Die Mosel bei Nacht – hier mit Blick vom Campingplatz „Mosella am Rothaus“ in Nennig in Richtung Moselbrücke und der Esplanade von Remich. – Unser Text widmet sich der heute nahezu allgegenwärtigen Lichtverschmutzung an Gewässern.
Foto: Günther Schneider (Pixabay)– Logo: © DLR Mosel
Nächtliche Beleuchtung an Flussufern oder Bächen stört den Energie- und Nährstoffaustausch zwischen Gewässern und angrenzenden Uferlebensräumen und kann somit weitreichende ökologische Folgen haben.
Foto: © Quelle: Kerstin Theilmann / RPTU
In einer weltweit einzigartigen experimentellen Anlage beleuchten die Landauer Forschenden die Kopplung von Wasser- und Landökosystemen unter dem Einfluss des Menschen.
Foto: © Quelle: Hans-Georg Merkel / RPTU
Die Mundwerkzeuge der Zuckmücken sind nicht zum Stechen geeignet. Sie ernähren sich von Nektar und Honigtau.
Foto: Kathy Büscher (Pixabay)
Zuckmücken
Foto: Illustration: KI-generiert / Trierer Umschau
Sogenannte Steckerspinnen oder Langkiefer-Spinnen leben immer in Gewässernähe.
Foto: Franco Patrizia (Pixabay – das Foto wurde gedreht)
Langkieferspinen / Steckerspinnen
Foto: Illustration: KI-generiert / Trierer Umschau

NATUREREIGNISBEGLEITER - TEXT 37 & RHEINLAND-PFÄLZISCHE TECHNISCHE UNIVERSITÄT KAISERSLAUTERN-LANDAU

Lichtverschmutzung an der Mosel: Wie Signalkrebse, Zuckmücken und Uferspinnen ganze Nahrungsketten verändern

Künstliches Licht an Flussufern verändert offenbar weit mehr als nur die nächtliche Atmosphäre. Eine aktuelle Studie der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau (RPTU) zeigt, wie Lichtverschmutzung, invasive Signalkrebse und schlüpfende Wasserinsekten miteinander verbunden sind – mit Folgen bis hinein in die Nahrungsketten an Mosel und Weinbergsbächen.

Zwischen Mosel, Weinbergsbächen und künstlichem Licht

 

Für unseren „NaturEREIGNISbegleiter – Lebendige Moselweinberge“-Redaktionsblick war es wichtig, zunächst den Blick auf den invasiven US-Signalkrebs zu richten. Vor allem auch auf das Warum seiner Anwesenheit in unseren Gewässern und die Folgen für unsere heimischen Arten: https://www.trierer-umschau.de/2026-05-22-ca/

Wenn man bedenkt, dass der heimische Edelkrebs einst zu den wichtigsten und erschwinglichsten Proteinquellen Europas gehörte – bis zum Ausbruch der Krebspest –, wird deutlich, wie tiefgreifend sich unsere Gewässer verändert haben. Was früher nahezu selbstverständlich in Bächen, Flüssen und Weihern vorkam, ist heute vielerorts verschwunden oder nur noch in isolierten Rückzugsräumen erhalten geblieben.

Gerade entlang der Mosel und ihrer zahlreichen Zuflüsse – von kleineren Weinbergsbächen bis hin zu Saar, Ruwer, Kyll, Lieser oder Sauer – treffen heute unterschiedlichste menschliche Einflüsse auf empfindliche Wasserlebensräume. Straßenbeleuchtung, Uferbebauung, Brücken, Gewerbegebiete oder Verkehrswege verändern zunehmend die natürlichen Dunkelräume entlang der Gewässer. Gleichzeitig breiten sich invasive Arten wie der aus Nordamerika stammende Signalkrebs weiter aus. Was zunächst wie einzelne lokale Veränderungen wirkt, kann in Wirklichkeit ganze ökologische Netzwerke beeinflussen.

 

Wenn Licht bis in Nahrungsketten hineinwirkt

 

Denn der Signalkrebs verändert nicht nur die Welt unter Wasser.

