Wo geht es hin?
Foto: Illustration: KI-generiert / Trierer Umschau
ZDF-Politbarometer Juni II 2026
Foto: © ZDF / Forschungsgruppe Wahlen
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ZDF POLITBAROMETER

ZDF-Politbarometer Juni II 2026: Vertrauen schwindet – Mehrheit zweifelt an Reformen der Bundesregierung

Die neue Politbarometer-Umfrage des ZDF zeigt eine wachsende Skepsis gegenüber der Bundesregierung. Viele Bürger zweifeln an den angekündigten Reformen, die AfD bleibt stärkste Kraft in der Projektion und auch internationale Krisen prägen das Stimmungsbild. Die Trierer Umschau ordnet die Ergebnisse ein und stellt die Frage: Wie viel Einfluss hat der Wille der Bevölkerung heute noch auf politische Entscheidungen?

 

Zwischen Zwischenstand und Wirklichkeit: Was Umfragen wirklich aussagen

 

Wer Fußball liebt, weiß: Auch eine erfolgreiche Gruppenphase macht noch keinen Weltmeister. Drei Spiele können Zuversicht wecken oder Zweifel nähren – entschieden wird der Titel aber erst in den K.-o.-Runden. Vielleicht liegt gerade darin eine Lehre, die weit über den Sport hinausreicht. Denn auch Meinungsumfragen sind Momentaufnahmen. Sie sind keine Wahlen. Und dennoch sollten sie von Regierenden ernst genommen werden.

Das aktuelle ZDF-Politbarometer greift diesen Gedanken selbst auf. Trotz einer insgesamt erfolgreichen Gruppenphase glauben lediglich 21 Prozent der Befragten, dass Deutschland am Ende Fußball-Weltmeister wird. Die Mehrheit bleibt skeptisch. Das zeigt: Viele Menschen unterscheiden zwischen einem guten Zwischenstand und einem endgültigen Ergebnis. Genau deshalb verdienen auch politische Umfragen Aufmerksamkeit. Sie entscheiden keine Wahl – können aber Hinweise darauf geben, wie belastbar das Vertrauen der Bevölkerung in ihre Regierung noch ist. Wenn gleichzeitig 69 Prozent die Arbeit der Bundesregierung als „eher schlecht“ bewerten und nur noch Minderheiten an ihre Reformfähigkeit glauben, dann geht es nicht mehr nur um schlechte Stimmung. Dann geht es um Vertrauen. Und Vertrauen ist die eigentliche Währung der Demokratie.

 

Vertrauen entsteht nicht durch Ankündigungen, sondern durch nachvollziehbare Politik

 

Nach Auffassung der Trierer Umschau ist die Skepsis vieler Menschen dabei keineswegs aus der Luft gegriffen. Denn grundlegende Reformen bei Gesundheit, Pflege, Rente oder Steuern stehen in einer Zeit an, in der gleichzeitig Milliardenbeträge für Aufrüstung und militärische Vorhaben mobilisiert werden. Wer von den Menschen Einschnitte und Belastungen verlangt, muss erklären können, warum Prioritäten so gesetzt werden, wie sie gesetzt werden. Menschen sind bereit, Opfer zu tragen – wenn sie diese nachvollziehen können. Werden dagegen Gesundheitsversorgung, soziale Sicherheit, Bildung oder die Frage nach einem sinnvollen und würdevollen Leben immer stärker unter Finanzierungsvorbehalte gestellt, während an anderer Stelle kaum Grenzen sichtbar werden, darf die Politik sich über ein wachsendes Nein in der Bevölkerung nicht wundern.

 

Wenn politische Prioritäten das Vertrauen der Bürger erschüttern

 

Vielleicht hat sich die Bundesregierung deshalb nicht durch ihre Gegner, sondern durch sich selbst abgewählt. Denn Demokratie lebt nicht allein davon, alle vier Jahre ein Kreuz zu machen. Demokratie lebt davon, dass sich Menschen in ihrem Willen und in ihren Sorgen repräsentiert fühlen.

