppung des Japankäfers
Sommerzeit ist Reisezeit – doch mit Koffern, Campingzubehör oder Pflanzen kann ein ungewollter Gast mitreisen: der Japankäfer.
Das kleine Insekt mit goldgrünem Halsschild ist kaum größer als eine Kaffeebohne, kann aber enorme Schäden anrichten. Das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) bittet Reisende zum Start der Ferienzeit um Achtsamkeit – und darum, keine Pflanzen, keine Erde, keine Samen und keinen Rollrasen aus dem Urlaub mitzubringen, insbesondere nicht aus Norditalien oder der Südschweiz.
Als blinder Passagier im Urlaubsgepäck kann der Japankäfer zu einem echten Problem für die heimische Landwirtschaft, für Gärten und für Wälder werden. Wer Koffer, Auto oder Campingausrüstung kontrolliert, hilft mit, heimische Pflanzen, die Natur und landwirtschaftliche Ernten zu schützen.
Der Japankäfer (Popillia japonica) stammt ursprünglich aus Ostasien und wurde 2014 erstmals auf dem europäischen Festland entdeckt. Seither breitet er sich in Süd- und Mitteleuropa aus; inzwischen gibt es Funde nahe der deutsch-schweizerischen Grenze. Noch ist er in Deutschland nicht heimisch – und das soll auch so bleiben.
Hintergrund:
Umfangreiche Materialien zum Japankäfer wie ein Flyer, ein Plakat und eine Postkarte sowie Informationen zur Meldung eines Verdachts finden Sie auf der BMLEH-Webseite:
https://www.bmleh.de/DE/themen/landwirtschaft/pflanzenbau/pflanzengesundheit/japankaefer.html
Die Larven des Käfers leben im Boden und schädigen dort Wurzeln. Die erwachsenen Käfer fressen Blätter, Blüten und Früchte von über 400 Pflanzenarten – vom Apfelbaum über Weinreben bis zum Kirschlorbeer. Besonders gefährlich ist der sogenannte „Skelettierfraß“, bei dem nur das Blattgewebe zwischen den Blattadern stehen bleibt. Ganze Pflanzen können dadurch eingehen.
Die Verbreitung erfolgt häufig unbemerkt – etwa über Erde oder Substrat von getopften Pflanzen, in Topfballen oder im Campinggepäck. Deshalb gilt: Keine Erde oder Pflanzen aus befallenen Gebieten mitbringen. Und vor der Heimreise Auto, Koffer oder Campingausrüstung sorgfältig kontrollieren.
Ein Befall oder auch nur ein Verdacht kann dem Pflanzenschutzdienst des jeweiligen Bundeslandes gemeldet werden – am besten mit einem Foto oder einem sicher verpackten Exemplar des Käfers.“
Daran anschließend veröffentlichen wir die Medieninformation der Pressestelle des Landratsamtes Breisgau-Hochschwarzwald vom 31. Juli 2025:
Neue Allgemeinverfügung nach Funden in Freiburg
„Untere Landwirtschaftsbehörde des Landratsamtes Breisgau-Hochschwarzwald veröffentlicht Allgemeinverfügung nach Funden von Japankäfern in Freiburg
Nachdem seit Anfang Juli am Güterbahnhof in Freiburg zahlreiche Japankäfer gefangen worden sind, hat die zuständige untere Landwirtschaftsbehörde des Landratsamtes Breisgau-Hochschwarzwald zusammen mit dem Regierungspräsidium Freiburg eine Allgemeinverfügung veröffentlicht, die am 1. August 2025 in Kraft tritt.
Der Japankäfer ist ein gefährlicher Quarantäneschädling, der aufgrund seiner Biologie mit Pflanzenschutzmitteln nur unzureichend bekämpft werden kann und der bei ungehemmter Entwicklung unmittelbar über 400 Wirtspflanzen aus diversen Pflanzenfamilien, zum Beispiel Zierpflanzen, Reben, Ackerkulturen und Bäume, schädigen kann. Die Engerlinge können dabei insbesondere Wiesen- und Rasenflächen schädigen, während die Käfer Fraßschäden an Blättern, Blüten und Früchten verursachen, wodurch unter anderem auch Erträge im Wein-, Obst- und Ackerbau gefährdet würden.
Daher besteht die dringende Notwendigkeit, so früh wie möglich einen Befall durch Kontrollen festzustellen sowie durch entsprechende Maßnahmen die weitere Ausbreitung zu verhindern.
