Segelfalter
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Segelfalter
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Segelfalter
Foto: Illustration: KI-generiert / Trierer Umschau
Steinweichsel
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NATUREREIGNISBEGLEITER - TEXT 52

Segelfalter an der Mosel: Wie Klimawandel, Weinbergsbrachen und die Steinweichsel einer bedrohten Art helfen | NaturEREIGNISbegleiter – Lebendige Moselweinberge

Der Segelfalter gehört heute wieder zu den auffälligsten Schmetterlingen der Moselregion. Eine NABU-Pressemitteilung zeigt, warum gepflegte Weinbergsbrachen, wärmeliebende Lebensräume und sogar der Klimawandel zu seiner Rückkehr beitragen. Die Trierer Umschau ergänzt den Beitrag mit einem Herbarium-PLUS-Steckbrief zum Segelfalter und zur Steinweichsel – einer seiner wichtigsten Raupenfutterpflanzen.

 

Segelfalter an der Mosel: Eine kleine Exkursion in unserer Herbarium-PLUS-Reihe

 

Wir sind noch nicht am Ende unserer redaktionellen Betrachtung des Johannisstraußes. Erst gestern erschien unser jüngster Beitrag aus der Reihe „NaturEREIGNISbegleiter / Lebendige Moselweinberge“ zur Schafgarbe (vgl. https://www.trierer-umschau.de/2026-07-11-ca/). Zwei der fünf Kräuter des Johannisstraußes werden wir in den kommenden Tagen noch im Rahmen unserer Herbarium-PLUS-Reihe vorstellen.

Die heute eingetroffene Pressemitteilung des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) erlaubt uns jedoch eine kleine Exkursion. Denn ausgerechnet die heute vielerorts gepflegten Brachflächen tragen dazu bei, dass der Segelfalter inzwischen nicht mehr als vom Aussterben bedroht gilt.

 

NABU: Der Segelfalter kehrt in seine Lebensräume zurück

 

„In Deutschland hat der Segelfalter drei Hauptvorkommen: entlang von Nahe, Mosel und Mittelrhein, im Taubertal und in Mainfranken sowie in weiten Teilen von Sachsen und Brandenburg samt des Berliner Raums“, ergänzt der NABU in seiner Pressemitteilung.

Für die Leserinnen und Leser der Trierer Umschau ist die Spätblühende Traubenkirsche als „neue Futterpflanze“ des Segelfalters keine Unbekannte. Auch die Schlehe haben wir bereits vorgestellt (beide in: https://www.trierer-umschau.de/2026-05-14-ba/).

 

Vom Presseartikel zum Herbarium-PLUS-Fragebogen

 

Nach der Pressemitteilung möchten wir den Blick wieder auf unsere Reihe „NaturEREIGNISbegleiter / Lebendige Moselweinberge“ richten. Wie gewohnt ergänzen wir den journalistischen Bericht durch unsere Herbarium-PLUS-Fragebögen. Zunächst stellen wir den Segelfalter ausführlich vor. Anschließend folgt mit der Steinweichsel (Prunus mahaleb) eines jener Rosengewächse, das für die Entwicklung seiner Raupen eine besondere Bedeutung besitzt.

Folgt man den derzeit verfügbaren Verbreitungskarten, handelt es sich bei der Steinweichsel um einen wärmeliebenden Baum, der in Deutschland vor allem in Rheinland-Pfalz und im Saarland vorkommt (vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Steinweichsel).

 

 

Farbenprächtiger Bote des Klimawandels

 

Jetzt fliegt die Sommergeneration des Segelfalters

 

Er ist groß und bunt und es kann ihm scheinbar gar nicht warm genug sein: Der Segelfalter breitet sich in Deutschland immer mehr aus. Nach der Frühjahrsgeneration im Mai schlüpfen jetzt die Falter der Sommergeneration. Oft flattern Segelfalter auf der Suche nach Nektar bis in die Gärten hinein.

