Es geht nie um Deutschland allein. Es geht um die gemeinsame Welt, in der wir leben.
Illustration: KI-generiert / Trierer Umschau
ZDF Politbarometer Juli 2026
Foto: © ZDF / Forschungsgruppe Wahlen
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ZDF POLITBAROMETER

ZDF-Politbarometer Juli 2026: Menschsein, Demokratie, Klimaschutz – was die neuen Umfrageergebnisse über Deutschland erzählen

Wie denken die Menschen in Deutschland über Demokratie, Sicherheit, Klimaschutz und Hitzeschutz? Das aktuelle ZDF-Politbarometer Juli 2026 liefert Antworten – und wirft zugleich eine größere Frage auf: Wie viel Menschsein erkennen wir noch in unserer Politik und unserem gesellschaftlichen Miteinander?

 

Das Menschsein

 

„Das Menschsein“ hat sich in diesen Tagen als Leitmotiv auf unseren Redaktionstisch gelegt. Ausgelöst wurde dieser Gedanke durch unseren zuvor veröffentlichten Bericht über den Christopher Street Day in Trier. Dort ging es um Menschen, die von den Freiheiten unserer Demokratie Gebrauch machen: friedlich zusammenkommen, ihre Überzeugungen zeigen, miteinander feiern und für gleiche Rechte eintreten.

Unser Beitrag dazu ist weiterhin unter https://www.trierer-umschau.de/2026-07-28-ca/ abrufbar.

 

Wenn Gewalt das Menschsein herausfordert

 

Das Attentat am Rande des Christopher Street Days in Berlin wirkt bis in das aktuelle ZDF-Politbarometer hinein. Es hat die öffentliche Debatte über Sicherheit, Demokratie und den Schutz von Menschen sichtbar geprägt.

Meinungen dürfen verschieden sein. Widerspruch gehört zur Demokratie. Auch kontroverse Debatten müssen möglich bleiben. Doch wenn aus Worten Gewalt wird, wenn aus Ablehnung Aggression gegen Mitmenschen entsteht, gerät das Menschsein selbst in Gefahr. Dann ist es Aufgabe unseres Rechtsstaates, die Freiheit der Angegriffenen zu schützen und Gewalt mit den Mitteln des Rechts zu verteidigen. Ob daraus bereits die Schlussfolgerung gezogen werden kann, dass in Deutschland grundsätzlich zu wenig zum Schutz vor Anschlägen getan wird, oder ob dieses Umfrageergebnis vor allem die Betroffenheit nach den jüngsten Ereignissen widerspiegelt, wird die weitere Entwicklung zeigen. Ebenso gilt: Mehr Sicherheit darf nicht dazu führen, die Freiheitsrechte einer offenen Gesellschaft unnötig einzuschränken.

Dennoch sind Menschen verstorben und verletzt worden. Das bleibt die eigentliche Tragödie hinter jeder politischen Debatte.

 

Demokratie lebt vom Menschen

 

Menschsein in einer Demokratie sollte deshalb weit mehr sein als Wahlen oder politische Programme. Demokratie lebt von der Achtung der Würde jedes einzelnen Menschen.

Damit kommen wir zu unserem eigentlichen Bericht.

 

Umfragen als Spiegel unserer Gesellschaft

 

Vielleicht sind Umfragen mehr als Prozentzahlen.

Vielleicht erzählen sie etwas über den Zustand einer Gesellschaft. Über Hoffnungen. Über Enttäuschungen. Über Menschen, die das Gefühl haben, nicht mehr gesehen zu werden. Und über andere, die sich fragen, warum ihre Warnungen ungehört verhallen.

Das aktuelle ZDF-Politbarometer ist ein Blick in einen Spiegel. Einen Spiegel, der manchmal freundlich ist und manchmal schonungslos.

 

Klimawandel und Hitzeschutz verändern den Blick

 

Ein Ergebnis sticht dabei besonders hervor.

Große Mehrheiten der Befragten sehen beim Klima- und Hitzeschutz weiterhin erhebliche Defizite. Die außergewöhnlichen Hitzewellen, langen Trockenperioden und immer häufigeren Wetterextreme verändern den Blick vieler Menschen auf diese Fragen. Die Wirklichkeit schreibt ihre eigenen Argumente.

Und dennoch entsteht ein Widerspruch.

 

Zwischen politischen Entscheidungen und gesellschaftlichen Erwartungen

 

Je deutlicher viele Menschen diese Veränderungen wahrnehmen, desto größer scheint gleichzeitig die Distanz zwischen politischen Entscheidungen und gesellschaftlichen Erwartungen zu werden. Milliarden fließen in militärische Sicherheit. Gleichzeitig fragen sich viele Menschen, ob soziale Sicherheit, Bildung, Gesundheit, Klimaschutz oder bezahlbares Wohnen denselben politischen Stellenwert besitzen.

Vielleicht liegt genau darin ein Teil der Erklärung für das, was wir in Umfragen beobachten.