 

Sommerpause oder politische Ruhe vor weitreichenden Entscheidungen?

 

Bald beginnt die parlamentarische Sommerpause – vom 11. Juli bis zum 6. September 2026. Manche Bürger fragen sich bereits heute, ob die Ferienzeit genutzt werden könnte, um umstrittene Reformen und Einschnitte möglichst geräuschlos auf den Weg zu bringen, damit sie nach der Sommerpause als beschlossene Tatsachen präsentiert werden. Ob diese Sorge berechtigt ist, wird sich zeigen. Doch allein ihre Existenz macht deutlich, wie groß die Distanz zwischen Teilen der Bevölkerung und der Politik inzwischen geworden ist.

 

Wie viel Mitsprache bleibt den Bürgern in einer repräsentativen Demokratie?

 

Und genau hier stellt sich eine weitergehende Frage: Wie demokratisch ist eine Demokratie, wenn der artikulierte Volkswille zwar regelmäßig gemessen, aber kaum noch in politische Entscheidungen übersetzt wird? Das Politbarometer hat keine unmittelbaren Folgen. Egal, wie die Fragen beantwortet werden – Gesetze werden dadurch nicht verändert. Vielleicht wäre es deshalb an der Zeit, über stärkere Formen direkter demokratischer Beteiligung nachzudenken. Volksentscheide, wie sie in der Schweiz praktiziert werden, könnten eine Möglichkeit sein, nicht nur Vorurteile auf Seiten der Bürger, sondern auch Fehleinschätzungen auf Seiten der politischen Repräsentanten zu korrigieren.

 

Zwischen Mehrheitswillen und politischer Wirklichkeit

 

Nicht jede Entscheidung einer Mehrheit wird jeder Minderheit gefallen. Das gehört zur Demokratie. Aber Demokratie lebt davon, dass Mehrheiten überhaupt wirksam werden können und dass politische Entscheidungen nachvollziehbar bleiben. Wenn Menschen dagegen den Eindruck gewinnen, ihre Haltung werde zwar abgefragt, aber nicht mehr ernst genommen, verliert Beteiligung ihren Sinn. Dann wächst Enttäuschung. Dann wächst Misstrauen. Und irgendwann wächst auch die Bereitschaft, sich von demokratischen Verfahren abzuwenden.

 

Wenn sich Enttäuschung in politischen Protest verwandelt

 

Das Bild vom Wolf im Schafspelz erhält dann eine neue Bedeutung. Nicht mehr der Wolf tarnt sich als Schaf, sondern das Schaf-Sein selbst wird irgendwann satt. Wer sich dauerhaft übergangen fühlt, wer den Eindruck hat, dass seine Stimme letztlich folgenlos bleibt, der kann sich von der Demokratie entfremden und anfällig für antidemokratische Antworten werden. Aus dem friedlichen Schaf wird dann nicht selten ein Wolf – oder zumindest das, was man sich darunter vorstellt.

Und noch eine kleine Ehrenrettung des Wolfes: Dies ist kein Aufruf gegen jenes Tier, das langsam wieder in unsere Wälder zurückkehrt. Der echte Wolf hat vier Beine – und ist vermutlich scheuer, zurückhaltender und friedlicher, als manches Schaf im Wolfspelz.

 

 

Das aktuelle ZDF-Politbarometer Juni II 2026 im Wortlaut

 

Vor diesem Hintergrund lohnt ein Blick auf das neue (2.) ZDF-Politbarometer vom Juni 2026:

 

Weiter große Zweifel, dass Reformpaket bis zum Sommer vorliegt/Mehrheit glaubt nicht, dass der Waffenstillstand zwischen USA und Iran hält