Eine aktuelle Forschungsarbeit der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau (RPTU) zeigt, dass sich die Auswirkungen invasiver Arten und künstlicher Lichtverschmutzung sogar bis an die Uferzonen ausdehnen können. Dort, wo nachts Straßenlampen oder andere künstliche Lichtquellen in natürliche Dunkelräume eingreifen, verändern sich offenbar ganze Nahrungsketten zwischen Wasser und Land. (siehe unten die Originalpublkation und: https://besjournals.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/1365-2435.70335 )

Gerade an der Mosel lässt sich dieser Zusammenhang gut nachvollziehen: Viele Menschen erleben im Sommer die großen Schwärme kleiner Insekten entlang des Wassers, an Brücken, Promenaden oder beleuchteten Uferwegen. Was für uns oft nur wie ein sommerliches Naturbild wirkt, ist in Wirklichkeit Teil eines hochkomplexen Energie- und Nährstofftransports zwischen Fluss und Land.

 

Wasserlarven als Verbindung zwischen Fluss und Ufer

 

Besonders interessant ist dabei der Zusammenhang zwischen Wasserlarven, schlüpfenden Insekten und räuberischen Uferspinnen.

Viele Insekten verbringen den größten Teil ihres Lebens zunächst verborgen im Wasser – als Larven zwischen Kies, Pflanzen und Sedimenten. Erst später verlassen sie das Gewässer als fliegende Insekten. Genau diese geschlüpften Tiere stellen wiederum eine wichtige Nahrungsquelle für zahlreiche Spinnenarten an Bach- und Flussufern dar.

Der invasive Signalkrebs greift jedoch genau in diesen Kreislauf ein: Er frisst große Mengen solcher Wasserlarven bereits am Gewässergrund. Dadurch gelangen weniger Insekten an die Wasseroberfläche und später an Land. Gleichzeitig verändert künstliches Licht in der Nacht das Verhalten vieler Tiere zusätzlich.

 

Zuckmücken und Langkieferspinnen im Mittelpunkt der Forschung

 

Die Forschenden konzentrierten sich dabei exemplarisch auf zwei Arten beziehungsweise Artengruppen, um diese komplexen Zusammenhänge sichtbar zu machen:

Zum einen auf die Langkieferspinne Tetragnatha extensa, eine typische Uferspinne, die ihre Netze bevorzugt entlang von Gewässern baut und dort auf schlüpfende Wasserinsekten wartet. Zum anderen auf die sogenannten Zuckmücken (Chironomidae) beziehungsweise deren Larven, die zu den häufigsten Wasserlarven vieler Fließgewässer gehören.

Natürlich existieren sowohl bei den Spinnen als auch bei den Zuckmücken unzählige Arten mit ganz unterschiedlichen Lebensweisen. Die Studie beschränkt sich daher bewusst auf ausgewählte Vertreter, um die ökologischen Zusammenhänge zwischen Wasser, Lichtverschmutzung, invasiven Arten und Uferlebensräumen beispielhaft untersuchen und verständlich darstellen zu können.

Gerade darin liegt die besondere Aussagekraft der Untersuchung: Sie zeigt, wie eng Gewässer und Land miteinander verbunden sind – und wie menschliche Eingriffe selbst dort Veränderungen auslösen können, wo wir sie zunächst kaum vermuten würden. Vielleicht sind genau solche Wechselwirkungen auch entlang der Mosel längst Teil eines stillen ökologischen Wandels, der sich oft erst auf den zweiten Blick erkennen lässt.

 

Die vollständige Pressemitteilung der RPTU

 

Im Folgenden übernehmen wir die Pressemitteilung der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau (RPTU) vollständig:

 

Lichtverschmutzung verändert Nahrungsnetze an Flussufern

Künstliches Licht in der Nacht verändert nicht nur das Landschaftsbild, es greift auch tief in natürliche Ökosysteme ein. Eine aktuelle Studie der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau (RPTU) zeigt, dass Lichtverschmutzung den Energie- und Nährstoffaustausch zwischen Gewässern und angrenzenden Uferlebensräumen erheblich beeinflussen kann – stärker als nicht-heimische Arten. Die Beleuchtung an Flussufern oder Bächen kann somit weitreichende ökologische Folgen haben. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Functional Ecology“ veröffentlicht.
Zunehmende menschliche Aktivitäten entlang von Flüssen und Bächen stören die natürlichen Verbindungen zwischen Wasser und Land. Vor allem künstliches Licht in der Nacht, etwa durch Straßenbeleuchtung, nimmt weltweit stark zu. Gleichzeitig breiten sich invasive Arten wie der aus Nordamerika stammende Signalkrebs in europäischen Flüssen und Bächen immer weiter aus. Beide Faktoren sind große Stressoren für Süßwasserökosysteme – mit Folgen, die über das Gewässer hinausreichen.

