Obstwiese
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Zauneidechse
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Mauereidechse
Foto: Illustration: KI-generiert / Trierer Umschau

NATUREREIGNISBEGLEITER - TEXT 39 & DEUTSCHES ZENTRUM FÜR INTEGRATIVE BIODIVERSITÄTSFORSCHUNG (IDIV) HALLE-JENA-LEIPZIG

Natur verändert ihren Kalender: Wie Klimawandel, Zauneidechse und Mauereidechse die Moselweinberge prägen

Blütezeiten, Fortpflanzung und Wachstumsphasen verschieben sich. Neue Forschungen zeigen, dass nicht allein der Klimawandel, sondern auch die Eigenschaften einzelner Arten den Rhythmus der Natur bestimmen. Ein Blick in die Moselweinberge zeigt, wie Zauneidechsen, Mauereidechsen und viele weitere Arten auf diese Veränderungen reagieren

 

Die Natur folgt ihrem eigenen Kalender

 

Nicht nur Menschen führen Kalender. Auch Pflanzen, Tiere und ganze Landschaften folgen einem Jahresrhythmus. Im Frühjahr treiben Blätter aus, Blüten öffnen sich, Früchte reifen, Insekten schlüpfen, Vögel beginnen mit der Brut und Reben wachsen ihrem neuen Jahrgang entgegen.
Wer regelmäßig durch die Moselweinberge wandert, wird jedoch bemerken, dass sich dieser Kalender verändert. Schlehen blühen früher, warme Winter lassen manche Pflanzen länger grün bleiben, Trockenperioden verändern die Entwicklung vieler Arten. Gleichzeitig reagieren nicht alle Lebewesen gleich. Während einige Arten von den Veränderungen profitieren, geraten andere zunehmend unter Druck.

Für die Reihe „NaturEREIGNISbegleiter / Lebendige Moselweinberge“ stellt sich deshalb eine grundlegende Frage: Was bestimmt eigentlich den Rhythmus der Natur?

 

Die Natur folgt ihrem eigenen Kalender

 

Lange Zeit lag der Fokus vor allem auf den Temperaturen. Steigt die Temperatur, beginnen Pflanzen früher zu wachsen – so die einfache Annahme. Doch aktuelle Forschungen zeigen, dass die Zusammenhänge deutlich komplexer sind. Nicht nur das Klima bestimmt die Abläufe in der Natur. Auch die Eigenschaften der einzelnen Arten spielen eine entscheidende Rolle.

Ob eine Pflanze ihre Blätter über den Winter behält, wie ihre Wurzeln aufgebaut sind, welche Energiereserven sie speichert oder wie ihre genetische Ausstattung beschaffen ist – all dies beeinflusst den Zeitpunkt von Austrieb, Blüte, Fruchtbildung und Fortpflanzung.

 

Moselweinberge als Frühwarnsystem des Wandels

 

Für die Moselregion ist diese Erkenntnis von besonderer Bedeutung. Die Weinberge gehören zu den wärmebegünstigten Landschaften Deutschlands. Hier lassen sich Veränderungen in den Jahresrhythmen von Pflanzen und Tieren oft früher beobachten als in vielen anderen Regionen. Gleichzeitig sind die Weinberge Lebensraum für eine große Vielfalt an Pflanzen, Insekten, Reptilien, Vögeln und Säugetieren, deren Lebenszyklen eng miteinander verknüpft sind.

Wer aufmerksam durch die Weinbergslandschaften wandert, entdeckt vielerorts Trockenmauern, Schieferhänge und sonnenexponierte Böschungen. Sie bieten Lebensräume für zahlreiche wärmeliebende Arten, deren Vorkommen eng mit den besonderen klimatischen Bedingungen der Moselregion verbunden ist.

Ein Beispiel für die Auswirkungen veränderter Umweltbedingungen auf Reptilien liefert die aktuelle Forschung zur Zauneidechse (Lacerta agilis). Die in der Sonderausgabe von „Functional Ecology“ vorgestellte Untersuchung zeigt, dass sich Fortpflanzungszeiten durch wärmere Nächte und veränderte Nahrungsbedingungen verschieben können. Damit wird sichtbar, was Forschende inzwischen für zahlreiche Pflanzen- und Tierarten nachweisen: Die Natur verändert ihren Kalender.