Noch vor wenigen Jahrzehnten sah das ganz anders aus, weiß NABU-Sprecher Helge May: „Von den Segelfalterbeständen waren nur kleine Reste übrig, das Aussterben schien nah. Vor allem die Raupen benötigen zur Entwicklung viel Wärme, die bekommen sie in unseren Breiten nur bei starker Sonneneinstrahlung. Wegen der Nutzungsaufgabe bisher beweideter oder per Hand bewirtschafteter Flächen verbuschten diese, die Sonne kam nicht mehr durch.“

Dass die Segelfalter wieder zahlreicher wurden, war zunächst gezielten Pflegemaßnahmen zu verdanken. Flächen wurden gelichtet, Sträucher zurückgeschnitten und Beweidung organisiert. Dazu kommt als weitere Zutat der Klimawandel. Viele Arten einschließlich des Menschen stellt die Erderwärmung vor enorme Herausforderungen, sie wächst sich zu einer existenziellen Klimakrise aus. Wärmeliebende Arten wie der Segelfalter profitieren dagegen. Zusätzlicher Lebensraum entstand für die Segelfalter in den großen Offenflächen der ehemalige Braunkohletagebaue im Osten Deutschlands. Während sich die Raupen sonst von Schlehenblättern und der nahe verwandten Steinweichsel ernähren, wurde dort die aus Amerika stammende Späte Traubenkirsche zur wichtigsten Futterpflanze.

Ausgerechnet die Klimakrise, der Moloch Kohleabbau und eine invasive Art greifen also einem bedrohten Schmetterling unter die Flügel. Das ist keine Kombination aus dem Naturschutz-Lehrbuch und kaum auf andere Arten übertragbar. Aber der Segelfalter hat sich nun so gut erholt, dass ihn die jüngste bundesweite Rote Liste als „ungefährdet“ führt. „Dabei erreicht er trotz des deutlichen Anstiegs der letzten 15 bis 20 Jahre längst nicht die Verbreitung wie vor 150 oder 200 Jahren. Dazu sind die modernen ‚Normallebensräume‘ zu strukturarm“, betont May. „Damit der Aufschwung von Dauer ist und auch weitere Arten profitieren, müssen wir unsere Landschaften wieder anreichern. Mit gutem Willen aller Beteiligten ginge das, selbst Land- und Forstwirtschaft hätten davon Vorteile.“

 

Herbarium PLUS der Trierer Umschau

Wie gewohnt ergänzt unsere Redaktion die aktuelle Pressemitteilung mit zwei wissenschaftlich aufgebauten Steckbriefen. Sie stellen den Segelfalter und seine wichtige Raupenfutterpflanze, die Steinweichsel, ausführlich vor und ordnen beide Arten in den Naturraum der Moselweinberge ein.

 

Segelfalter (Iphiclides podalirius)

 

Name und wissenschaftliche Bezeichnung

Der Segelfalter gehört zur Familie der Ritterfalter (Papilionidae) und zählt zu den größten und auffälligsten Tagfaltern Europas.

● Deutscher Name: Segelfalter
● Wissenschaftlicher Name: Iphiclides podalirius
● Familie: Ritterfalter (Papilionidae)

 

Lebensweise

Der Segelfalter lebt überwiegend einzeln. Nur während der Paarungszeit treffen Weibchen und Männchen gezielt aufeinander. Besonders die Männchen patrouillieren an sonnigen Hängen und fliegen regelmäßig feste Strecken entlang, um Weibchen zu finden.

Die Art bevorzugt warme, trockene und strukturreiche Landschaften. Sie hält keinen Winterschlaf und unternimmt auch keine Fernwanderungen. Stattdessen bleiben die Tiere in geeigneten Lebensräumen und können angrenzende Flächen neu besiedeln, wenn dort passende Futterpflanzen wachsen.

Die Überwinterung erfolgt als Puppe.

 

Sinnesorgane

Wie andere Tagfalter verfügt der Segelfalter über hervorragend entwickelte Sinnesorgane.

● Große Facettenaugen ermöglichen nahezu einen Rundumblick und erkennen Farben sowie ultraviolettes Licht.

● Die Fühler dienen als Geruchsorgane und helfen beim Auffinden von Blüten sowie Paarungspartnern.

● Geschmackssinn besitzen die Tiere auch an ihren Vorderfüßen. So prüfen sie bereits beim Landen, ob eine Pflanze für die Eiablage geeignet ist.

 

Unterschiede zwischen Weibchen und Männchen

Die Geschlechter ähneln sich stark.

● Flügelspannweite: meist 60 bis 80 Millimeter, vereinzelt bis etwa 90 Millimeter.