Um diesen auf den Grund zu gehen, haben die Forschenden untersucht, wie nächtliche Beleuchtung und der invasive Signalkrebs das Fressverhalten von räuberischen Spinnen an den Ufern beeinflussen. Diese Spinnen sind wichtige Bestandteile der Nahrungsnetze an Land und ernähren sich vor allem von Insekten, die aus dem Wasser schlüpfen. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass menschliche Eingriffe in aquatische Ökosysteme weitreichende Auswirkungen auf angrenzende Landökosysteme haben können“, unterstreicht Erstautor und Umweltwissenschaftler Collins Ogbeide.

Für seine Studie nutzte das Forschungsteam eine spezielle Experimentalanlage in Landau mit 16 künstlichen Bächen und angrenzenden Uferbereichen, die miteinander verknüpfte Wasser- und Landökosysteme realitätsnah simuliert. Mithilfe von Stickstoff- und Kohlenstoffisotopen, die sich besonders für die Erforschung von Nahrungsnetzen eignen, verfolgten die Forschenden den Transport von Energie und Nährstoffen zwischen den beiden Lebensräumen Wasser und Land.

Dabei zeigte sich: Während aquatische Beutetiere sowohl in der Kontrolle als auch bei Lichtverschmutzung und der Anwesenheit invasiver Flusskrebse einen großen Teil an der Nahrung der Spinnen ausmachte, veränderte Lichtverschmutzung die Zusammensetzung der Nahrung deutlich. Unter nächtlicher Beleuchtung fraßen die Spinnen eine größere Vielfalt an Beutetieren. Auch der invasive Signalkrebs veränderte bei Lichtverschmutzung sein Fressverhalten und ernährte sich stärker von Zuckmückenlarven und kleinen Krebstieren (Gammariden). Dieser stärkere Fraßdruck auf die Zuckmückenlarven wirkt sich über den verringerten Schlupf dieser Insekten auch auf die Spinnen an Land aus. Insgesamt beeinflusste die Lichtverschmutzung die Nahrungsnetze deutlich stärker als die invasive Art.

„Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Lichtverschmutzung als Umweltfaktor bislang unterschätzt wird, insbesondere vor dem Hintergrund zunehmender Urbanisierung und Infrastrukturentwicklung entlang von Flussufern“, verdeutlicht Umweltwissenschaftler Ralf Schulz. „Sie verändert den Energiefluss und den Nährstofftransport zwischen Wasser und Land erheblich – selbst dann, wenn weitere Stressfaktoren wie invasive Arten vorhanden sind“. Künstliche Beleuchtung beeinflusst also nicht nur einzelne Arten, sondern kann ganze Ökosystemverbindungen verschieben.

„Die Studie liefert wichtige Erkenntnisse für den Naturschutz und das Gewässermanagement“, so Ogbeide. In einer zunehmend urbanisierten Welt können scheinbar lokale Eingriffe, wie die Beleuchtung an Flussufern, weitreichend ökologische Folgen haben. Lichtverschmutzung sollte stärker in Schutz- und Planungsmaßnahmen einbezogen werden, so die Forschenden, um die Biodiversität an Flüssen und Bächen langfristig zu erhalten.

Originalpublikation:
Ogbeide, C., Arias, M., Bollinger, E., Burgazzi, G., Burgis, F., Manfrin, A., Schirmel, J., Schreiner, V.C., Bundschuh, M., & Schulz, R. (2026). Artificial light at night and invasive signal crayfish alter aquatic-terrestrial food webs. Functional Ecology. DOI: 10.1111/1365-2435.70335
https://besjournals.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/1365-2435.70335

 

 

Weitere Informationen und Einzelpräsentationen

 

Weitere Links:
_ Zuckmüchen: https://de.wikipedia.org/wiki/Zuckm%C3%BCcken
_ Streckerspinne: https://de.wikipedia.org/wiki/Gemeine_Streckerspinne