HIER die pdf-Datei dazu: FUNCTI~1

 

Die Mauereidechse und die Geschichte warmer Weinbergslandschaften

 

Im Rahmen der Ausbildung zum Naturerlebnisbegleiter begegnete uns das Thema Reptilien darüber hinaus in einem Seminar des Reptilienexperten Dr. Ulrich Schulte. Im Mittelpunkt stand dabei die Mauereidechse (Podarcis muralis), die heute vielerorts die Trockenmauern und Schieferhänge der Moselweinberge besiedelt. Dabei wurde deutlich, wie eng die Geschichte wärmeliebender Reptilien mit den Landschaften von Mosel und Rhein verbunden ist.

Während die Zauneidechse seit Jahrtausenden zur heimischen Fauna Mitteleuropas gehört, ist die Situation bei den Mauereidechsen komplexer. In Rheinland-Pfalz existieren sowohl heimische als auch allochthone Populationen. Letztere gehen auf Tiere beziehungsweise Vorfahren von Tieren zurück, die aus anderen Regionen Europas stammen und durch menschliche Einflüsse neue Lebensräume erreichen konnten. Die Geschichte der Mauereidechsen zeigt damit eindrucksvoll, wie sich natürliche Ausbreitungsprozesse, Landschaftsentwicklung und menschliches Handeln überlagern können.

Siehe auch folgenden pdf-LINK: Mauereidechse_2._Aufl

 

Trockenmauern als Lebensräume der Artenvielfalt

 

Gerade die Trockenmauern der Moselweinberge bieten der Mauereidechse ideale Bedingungen. Die wärmespeichernden Steine schaffen ein Mikroklima, das an südlichere Regionen Europas erinnert. Gleichzeitig verdeutlichen beide Arten – Zauneidechse und Mauereidechse –, wie stark Tiere von Temperatur, Jahreszeitenrhythmus und Lebensraumstruktur abhängig sind.

Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass selbst Fortpflanzungszeiten von Reptilien durch wärmere Nächte und veränderte Nahrungsverfügbarkeit beeinflusst werden können. Damit wird sichtbar, was Forschende inzwischen für zahlreiche Pflanzen- und Tierarten nachweisen: Die Natur verändert ihren Kalender.

 

Wenn Pflanzen und Tiere ihren Rhythmus verändern

 

Wer die Moselweinberge aufmerksam beobachtet, erkennt diese Veränderungen nicht nur bei Reben, Kräutern oder Obstbäumen. Auch Insekten, Vögel und Reptilien reagieren auf die sich wandelnden Umweltbedingungen. Blütezeiten verschieben sich, Vegetationsperioden verlängern sich und die zeitliche Abstimmung zwischen Pflanzen und Tieren gerät mancherorts aus dem Gleichgewicht.
Wenn Pflanzen früher blühen, müssen Bestäuber zur richtigen Zeit verfügbar sein. Wenn sich Fruchtbildungszeiten verändern, beeinflusst dies das Nahrungsangebot für Tiere. Und wenn wärmere Winter den Jahresrhythmus verschieben, können ganze Lebensgemeinschaften betroffen sein. Die Natur reagiert dabei nicht einheitlich. Jede Art bringt ihre eigenen Fähigkeiten, Grenzen und Strategien mit.

 

Neue Forschung zur Phänologie der Arten

 

Mit diesen Zusammenhängen beschäftigt sich eine neue Sonderausgabe der Fachzeitschrift „Functional Ecology“. Die Forschenden zeigen darin, dass nicht allein das Klima über den Rhythmus der Natur entscheidet. Ebenso wichtig sind die Eigenschaften der einzelnen Arten selbst – von ihren Wurzeln und Energiereserven bis hin zu ihrer Winteraktivität oder genetischen Ausstattung.

Deren Pressemitteilung führt in die aktuellen Forschungsergebnisse ein:

 

Pressemitteilung: Nicht nur das Klima bestimmt die Natur

 

Nicht nur das Klima: Merkmale der Arten steuern Rhythmus der Ökosysteme

Forschende des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv), der Friedrich-Schiller-Universität Jena und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg geben eine Sonderausgabe heraus: In 13 Studien zeigen sie, wie Artmerkmale und Klimawandel gemeinsam bestimmen, wann saisonale Ereignisse stattfinden.