● Körperlänge: etwa 30 bis 40 Millimeter.

● Weibchen sind durchschnittlich etwas größer und kräftiger gebaut.

● Männchen wirken etwas schlanker und fliegen oft besonders aktiv über sonnige Hänge.

Beide besitzen eine hellgelbe Grundfarbe mit schwarzen Längsstreifen und lange, schwanzartige Fortsätze an den Hinterflügeln. Die blauen und orangefarbenen Zeichnungen sind bei beiden Geschlechtern ähnlich ausgeprägt.

 

Paarung und Fortpflanzung

Im Frühjahr suchen die Männchen sonnige Geländekuppen oder Hanglagen auf und warten dort auf Weibchen.

Nach der Paarung legt das Weibchen einzelne Eier auf Blätter geeigneter Futterpflanzen.

In Mitteleuropa entwickeln sich meist zwei Generationen pro Jahr. In besonders warmen Regionen kann vereinzelt eine dritte Generation auftreten.

 

Entwicklung und Lebensdauer

Der Lebenszyklus umfasst mehrere Entwicklungsstadien.

● Ei: etwa eine Woche.

● Raupe: ungefähr vier bis sechs Wochen.

● Puppe: mehrere Wochen oder – bei der Überwinterung – bis zum folgenden Frühjahr.

● Geschlechtsreife: unmittelbar nach dem Schlüpfen der Falter.

● Leben als Falter: meist zwei bis vier Wochen.

 

Jahresablauf

Der Segelfalter zeigt einen gut erkennbaren Jahresrhythmus.

● März bis April: Schlupf überwinterter Puppen.

● April bis Juni: erste Faltergeneration.

● Juli bis August: zweite Generation.

● August bis September: Eiablage für die überwinternde Generation.

● Herbst bis Frühjahr: Überwinterung als Puppe.

 

Nahrung

Die erwachsenen Falter ernähren sich von Blütennektar.

Besonders häufig besuchen sie:

● Disteln

● Flockenblumen

● Skabiosen

● Rotklee

● Wiesensalbei

Die Raupen ernähren sich vor allem von Blättern verschiedener Rosengewächse.

Dazu gehören unter anderem:

● Schlehe

● Weißdorn

● Steinweichsel

● Obstbäume wie Pflaume oder Kirsche

● Spätblühende Traubenkirsche

 

Verbreitung

Der Segelfalter kommt von Nordafrika über Südeuropa bis nach West- und Zentralasien vor.

In Deutschland liegen die wichtigsten Vorkommen:

● an Mosel, Nahe und Mittelrhein

● im Taubertal

● in Mainfranken

● in Sachsen

● in Brandenburg einschließlich des Berliner Raums

Rheinland-Pfalz zählt damit zu den bedeutendsten Verbreitungsschwerpunkten Deutschlands.

 

Revierverhalten

Der Segelfalter verteidigt keine festen Reviere wie viele Wirbeltiere.

Männchen besetzen jedoch bevorzugte Aussichtspunkte an Bergrücken oder Hügelkuppen und vertreiben dort Rivalen. Dieses Verhalten wird als Gipfelbalz (Hilltopping) bezeichnet.

 

Tarnung und Schutz

Die Raupen sind hervorragend angepasst.

● Junge Raupen ähneln Vogelkot und werden dadurch leicht übersehen.

● Ältere Raupen besitzen eine grüne Färbung und verschmelzen nahezu mit den Blättern.

Bei Gefahr strecken Raupen ein orangefarbenes Duftorgan (Osmeterium) hinter dem Kopf aus, das Fressfeinde abschrecken soll.

Die erwachsenen Falter verlassen sich vor allem auf ihren schnellen und sehr wendigen Flug.

 

Gefährdung

Der Bestand hat sich in den vergangenen Jahrzehnten regional teilweise wieder erholt.

Grund dafür sind unter anderem:

● wärmere Klimabedingungen

● geeignete Brachflächen

● offene, sonnige Landschaften

Dennoch bestehen zahlreiche Gefahren.

● Verlust geeigneter Lebensräume

● Verbuschung offener Hänge

● intensive Landwirtschaft

● Pestizide

● Flächenversiegelung

Zu den natürlichen Feinden gehören Vögel, Spinnen sowie räuberische Insekten.

