TRIER-WETTER & HOCHSCHULE WEIHENSTEPHAN-TRIESDORF (HSWT)
Dachbegrünung statt Klimaanlage? Forschungsprojekt Climate4Roofs zeigt neue Wege gegen Sommerhitze
Immer heißere Sommer stellen Gebäude vor neue Herausforderungen. Ein Forschungsprojekt der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf untersucht, wie begrünte Dächer Wohnhäuser deutlich kühler halten und den Energiebedarf von Klimaanlagen senken könnten. Der Wetterblick der Trierer Umschau führt deshalb heute von Trier bis nach Grönland – und zu einer Idee für die Zukunft des Bauens.
Wir sind mitten im Hochsommer – um die Orientierung nicht zu verlieren.
Wetter in Trier: Sonne, Wolken und zum Abend vielleicht etwas Regen
Für Trier melden unsere zwei Wetter-Dachtauben ** Temperaturen zwischen 15 und 26 Grad, wenngleich das „Sonne pur“ anscheinend zum Nachmittag von Wolken unterschiedlicher Dichte begleitet werden wird – selbst Böen mit bis zu 50 km/h sind angekündigt – und zum Sonnenuntergang möglicherweise etwas Regen.
Wettervergleich in Europa: Von Luxemburg bis Grönland
Unser Sonntag-Blick auf das Wetter in vier Hauptstädten der Europäischen Gemeinschaft führt uns ins benachbarte Luxemburg, das quasi unser Wetter „übernimmt“ – mit einem Grad geringerer Temperatur. Für Madrid werden Temperaturen bis 32 Grad und Sonne pur gemeldet. Nikosia auf Zypern bietet 33 Grad und Nuuk, die Hauptstadt von Grönland, meldet – man staune – 7 bis 20 Grad. Wobei dieser Höhenflug sich schon morgen halbieren wird und nur noch 10 Grad Höchsttemperatur lauten werden.
Dachbegrünung als Alternative zur Klimaanlage?
Unser Wetter-Blick hat in der letzten Zeit die Auswertung der Juli-Hitze im Fokus gehabt. Heute möchten wir den Blick auf die Dachbegrünung und deren Alternative zu Klimaanlagen werfen. Verführt dazu hat uns eine Pressemitteilung der Hochschule für angewandte Wissenschaften Weihenstephan-Triesdorf zu dem Projekt „Entwicklung eines Dachbegrünungselements zur Gebäudeklimatisierung mit Kreislauf- und Wärmepumpenanbindung (Climate4Roofs)“, das auf der Webseite https://www.hswt.de/forschung/projekt/2047-climate4roofs wie folgt vorgestellt wird.
„Aufgrund der fortschreitenden Erderwärmung und den damit einhergehenden heißer werdenden Sommern wird der Wärmeschutz in Wohngebäuden immer relevanter. Infolgedessen werden in Zukunft mehr Personen eine Klimatisierung ihrer Wohngebäude aus Gründen von Komfort oder Gesundheit vornehmen. Der zunehmende Einsatz von Kälteanlagen wird zu einem steigenden Energiebedarf im Gebäudesektor führen, was dem Erreichen der deutschen und europäischen Klimaziele entgegenwirkt. Zudem sind die derzeit eingesetzten Kältemittel kritisch zu betrachten, da diese zu über 95 % als klimaschädlich eingestuft sind.
Zur Entschärfung dieser Problematiken braucht es neue, grüne und innovative Konzepte der Gebäudeklimatisierung. Im Rahmen dieses Forschungsprojekts wurde deshalb ein neuartiges Dachbegrünungselement mit hydraulischer Anbindung an das Gebäudeinnere entwickelt, welches den Bedarf an aktiver Gebäudeklimatisierung reduzieren soll. Eine mögliche Wärmepumpenanbindung wurde dabei ebenfalls untersucht.“
Wir zitieren deshalb die Pressemitteilung zum Projekt hier vollständig und wünschen uns, dass die Analyse der Wirtschaftlichkeit positiv bewertet werden wird:
„Dachbegrünung als Beitrag zur Gebäudeklimatisierung
Das Projekt „Entwicklung eines Dachbegrünungselements mit Kreislauf- und Wärmepumpenanbindung“ (Climate4Roofs – https://www.hswt.de/forschung/projekt/2047-climate4roofs ) erforscht, wie eine neuartige Dachbegrünung den Bedarf an aktiver Gebäudeklimatisierung durch elektrisch betriebene Klimaanlagen reduzieren kann.