Saisonale Ereignisse in der Natur wie das Austreiben von Blättern, das Öffnen von Blüten, das Reifen von Früchten oder die Fortpflanzung von Tieren verschieben sich infolge des Klimawandels. Doch die zeitlichen Verschiebungen – zeitigerer Frühlingsanfang, längere Fruchtperioden und veränderte Fortpflanzungszeiten – sind komplexer als der erste Blick vermuten lässt.

Eine neue Sammlung von Artikeln in der Fachzeitschrift Functional Ecology zeigt: Die Phänologie, also das zeitliche Auftreten saisonaler Ereignisse, wird maßgeblich durch die Wechselwirkung zwischen Artmerkmalen und Klimawandel bestimmt. Dies gilt für unterschiedlichste Lebewesen – von Eidechsen bis Olivenbäume – und hat weitreichende Folgen für Artinteraktionen und Ökosystemfunktionen. Die Sonderausgabe der Fachzeitschrift wurde herausgegeben von Forscherinnen und Forscher des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv).

In 13 Studien zeigen die Autorinnen und Autoren, dass die beobachteten Verschiebungen eng mit Merkmale wie Winteraktivität, Kohlenstoffspeicherung, genetische Ausstattung oder Samenphysiologie verknüpft sind. Zum Beispiel: Pflanzen, die ihre Blätter über den Winter behalten, können im Frühjahr oft früher mit dem Wachstum beginnen als andere. Zudem variieren die Zusammenhänge zwischen Merkmalen und Phänologie mit Klima, Höhenlage und Lebensraum. Dies verdeutlicht, wie stark der Kontext die saisonale Dynamik beeinflusst.

„In der öffentlichen Wahrnehmung erscheinen saisonale Verschiebungen oft als einfache Reaktionen auf die Erwärmung. Doch Arten unterscheiden sich erheblich in ihrer Reaktion auf Umweltveränderungen“, erklärt iDiv-Mitglied Christine Römermann, eine der Herausgeberinnen der Sonderausgabe und Professorin an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. „Die Studien zeigen, wie Artmerkmale die zeitliche Dynamik von Wachstum, Blüte, Fruchtbildung und Fortpflanzung bestimmen und warum diese Variation zentral für das Verständnis der Ökosystemreaktionen ist.“

Die Studien zeigen unter anderem:

• Klimawandel und Artmerkmale invasiver Pflanzen verändern saisonale Nahrungsverfügbarkeit – Bender et al. (2025) zeigen, dass nicht heimische, früchtebildende Pflanzen in subtropischen Andenwäldern ihre Fruchtproduktion zeitlich mit einheimischen Arten überlappen, insgesamt jedoch den Großteil der Früchte in der Trockenzeit bereitstellen. Dies könnte beeinflussen, wann Tiere Nahrung finden und einheimische Pflanzen benachteiligen, die auf diese Tiere als Samenverbreiter angewiesen sind.

• Unterirdische Pflanzenteile steuern saisonale Abläufe – Schnablová et al. (2025) zeigen, dass Unterschiede in unterirdischen Knospen und gespeicherten Energiereserven beeinflussen, wann Pflanzen mit Wachstum und Blüte beginnen. Entsprechend prägen Variationen in Wurzel- und Speicherstrukturen den Zeitpunkt, zu dem Pflanzen austreiben und blühen können. Saisonale Abläufe hängen damit nicht nur von der Temperatur ab, sondern auch von den unterirdischen Eigenschaften der Pflanzen.

• Winteraktivität und Blattmerkmale steuern das Frühjahrswachstum – Lubbe et al. (2025) fanden heraus, dass einige Pflanzen, die ihre Blätter über den Winter behalten, dichtere, weniger photosynthetisch aktive und frosttolerantere Blätter besitzen. Diese Winterblatt-Eigenschaften beeinflussen, wie schnell Pflanzen im Frühjahr wieder wachsen können und prägen damit den gesamten saisonalen Ablauf.

• Mehrere Umweltfaktoren können die Fortpflanzung bei Eidechsen verschieben – Bodineau et al. (2025) zeigen, dass wärmere Nächte und begrenzte Nahrungsverfügbarkeit bestimmen, wann sich die Zauneidechse fortpflanzt. Je nach Kombination können diese Umweltbedingungen die Fortpflanzung entweder nach vorne oder nach hinten verschieben.

