Manche Orte verlassen uns nie. – Für mich heißt dieser Ort Paris. - Davon handelt dieser Text.
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WORTE UND TRÄUME

Mein Paris beginnt mit einem Lied – Wie Grand Corps Malade Erinnerungen, Sprache und das Menschsein neu zum Leben erweckte

Ein Chanson, eine Autofahrt und plötzlich ist alles wieder da: die leeren Straßen von Paris am frühen Morgen, Freundschaften, Aufbrüche und die Sprache als Brücke zwischen Menschen. Eine persönliche Reise über Musik, Erinnerungen, Frieden und die Frage, warum jeder Mensch sein eigenes Paris in sich trägt.

 

Ein Lied als Tür in eine andere Welt

 

Stellen Sie sich vor, Sie fahren zu einem Termin, und plötzlich erklingt ein Lied, ein Chanson, das Sie wie ein Luftballon empornimmt, Sie packt, entführt. Sie neugierig macht. Sie die Augen schließen lässt und Sie mit einem Mal an einem anderen Ort wieder aufwachen lässt.

Der Musiker Grand Corps Malade packte mich mit seinem Chanson „Le prochain rêve“ auf DLF Kultur am 6. Juli 2026 um 11.28 Uhr auf der Höhe der Raststätte Hochwald West. (vgl. https://youtu.be/FjxnDWC-kUI?si=hH4PFWx2-u5OSCA7)

 

Paris um fünf Uhr morgens – Erinnerungen zwischen Stille und Freiheit

 

Ich befand mich in „meinem“ Paris um fünf Uhr morgens nach dem 14. Juli. Ein leeres Paris, das mir die Freiheit gibt, diese einmalige Situation als Bewegung zu genießen, die Abwesenheit der Menschen in der Anwesenheit von Gebäuden. Ein Paris, das mir die Weite meines Lebens vorstellte.

Ein Paris, das mich diese Welt entdecken ließ. Hier habe ich mich entdeckt, hier habe ich Menschsein unter Menschen entdeckt. Hier habe ich den Tanz der Hautfarben, der Religionen, der Offenheit, der Grenzenlosigkeit, des Lachens, der Umarmungen, der Tränen und des Trosts entdeckt. Hier habe ich entdeckt, was blindes Vertrauen bedeutet. Hier habe ich gelernt, dass Höhenflüge möglich sind. Hier habe ich den Mut gefasst, Ja zu sagen, und den Mut gefasst, Nein zu sagen. Hier war über Jahre mein Landeplatz, um die Schule des Lebens zu besuchen. Von hier aus bin ich fast sternförmig durch die Welt gesprungen, um immer wieder am Ende auf den Pflastern von Paris meine Geschichten zu teilen. Hier habe ich gelernt, dass Freundschaft nie verblasst, sondern zeitlos ist. Hier habe ich gelernt, dass Teilen keine Gebrauchsanweisung für ein Miteinander ist, sondern in einer einfachen Umarmung Gestalt annehmen kann.

 

Eine Brücke zwischen Trier und Paris

 

Grand Corps Malade hat mich zurückgebracht auf diese Brücke zwischen Trier und Paris. Hat mich von der Römerbrücke auf die Pont Neuf springen lassen. Hat mich tanzend bei Freunden den Geschmack von Moules entdecken lassen. Hat Sehnsüchte zwischen Menton, Biarritz, Toulouse, Brest, Lyon, Strasbourg, Lille und Rouen zu einem Knoten verbinden lassen. Damit wurde ich vor Jahrzehnten ausgestattet mit Energie, Optimismus, Liebe und dem Glauben an die Unendlichkeit meines Reisens.

 

Wenn Sprache zu einem Spiegel des eigenen Lebens wird

 

In Frankreich wurde mir bewusst, dass meine Muttersprache mich mit der Fähigkeit ausgestattet hat, Dinge anzuschauen, ohne ihnen in die Augen zu schauen. Doch der Sachverhalt, eine Sprache quasi auf der Straße, mit den Menschen zu erlernen, befähigt mich zwar zu sprechen, mich auszudrücken. Doch eben mit einer Klarheit, die es schwierig macht, im Konditional des Lügens eine Welt einzurichten. Das schafft deshalb ein ganz neues Bewusstsein im Sein unter Menschen und funktioniert wie ein Spiegel, der mir mit einem Mal selbst zeigt: Das Wort, das bist Du, denn mit dem Wort bringst Du Dich zum Ausdruck und verbindest Dich mit den Menschen. Je weniger Fähigkeiten Du besitzt, Deine Worte zu garnieren, desto mehr wird Deine Klarheit geschätzt. Das heißt für mich auch heute noch „Fremdsprache“ – im Gegensatz zur „Muttersprache“.