 

Bedeutung für die Natur

Der Segelfalter gehört zu den wichtigen Bestäubern vieler Wildpflanzen.

Gleichzeitig dient er anderen Tierarten als Nahrung und ist ein wertvoller Bestandteil artenreicher Kulturlandschaften.

Sein Auftreten gilt als Hinweis auf naturnahe, strukturreiche und ökologisch hochwertige Lebensräume.

 

Wo findet man den Segelfalter an den Moselweinbergen?

An der Mosel lässt sich der Segelfalter besonders gut beobachten:

● an sonnigen Weinbergshängen

● auf offenen Trockenrasen

● an Brachflächen

● entlang von Hecken

● an Schlehen- und Weißdorngebüschen

● auf blütenreichen Säumen zwischen Weinbergen

Gerade extensiv gepflegte Weinbergsbrachen bieten heute hervorragende Lebensbedingungen.

 

Kommt der Segelfalter auch in den Garten?

Ja, allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen.

Ein naturnaher Garten mit Blühpflanzen und geeigneten Raupenfutterpflanzen kann gelegentlich besucht werden.

Besonders hilfreich sind:

● Schlehe

● Weißdorn

● Wildpflaumen

● ungefüllte heimische Blütenpflanzen

 

Ökonomische Funktion

Der Segelfalter besitzt keine unmittelbare wirtschaftliche Bedeutung.

Indirekt trägt er jedoch zur Bestäubung verschiedener Pflanzen bei und steigert den Natur- und Erholungswert artenreicher Landschaften. Zudem gilt er als attraktive Zielart für Naturtourismus und Umweltbildung.

 

Ökologische Funktion

Der Segelfalter ist ein wichtiger Bestandteil artenreicher Offenlandschaften.

● Bestäubung zahlreicher Blütenpflanzen

● Bestandteil komplexer Nahrungsketten

● Nahrung für verschiedene Tierarten

● Bioindikator für strukturreiche, naturnahe Lebensräume

● Symbolart für den Erhalt extensiver Kulturlandschaften

 

Esoterische, religiöse und mythologische Bedeutung

Wie viele Schmetterlinge steht auch der Segelfalter in zahlreichen Kulturen als Sinnbild der Verwandlung.

● Symbol für Wandel und Erneuerung

● Sinnbild der Freiheit und Leichtigkeit

● In der antiken Symbolik steht der Schmetterling häufig für Seele und Wiedergeburt.

● In der christlichen Kunst gilt der Schmetterling seit Jahrhunderten als Symbol der Auferstehung und des neuen Lebens.

Für den Segelfalter selbst existieren jedoch keine eigenständigen religiösen oder mythologischen Überlieferungen; seine symbolische Bedeutung entspricht weitgehend derjenigen anderer Schmetterlingsarten.

 

 

Steinweichsel (Prunus mahaleb)

 

Name und wissenschaftliche Bezeichnung

Die Steinweichsel gehört zur Familie der Rosengewächse (Rosaceae) und ist eine nahe Verwandte von Kirsche, Schlehe und Pflaume. Wegen ihres angenehmen Duftes wird sie auch Felsenkirsche, Weichselkirsche oder Mahaleb-Kirsche genannt.

● Deutscher Name: Steinweichsel
● Wissenschaftlicher Name: Prunus mahaleb
● Familie: Rosengewächse (Rosaceae)

 

Allgemeine Beschreibung

Die Steinweichsel wächst meist als Großstrauch oder kleiner Baum und erreicht gewöhnlich eine Höhe von drei bis acht Metern, in Ausnahmefällen bis etwa zehn Meter.

Im Frühjahr schmückt sie sich mit zahlreichen kleinen, reinweißen und intensiv duftenden Blüten, die bereits aus einiger Entfernung wahrgenommen werden können. Die Blütezeit liegt – je nach Witterung – zwischen April und Mai.

Ab Juli bis August entwickeln sich kleine, rundliche Früchte. Sie färben sich bei der Reife dunkelrot bis schwarz. Das Fruchtfleisch ist dünn, schmeckt deutlich bitter und wird deshalb kaum frisch verzehrt.