 

Die Sehnsucht, als Mensch wahrgenommen zu werden

 

Menschen wählen aus Unzufriedenheit Parteien, denen sie gleichzeitig nicht unbedingt Regierungsverantwortung anvertrauen möchten. Sie suchen nach Veränderung, ohne überzeugt zu sein, dass diese Veränderung tatsächlich die bessere Zukunft bringt.

Das wirkt zunächst widersprüchlich.

Vielleicht ist es aber Ausdruck einer viel tieferen Sehnsucht.

Der Sehnsucht, als Mensch wahrgenommen zu werden.

Nicht als Wählergruppe.

Nicht als Statistik.

Nicht als Kostenfaktor.

Nicht als Kommunikationsstrategie.

Sondern als Mensch.

 

Wie viel Vertrauen trägt eine Demokratie?

 

Wenn eine Regierung immer häufiger erklären muss, warum ihre Entscheidungen richtig sind, während immer mehr Menschen das Gefühl entwickeln, dass diese Erklärungen ihre eigene Lebenswirklichkeit nicht mehr erreichen, entsteht etwas, das Demokratien gefährlich werden kann: Distanz.

Vielleicht sitzt der Kapitän tatsächlich noch auf der Brücke.

Vielleicht kennt er sogar den geplanten Kurs.

Die entscheidendere Frage lautet jedoch:

Sind noch genügend Menschen an Bord, die bereit sind, diesen Weg mitzugehen?

 

Das Politbarometer als Einladung zum Nachdenken

 

Lesen Sie deshalb das folgende ZDF-Politbarometer nicht nur als Sammlung politischer Prozentwerte. Lesen Sie es als Momentaufnahme unserer Gesellschaft.

Als einen Spiegel.

Und fragen Sie sich dabei vielleicht dieselbe Frage wie wir:

Wie viel Menschsein erkennen wir noch in unserer Politik? Und wie viel Menschlichkeit erkennen wir noch in unserem gesellschaftlichen Miteinander?

 

 

„ZDF-Politbarometer Juli 2026

 

Gemischtes Urteil zu Personalwechsel in der Bundesregierung/Umgang mit Gefährdern: Mehrheit für schärfere Gesetze

 

Nach dem Rücktritt von Jens Spahn als Fraktionsvorsitzender der Union hat Bundeskanzler Friedrich Merz eine Reihe von Spitzenpositionen in der Bundesregierung neu besetzt. 55 Prozent der Befragten und Mehrheiten in allen Parteianhängerschaften außer der der AfD finden es grundsätzlich gut, dass in der Regierung einige Spitzenämter neu besetzt wurden, 31 Prozent finden das schlecht (Rest zu 100 Prozent hier und im Folgenden jeweils „weiß nicht“). Dass die Arbeit der Bundesregierung durch diese personellen Veränderungen eher besser wird, glauben aber lediglich 17 Prozent. 13 Prozent gehen von einer Verschlechterung aus, die meisten (61 Prozent) erwarten keine großen Auswirkungen. Diese Einschätzung teilen alle Parteianhängergruppen mehrheitlich. Kritisch wird das Vorgehen des Bundeskanzlers beurteilt: 57 Prozent finden, dass Merz seine Sache bei diesem Personalwechsel eher schlecht gemacht hat, lediglich rund ein Fünftel (21 Prozent) urteilt positiv. Auch in der Unionsanhängerschaft überwiegt mit 43 Prozent leicht die Kritik (eher gut: 39 Prozent).

 

Unzufriedenheit mit der Arbeit von Bundesregierung und Bundeskanzler

 

Vor diesem Hintergrund bleibt auch die Unzufriedenheit mit der Arbeit von Bundesregierung und Bundeskanzler hoch: 68 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass die Bundesregierung ihre Arbeit eher schlecht macht (eher gut: 28 Prozent). Mit 70 Prozent bezeichnen ähnlich viele die Leistungen von Bundeskanzler Merz als eher schlecht (eher gut: 26 Prozent). Mehrheitlich Unterstützung für ihre Arbeit erhalten die Regierung und der Kanzler jeweils nur aus den Reihen der Unionsanhänger.

 

Projektion: AfD bleibt klar vor Union

 

Die AfD ist in der Politbarometer-Projektion nach wie vor stärkste Partei und kann ihren Vorsprung ausbauen: Wenn am nächsten Sonntag wirklich Bundestagswahl wäre, käme die CDU/CSU unverändert auf 23 Prozent und die AfD leicht verbessert auf 28 Prozent (plus 1). Die SPD würde erneut 12 Prozent erzielen, die Grünen würden sich etwas verschlechtern und 13 Prozent (minus 1) erreichen. Die Linke erhielte 12 Prozent (minus 1), die FDP 4 Prozent (unverändert) und alle anderen Parteien kämen zusammen auf 8 Prozent (plus 1), darunter keine Partei, die mindestens drei Prozent erreichen würde. Mit diesem Ergebnis hätte Schwarz-Rot weiterhin keine Mehrheit.