Matthias Wörlein bearbeitet das von Prof. Dr. Andreas Ratka geleitete Projekt im Rahmen seiner Promotion. Prof. Dr. Klaus-Peter Wilbois hat Matthias Wörlein interviewt, ob und wie eine spezielle Dachbegrünung dazu beitragen kann, einerseits das Raumklima zu verbessern und andererseits die Umwelt zu entlasten.
Interview: Wie können begrünte Dächer Gebäude kühlen?
Was ist das zentrale Ziel Ihres Promotionsprojekts – welche Fragestellung zu Dachbegrünung und Gebäudeklimatisierung untersuchen Sie konkret?
Im Mittelpunkt steht – wie so häufig heutzutage – der Klimawandel und seine Auswirkungen. Er steigert den Klimatisierungsenergiebedarf in Deutschland und wirkt mit dem einhergehenden hohen Energieverbrauch sowohl den nationalen als auch den internationalen Klimazielen entgegen. Folglich müssen nachhaltige Konzepte zur Gebäudeklimatisierung entwickelt werden. In diesem Zusammenhang beschäftige ich mich mit den kühlenden Effekten von Dachbegrünungen und deren effizienter Nutzung in Gebäuden.
Warum gewinnt die Dachbegrünung von Wohngebäuden im Zuge des Klimawandels zunehmend an Bedeutung?
Durch den Klimawandel erleben wir immer häufiger extreme Hitzeperioden. Die vergangenen Jahre haben deutlich gezeigt, dass diese nicht mehr als Ausnahmeerscheinungen betrachtet werden können, sondern zunehmend zur Regel werden. In solchen Phasen steigen die Temperaturen auch in unseren Wohngebäuden auf ein unangenehmes Niveau. Dachbegrünungen können dieser Überhitzung entgegenwirken. Da diese, abgesehen von einer eventuell erforderlichen Bewässerung keine zusätzliche Energie benötigen, werden sie als passive Klimatisierungssysteme klassifiziert. Aufgrund des geringen Energiebedarfs stellt der Einsatz solcher Systeme eine besonders sinnvolle und nachhaltige Maßnahme zur Verbesserung des sommerlichen Wärmeschutzes dar.
Wie kann eine begrünte Dachlösung konkret helfen, Gebäude im Sommer kühl zu halten?
Hier spielen verschiedene Effekte eine Rolle. Zu einer Kühlung beziehungsweise geringeren Aufheizung des Gebäudes tragen insbesondere die Verschattung der Gebäudeoberfläche durch die Vegetation, die Evapotranspiration [Gesamtverdunstung, Anm. d. Red.] des Gründachs sowie die zusätzliche thermische Masse des Dachaufbaus bei. Darüber hinaus bieten Dachbegrünungen zahlreiche weitere positive Effekte für ihre Umgebung wie z.B. Biodiversitätsförderung, Regenwasserrückhalt sowie Bindung von CO₂ und Luftschadstoffen.
Was ist das Besondere an dem neuen Dachbegrünungssystem, das im Rahmen des Projekts entwickelt wird?