Essbar sind grundsätzlich die reifen Früchte, allerdings nur in kleinen Mengen. Deutlich bedeutender ist der aromatische Steinkern, dessen Samen – ähnlich wie die Kerne der Felsenkirsche im Mittelmeerraum – traditionell als Gewürz für Gebäck oder Süßspeisen verwendet werden. Wegen der natürlichen Blausäureverbindungen sollten Kerne jedoch nur verarbeitet und niemals in größeren Mengen roh verzehrt werden.

Die Blüte kann wenige Wochen beobachtet werden, während die Früchte etwa von Juli bis August nutzbar sind.

 

Worauf sollte man achten?

Eine Verwechslung mit anderen Wildkirschen ist grundsätzlich möglich.

Kennzeichnend sind:

● sehr kleine, stark duftende weiße Blüten.

● kleine fast schwarze Früchte.

● rundliche bis leicht herzförmige Blätter.

● aromatisch riechende Rinde.

Beim Sammeln gilt:

● Nur reife Früchte verwenden.

● Die Steinkerne nicht roh in größeren Mengen essen.

● In Naturschutzgebieten keine Pflanzenteile entnehmen.

● Für Tiere ausreichend Früchte am Baum belassen.

 

Geschichte und Verbreitung

Die Steinweichsel stammt ursprünglich aus den trockenen und warmen Gebieten Süd- und Südosteuropas sowie Vorderasiens.

Ihr natürliches Verbreitungsgebiet reicht vom Mittelmeerraum über den Balkan bis nach Kleinasien und den Kaukasus.

In Deutschland kommt sie seit sehr langer Zeit vor, gilt jedoch als seltene heimische Baumart mit natürlichen Vorkommen vor allem in den wärmebegünstigten Regionen Südwestdeutschlands.

An der Mosel gehört sie zu den typischen Gehölzen trockener Kalk- und Felsstandorte und dürfte dort bereits seit Jahrtausenden heimisch sein.

 

Standortansprüche

Die Steinweichsel ist hervorragend an warme Weinbergslagen angepasst.

Sie bevorzugt:

● kalkreiche Böden.

● trockene bis mäßig trockene Standorte.

● vollsonnige Lagen.

● warme Südhänge.

● durchlässige Böden.

Staunässe verträgt sie kaum.

Spätfröste können die Blüten schädigen, ältere Pflanzen gelten jedoch als winterhart.

 

Besondere Eigenschaften

Die Steinweichsel besitzt zahlreiche bemerkenswerte Eigenschaften.

● ausgesprochen trockenheitsverträglich.

● hitzeresistent.

● langlebig.

● langsam wachsend.

● tiefwurzelnd.

● sehr duftende Blüten.

● wertvolles Wildgehölz.

Sie gehört zu den Gehölzen, die vom Klimawandel in Mitteleuropa teilweise profitieren könnten.

 

Positive Eigenschaften

Die Steinweichsel bietet zahlreiche Vorteile.

● äußerst pflegeleicht.

● benötigt kaum Bewässerung.

● hohe Trockenheitsresistenz.

● wertvolle Bienenweide.

● attraktiver Blütenbaum.

● gutes Vogelnährgehölz.

● widerstandsfähig gegenüber Hitze.

 

Wo findet man die Steinweichsel an den Moselweinbergen?

An der Mosel wächst sie bevorzugt:

● an felsigen Weinbergshängen.

● an Trockenmauern.

● auf Kalkfelsen.

● an Weinbergsbrachen.

● an sonnigen Waldrändern.

● in Gebüschen oberhalb der Weinberge.

Gerade die wärmebegünstigten Steillagen bieten ideale Bedingungen.

 

Kann man die Steinweichsel im Garten pflanzen?

Ja.

Sie eignet sich besonders für:

● naturnahe Gärten.

● trockene Standorte.

● sonnige Grundstücke.

● Wildhecken.

Sie gilt nicht als Unkraut.

Von selbst breitet sie sich nur gelegentlich aus. Vögel verbreiten die Samen über ihren Kot.

Am besten wird sie als Jungpflanze gesetzt oder aus Samen gezogen. Wichtig sind sonnige Standorte und kalkhaltige Böden.

 

Bedeutung für Insekten und Tiere

Die Steinweichsel gehört zu den ökologisch wertvollen Wildgehölzen.

Ihre Blüten liefern reichlich Pollen und Nektar.

Davon profitieren:

● Wildbienen.

● Honigbienen.