Das Gebiet um die Fundstellen wird in zwei Arten von Zonen mit unterschiedlichen Maßnahmen eingeteilt: Die sogenannte Befallszone umfasst Gebiete mit einem Radius von jeweils 1.000 Metern um die Stellen, an denen die Japankäfer gefunden wurden. Die angrenzende Pufferzone erstreckt sich über eine Breite von mindestens fünf Kilometern über die Grenzen der Befallszone hinaus. Sollten weitere Japankäfer in der Befalls- oder Pufferzone entdeckt werden, müssen die Befalls- und Pufferzonen entsprechend ausgeweitet werden. Sollten für drei Jahre keine Käferpopulationen mehr amtlich festgestellt werden, werden die Befalls- und Pufferzonen aufgehoben.
In der Pufferzone, die das eigentliche Befallsgebiet umgibt, gelten folgende Regeln:
Grünschnitt, Laub und sonstige Pflanzenreste dürfen vom 1. Juni bis 30. September nicht aus der Pufferzone herausgebracht werden, es sei denn, sie wurden zuvor auf eine Größe von maximal fünf Zentimetern gehäckselt. Pflanzen mit Wurzeln in Erde oder Kultursubstrat dürfen die Zone nur dann verlassen oder in Verkehr gebracht werden, wenn bestimmte Auflagen erfüllt sind, die in der Allgemeinverfügung erläutert sind. Dazu gehören Herkunftsnachweise und Kontrollen auf Befall.
Der Abtransport der obersten dreißig Zentimeter Bodenoberfläche aus der Pufferzone ist ganzjährig verboten. Ausnahmen können auf Antrag vom Fachbereich Landwirtschaft erteilt werden. Grünabfälle mit Ästen oder Wurzeln können weiterhin grundsätzlich über die Biotonne entsorgt werden. In den Pufferzonen gibt es Sammelstellen, über die das Material auch ungehäckselt entsorgt werden kann.
Innerhalb der Befallszone, in der Japankäfer bereits nachgewiesen wurden, gelten zusätzlich zu den Regeln der Pufferzone noch folgende Maßnahmen:
Pflanzen mit Wurzeln dürfen die Zone nur unter strengen Auflagen verlassen, beispielsweise mit amtlichem Nachweis, dass die Pflanzen frei von einem Japankäfer-Befall sind. Geräte und Fahrzeuge, die zur Bodenbearbeitung oder für Arbeiten mit Erde in der Befallszone eingesetzt wurden, müssen vor dem Verlassen der Zone gereinigt werden. Es darf kein Risiko für die Verschleppung von Erde bestehen. Vom 1. Juni bis 30. September ist das Bewässern von Rasen- und Grünflächen in der Befallszone verboten. Ernteprodukte wie Obst und Gemüse müssen vor dem Verlassen der Zone auf Befall kontrolliert und vor einem nachträglichen Befall geschützt werden.
Verdächtige Käfer melden
Der Japankäfer ist lediglich ein Zentimeter groß, hat eine metallisch grüne Färbung und auffällige weiße Haarbüschel an den Seiten (fünf weiße Haarbüschel an jeder Hinterleibsseite und zwei weiße Haarbüschel am Ende des Hinterleibs). Die Larven des Käfers schädigen vor allem Wiesen und Rasenflächen durch Wurzelfraß. Die erwachsenen Käfer fressen an Blättern, Blüten und Früchten von über 400 verschiedenen Pflanzenarten, darunter Zier-, Obst- und Kulturpflanzen. An den Pflanzen bleiben oft nur die Gerippe der Blätter zurück. Betroffen sind unter anderem Beeren, Obstbäume, Weinreben oder Mais, aber auch Rosen und Bäume wie Ahorn, Buche oder Eiche. Durch den Fraß werden die Pflanzen stark geschwächt oder sterben ab. Der Japankäfer wurde daher von der EU als sogenannter prioritärer Unionsquarantäneschädling eingestuft, also als ein besonders gefährlicher Schädling, dessen Ansiedlung und Ausbreitung verhindert oder eingedämmt werden muss.
Bisher wurden keine weiteren Japankäfer im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald gefunden. Um eine Ansiedlung des Käfers zu verhindern, sind die Behörden auf die Unterstützung der Bevölkerung angewiesen. Wer einen verdächtigen Käfer entdeckt, wird gebeten, den Käfer zu fangen, zu fotografieren und nach Möglichkeit in einem Glas oder einer Box einzufrieren. Das Foto kann beim Landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenberg (LTZ) mit Angabe des Fundortes per E-Mail an pflanzengesundheit-kaefer@ltz.bwl.de eingereicht werden. Rückreisende aus beispielsweise Italien oder der Schweiz werden dringend gebeten, keine Japankäfer als „Blinde Passagiere“ mitzubringen und Fahrzeuge sowie Gepäck nach der Rückkehr sorgfältig auf vorhandene Japankäfer zu kontrollieren.
