TRIER-WETTER & JOHANNISTAG
Johannistag 2026: Johanniskraut, Johannisbeeren und alte Bauernregeln in den Moselweinbergen
Der Johannistag am 24. Juni verbindet Natur, Landwirtschaft und jahrhundertealte Traditionen. Warum Johanniskraut, Johannisbeeren und Glühwürmchen seinen Namen tragen und welche Bedeutung dieser Tag bis heute für die Moselweinberge hat.
Zwischen Hitzewelle und Kühlschranktemperaturen
Schon um 11 Uhr wurde heute die 30-Grad-Marke überschritten, und am Nachmittag scheint das Thermometer in Trier bis auf 37 Grad zu steigen. Unsere beiden Wetter-Dach-Tauben ** haben heute Hitzefrei, und wir hoffen, dass sie genügend Wasserstellen finden. Auch wenn Tauben die Sonne lieben …
Unser Blick in Richtung vier Hauptstädte der Europäischen Union zeigt heute, wo sich die Hitze konzentriert: Zwischen Luxemburg und Trier besteht kaum ein Unterschied. Madrid erreicht 39 Grad. Die zyprische Hauptstadt Nikosia meldet 35 Grad – bei Böen bis 50 km/h. Und wer innerhalb des europäischen Raumes wirklich Abkühlung sucht, müsste nach Nuuk, die Hauptstadt Grönlands: Dort werden starke Bewölkung und Temperaturen zwischen 2 und 8 Grad gemeldet.
Irgendwie Kühlschranktemperatur, oder?
Von der Hitze zurück zu Mosel und Weinbergen
Das ist ein guter Anlass, den Blick wieder auf Trier und die Mosel zu richten:
Johannistag zwischen Weinberg, Johanniskraut und Johannisbeere – Die Trierer Umschau widmet den 24. Juni den „Lebendigen Moselweinbergen“.
Drei Tage nach der Sommersonnenwende (vgl. https://www.trierer-umschau.de/2026-06-21-aa/ ) richtet sich der Blick vieler Menschen bereits wieder auf den Alltag. Dabei gehört der heutige 24. Juni zu jenen Tagen, an denen sich Natur, Landwirtschaft, Kulturgeschichte und Volksglaube auf besondere Weise begegnen.
Der Johannistag als Orientierungspunkt im Jahreslauf
Der Johannistag erinnert an Johannes den Täufer. Gleichzeitig ist er seit Jahrhunderten ein wichtiger Orientierungspunkt im Jahreslauf. Rund um diesen Tag blühen Pflanzen, reifen Früchte, beginnen Ernten und zeigen Tiere an, dass der Hochsommer seinen Höhepunkt erreicht hat. Nicht zufällig tragen mehrere Pflanzen und Tiere bis heute seinen Namen.
Für die Trierer Umschau ist dies Anlass, den Johannistag in den kommenden Tagen mit einer kleinen Folge unserer Reihe „NaturEREIGNISbegleiter / Lebendige Moselweinberge“ zu begleiten. Den Auftakt bildet heute ein Blick auf jene Pflanzen und Erscheinungen der Natur, die den Namen des Johannistages bis heute bewahrt haben.
Johanniskraut zwischen Weinbergsbrachen und Sommersonne
Wer derzeit über die sonnigen Weinbergsbrachen der Mosel wandert, begegnet vielerorts dem Johanniskraut. Seine goldgelben Blüten öffnen sich genau in jener Zeit, in der der Johannistag gefeiert wird. Seit Jahrhunderten gilt die Pflanze als Symbol für Licht, Sommer und Heilkräfte. Früher wurden rund um Johanni Kräuter gesammelt, weil man glaubte, dass sie nun ihre größte Wirksamkeit entfalten. Johanniskraut, Beifuß, Schafgarbe, Kamille oder Königskerze gehörten vielerorts zu den traditionellen Johannisbüscheln, die in Häusern, Ställen oder Scheunen aufgehängt wurden (wir hatten darüber berichtet: https://www.trierer-umschau.de/2026-06-21-aa/ )
Johannisbeeren als Zeichen des Hochsommers
Auch die Johannisbeere verdankt ihren Namen diesem Tag. Um den 24. Juni beginnen die ersten Sorten ihre Reife zu erreichen. Für frühere Generationen war dies weit mehr als ein Kalendereintrag. Die Natur selbst zeigte an, dass ein neuer Abschnitt des Sommers begonnen hatte (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Johannisbeeren).
Johanniskäfer und die leuchtenden Nächte des Juni
Besonders geheimnisvoll wird der Johannistag jedoch in der Dämmerung. Dann erscheinen die sogenannten Johanniskäfer. Gemeint sind die Glühwürmchen, deren Balzzeit genau in diese Jahresphase fällt. Ihre Lichter gehören zu den eindrucksvollsten Naturerscheinungen unserer Sommernächte. In der Volksüberlieferung galten sie sogar als Wetterboten. Wenn viele Johanniskäfer unterwegs waren, rechneten die Bauern mit einer längeren stabilen Schönwetterperiode. Die alte Bauernregel formulierte dies schlicht:
„Wenn die Johanniswürmer glänzen, darfst Du richten Deine Sensen.“
Wer mehr über die faszinierende Welt der Glühwürmchen erfahren möchte, findet dazu bereits einen ausführlichen Beitrag in unserer Reihe „NaturEREIGNISbegleiter / Lebendige Moselweinberge“ (vgl. https://www.trierer-umschau.de/2026-06-21-ba/).