● Hummeln.

● Schwebfliegen.

● zahlreiche Schmetterlinge.

Die Früchte dienen verschiedenen Vogelarten als Nahrung.

Die Blätter sind zudem Raupenfutter mehrerer Schmetterlingsarten, darunter regional auch des Segelfalters (Iphiclides podalirius).

 

Ökonomische Bedeutung

Die wirtschaftliche Bedeutung ist heute gering.

Dennoch wird die Steinweichsel genutzt:

● als Unterlage für Kirschbäume.

● als Ziergehölz.

● regional als Gewürzpflanze (Mahaleb).

● teilweise für hochwertige Drechslerarbeiten aufgrund ihres harten Holzes.

 

Ökologische Bedeutung

Die Steinweichsel besitzt einen hohen ökologischen Wert.

● frühe Nahrungsquelle für Bestäuber.

● Raupenfutterpflanze verschiedener Schmetterlinge.

● Vogelnährgehölz.

● Stabilisierung trockener Böschungen.

● Förderung der Artenvielfalt.

● wichtiger Bestandteil wärmeliebender Gebüschgesellschaften.

Gerade im Umfeld der Moselweinberge trägt sie wesentlich zur biologischen Vielfalt der Kulturlandschaft bei.

 

Esoterische, religiöse und mythologische Bedeutung

Die Steinweichsel besitzt keine ausgeprägte religiöse oder mythologische Tradition wie beispielsweise Eiche oder Linde.

Dennoch werden Kirschbäume in vielen Kulturen allgemein mit folgenden Bedeutungen verbunden:

● Neubeginn.

● Fruchtbarkeit.

● Lebensfreude.

● Vergänglichkeit der Blüte.

● Hoffnung auf einen guten Sommer.

Im Mittelmeerraum wurden die aromatischen Kerne außerdem traditionell mit Gastfreundschaft und Wohlstand verbunden. Eine eigenständige esoterische Symbolik speziell für die Steinweichsel ist wissenschaftlich jedoch nicht belegt.

 

Warum die Steinweichsel an der Mosel eine Zukunft haben könnte

 

Die Steinweichsel ist weit mehr als ein seltener Wildbaum. Sie verbindet mehrere Themen, die den NaturEREIGNISbegleiter / Lebendige Moselweinberge seit Beginn dieser Reihe begleiten: den Klimawandel, trockenheitsverträgliche Gehölze, strukturreiche Weinbergslandschaften und den Erhalt der Artenvielfalt.

Als Raupenfutterpflanze des Segelfalters zeigt sie eindrucksvoll, dass oft nicht einzelne Arten geschützt werden müssen, sondern ganze Lebensgemeinschaften. Wo Schlehen, Steinweichseln, Blütenpflanzen und offene Weinbergsbrachen erhalten bleiben, profitieren Schmetterlinge, Wildbienen, Vögel und viele weitere Tierarten gleichermaßen.

Damit schließt sich auch der Kreis zur heutigen NABU-Pressemitteilung: Der Segelfalter kehrt nicht allein wegen wärmerer Sommer zurück. Er braucht auch jene Gehölze, die ihm seit Jahrhunderten als Kinderstube dienen – und dazu gehört die Steinweichsel.

 

 

Alle Texte zum Thema „NaturEREIGNISbegleiter / Lebendige Moselweinberge“ finden Sie unter:
https://www.trierer-umschau.de/netzwerk/naturereignisbegleiter/

 

 

Vortext / Kommentar: Christph Maisenbacher (KI-supported) – 12. Juli 2026
Quelle (vollständig zitierter Text): Naturschutzbund Deutschland (NABU) Pressestelle
Link-Zitate: alle Zitate, die wir übernehmen sind im Text mit einem Link versehen
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Foto 1: © Istvan und Sabine Palfi / NABU – Logo: © DLR Mosel – Foto 2: © Hermann Klee / NABU-naturgucker.de – Foto 3 und 4: Illustration: KI-generiert / Trierer Umschau

Dieser Text in LEICHTER SPRACHE ist veröffentlicht unter:
https://www.trierer-umschau.de/2026-07-12-bb/

Die Text-Folge „Lebendige Moselweinberge“ ist Dauno gewidmet:
vgl. https://www.trierer-umschau.de/2025-11-03-ba/