Die Allgemeinverfügung findet sich im Internet unter https://www.breisgau-hochschwarzwald.de/bekanntmachungen “
Warum die Entwicklung auch Rheinland-Pfalz betrifft
Damit lässt sich auch der bisherige Ausbreitungsweg des Japankäfers von Basel über Freiburg bis nach Trebur nachvollziehen – ebenso wie die Notwendigkeit der umfangreichen Gegenmaßnahmen.
Wir bedanken uns ausdrücklich bei Dr. Olaf Zimmermann vom Landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenberg für die ergänzenden Fotografien. Sie ermöglichen nicht nur einen direkten Größenvergleich zwischen einer Cent-Münze und einem Japankäfer, sondern zeigen auch den Vergleich mit ähnlichen Käferarten. Bitte beachten Sie hierzu auch unsere Fotoleiste am Beginn dieses Beitrags.
Wie bei allen Beiträgen unserer Reihe „NaturEREIGNISbegleiter / Lebendige Moselweinberge“ erlauben wir uns zum Abschluss, auch auf den Japankäfer unseren bewährten Fragenkatalog anzuwenden. Wenngleich wir hoffen, dass zwei Fragen noch sehr lange unbeantwortet bleiben können – nämlich die Fragen: „Wo an der Mosel?“ und „In unserem Garten?“.
NaturEREIGNISbegleiter: Der Japankäfer im wissenschaftlichen Portrait
Japankäfer (Popillia japonica)
Name und wissenschaftliche Bezeichnung
● Deutscher Name: Japankäfer
● Wissenschaftlicher Name: Popillia japonica
● Ordnung: Käfer (Coleoptera)
● Familie: Blatthornkäfer (Scarabaeidae)
● Unterfamilie: Rutelinae
Wie leben Japankäfer?
Der Japankäfer lebt überwiegend einzeln, bildet zur Nahrungsaufnahme oder während der Paarungszeit jedoch häufig größere Ansammlungen an geeigneten Pflanzen. Solche Gruppen entstehen durch Duftstoffe der Pflanzen und Lockstoffe (Pheromone), welche weitere Käfer anziehen.
Die Larven leben vollständig im Boden und ernähren sich dort von Pflanzenwurzeln. Die erwachsenen Käfer halten sich dagegen oberirdisch auf Blättern, Blüten und Früchten auf.
Der Japankäfer hält keinen Winterschlaf. Die Larven überwintern tief im Boden in einer Kältestarre und entwickeln sich im folgenden Frühjahr weiter. Die erwachsenen Käfer sterben im Herbst.
Die Art kann gut fliegen. Einzelne Käfer legen meist einige hundert Meter bis wenige Kilometer zurück. Durch den Menschen – etwa über Fahrzeuge, Waren oder Pflanzen – kann sie jedoch unbeabsichtigt über sehr große Entfernungen verschleppt werden und neue Gebiete besiedeln.
Welche Sinnesorgane nutzen Japankäfer?
Japankäfer besitzen gut entwickelte Facettenaugen und können Bewegungen sehr gut wahrnehmen.
Die fächerförmigen Fühler enthalten zahlreiche Geruchsrezeptoren. Mit ihnen erkennen die Tiere Nahrungspflanzen sowie Sexualduftstoffe anderer Käfer.
Über Tast- und Geschmackssinn prüfen sie Blätter und Blüten auf ihre Eignung als Nahrung.
Wie unterscheiden sich Weibchen und Männchen?
● Körperlänge: etwa 8 bis 12 Millimeter.
● Körperbreite: etwa 5 bis 7 Millimeter.
Beide Geschlechter sehen sich sehr ähnlich.
Die Flügeldecken sind kupferbraun bis bronzefarben, Kopf und Halsschild metallisch grün glänzend. Auffällig sind fünf weiße Haarbüschel an jeder Hinterleibsseite sowie zwei weitere am Hinterleibsende.
Die Weibchen sind meist etwas kräftiger gebaut und besitzen einen stärker ausgeprägten Hinterleib, da dort die Eier heranreifen. Männchen wirken etwas schlanker. Die Größenunterschiede sind jedoch gering und im Gelände kaum erkennbar.