Die Bundesregierung ist angetreten, um unter anderem bei den Themen Rente, Gesundheit, Pflege und Steuern grundlegende Reformen in Angriff zu nehmen. In einem neuen Anlauf sollen jetzt bis zum Sommer entsprechende Reformen von der Koalition beschlossen und vorgelegt werden. Dass ihr dies gelingt, bezweifeln allerdings 73 Prozent und nur 24 Prozent glauben, dass die Bundesregierung das schaffen wird (Rest zu 100 Prozent hier und im Folgenden jeweils „weiß nicht“). Die Schuld, dass die Regierung bei diesen Reformen zum Teil nur schwer vorankommt, wird dabei von einer großen Mehrheit (71 Prozent) allen beteiligten Koalitionären gleichermaßen zugeschrieben, 14 Prozent machen dafür hauptsächlich die SPD verantwortlich, 8 Prozent die CDU und 4 Prozent die CSU.

 

Reformbereitschaft der Bevölkerung stößt an Grenzen

 

Dabei werden grundlegende Reformen, die auch zu Einschnitten und finanziellen Belastungen führen, von 87 Prozent als sehr wichtig oder wichtig bezeichnet. Lediglich 10 Prozent sehen das nicht so.

Gleichzeitig gibt es aber erhebliche Zweifel an der Reformbereitschaft in unserem Land: Nur 19 Prozent gehen davon aus, dass die Bereitschaft für solche Reformen groß ist. Gut drei Viertel (78 Prozent) glauben nicht, dass hierfür bei uns alles in allem eine hohe Bereitschaft vorhanden ist. Auch die Bereitschaft im Rahmen dieser Reformen persönlich große Belastungen hinzunehmen, ist mit 25 Prozent eher gering. 72 Prozent wären dazu nicht bereit.

Allerdings erwarten auch nur 23 Prozent, dass die Bundesregierung mit ihren Reformen einen wichtigen Beitrag zur Lösung der Probleme in Deutschland leisten wird, 74 Prozent und Mehrheiten in allen Parteianhängergruppen außer der CDU/CSU bezweifeln das.

 

Parteien: Neue Projektion verändert die politische Landschaft

 

Projektion: AfD weiter vor der Union

Weiterhin ist die AfD ‒ jetzt mit einem neuen Rekordwert ‒ in der Politbarometer-Projektion stärkste Partei: Wenn am nächsten Sonntag wirklich Bundestagswahl wäre, käme die CDU/CSU auf 24 Prozent (minus 1) und die AfD auf 28 Prozent (plus 1). Die SPD würde sich leicht auf 13 Prozent (plus 1) verbessern, die Grünen kämen nur noch auf 12 Prozent (minus 2) und die Linke auf 11 Prozent (unverändert). Die FDP erhielte 4 Prozent (plus 1) und alle anderen Parteien zusammen 8 Prozent (unverändert), darunter keine Partei, die mindestens drei Prozent erreichen würde. Mit diesem Ergebnis hätte Schwarz-Rot weiterhin keine Mehrheit.

 

Koalitionen und Brandmauer bleiben umstritten

 

Brandmauer

Nicht nur auf Bundesebene werden Mehrheiten jenseits der AfD immer schwieriger. Deshalb stellt sich insbesondere für die CDU die Frage, wie sie sich zur AfD und zur Partei Die Linke positioniert. Dass die CDU eine politische Zusammenarbeit mit der AfD ablehnt, finden 63 Prozent richtig und 35 Prozent nicht richtig. Eine Zusammenarbeit mit der Linken wird mehrheitlich aber anders gesehen: Dass die CDU auch diese ablehnt, finden nur 37 Prozent aller Befragten richtig und 57 Prozent nicht richtig. Die Anhänger der Union sprechen sich allerdings mehrheitlich sowohl gegen eine Zusammenarbeit mit der AfD (79 Prozent zu 19 Prozent) als auch mit der Linken (60 Prozent zu 34 Prozent) aus.