 

Und unsere Einzelpräsentationen mit unseren Fragebögen finden Sie hier:

 

 

Zuckmücken (Chironomidae)

Lateinischer Name
Die Zuckmücken gehören zur Familie der Chironomidae. Dabei handelt es sich nicht um nur eine einzelne Art, sondern um eine sehr große Insektengruppe mit weltweit tausenden Arten. Viele Menschen verwechseln sie mit Stechmücken – allerdings stechen Zuckmücken nicht.
Gerade ihre Larven spielen jedoch eine zentrale Rolle in Gewässern – und auch in der aktuellen Forschungsarbeit zu Lichtverschmutzung, Signalkrebsen und Uferspinnen.

Wie leben Zuckmücken?
Zuckmücken verbringen den größten Teil ihres Lebens als Larven im Wasser. Dort leben sie oft verborgen:
• im Schlamm,
• zwischen Kies,
• an Wasserpflanzen,
• unter abgestorbenem Pflanzenmaterial
• oder in feinen Sedimenten.
Viele Larven bauen kleine Röhren oder Gespinste im Gewässergrund. Einige Arten leben einzeln, andere treten in sehr großer Zahl auf.
Die erwachsenen Zuckmücken leben dagegen meist nur kurze Zeit. Nach dem Schlupf verlassen sie das Wasser und bilden häufig große Schwärme über Ufern, Wegen oder Wiesen.
Besonders an Sommerabenden sieht man diese „Tanzwolken“ über der Mosel oder an kleineren Weinbergsbächen.

Die besondere Rolle der Larven
Die Larven sind der eigentliche Mittelpunkt vieler Nahrungsketten im Gewässer.
Sie gehören in vielen Flüssen und Bächen zu den häufigsten Wasserorganismen überhaupt. Manche Gewässerböden bestehen geradezu aus riesigen Mengen solcher Larven.
Genau diese Larven wurden auch in der Forschungsarbeit untersucht. Dort zeigte sich, dass invasive Signalkrebse besonders viele Zuckmückenlarven fressen. Dadurch schlüpfen später weniger erwachsene Insekten aus dem Wasser.
(vgl. https://besjournals.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/1365-2435.70335 )
Und genau diese geschlüpften Insekten fehlen anschließend wiederum den Uferspinnen als Nahrung.
Damit entsteht eine direkte Verbindung:
Zuckmückenlarven → Signalkrebs → weniger schlüpfende Insekten → Veränderungen bei Uferspinnen
Die Larven bilden also gewissermaßen eine ökologische Brücke zwischen Wasser und Land.

Welche Sinnesorgane nutzen Zuckmücken?
Zuckmücken nutzen vor allem:
• ihre Fühler,
• ihre Facettenaugen,
• feine Sinneshaare,
• und Schwingungswahrnehmungen.
Besonders die Männchen besitzen stark gefiederte Antennen. Damit können sie die Flügelschläge der Weibchen wahrnehmen.
Die Tiere reagieren außerdem sehr empfindlich auf Licht – weshalb künstliche Beleuchtung ihr Verhalten stark beeinflussen kann.

Wie unterscheiden sich Weibchen und Männchen?
Männliche Zuckmücken erkennt man meist an ihren großen, federartigen Fühlern. Weibchen besitzen deutlich schlichtere Antennen.
Die Männchen wirken oft feiner und schlanker. Weibchen tragen später die Eier im Hinterleib.
Die Farben reichen – je nach Art – von grau über schwarz bis bräunlich oder leicht grünlich.
Die Larven wirken dagegen völlig anders:
• wurmförmig,
• weich,
• oft rötlich,
• durchsichtig oder dunkel gefärbt.
Manche Arten werden wegen ihres roten Blutfarbstoffs sogar „Blutwürmer“ genannt.

Paarung und Fortpflanzung
Die Paarung erfolgt häufig in großen Schwärmen.
Die Männchen tanzen dabei in der Luft. Weibchen fliegen in diese Schwärme hinein. Nach der Paarung legen die Weibchen ihre Eier direkt auf die Wasseroberfläche oder an Wasserpflanzen.
Daraus schlüpfen Larven, die anschließend über Wochen oder Monate im Wasser leben.
Viele Arten entwickeln mehrere Generationen pro Jahr.