Paarung und Fortpflanzung
Nach dem Schlüpfen beginnen die Käfer bereits nach wenigen Tagen mit der Paarung.
Die Weibchen legen ihre Eier in lockeren, feuchten Boden, häufig auf Wiesen, Rasenflächen oder Weiden.
Ein Weibchen kann während seines Lebens etwa 40 bis 60 Eier in mehreren Gelegen ablegen.
Nach wenigen Wochen schlüpfen die Engerlinge und beginnen sofort mit dem Fraß an Pflanzenwurzeln.
Entwicklung und Lebensdauer
● Ei: etwa 10 bis 14 Tage.
● Larvenstadium: ungefähr 9 bis 11 Monate.
● Verpuppung: rund zwei bis drei Wochen.
● Geschlechtsreife: wenige Tage nach dem Schlüpfen.
● Lebensdauer der erwachsenen Käfer: meist vier bis acht Wochen.
Der gesamte Entwicklungszyklus dauert in Mitteleuropa normalerweise etwa ein Jahr.
Jahresablauf
Im Frühjahr werden die überwinternden Larven wieder aktiv und fressen an Wurzeln.
Im späten Frühjahr verpuppen sie sich.
Von Juni bis September schlüpfen die erwachsenen Käfer. Der Höhepunkt liegt meist im Juli und August.
Nach der Eiablage sterben die erwachsenen Tiere. Die jungen Larven verbringen Herbst und Winter im Boden.
Nahrung
Die Larven ernähren sich von den Wurzeln vieler Gräser.
Die erwachsenen Käfer fressen Blätter, Blüten und Früchte von mehr als 400 Pflanzenarten.
Dazu gehören unter anderem:
● Weinreben
● Apfelbäume
● Kirschbäume
● Pflaumen
● Himbeeren
● Brombeeren
● Erdbeeren
● Rosen
● Linden
● Ahorn
● Birken
● Mais
● Sojabohnen
Welche Regionen besiedeln Japankäfer?
Ursprünglich stammt die Art aus Japan sowie aus Teilen Ostasiens.
Heute kommt sie außerdem dauerhaft unter anderem in den USA, Kanada, Norditalien, der Schweiz sowie zunehmend in Mitteleuropa vor.
In Deutschland wurden bislang einzelne Populationen insbesondere im südwestlichen Grenzraum festgestellt.
Für Rheinland-Pfalz gilt der Japankäfer derzeit noch nicht als dauerhaft etabliert. Wegen der Nähe zu den Befallsgebieten in Baden-Württemberg, Frankreich und der Schweiz besteht jedoch ein erhöhtes Risiko einer Ausbreitung.
Welche Reviere beanspruchen Japankäfer?
Der Japankäfer verteidigt kein eigenes Revier.
Er nutzt überall dort Lebensräume, wo Nahrung und geeignete Eiablageplätze vorhanden sind.
Besonders geeignet sind:
● Weinberge
● Obstanlagen
● Parks
● Gärten
● Golfplätze
● Wiesen
● Rasenflächen
Tarnung und Verteidigung
Der metallisch glänzende Körper dient kaum der Tarnung.
Bei Gefahr lassen sich die Käfer häufig einfach fallen und bleiben regungslos liegen.
Die harte Außenhaut schützt sie zusätzlich vor kleineren Fressfeinden.
Eine chemische Verteidigung besitzen sie nicht.
Gefahren für den Japankäfer
Weltweit gilt der Japankäfer nicht als gefährdet.
Im Gegenteil zählt er zu den bedeutendsten invasiven Pflanzenschädlingen.
Natürliche Feinde sind unter anderem:
● Vögel
● Igel
● Maulwürfe
● Spitzmäuse
● Laufkäfer
● räuberische Insekten
● parasitische Fliegen
● Schlupfwespen
Auch Pilze, Bakterien und Fadenwürmer können Larven befallen.
Der Mensch bekämpft den Japankäfer intensiv durch Quarantänemaßnahmen, Kontrollen, Fallen und teilweise biologische Bekämpfung.
Welche Bedeutung hat der Japankäfer für Natur und andere Tiere?
Die Larven dienen verschiedenen Tieren als Nahrung.
Auch die erwachsenen Käfer werden von zahlreichen Vögeln und anderen Räubern gefressen.
Durch seinen starken Pflanzenfraß verändert der Japankäfer jedoch ganze Lebensräume und kann heimische Pflanzen sowie Nahrungsketten erheblich beeinträchtigen.