Johannistag, Heuernte und Artenvielfalt
Der Johannistag war für die Landwirtschaft über Jahrhunderte hinweg von besonderer Bedeutung. Die Schafskälte näherte sich ihrem Ende, viele Futtergräser waren ausgereift und die Heuernte konnte beginnen. Gleichzeitig galt Johanni als spätester Termin für den ersten Wiesenschnitt. Heute erkennen wir darin einen wichtigen Beitrag zum Naturschutz: Wiesenblumen können aussamen, Insekten ihre Entwicklung abschließen und bodenbrütende Vögel ihren Nachwuchs großziehen. Was früher oft praktische Landwirtschaft war, wird heute als Beitrag zur Artenvielfalt verstanden (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Johannistag).
Johannistrieb und Johannisschnitt
Auch Bäume und Hecken reagieren auf diese Zeit. Eichen, Buchen und viele Sträucher bilden um Johanni einen zweiten Austrieb. Dieser sogenannte Johannistrieb prägt bis heute den Begriff des Johannisschnitts, der vielerorts noch immer den traditionellen Zeitpunkt für den sommerlichen Heckenschnitt markiert (vgl. ausführlich unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Johannistag).
Wer den Johannistag allein als kirchlichen Gedenktag versteht, greift daher zu kurz. Er ist zugleich ein Tag der Naturbeobachtung. Pflanzen, Tiere und Landschaften erzählen ihre eigenen Geschichten über den Wechsel der Jahreszeiten. Gerade in den Weinbergen der Mosel, wo Trockenhänge, Brachen, Kräuter, Insekten und Kulturgeschichte eng miteinander verwoben sind, wird dieser Zusammenhang bis heute sichtbar.
Johannes der Täufer im Trierer Stadtbild
Während wir uns in den kommenden Tagen innerhalb unserer Reihe „NaturEREIGNISbegleiter / Lebendige Moselweinberge“ den Pflanzen widmen wollen, die seit Jahrhunderten mit dem Johannistag verbunden sind – darunter Johanniskraut, Beifuß, Kamille, Schafgarbe, Königskerze und Johannisbeere –, lohnt zum heutigen Johannistag auch ein Blick auf die Person, die diesem Tag ihren Namen gegeben hat.
Deshalb dokumentieren wir nachfolgend eine Pressemeldung der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, die Johannes den Täufer, seine Darstellung in der Kunst sowie die Entstehung des Johannisbrauchtums näher vorstellt.
Auch in Trier ist Johannes der Täufer bis heute im öffentlichen Raum präsent. Eine Darstellung befindet sich als Eckfigur am historischen Haus „Zur Blauen Hand“ an der Ecke Brotstraße / Johann-Philipp-Straße, mitten in der Trierer Altstadt unweit des Hauptmarktes. Eine weitere Johannesfigur findet sich am sogenannten Haus Venedig, dem Gebäude der Wolf-Apotheke an der Ecke Brückenstraße / Johannisstraße.
Damit zur Pressemitteilung
„JOHANNISTAG UND JOHANNESFIGUR
Ein Festtag für eine prominente Figur aus der Bibel: Der Johannistag am 24. Juni erinnert an den Geburtstag von Johannes dem Täufer. Er ist eine der bekanntesten Gestalten aus den Erzählungen des Neuen Testaments. Seine große Bedeutung zeigt sich darin, wie viele Bräuche sich um seinen Namenstag im Juni entwickelten. Viele Kunstwerke haben den Täufer zum Thema – etwa eine Figur, die sich in Kloster Heiligkreuztal erhalten hat, geschaffen 1625 vom berühmten Michael Zürn aus Waldsee.
Johannistag, 24. Juni: Johannisbrauchtum und viele Kunstwerke
Ein Festtag für eine prominente Figur aus der Bibel: Der Johannistag am 24. Juni erinnert an den Geburtstag von Johannes dem Täufer. Er ist eine der bekanntesten Gestalten aus den Erzählungen des Neuen Testaments. Seine große Bedeutung zeigt sich darin, wie viele Bräuche sich um seinen Namenstag im Juni entwickelten. Viele Kunstwerke haben den Täufer zum Thema – etwa eine Figur, die sich in Kloster Heiligkreuztal erhalten hat, geschaffen 1625 vom berühmten Michael Zürn aus Waldsee.
WER WAR JOHANNES DER TÄUFER?