Lebensdauer und Entwicklung
Die Entwicklung verläuft ungefähr so:
• Ei: wenige Tage
• Larvenstadium: mehrere Wochen bis Monate
• Puppenstadium: wenige Tage
• Erwachsene Tiere: oft nur wenige Tage
Die erwachsenen Tiere leben meist sehr kurz. Ihre wichtigste Aufgabe ist die Fortpflanzung.
Das eigentliche „Leben“ der Zuckmücke findet daher als Larve im Wasser statt.

Jahresablauf
Im Frühjahr steigen Temperaturen und Aktivität im Wasser.
Die Larven wachsen im Sediment heran. Im Frühling und Sommer schlüpfen besonders viele erwachsene Tiere. Dann erscheinen die typischen Schwärme über Gewässern.
Im Herbst und Winter verbleiben viele Larven weiterhin im Gewässergrund.

Welche Nahrung haben Zuckmücken?
Die Larven ernähren sich meist von:
• abgestorbenem Pflanzenmaterial,
• Algen,
• Mikroorganismen,
• Schlammteilchen,
• und organischen Reststoffen.
Einige Arten leben auch räuberisch.
Die erwachsenen Tiere nehmen oft nur noch wenig oder gar keine Nahrung mehr auf.

Welche Regionen besiedeln Zuckmücken?
Zuckmücken kommen fast weltweit vor.
In Rheinland-Pfalz findet man sie:
• an Mosel, Saar, Ruwer, Kyll und Sauer,
• an Weinbergsbächen,
• in Weihern,
• Feuchtgebieten,
• Gartenteichen
• und sogar in Regentonnen.
Besonders nährstoffreiche oder ruhige Gewässer bieten vielen Arten ideale Bedingungen.

Welche Reviere beanspruchen die Insekten?
Zuckmücken verteidigen normalerweise keine festen Reviere.
Die Larven besetzen jedoch bestimmte Bereiche im Sediment oder zwischen Wasserpflanzen. Erwachsene Tiere bleiben meist relativ nahe an ihren Herkunftsgewässern.

Tarnung und Verteidigung
Viele Larven besitzen unauffällige Farben und leben tief verborgen im Schlamm.
Andere bauen kleine Röhren oder verstecken sich zwischen Sedimentpartikeln.
Die erwachsenen Tiere setzen eher auf Masse als auf aktive Verteidigung: Die riesigen Schwärme erhöhen die Überlebenschancen einzelner Tiere.

Welche Rolle spielen Signalkrebse und Langkieferspinnen?
Die Forschungsarbeit machte deutlich, dass Zuckmückenlarven ein wichtiger Mittelpunkt ganzer Nahrungsketten sind.
Für den Signalkrebs
Der invasive Signalkrebs frisst große Mengen dieser Larven direkt am Gewässergrund. Besonders Zuckmückenlarven und kleine Krebstiere gehörten zu seiner wichtigsten Nahrung.
Dadurch gelangen weniger ausgewachsene Zuckmücken an die Wasseroberfläche.

Für die Langkieferspinne / Streckerspinne
Die Langkieferspinne Tetragnatha extensa lebt dagegen am Ufer und wartet dort auf die geschlüpften Insekten.
Die erwachsenen Zuckmücken gehören zu ihrer wichtigsten Nahrung. Genau deshalb reagieren diese Spinnen empfindlich auf Veränderungen im Gewässer.
Die Studie zeigt also einen bemerkenswerten Zusammenhang:
Der Signalkrebs verändert unter Wasser die Zahl der Larven – und dadurch indirekt auch die Nahrung der Spinnen an Land.

Gefahren und Bestandsentwicklung
Manche Zuckmückenarten profitieren von menschlichen Veränderungen und nährstoffreichen Gewässern. Andere reagieren empfindlich auf:
• Gewässerverschmutzung,
• Pestizide,
• Lichtverschmutzung,
• Sauerstoffmangel,
• Gewässerausbau,
• Trockenheit
• oder Klimawandel.
Zu ihren Feinden gehören:
• Fische,
• Signalkrebse,
• Spinnen,
• Libellen,
• Amphibien,
• Fledermäuse
• und viele Vogelarten.