Wo kann man Japankäfer an oder um die Moselweinberge finden?
Sollte sich die Art in Rheinland-Pfalz dauerhaft ansiedeln, wären besonders gefährdet:
● Weinberge
● Rebterrassen
● Streuobstwiesen
● Obstgärten
● Parkanlagen
● Rasenflächen in Ortsnähe
Derzeit sind Funde an der Mosel sehr selten. Jeder Verdachtsfund sollte den Pflanzenschutzbehörden gemeldet werden.
Gibt es Japankäfer auch im Garten?
Grundsätzlich ja.
Vor allem Rasenflächen eignen sich als Entwicklungsort für die Larven.
Rosen, Weinreben, Obstgehölze und zahlreiche Zierpflanzen dienen den erwachsenen Käfern als Nahrung.
In Deutschland ist ein Befall derzeit jedoch noch selten und regional begrenzt.
Welche ökonomische Funktion hat der Japankäfer?
Eine wirtschaftlich positive Bedeutung besitzt der Japankäfer praktisch nicht.
Im Gegenteil verursacht er erhebliche Schäden im:
● Weinbau
● Obstbau
● Ackerbau
● Gartenbau
● Zierpflanzenbau
● öffentlichen Grünflächenmanagement
In stark befallenen Regionen entstehen jährlich Schäden in Millionenhöhe.
Welche ökologische Funktion hat der Japankäfer?
Als Bestandteil seines ursprünglichen asiatischen Ökosystems gehört der Japankäfer zum natürlichen Nahrungsnetz.
In Europa wirkt er jedoch als invasive Art.
Er kann heimische Pflanzen stark schädigen und dadurch die Artenzusammensetzung von Lebensräumen verändern.
Gleichzeitig dient er verschiedenen heimischen Tieren als zusätzliche Nahrungsquelle.
Esoterische, religiöse oder mythologische Bedeutung
Für den Japankäfer selbst existieren keine bekannten religiösen oder mythologischen Überlieferungen.
In Japan werden Käfer allgemein häufig mit Sommer, Naturverbundenheit, Ausdauer und Wandel verbunden.
Diese kulturellen Vorstellungen beziehen sich jedoch überwiegend auf Hirschkäfer und Nashornkäfer, nicht speziell auf den Japankäfer.
Aus wissenschaftlicher Sicht besitzt der Japankäfer keine besondere symbolische oder religiöse Bedeutung.
Alle Texte zum Thema „NaturEREIGNISbegleiter / Lebendige Moselweinberge“ finden Sie unter:
https://www.trierer-umschau.de/netzwerk/naturereignisbegleiter/
Vortext / Kommentar: Christoph Maisenbacher (KI-supported) – 2. August 2026
Quelle 1 (in Ausschnitten zitierter Text): Julius Kühn-Institut (JKI), Presemeldung vom 11.07.2024 – mit Fotos
Quelle 2 ((vollständig zitierter Text): Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) – Pressemitteilung vom 21 . Juli 2025
Quelle 3 (vollständig zitierter Text): Pressestelle des Landratsamtes Breisbau-Hochschwarzwald vom 31. Juli 2025
Link-Zitate: alle Zitate, die wir übernehmen sind im Text mit einem Link versehen
SEO & Social-Media-Support: ChatGPT
Wir bedanken uns für die ergänzenden Fotos (Japankäfer auf 1-Cent-Münze und Vergleich) beim Referat 16 (Jana Kolbe) vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) und bei Dr. Olaf Zimmermann vom Landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augusten berg (LTZ) in Karlsruhe
Foto 1: © A. Knoblauch / EPSD (Eidgenössischen Pflanzenschutzdienst) Schweiz / Julius Kühn-Institut (JKI) – Logo: © DLR Mosel – Foto 2: © Cappaert / Bugwood.org / Julius Kühn-Institut (JKI) – Foto 3: © S. Katovich (USFS = United States Forest Service (Forstverwaltung der Vereinigten Staaten)) / Bugwood.org / Julius Kühn-Institut (JKI) – Foto 4 und 5: © Olaf Zimmermann, LTZ (Landwirtschaftliches Technologiezentrum Augustenberg – Foto 6: Illustration: KI-generiert / Trierer Umschau
Dieser Text in LEICHTER SPRACHE ist veröffentlicht unter:
https://www.trierer-umschau.de/2026-08-02-cb/
Die Text-Folge „Lebendige Moselweinberge“ ist Dauno gewidmet:
vgl. https://www.trierer-umschau.de/2025-11-03-ba/
