Der Himmel gestern über Trier um 12 Uhr in Blickrichtung Petrisberg.
Foto: © Trierer Umschau
Rekonstruktion einer Schnecken-fressenden Schildkröte aus der Gruppe der Baenidae. Sie sitzt auf einer Landschildkröte der Gattung Basilemys, die am Ende der Kreidezeit ausgestorben ist. Im Hintergrund ein Schädel des Tyrannosaurus rex.
Foto: © Quelle: Joschua Knüppe / SNSB

TRIER-WETTER & WELTTAG DER SCHILDKRÖTE

Welttag der Schildkröte: Warum Schildkröten als Überlebenskünstler der Erdgeschichte heute bedroht sind

Sie überstanden Dinosaurier, Massenaussterben und Klimakatastrophen – doch heute geraten Schildkröten durch den Menschen weltweit unter Druck. Die Trierer Umschau blickt am Welttag der Schildkröte auf die faszinierende Ruhe, das hohe Alter und die erstaunliche Widerstandskraft dieser uralten Tiere – und auf neue wissenschaftliche Erkenntnisse zum Überleben der Schildkröten nach dem Asteroideneinschlag vor 66 Millionen Jahren

 

Sommerhitze über Trier und der Wetterblick auf Europas Hauptstädte

 

Unsere zwei Wetter-Dach-Tauben ** werden wohl nicht mehr ganz so entspannt von den Dächern aus einen Blick auf das Wetter werfen können – zumindest tagsüber, wenn sich die Dachziegel stark aufheizen. Dennoch erreichte uns eine Wetterprognose, die mit dem Wort „heiß“ beinahe emotional ausdrückte, was das Thermometer heute bei wolkenlosem Himmel anzeigen dürfte: am Nachmittag knapp 30 Grad.

Das verführt zu unserem täglichen Blick auf vier Hauptstädte der Europäischen Union: Helsinki meldet aktuell 20 Grad, doch auf Grund von Windgeschwindigkeiten von bis zu 30 km/h scheint dort die Temperatur eher nach unten zu tendieren. Für 15 Uhr – unserem Trierer Höchststand – werden 17 Grad, gegen 20 Uhr noch 15 Grad erwartet. – Kopenhagen bleibt heute nahezu konstant bei 21 bis 22 Grad und einem Sonne-Wolken-Mix. – Lissabon meldet ähnliche Temperaturen wie hier in Trier, wenngleich sich über der portugiesischen Hauptstadt ebenfalls ein Sonne-Wolken-Mix zeigt. – Und Ljubljana meldet Sonne pur bei Temperaturen bis zu 25 Grad.

 

Schildkröten als stille Überlebenskünstler der Erdgeschichte

 

Damit zu einer Überlebenskünstlerin im wahrsten Sinne des Wortes – zumindest mit Blick auf die Weltgeschichte vergangener Zeiten:

Am heutigen Welttag der Schildkröte richtet sich der Blick auf ein Lebewesen, das so wirkt, als stamme es aus einer anderen Zeit. Die Schildkröte gehört zu den ältesten noch lebenden Tiergruppen der Erde. Schon lange bevor der Mensch erschien, krochen ihre Vorfahren durch Sümpfe, über Küsten und durch frühe Wälder. Sie überstanden Massenaussterben, Klimawandel und die Verschiebung von Kontinenten. Allein dieser Gedanke ruft bei uns Respekt hervor.

 

Warum Schildkröten Ruhe, Weisheit und Beständigkeit symbolisieren

 

Die Schildkröte steht wie kaum ein anderes Tier für Ruhe, Langsamkeit und Beständigkeit. Während viele Tiere fliehen, jagen oder kämpfen, scheint die Schildkröte in einer anderen Zeit zu leben. Ihr langsamer Gang wirkt nicht schwach, sondern konzentriert. Sie verschwendet keine Bewegung. Vielleicht berührt sie uns deshalb so stark: In einer schnellen Welt erinnert sie an das Gegenteil von Hast.