Der Überlieferung nach soll er am 24. Juni geboren sein: Der Täufer Johannes ist nicht zu verwechseln mit Johannes, dem Lieblingsjünger Jesu, der beim Abendmahl neben ihm gesessen haben soll. Und der Evangelist Johannes, der oft mit dem Jünger gleichgesetzt wird, ist nach heutiger Forschungssicht nochmals eine andere Person. Johannes der Täufer gehörte nicht zu den Aposteln. Älter als Jesus, kündigte er als Vorläufer das Kommen des Messias an und gewann so eine große Anhängerschaft. Alle, die an die Botschaft glaubten, taufte er mit Wasser, Sinnbild für die Rettung beim Jüngsten Gericht. Auch Jesus selbst ließ sich nach der Überlieferung der Evangelien von ihm taufen.
VIELE BILDTRADITIONEN
Johannes lebte, so die Erzählung, als Eremit; zahlreiche Kunstwerke zeigen ihn daher bärtig, barfuß und nur mit einem Schaffell gekleidet. Oft ist ihm als Attribut ein Lamm beigegeben, denn zweimal soll er laut biblischer Überlieferung mit den Worten „Seht das Lamm Gottes“ auf Jesus Christus hingewiesen haben. Häufig zeigten Künstler außerdem den Moment, in dem Johannes Christus im Jordan tauft. Berühmt und oft Thema der Kunst ist sein Tod: Er wurde enthauptet auf Wunsch der Prinzessin Salome. Sie hatte den Kopf des Predigers gefordert, bizarre Belohnung für einen Tanz, den ihr Stiefvater König Herodes von ihr verlangt hatte.
HEILIGKREUZTAL: JOHANNESFIGUR VON MICHAEL ZÜRN
Ein ganz herausragendes Beispiel einer Johannesdarstellung hat sich in Kloster Heiligkreuztal erhalten. Dort im Donautal bei Altheim können die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg im Museum in der Bruderkirche ein Werk des berühmten Michael Zürn präsentieren, entstanden um 1625. Der frühbarocke Meister aus Waldsee zeigt den Täufer traditionell: barfuß, mit langem Haar und im Fellgewand. Seine Abzeichen Lamm und Kreuz sind heute verloren. Ursprünglich war die Figur im Münster St. Anna aufgestellt, der ehemaligen Klosterkirche; dort ist heute eine Kopie zu sehen, die sich auf dem Taufstein rechts vor dem Hauptaltar befindet. Der Standort der Figur auf dem Taufsteindeckel könnte für den Täufer passender nicht sein. Tatsächlich findet man in Taufkirchen und -kapellen häufig Johannesdarstellungen.
KIRCHENFEIER GEGEN SONNENBRAUCH
Dass die Kirche den Geburtstag des Johannes als Feiertag begeht, hat möglicherweise ganz pragmatische Gründe. Der vorchristliche Brauch, die Sommersonnenwende zu feiern, hielt sich hartnäckig. So griff die Kirche schließlich zu einem anderen Mittel: Da die Sonnenwende am 21. Juni und der Geburtstag des Johannes am 24. so dicht beisammen lagen, erklärte man die Sonnwendfeier kurzerhand zu einem Fest zu Ehren von Johannes dem Täufer – bereits im fünften Jahrhundert. Das Sonnenwendfeuer sollte Schaden von Vieh und Ernte abhalten, und so entwickelten sich im Volksglauben zahlreiche Bräuche, die den Heiligen Johannes mit dem Wetter und der Ernte in Zusammenhang bringen. Er gilt als Schutzheiliger der Bauern, der Winzer und der Hirten.
DAS JOHANNISBRAUCHTUM: FEUER, KRAUT UND GLÜHWÜRMCHEN
Vielfältig sind die Geschichten rund um den Johannistag: Sieht man in dieser Nacht Glühwürmchen leuchten, kann man mit einem sonnigen Juli rechnen: Für die auch Johanniskäfer genannten Tiere beginnt Ende Juni die Paarungszeit – vorausgesetzt, es herrscht schönes Wetter. Die Verbindung zwischen dem alten Ernteglauben und dem Johannestag hat bis heute Spuren im Garten hinterlassen. Um den 24. Juni gelangt das Johanniskraut zur Blüte, das daher seinen Namen trägt; der Saft der Pflanze gilt im Volksmund als Johannisblut. Auch die Johannisbeere, deren Erntesaison zu dieser Zeit beginnt, wurde nach dem Täufer benannt. Kräuter, die in er Zeit um Johannis gesammelt werden, gelten als besonders wirksam.“
Wir wünschen Ihnen Frieden!*
Vortext / Kommentar: Christoph Maisenbacher (KI supported) – 24. Juni 2026
Quelle (vollständig zitierter Text): Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg – Pressemeldung vom 24. Juni 2017 (mit Blick auf das Kloster Heiligkreuztal in 88499 Altheim-Heiligkreuztal, den Johannistag und die Johannisfigur.
Link-Zitate: alle Zitate, die wir übernehmen sind im Text mit einem Link versehen
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Foto: © Trierer Umschau
Dieser Text in LEICHTER SPRACHE ist veröffentlicht unter:
https://www.trierer-umschau.de/2026-06-24-ab/
* warum wir Ihnen Frieden wünschen:
https://www.trierer-umschau.de/2025-07-29-aa/
** unsere zwei für das Wetter zuständigen Dach-Tauben haben wir vorgestellt in:
https://www.trierer-umschau.de/2026-05-12-aa/