• Wärmesummen sagen Pflanzenphänologie voraus – Rauschkolb et al. (2025) nutzten Daten des PhenObs Netzwerks, um sogenannte „Growing Degree Days“ zu testen – ein einfaches Maß, dass tägliche Wärme summiert, um zu erklären, wann Pflanzen wachsen und blühen. Ihre Ergebnisse zeigen, dass dieses Maß zuverlässige Vorhersagen ermöglicht, wie die Erwärmung auf saisonale Zeitabläufe verändert.

• Erwärmung verschiebt die Blütezeit, nicht jedoch Blütenmerkmale – Leclerc et al. (2025) zeigen, dass höhere Temperaturen den Zeitpunkt der Blüte verändern, während Merkmale wie Blütenduft oder Blütentemperatur unverändert bleiben. Die für Bestäuber relevanten Signale bleiben somit bestehen, jedoch erscheinen die Blüten zu einem anderen Zeitpunkt. Dadurch kann eine zeitliche Entkopplung entstehen, die die Interaktionen zwischen Pflanzen und Bestäubern beeinträchtigen.

„Diese Studien zeigen nur einen kleinen Ausschnitt der Vielfalt, die in der Sonderausgabe vorgestellt wird. Insgesamt entsteht ein umfassenderes Bild davon, wie Artmerkmale und Klima gemeinsam die saisonale Dynamik über Arten und Ökosysteme hinweg formen“, ergänzt Robert Rauschkolb von iDiv und Universität Jena, Mitherausgeber der Sonderausgabe und Koordinator der Plattform PhenObs.

Die Studien verdeutlichen auch, wie wichtig es ist, Beobachtungsnetzwerke wie die iDiv-Plattform PhenObs mit experimentellen und modellbasierten Ansätzen zu integrieren, um die Auswirkungen von Umweltveränderungen und Artmerkmalen auf die Phänologie besser zu verstehen.

Die Autorinnen und Autoren betonen, dass das Verständnis des Zusammenspiels von Artmerkmalen und Umweltveränderungen entscheidend ist, um vorherzusagen, wie ökologische Interaktionen und Prozesse künftig reagieren.
Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Originalpublikation:
Römermann, C., Rauschkolb, R., Bucher, S. F., Träger, S., & Hensen, I. (Eds.). (2026). Phenology-trait relationships across different scales and organisational levels. [Special Focus]. Functional Ecology, 40(5). https://doi.org/10.1111/1365-2435.70324

 

Fast schon obligatorisch dürfen wir an dieser Stelle die Links zu unseren Fragebögen zur Zauneidechse und zur Mauereidechse anfügen. Beide wärmeliebenden Reptilienarten gehören zu den charakteristischen Bewohnern der Moselregion und schlagen zugleich eine Brücke zu den vorangegangenen Betrachtungen. Während die Zauneidechse (Lacerta agilis) in der oben vorgestellten wissenschaftlichen Publikation als Beispiel für die Auswirkungen veränderter Umweltbedingungen auf den Jahresrhythmus von Reptilien dient, begegneten wir der Mauereidechse (Podarcis muralis) im Rahmen eines Seminars des Reptilienexperten Dr. Ulrich Schulte. Wer aufmerksam durch die Weinbergslandschaften wandert, kann beiden Arten mit etwas Glück auf Trockenmauern, Schieferhängen, sonnenverwöhnten Böschungen oder entlang warmer Weinbergswege begegnen. Die nachfolgenden Artenporträts stellen beide Eidechsen näher vor und zeigen zugleich, warum sie zu den faszinierendsten Bewohnern der Moselweinberge zählen:

 

Zauneidechse: Ein Bewohner sonniger Weinbergshänge

 

Zauneidechse (Lacerta agilis)

Allgemeine Beschreibung
Die Zauneidechse gehört zur Familie der Echten Eidechsen (Lacertidae) und ist eine der bekanntesten Reptilienarten Deutschlands. Mit ihrem langgestreckten Körper, den kräftigen Beinen und dem langen Schwanz ist sie hervorragend an ein Leben in sonnigen Offenlandschaften angepasst. Besonders auffällig sind die Männchen während der Paarungszeit, wenn ihre Flanken leuchtend grün gefärbt sind.
Die Zauneidechse ist wechselwarm. Sie benötigt die Wärme der Sonne, um aktiv zu werden, Nahrung zu suchen oder sich fortzupflanzen.