 

Top Ten: Pistorius weiterhin Spitzenreiter

 

Bei der Beurteilung nach Sympathie und Leistung („Was halten Sie von?“) liegt Verteidigungsminister Boris Pistorius weiter auf Platz eins. Er wird auf der Skala von +5 bis -5 mit einem Durchschnittswert von 1,5 (hier und im Folgenden Vergleichswert von Mitte Juli: 1,5) beurteilt. Es folgen Cem Özdemir mit 0,9 (0,9) und Johann Wadephul mit 0,1 (0,1). Danach kommen – bereits im Negativbereich – Lars Klingbeil mit minus 0,6 (minus 0,7), Markus Söder ebenfalls mit minus 0,6 (minus 1,0), Bärbel Bas mit minus 0,8 (minus 0,9), Heidi Reichinnek ebenso mit minus 0,8 (minus 0,7), Friedrich Merz mit minus 1,5 (minus 1,6) und Katherina Reiche mit minus 1,6 (minus 1,8). Schlusslicht bleibt Alice Weidel mit minus 2,4 (minus 2,5).

 

Schärfere Gesetze für Gefährder

 

Nach dem Terroranschlag auf den CSD in Berlin am vergangenen Samstag sind 67 Prozent der Befragten der Ansicht, dass in Deutschland zu wenig zum Schutz vor Anschlägen getan wird. Nur 2 Prozent meinen, es werde da zu viel getan und für 28 Prozent ist der Umfang der Schutzmaßnahmen so gerade richtig. In diesem Kontext wird auch über den Umgang mit sogenannten Gefährdern gesprochen. Eine Mehrheit von 57 Prozent befürwortet eine Verschärfung der Gesetze und Regelungen für Gefährder, darunter die meisten Anhänger von CDU/CSU (73 Prozent), AfD (73 Prozent), SPD (54 Prozent) und FDP (73 Prozent). Insgesamt 41 Prozent und Mehrheiten in den Reihen der Grünen (66 Prozent) und der Linke (66 Prozent) finden hingegen, dass es ausreichen würde, wenn die bestehenden Gesetze und Regelungen durch die Behörden konsequenter angewendet werden.

 

Klimaschutz in Deutschland

 

Wenn es um den Klimaschutz bei uns geht, gibt es nach Ansicht der Befragten noch klare Defizite: Dass die Politik in Deutschland zu wenig für den Klimaschutz tut, sagen 54 Prozent (zu viel: 18 Prozent; gerade richtig: 24 Prozent). Ähnlich viele (52 Prozent) bewerten die Klimaschutzmaßnahmen der Unternehmen in Deutschland als unzureichend (zu viel: 10 Prozent; gerade richtig: 29 Prozent), und auch die Bürger engagieren sich für eine Mehrheit der Befragten (53 Prozent) zu wenig für den Klimaschutz (zu viel: 9 Prozent; gerade richtig: 33 Prozent).

 

Hitzeschutz in Deutschland

 

Lediglich 13 Prozent der Befragten glauben, dass in Deutschland genug zum Schutz der Menschen vor großer Hitze getan wird, zum Beispiel durch mehr Begrünung, Trinkbrunnen oder kühle öffentliche Räume. 83 Prozent und klare Mehrheiten in allen Parteianhängergruppen halten die Maßnahmen zum Hitzeschutz bei uns für nicht ausreichend. Zudem machen sich rund drei Viertel (74 Prozent) Sorgen, dass es in den nächsten Jahren viel häufiger zu extremen Wetterereignissen wie Hitzewellen, großer Trockenheit oder Hochwasser kommen wird. Insgesamt nur ein Viertel (25 Prozent) macht sich dahingehend keine Sorgen.

 

Demokratiezufriedenheit [erreicht neuen Tiefstand]

 

Mit 54 Prozent sind so viele Befragte wie noch nie unzufrieden mit der Demokratie in Deutschland, 44 Prozent äußern sich zufrieden. Dabei ist die Unzufriedenheit mit dem Funktionieren unserer Demokratie im Osten (64 Prozent; zufrieden: 34 Prozent) größer als im Westen (52 Prozent; zufrieden: 46 Prozent).

 

Die Umfrage zum Politbarometer wurde wie immer von der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen durchgeführt. Die Interviews wurden in der Zeit vom 28. bis zum 30. Juli 2026 bei 1.405 zufällig ausgewählten Wahlberechtigten telefonisch und online erhoben. Dabei wurden sowohl Festnetz- als auch Mobilfunknummern berücksichtigt. Die Befragung ist repräsentativ für die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. “

 

 

Vortext / Kommentar: Christoph Maisenbacher (KI-supported) – 2. August 2026
Quelle (vollständig zitierter Text): ZDF-Kommunikation
Link-Zitate: alle Zitate, die wir übernehmen sind im Text mit einem Link versehen
SEO & Social-Media-Support: ChatGPT
Foto 1: Illustration: KI-generiert / Trierer Umschau – Foto 2 bis 14: © ZDF / Forschungsgruppe Wahlen

Dieser Text in LEICHTER SPRACHE ist veröffentlicht unter:
https://www.trierer-umschau.de/2026-08-02-bb/