 

Das Wort als ständiger Wegbegleiter

 

Was immer ich in meinem Leben angepackt habe – vom Kellnerjob über meine Kooperation mit Künstlern, als Journalist, als Transportfahrer, als Projektkoordinator, als Reinigungskraft oder als Immobilienmakler –, immer war ich mit dem Wort verbunden, habe es wie ein Tellerjongleur verwendet und aufgepasst, dass keines zu Boden fällt.

 

Das Träumen niemals verlernen

 

Damit habe ich meinen Weg gefunden, habe mit offenen Augen geträumt oder im Traum meine Augen offen gehalten. Damit bin ich älter geworden, bin gestolpert, habe Narben bekommen, bin gebissen worden und habe mich gebissen. Doch nie habe ich aufgehört, mit dem Wort in meinen Armen einzuschlafen oder aufzustehen. Ich habe mit der Musik, die mich begleitet hat, Flügel bekommen. Habe abgehoben, um den Mauerseglern zu folgen. Habe abgehoben, um Kontinente zu überspringen. Habe abgehoben, um die Liebe zu finden, und bin gelandet mit dem Schlüssel zum Paradies. Ich habe gelernt, dass mein Paris überall sein kann und ich es nur vor mir ausbreiten muss.

 

Ein Stempel, den keine Zeit verwischt

 

Denn dieser Paris-Stempel lässt sich nicht abwaschen, er begleitet mich in meinem Kopf. Paris ist mein Tattoo.

Danke, Paris, für Deine Prägung. Danke, Grand Corps Malade, mit Dir war ich kurz zurück in meinen Straßen, in meinen Cafés, in den Appartements, mit meiner Unerfahrenheit, die mich wachsen ließ. Mit Deinen Worten durfte ich zurück an den Anfang, um heute hier zu sein.

 

Heimat kennt manchmal keine Adresse

 

Die Straßen mögen breiter geworden sein oder die Freunde, die mich umgeben, weniger. Doch betrete ich Paris, weiß ich immer, dass es ein Zuhause gibt, das größer ist als meine vier Wände.

 

Jeder Mensch trägt sein eigenes Paris in sich

 

Mag sein, dass ich mich deshalb dem Thema Natur widme, dem Thema Frieden. Themen, die mich und die Leser der Trierer Umschau vielleicht nicht immer mit Trier verbinden. Doch wir sind inmitten einer Welt, die aus vielen Paris-Geschichten besteht. Geschichten, die ein jeder mit sich trägt, als Erinnerung, als Bild, als Klang, als Geruch und sicherlich auch als Wort. Als Knoten, der mit der Zeit so hart wird, dass er mich laut schreiben lässt: Vergiss Dein Paris nicht! Denn Dein Paris bedeutet Bewegung, bedeutet Zufälligkeit, bedeutet Einschlafen mit einem Traum und Aufstehen mit einem anderen. Wir wollen alle leben und nicht sterben. Wir wollen uns ohne Grenzen und ohne Vorurteile die Hand reichen. Wir wollen nicht losrennen müssen, um verzweifelt die Ersatzerde zu suchen und uns an einem Punkt gegenseitig über den Abgrund zu stoßen. Wir wollen die unseren Kindern gewidmeten Bäume wachsen sehen.

 

Ein Lied, das mich nach Hause brachte

 

Grand Corps Malade hat mich bei diesen Worten begleitet. Gestern spät am Abend habe ich meine Kopfhörer aufgesetzt und war in Paris um fünf Uhr morgens auf den von der Sonne begrüßten, leeren Straßen, auf denen ich Worte wie einen Bumerang in die Luft werfen konnte, um sie aufzufangen und zu verteilen.

Danke, Paris, danke Grand Corps Malade (https://fr.wikipedia.org/wiki/Grand_Corps_Malade) und danke an all meine Leser, die es ertragen, dass ich es liebe, mit Worten Texte zu entwerfen, zu begleiten, aufzugreifen und vielleicht sogar zu übertreiben. Paris ist groß – vielleicht deshalb.

 

 

Vortext / Kommentar: Christoph Maisenbacher (KI-supported) – 8. Juli 2026
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