In Ländern wie Deutschland sind Gebäude in der Regel sehr gut wärmegedämmt. Dies ist notwendig, um den Heizenergiebedarf im Winter möglichst gering zu halten. In Kombination mit einer Dachbegrünung führt die starke Dämmung jedoch dazu, dass deren kühlende Effekte das Gebäudeinnere nur geringfügig beeinflussen. Man spricht in diesem Zusammenhang von einer thermischen Trennung zwischen Gründach und Innenraum. Um diese Trennung zu überwinden, wird ein gekoppeltes Wärmeübertragersystem zwischen Dachbegrünung und Gebäudeinnerem eingesetzt. Ziel ist es, die kühlenden Effekte des Gründachs nutzbar zu machen, ohne dabei die wärmedämmende Wirkung im Winter zu beeinträchtigen. Vereinfacht lässt sich das Konzept wie zwei miteinander verbundene Fußbodenheizungen beschreiben. Der Unterschied besteht darin, dass sich ein Rohrregister im Substrat der Dachbegrünung und das andere in der Gebäudedecke befindet. Ist die Temperatur im Substrat niedriger als im Gebäudeinneren, wird ein Wärmeträgermedium umgewälzt. Dadurch kann Wärme aus dem Gebäude über das Gründach abgeführt und das Gebäude aktiv gekühlt werden.
Kann eine solche Lösung wirklich den Einsatz von Klimaanlagen reduzieren – und wenn ja, wie stark?
Kurz gesagt: Ja! Wir haben das Konzept zunächst mithilfe von Miniaturgebäuden experimentell auf seine Funktionsfähigkeit geprüft und anschließend ein mathematisches Modell entwickelt, das das Verhalten derartiger Gründachsysteme realitätsnah abbildet. Die Anwendung bei einem zweigeschossigen Einfamilienhaus ergab potenzielle Klimatisierungsenergieeinsparungen von bis zu 53 %. Zum Vergleich: Mit einem konventionellen Gründach konnten lediglich Einsparungen von rund 8 % erzielt werden.
Welche Rolle spielt Wasser in Ihrem Konzept, zum Beispiel durch Verdunstung oder Regenwasserspeicherung?
Im Allgemeinen lässt sich sagen, dass das Konzept umso besser funktioniert, je mehr Regenwasser das Dach speichern kann. Eine hohe Wasserspeicherkapazität ist besonders vorteilhaft, da sie gleich zwei positive Effekte mit sich bringt: Zum einen wird die Kanalisation entlastet, zum anderen steigt die Kühlleistung des Systems. Eine aktive Bewässerung des Gründachs sehe ich hingegen eher kritisch, da sommerliche Wasserknappheit in vielen Regionen zu einem zunehmend größeren Problem wird.
Wie wirtschaftlich ist diese Art der Dachbegrünung – lohnt sie sich langfristig für Hausbesitzer oder Unternehmen bzw. öffentliche Institutionen?
Mit der Untersuchung dieses neuartigen Gründachkonzeptes befinden wir uns aktuell noch in der Basisforschung, dementsprechend möchte ich mir noch keine Aussage über die Wirtschaftlichkeit erlauben. Unser Projektpartner eft-system GmbH wird das System demnächst auf einem Realgebäude installieren, sodass wir dann beispielsweise die Installationskosten besser abschätzen können.
Weitere Informationen:
https://www.hswt.de/forschung/projekt/2047-climate4roofs HSWT-Forschungsprojekt Entwicklung eines Dachbegrünungselements zur Gebäudeklimatisierung mit Kreislauf- und Wärmepumpenanbindung (Climate4Roofs)“
Wir wünschen Ihnen Frieden!*
Vortext / Kommentar: Christoph Maisenbacher (KI supported) – 26. Juli 2026
Quelle (vollständig zitierter Text): Gerhard Radlmayr Zentrum für Forschung und Wissenstransfer (ZFW) – Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT)
Link-Zitate: alle Zitate, die wir übernehmen sind im Text mit einem Link versehen
SEO & Social-Media-Support: ChatGPT
Foto 1: © Trierer Umschau – Fot 2 und 3: Quelle: Matthias Wörlein – Copyright: © HSWT
Dieser Text in LEICHTER SPRACHE ist veröffentlicht unter:
https://www.trierer-umschau.de/2026-07-26-ab/
* warum wir Ihnen Frieden wünschen:
https://www.trierer-umschau.de/2025-07-29-aa/
** unsere zwei für das Wetter zuständigen Dach-Tauben haben wir vorgestellt in:
https://www.trierer-umschau.de/2026-05-12-aa/