Wie leben die Tiere?
Zauneidechsen leben überwiegend einzeln. Jedes Tier nutzt einen eigenen Lebensraum, auch wenn sich die Reviere teilweise überschneiden können.
Sie graben keine tiefen Höhlen, nutzen aber:
• selbst angelegte kleine Verstecke
• Mäuselöcher
• Spalten zwischen Steinen
• Trockenmauern
• Wurzelbereiche
• dichte Vegetation
Von etwa Oktober bis März halten sie Winterruhe. Dabei ziehen sie sich in frostfreie Verstecke zurück.
Die Tiere wandern nicht wie Zugvögel in andere Regionen. Allerdings können insbesondere junge Tiere neue Lebensräume besiedeln und dadurch zur Ausbreitung der Art beitragen.
Typisch ist ihre ruckartige Fortbewegung: kurze schnelle Sprints wechseln sich mit längeren Ruhephasen und Sonnenbädern ab.

Welche Sinnesorgane nutzen die Tiere?
Die Zauneidechse verfügt über sehr leistungsfähige Sinnesorgane.
Besonders wichtig sind:
• Augen mit sehr gutem Sehvermögen
• Wahrnehmung von Bewegungen über größere Entfernungen
• Geruchssinn
• Geschmackssinn über die Zunge
Wie Schlangen nimmt sie Geruchspartikel mit der Zunge auf und wertet diese mit dem Jacobsonschen Organ im Gaumenbereich aus.
Das Gehör ist vorhanden, spielt jedoch eine geringere Rolle als das Sehen.

Unterschiede zwischen Weibchen und Männchen
Männchen
• im Frühjahr oft leuchtend grüne Flanken
• kräftiger Körperbau
• breiterer Kopf
• meist etwas größer
Weibchen
• überwiegend braune oder graubraune Färbung
• oft deutliche Rückenzeichnung
• schlankerer Körperbau
Außerhalb der Paarungszeit sind die Unterschiede weniger auffällig.

Paarung und Fortpflanzung
Die Paarungszeit beginnt meist im April oder Mai.
Männchen verteidigen ihre Reviere und liefern sich gelegentlich Kämpfe mit Rivalen.
Nach der Paarung legt das Weibchen meist:
• 5 bis 15 Eier
• in lockeren, sonnigen Boden
• oft in sandigen Bereichen
Die Eier werden nicht bewacht.
Nach etwa zwei bis drei Monaten schlüpfen die Jungtiere.

Geburt, Geschlechtsreife und Höchstalter
Geburt
• Schlupf meist August bis September
Geschlechtsreife
• Männchen meist nach 2 Jahren
• Weibchen meist nach 2 bis 3 Jahren
Mögliches Höchstalter
• häufig 5 bis 8 Jahre
• vereinzelt über 10 Jahre

Jahresablauf
Frühjahr
• Ende der Winterruhe
• Sonnenbaden
• Paarungszeit
Frühsommer
• Nahrungssuche
• Eiablage
Sommer
• Entwicklung der Eier
• Schlupf der Jungtiere
Herbst
• Fettreserven anlegen
• Rückzug in Winterquartiere
Winter
• Winterruhe

Nahrung
Die Zauneidechse ist ein Fleischfresser.
Zur Nahrung gehören:
• Käfer
• Heuschrecken
• Fliegen
• Mücken
• Spinnen
• Raupen
• Ameisen
• kleine Schnecken
Gelegentlich werden auch kleine Jungtiere anderer Reptilien gefressen.

Verbreitung und Vorkommen
Die Art kommt in weiten Teilen Europas vor.
In Rheinland-Pfalz findet man sie besonders:
• an Mosel, Rhein, Nahe und Ahr
• in Weinbergslandschaften
• auf Trockenrasen
• an Bahndämmen
• in Steinbrüchen
• auf sonnenreichen Böschungen

Reviergröße
Die Reviergrößen sind unterschiedlich.
Häufig bewegen sich die Tiere auf Flächen von:
• einigen zehn Quadratmetern
• bis zu mehreren hundert Quadratmetern
Männchen verteidigen während der Paarungszeit ihre bevorzugten Bereiche gegenüber Rivalen.

Tarnung und Verteidigung
Die Zauneidechse besitzt mehrere Schutzstrategien.
Tarnung
• braune und grüne Färbung
• Anpassung an Vegetation und Boden
Verteidigung
• schnelle Flucht
• Verstecken in Spalten oder Vegetation
• Schwanzabwurf bei Gefahr
Der abgeworfene Schwanz bewegt sich noch einige Zeit und lenkt Feinde ab.