Bedeutung für Natur und andere Tiere
Zuckmücken gehören zu den wichtigsten Nahrungstieren vieler Gewässerlandschaften.
Ihre Larven ernähren:
• Fische,
• Flusskrebse,
• Wasserinsekten
• und Amphibien.
Die geschlüpften erwachsenen Tiere ernähren wiederum:
• Spinnen,
• Vögel,
• Fledermäuse,
• Libellen
• und zahlreiche andere Tiere.
Sie verbinden dadurch Wasser und Land miteinander.

Wo findet man Zuckmücken an der Mosel und rund um Weinberge?
Besonders gut beobachten kann man sie:
• an ruhigen Moselufern,
• Weinbergsbächen,
• Hafenbereichen,
• beleuchteten Brücken,
• Feuchtmulden
• oder Uferwegen mit Lampenlicht.
Vor allem warme Sommerabende erzeugen dort oft große Schwärme.

Gibt es Zuckmücken auch im Garten?
Ja.
Besonders wenn vorhanden sind:
• Gartenteiche,
• Regentonnen,
• kleine Wasserbecken,
• naturnahe Feuchtbereiche,
• oder stehendes Wasser.
Viele Menschen bemerken sie an Außenlampen oder Fenstern.

Welche ökonomische Funktion haben Zuckmücken?
Direkt wirtschaftlich genutzt werden sie kaum.
Indirekt sind sie jedoch wichtig:
• als Nahrung für Fische,
• für Angelgewässer,
• und für funktionierende Gewässerökosysteme.
Ihre Larven werden teilweise sogar als Fischfutter verwendet.

Welche ökologische Funktion haben Zuckmücken?
Ökologisch gehören sie zu den wichtigsten Organismen vieler Gewässer.
Die Larven helfen beim:
• Abbau organischer Stoffe,
• Stoffkreislauf,
• Sedimentumsatz,
• und Nährstofftransport.
Die schlüpfenden Insekten transportieren außerdem Energie vom Wasser an Land – beispielsweise zu Spinnen wie Tetragnatha extensa.

Gibt es mythologische oder symbolische Bedeutungen?
Große mythologische Bedeutungen besitzen Zuckmücken kaum.
Schwärmende Insekten stehen jedoch in vielen Kulturen symbolisch für:
• Vergänglichkeit,
• Wandel,
• kurze Lebenszyklen
• und die enge Verbindung zwischen Wasser und Leben.
Gerade ihre Rolle zwischen Wasser und Land macht sie heute auch zu einem Sinnbild empfindlicher ökologischer Zusammenhänge.

 

 

Langkieferspinne / Streckerspinne / Tetragnatha extensa

Lateinischer Name
Der wissenschaftliche Name lautet Tetragnatha extensa.
Die Art gehört zur Familie der Langkieferspinnen (Tetragnathidae). Der Name „Langkieferspinne“ verweist auf die auffallend langen Mundwerkzeuge dieser Tiere. „Streckerspinne“ nennt man sie, weil sie ihren Körper oft lang ausgestreckt an Halmen oder Zweigen entlang ausrichtet.

Wie leben diese Spinnen?
Tetragnatha extensa lebt vor allem an Gewässerrändern:
• an Bächen,
• Flüssen,
• Teichen,
• Gräben,
• Feuchtgebieten
• und Uferzonen.
Die Spinnen bauen ihre Netze bevorzugt zwischen Pflanzen direkt am Wasser. Dort warten sie auf schlüpfende Wasserinsekten.
Sie leben überwiegend einzeln. Jede Spinne baut ihr eigenes Netz, oft nur wenige Zentimeter bis Meter von anderen entfernt.
Die Tiere ziehen nicht über weite Strecken. Junge Spinnen können jedoch durch sogenanntes „Ballooning“ verbreitet werden: Dabei lassen sie Spinnfäden vom Wind tragen und können so neue Lebensräume besiedeln.
Im Winter sterben viele erwachsene Tiere. Die nächste Generation überwintert meist als Jungspinne.