Beliebtheit der Spitzenpolitiker: Kein klarer Trend

 

Top Ten: kein eindeutiger Trend

Bei der Beurteilung nach Sympathie und Leistung („Was halten Sie von?“) liegt Verteidigungsminister Boris Pistorius weiterhin auf Platz eins. Er wird auf der Skala von +5 bis -5 mit einem Durchschnittswert von 1,5 (hier und im Folgenden Vergleichswert von Anfang Juni: 1,6) beurteilt. Es folgen Cem Özdemir mit 1,0 (1,1) und Johann Wadephul mit 0,3 (0,4). Danach beginnt der Negativbereich: Lars Klingbeil wird mit minus 0,4 (minus 0,4) beurteilt, Bärbel Bas mit minus 0,7 (minus 0,9), Markus Söder ebenfalls mit minus 0,7 (minus 0,7) und Heidi Reichinnek mit minus 0,8 (minus 0,6). Friedrich Merz kommt auf minus 1,3 (minus 1,4), Katherina Reiche auf minus 1,5 (minus 1,5) und Schlusslicht bleibt Alice Weidel mit minus 2,4 (minus 2,3).

 

Außenpolitik: Skepsis gegenüber dem Waffenstillstand

 

Krieg zwischen USA und Iran

Die gestern unterschriebene Vereinbarung zwischen den USA und Iran sieht unter anderem einen Waffenstillstand vor. Dass dieser hält, bezweifelt mit 76 Prozent eine deutliche Mehrheit (hält: 21 Prozent). Für den Fall eines dauerhaften Waffenstillstands finden es 57 Prozent gut (nicht gut: 38 Prozent), wenn sich Deutschland zusammen mit anderen europäischen Staaten an der militärischen Sicherung der Straße von Hormus beteiligt. Die Beteiligung wird dabei jeweils von Mehrheiten der Anhänger von Union (72 Prozent), SPD (73 Prozent), Grüne (64 Prozent) und FDP (64 Prozent) geteilt. Mehrheitlich dagegen sprechen sich die Anhänger der Linken (52 Prozent) aus, die Anhänger der AfD sind eher gespalten (gut: 46 Prozent, nicht gut: 51 Prozent).

 

Ukraine-Krieg: Unterstützung verliert weiter an Rückhalt

 

Rückhalt für die militärische Unterstützung der Ukraine rückläufig

Dass die europäischen Staaten die Ukraine militärisch stärker als bisher unterstützen sollen, meinen jetzt 32 Prozent (Feb.: 43 Prozent), dass es weiter so bleiben soll, wie es gerade ist, meinen 32 Prozent (Feb.: 30 Prozent) und 31 Prozent wollen die Ukraine weniger unterstützen als bisher (Feb.: 24 Prozent).

Allerdings glaubt auch nur eine Minderheit (20 Prozent), dass für ein Ende des Krieges Gespräche westlicher Politiker mit Putin zurzeit viel erreichen könnten (glaube das nicht: 77 Prozent).

 

Fußball-WM: Zwischen Hoffnung und Realität

 

Fußball-WM: Nur geringfügig gewachsene Zuversicht für WM-Titel Deutschlands

Nach dem ersten Spiel der deutschen Mannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft der Männer glauben mit 21 Prozent (plus 6) jetzt etwas mehr Befragte als vor zwei Wochen, dass Deutschland den Titel holen wird, 66 Prozent (minus 6) bezweifeln das.

Die Umfrage zum Politbarometer wurde wie immer von der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen durchgeführt. Die Interviews wurden in der Zeit vom 16. bis zum 18. Juni 2026 bei 1.190 zufällig ausgewählten Wahlberechtigten telefonisch und online erhoben. Dabei wurden sowohl Festnetz- als auch Mobilfunknummern berücksichtigt. Die Befragung ist repräsentativ für die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland.“

 

 

Vortext / Kommentar: Christoph Maisenbacher (KI-supported) – 27. Juni 2026
Quelle (vollständig zitierter Text): ZDF-Kommunikation – Presseportal
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Foto 1: Illustration: KI-generiert / Trierer Umschau – Foto 2 ff: © ZDF / Forschungsgruppe Wahlen

Dieser Text in LEICHTER SPRACHE ist veröffentlicht unter:
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