Gefahren und Bestand
Die Zauneidechse gilt in Deutschland als geschützte Art.
Feinde
• Greifvögel
• Krähen
• Elstern
• Schlangen
• Katzen
• Marder
Gefahren durch Menschen
• Verlust von Lebensräumen
• Flurbereinigung
• Bebauung
• intensive Landwirtschaft
• Beseitigung von Trockenmauern
• Straßenverkehr
In vielen Regionen gehen die Bestände zurück.

Bedeutung für die Natur
Die Zauneidechse ist ein wichtiger Bestandteil vieler Nahrungsketten.
Sie:
• reguliert Insektenbestände
• dient selbst zahlreichen Tieren als Nahrung
• zeigt den Zustand von Lebensräumen an
Naturschützer betrachten sie als sogenannte Indikatorart.

Wo findet man die Zauneidechse an der Mosel?
Besonders gute Chancen bestehen:
• an Trockenmauern der Weinberge
• auf Schieferhängen
• an Weinbergswegen
• auf südexponierten Böschungen
• an Bahndämmen
• auf Trockenrasen
An warmen Frühlingstagen kann man die Tiere häufig beim Sonnenbaden beobachten.

Gibt es Zauneidechsen auch im Garten?
Ja, unter bestimmten Bedingungen.
Geeignet sind Gärten mit:
• Natursteinmauern
• Trockenmauern
• Sandflächen
• Totholz
• sonnigen Bereichen
• naturnaher Gestaltung
In dicht bebauten Wohngebieten sind sie dagegen selten.

Ökonomische Funktion
Die Zauneidechse besitzt keine direkte wirtschaftliche Nutzung.
Indirekt trägt sie bei zu:
• biologischer Schädlingskontrolle
• Naturtourismus
• Umweltbildung
• Naturschutzprojekten
Sie ist zudem eine Leitart vieler Schutzprogramme.

Ökologische Funktion
Ökologisch erfüllt die Zauneidechse mehrere Aufgaben:
• Regulierung von Insektenpopulationen
• Nahrungsquelle für viele Tiere
• Verbindungsglied innerhalb von Nahrungsketten
• Indikator für artenreiche Lebensräume
Ihr Vorkommen zeigt häufig eine hohe ökologische Qualität eines Gebietes an.

Esoterische, religiöse und mythologische Bedeutungen
Eidechsen spielen in vielen Kulturen eine symbolische Rolle.
Mythologische Bedeutung
• Symbol für Anpassungsfähigkeit
• Symbol für Erneuerung
• Symbol für Überleben
Religiöse Bedeutung
Im Christentum tritt die Eidechse selten in Erscheinung, wurde jedoch gelegentlich als Sinnbild für Wachsamkeit und das Streben nach Licht interpretiert.
Esoterische Deutungen
In modernen naturspirituellen Traditionen steht die Eidechse häufig für:
• Wandel
• Regeneration
• Lebensenergie
• die Fähigkeit, sich neuen Bedingungen anzupassen
Gerade diese Symbolik passt erstaunlich gut zur heutigen wissenschaftlichen Betrachtung der Zauneidechse als Art, die seit Jahrtausenden auf Klima- und Landschaftsveränderungen reagiert und deren Lebensrhythmus sich aktuell erneut verändert.

 

Mauereidechse: Die Kletterkünstlerin der Trockenmauern

 

Mauereidechse (Podarcis muralis)

Allgemeine Beschreibung
Die Mauereidechse gehört zur Familie der Echten Eidechsen (Lacertidae) und zählt zu den bekanntesten Reptilien der Weinbergslandschaften entlang von Mosel, Rhein und Nahe. Sie ist etwas kleiner und deutlich schlanker als die Zauneidechse. Besonders auffällig sind ihre große Beweglichkeit und ihre Fähigkeit, selbst senkrechte Mauern und Felswände mühelos zu erklimmen.
Die Art gilt als ausgesprochene Sonnenanbeterin. Warme Trockenmauern, Schieferhänge und felsige Strukturen bilden ihren bevorzugten Lebensraum.