Welche Sinnesorgane nutzt die Spinne?
Wie viele Spinnen besitzt Tetragnatha extensa:
• mehrere Augen,
• feine Tasthaare,
• Vibrationssinn,
• und äußerst empfindliche Wahrnehmung von Netzerschütterungen.
Die Spinne „hört“ gewissermaßen über Schwingungen ihres Netzes. Dadurch erkennt sie Beute, Partner oder Gefahren.
Besonders wichtig ist außerdem die Wahrnehmung von Licht und Bewegung – weshalb künstliche Beleuchtung indirekt ihr Jagdverhalten beeinflussen kann.

Wie unterscheiden sich Weibchen und Männchen?
Weibchen sind meist:
• größer,
• kräftiger gebaut,
• und besitzen einen breiteren Hinterleib.
Männchen wirken oft:
• schlanker,
• filigraner
• und etwas kleiner.
Beide Geschlechter besitzen die typischen langen Kieferwerkzeuge. Die Körperfarbe reicht meist von grünlich über braun bis goldbraun. Dadurch passen sie hervorragend zu Gräsern und Schilfhalmen.

Paarung und Fortpflanzung
Die Paarung erfolgt meist im Sommer.
Das Männchen nähert sich dabei vorsichtig dem Weibchen, da es sonst selbst als Beute enden könnte. Die langen Kiefer spielen bei der Paarung eine wichtige Rolle.
Nach der Befruchtung legt das Weibchen Eier in kleinen Kokons ab, die häufig an Pflanzen befestigt werden.
Aus den Eiern schlüpfen winzige Jungspinnen, die sich nach mehreren Häutungen weiterentwickeln.

Lebensdauer und Entwicklung
Die Entwicklung verläuft ungefähr so:
• Ei: wenige Wochen
• Jungspinne: mehrere Monate
• Geschlechtsreife: meist im folgenden Frühjahr oder Sommer
• Erwachsene Tiere: oft nur eine Saison
Viele Tiere erreichen insgesamt ungefähr ein Jahr Lebenszeit.

Jahresablauf
Im Frühjahr entwickeln sich die Jungspinnen weiter.
Im Sommer sieht man die erwachsenen Tiere besonders häufig an Ufern und über Gewässern. Dann bauen sie ihre Radnetze zwischen Halmen, Zweigen oder Schilf.
Im Spätsommer und Herbst erfolgt die Fortpflanzung. Danach sterben viele Alttiere.
Die nächste Generation überwintert geschützt in Vegetation oder Bodenbereichen.

Welche Nahrung hat die Spinne?
Tetragnatha extensa ernährt sich hauptsächlich von kleinen fliegenden Insekten.
Besonders wichtig sind:
• schlüpfende Wasserinsekten,
• Zuckmücken,
• kleine Fliegen,
• Eintagsfliegen,
• Mücken,
• oder andere Kleininsekten.
Genau deshalb ist sie eng mit Gewässern verbunden.
Die aktuelle Forschungsarbeit zur Lichtverschmutzung untersuchte genau diesen Zusammenhang zwischen Wasserlarven, schlüpfenden Insekten und Uferspinnen.

Welche Regionen besiedelt die Spinne?
Die Art ist in großen Teilen Europas verbreitet.
In Rheinland-Pfalz findet man sie besonders:
• entlang der Mosel,
• an Saar, Ruwer, Kyll und Sauer,
• an Weinbergsbächen,
• in Feuchtwiesen,
• an Teichen,
• und an naturnahen Uferzonen.
Vor allem strukturreiche Gewässerränder mit Gräsern und Röhricht sind wichtige Lebensräume.

Welche Reviere beansprucht die Spinne?
Die Tiere beanspruchen kleine Jagdbereiche rund um ihr Netz.
Das Netz wird häufig täglich erneuert oder verändert. Die Spinne bleibt meist in unmittelbarer Nähe ihres Netzes.
Besonders gute Fangplätze liegen dort, wo viele Wasserinsekten schlüpfen.

Tarnung und Verteidigung
Die Langkieferspinne besitzt eine bemerkenswerte Tarnstrategie:
Sie streckt ihren langen Körper parallel zu Halmen oder Zweigen aus. Dabei werden die Beine eng angelegt. Dadurch ähnelt sie einem trockenen Pflanzenstängel.
Diese Tarnung schützt sie hervorragend vor:
• Vögeln,
• Libellen,
• oder anderen Räubern.
Bei Gefahr lässt sie sich oft einfach fallen.

Gefahren und Bestandsentwicklung
Gefahren entstehen unter anderem durch:
• Verlust naturnaher Ufer,
• Gewässerausbau,
• intensive Mahd,
• Pestizide,
• Lichtverschmutzung,
• Trockenheit,
• und Rückgang von Wasserinsekten.
Da die Spinne stark von schlüpfenden Wasserinsekten abhängt, wirken sich Veränderungen der Gewässer direkt auf ihre Lebensweise aus.
Zu den natürlichen Feinden gehören:
• Vögel,
• größere Spinnen,
• Amphibien,
• Libellen
• und parasitische Insekten.

Bedeutung für Natur und andere Tiere
Tetragnatha extensa ist ein wichtiger Räuber in Uferökosystemen.
Sie hilft dabei:
• Insektenpopulationen zu regulieren,
• Energie vom Wasser an Land weiterzugeben,
• und Nahrung für andere Tiere bereitzustellen.
Die Art ist außerdem ein wichtiger Hinweis auf funktionierende Übergangsbereiche zwischen Wasser und Land.

Wo findet man die Spinne an der Mosel und rund um Weinberge?
Besonders gut beobachten kann man sie:
• an Schilfrändern,
• Weinbergsbächen,
• Uferwegen,
• feuchten Böschungen,
• kleinen Zuflüssen,
• oder an stilleren Moselbereichen mit Vegetation.
Am besten sucht man morgens oder abends nach ihren feinen Netzen zwischen Gräsern.

Gibt es die Spinne auch im Garten?
Ja – besonders wenn vorhanden sind:
• Gartenteiche,
• naturnahe Wasserstellen,
• hohe Gräser,
• feuchte Bereiche,
• oder wilde Gartenecken.
In naturnahen Gärten kann sie durchaus vorkommen.

Welche ökonomische Funktion hat die Spinne?
Direkte wirtschaftliche Bedeutung besitzt sie kaum.
Indirekt hilft sie jedoch:
• Insektenbestände zu regulieren,
• ökologische Gleichgewichte zu stabilisieren,
• und naturnahe Gewässerräume gesund zu halten.

Welche ökologische Funktion hat die Spinne?
Ökologisch gehört sie zu den wichtigen Räubern an Gewässerufern.
Sie verbindet:
• Wasserökosysteme
• mit Landökosystemen.
Indem sie schlüpfende Wasserinsekten frisst, transportiert sie Energie aus dem Gewässer in die Nahrungsketten an Land.

Gibt es mythologische oder symbolische Bedeutungen?
Spinnen besitzen in vielen Kulturen symbolische Bedeutungen.
Oft stehen sie für:
• Geduld,
• Schicksalsfäden,
• Kreativität,
• Netzwerke,
• oder verborgene Ordnung.
Die Langkieferspinne selbst ist kulturell kaum bekannt. Ihre feinen Netze an stillen Gewässern wirken jedoch oft wie Sinnbilder für die empfindlichen Verbindungen zwischen Wasser, Licht, Landschaft und Leben.

 

 

Alle Texte zum Thema „NaturEREIGNISbegleiter / Lebendige Moselweinberge“ finden Sie unter:
https://www.trierer-umschau.de/netzwerk/naturereignisbegleiter/

 

 

Vortext / Kommentar: Christph Maisenbacher – 24. Mai 2026
Quelle (vollständig zitierter Text): Rheinland-Pfälzische Technische Universität Kaiserslautern-Landau (RPTU) – Kerstin Theilmann / Universitätskommunikation
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Foto 1: Günther Schneider (Pixabay)– Logo: © DLR Mosel – Foto 2: © Quelle: Kerstin Theilmann / RPTU – Foto 3: © Quelle: Hans-Georg Merkel / RPTU – Foto 4: Kathy Büscher (Pixabay) – Foto 5: Illustration: KI-generiert / Trierer Umschau – Foto 6: Franco Patrizia (Pixabay – das Foto wurde gedreht) – Foto 7: Illustration: KI-generiert / Trierer Umschau

Dieser Text in LEICHTER SPRACHE ist veröffentlicht unter:
https://www.trierer-umschau.de/2026-05-24-ab/

Die Text-Folge „Lebendige Moselweinberge“ ist Dauno gewidmet:
vgl. https://www.trierer-umschau.de/2025-11-03-ba/