Wie leben die Tiere?
Mauereidechsen leben überwiegend einzeln.
Sie nutzen:
• Mauerspalten
• Felsspalten
• Hohlräume zwischen Steinen
• Trockenmauern
• Holzstapel
• Geröllfelder
als Rückzugsorte.
Von etwa Oktober bis März halten sie Winterruhe. Dazu ziehen sie sich in frostfreie Spalten oder unterirdische Hohlräume zurück.
Die Tiere wandern nicht über große Entfernungen. Junge Tiere können jedoch neue Lebensräume erschließen. Bekannt geworden sind auch Ausbreitungen entlang von Bahnstrecken, Steintransporten und Siedlungsräumen.
Typisch sind schnelle, flinke Bewegungen über Mauern, Felsen und Steine.

Welche Sinnesorgane nutzen die Tiere?
Die Mauereidechse verlässt sich vor allem auf:
• ausgezeichnetes Sehvermögen
• Wahrnehmung kleinster Bewegungen
• Geruchssinn
• Geschmackssinn über die Zunge
Mit Hilfe des Jacobsonschen Organs wertet sie Duftstoffe aus ihrer Umgebung aus.
Das Gehör ist vorhanden, spielt aber eine geringere Rolle als das Sehen.

Unterschiede zwischen Weibchen und Männchen
Männchen
• kräftiger gebaut
• größerer Kopf
• oft kontrastreichere Zeichnung
• teilweise orange, rötliche oder gelbliche Bereiche an der Bauchseite
Weibchen
• meist etwas kleiner
• oft feiner gezeichnet
• häufig unauffälligere Färbung
Die Färbung kann stark variieren.

Paarung und Fortpflanzung
Die Paarungszeit beginnt meist im April oder Mai.
Männchen besetzen bevorzugte Sonnenplätze und verteidigen diese gegenüber Rivalen.
Nach der Paarung legt das Weibchen:
• meist 2 bis 10 Eier
• in lockeren Boden
• unter Steinen
• in Mauerspalten
• in warme Schotterbereiche
Je nach Witterung können Weibchen mehrere Gelege pro Jahr absetzen.
Nach etwa sechs bis elf Wochen schlüpfen die Jungtiere.

Geburt, Geschlechtsreife und Höchstalter
Geburt
• Schlupf meist zwischen Juli und September
Geschlechtsreife
• häufig nach 2 Jahren
Mögliches Höchstalter
• meist 5 bis 8 Jahre
• vereinzelt über 10 Jahre

Jahresablauf
Frühjahr
• Ende der Winterruhe
• Revierbildung
• Paarungszeit
Frühsommer
• Eiablage
• intensive Nahrungssuche
Sommer
• Entwicklung der Jungtiere
• hohe Aktivität an warmen Tagen
Herbst
• Vorbereitung auf die Winterruhe
Winter
• Rückzug in geschützte Winterquartiere

Nahrung
Die Mauereidechse ernährt sich überwiegend von kleinen wirbellosen Tieren.
Dazu gehören:
• Käfer
• Ameisen
• Fliegen
• Mücken
• Spinnen
• Asseln
• kleine Raupen
• Heuschrecken
Gelegentlich werden auch kleine Schnecken gefressen.

Verbreitung und Vorkommen
Die Mauereidechse stammt ursprünglich aus Süd- und Mitteleuropa.
In Deutschland liegen ihre natürlichen Verbreitungsschwerpunkte vor allem in:
• Rheinland-Pfalz
• Baden-Württemberg
• Saarland
• Hessen
Besonders bekannt sind die Bestände entlang von:
• Mosel
• Rhein
• Nahe
In Rheinland-Pfalz existieren sowohl heimische als auch allochthone Populationen. Letztere gehen auf Tiere zurück, die durch menschliche Einflüsse in neue Regionen gelangten.

Reviergröße
Die Reviere sind meist klein.
Häufig nutzen die Tiere:
• einzelne Mauern
• bestimmte Mauerabschnitte
• kleine Felsbereiche
Männchen verteidigen bevorzugte Sonnenplätze während der Paarungszeit.

Tarnung und Verteidigung
Tarnung
Die Färbung passt sich hervorragend an:
• Schiefer
• Naturstein
• Fels
• Trockenmauern
an.
Dadurch sind die Tiere oft schwer zu entdecken.
Verteidigung
• blitzschnelle Flucht
• Rückzug in Mauerspalten
• Schwanzabwurf bei Gefahr
Der abgeworfene Schwanz lenkt Angreifer ab und ermöglicht die Flucht.

Gefahren und Bestand
Die Mauereidechse ist gesetzlich geschützt.
Feinde
• Greifvögel
• Krähen
• Elstern
• Schlangen
• Marder
• Hauskatzen
Gefahren durch Menschen
• Sanierung alter Trockenmauern
• Verlust von Steinstrukturen
• Bebauung
• Flächenversiegelung
• intensive Pflege von Böschungen
In geeigneten Lebensräumen können die Bestände stabil sein. Regional kommt es jedoch zu Verlusten wertvoller Lebensräume.

Bedeutung für die Natur
Die Mauereidechse ist ein wichtiger Bestandteil wärmeliebender Lebensgemeinschaften.
Sie:
• frisst zahlreiche Insekten
• dient anderen Tieren als Nahrung
• verbindet verschiedene Stufen der Nahrungskette
Ihr Vorkommen zeigt oft eine hohe Strukturvielfalt eines Lebensraumes an.

Wo findet man die Mauereidechse an der Mosel?
Die Chancen stehen besonders gut:
• an Trockenmauern der Weinberge
• auf Schiefermauern
• an Felswänden
• an Burgruinen
• entlang alter Bahntrassen
• in felsigen Weinbergslagen
An warmen Frühlingstagen kann man sie oft auf sonnenbeschienenen Steinen beobachten.

Gibt es Mauereidechsen auch im Garten?
Ja.
Besonders geeignet sind Gärten mit:
• Natursteinmauern
• Trockenmauern
• Steinhaufen
• Schotterflächen
• sonnigen Terrassen
• naturnaher Gestaltung
In Weinbaugebieten können Mauereidechsen durchaus bis in Hausgärten vordringen.

Ökonomische Funktion
Eine direkte wirtschaftliche Nutzung besteht nicht.
Indirekt trägt die Art bei zu:
• Naturtourismus
• Umweltbildung
• biologischer Insektenregulation
• Naturschutzprojekten
Die Mauereidechse ist zudem eine attraktive Leitart für den Erhalt historischer Weinbergslandschaften.

Ökologische Funktion
Die Mauereidechse erfüllt mehrere wichtige Aufgaben:
• Regulierung von Insektenbeständen
• Nahrung für zahlreiche Räuber
• Bestandteil wärmeliebender Ökosysteme
• Indikator für strukturreiche Lebensräume
Sie trägt zur Stabilität von Nahrungsketten in Trockenlebensräumen bei.

Esoterische, religiöse und mythologische Bedeutungen
Mythologische Bedeutung
Eidechsen gelten in vielen Kulturen als Symbole für:
• Anpassungsfähigkeit
• Beweglichkeit
• Überlebenskraft
Religiöse Bedeutung
In der europäischen Symbolik wurden Eidechsen gelegentlich mit Licht, Wachsamkeit und der Kraft der Sonne in Verbindung gebracht.
Esoterische Deutungen
In modernen naturspirituellen Traditionen steht die Mauereidechse häufig für:
• Flexibilität
• Wandlungsfähigkeit
• Lebensenergie
• die Verbindung zwischen Stein, Sonne und Leben
Gerade in den Moselweinbergen erscheint diese Symbolik besonders passend: Die Mauereidechse lebt dort, wo Schiefer, Sonne und jahrhundertealte Trockenmauern eine einzigartige Kulturlandschaft geschaffen haben. Sie ist damit nicht nur ein Bewohner der Weinberge, sondern auch ein Symbol für das Zusammenspiel von Natur und Mensch entlang der Mosel.

 

Alle Texte zum Thema „NaturEREIGNISbegleiter / Lebendige Moselweinberge“ finden Sie unter:
https://www.trierer-umschau.de/netzwerk/naturereignisbegleiter/

 

Vortext / Kommentar: Christph Maisenbacher – 2. Juni 2026
Quelle (vollständig zitierter Text): Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig – Dr. Volker Hahn – Abteilung Impact
Link-Zitate: alle Zitate, die wir übernehmen sind im Text mit einem Link versehen
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Foto 1: H. Peter (Pixabay)– Logo: © DLR Mosel – Foto 2-3: Illustration: KI-generiert / Trierer Umschau

Dieser Text in LEICHTER SPRACHE ist veröffentlicht unter:
https://www.trierer-umschau.de/2026-06-02-bb/

Die Text-Folge „Lebendige Moselweinberge“ ist Dauno gewidmet:
vgl. https://www.trierer-umschau.de/2025-11-03-ba/