Charakteristisch ist vor allem ihr Panzer. Er ist kein „Haus“, das sie trägt, sondern Teil ihres Körpers – gewissermaßen ein lebendiger Schutzschild aus Knochen. Der Panzer symbolisiert Schutz, Rückzug und Widerstandskraft. Viele Kulturen sahen in der Schildkröte deshalb ein Sinnbild für Weisheit, Erdverbundenheit und Geduld.

Besonders beeindruckend ist ihr Alter. Manche Riesenschildkröten werden weit über hundert Jahre alt. Einige Individuen begleiteten mehrere Menschengenerationen. Wer vor einer alten Schildkröte steht, blickt gewissermaßen in ein lebendes Gedächtnis der Erde. Ihre langsamen Bewegungen wirken dadurch oft beinahe würdevoll oder meditativ.

 

Warum Schildkröten heute weltweit bedroht sind

 

Doch gerade diese uralten Tiere gehören heute weltweit zu den bedrohten Arten. Und hier beginnt die unbequeme Frage nach unserer Verantwortung als Menschen.

Viele Schildkröten sterben durch Plastikmüll in den Meeren. Meeresschildkröten verwechseln Plastiktüten mit Quallen und verhungern qualvoll. Fischernetze werden zu tödlichen Fallen. Küsten werden bebaut, sodass Eiablageplätze verschwinden. Straßen zerschneiden Wanderwege von Landschildkröten. Feuchtgebiete trocknen aus. Der Klimawandel verändert Temperaturen und damit sogar das Geschlechterverhältnis bei manchen Arten, weil bei Schildkröteneiern die Bruttemperatur beeinflusst, ob mehr Weibchen oder Männchen schlüpfen.

Hinzu kommen illegaler Tierhandel, Jagd und die Zerstörung natürlicher Lebensräume. Viele Menschen sehen Schildkröten nur als exotische Haustiere oder touristische Attraktion – und vergessen dabei, dass jede Schildkröte Teil eines empfindlichen ökologischen Gleichgewichts ist.

 

Schildkröten und die Verantwortung des Menschen

 

Vielleicht zeigt sich genau an diesem Punkt die besondere Bedeutung der Schildkröte für uns Menschen: Sie ist nicht nur ein stilles Symbol für Ruhe, Geduld und ein langes Leben, sondern auch ein Überlebenswesen der Erdgeschichte. Schildkröten überstanden Katastrophen, die ganze Tierwelten auslöschten – und tragen bis heute Spuren dieser uralten Widerstandskraft in sich. Umso bedrückender erscheint der Gedanke, dass ausgerechnet der moderne Mensch viele dieser Tiere heute erneut an den Rand des Verschwindens bringt.

 

Neue Studie: Wie Schildkröten das Massenaussterben überlebten

 

Wie außergewöhnlich die Geschichte der Schildkröten tatsächlich ist, zeigt auch ein aktueller wissenschaftlicher Blick zurück in die Zeit des großen Massenaussterbens am Ende der Kreidezeit. (vgl. https://www.trierer-umschau.de/2026-02-28-aa/ ). Dazu heißt es in einem Pressebeitrag der Staatliche Naturwissenschaftliche Sammlungen Bayerns:

 

Schalenknackende Schildkröten trotzten dem Massenaussterben am Ende der Kreidezeit

Der Asteroideneinschlag am Ende der Kreidezeit verursachte eines der größten Massenaussterben der Erdgeschichte. Doch manche Organismen trotzten der Katastrophe. Bei Schildkröten hatte die Chance zu überleben offenbar mit ihrer Ernährung zu tun: Insbesondere Arten mit Vorliebe für hartschalige Organismen, überlebten die Katastrophe. SNSB-Paläontologe Serjoscha Evers veröffentlichte die Ergebnisse seiner Studie in der Fachzeitschrift Biology Letters.

Das Massenaussterben an der Grenze zwischen Kreidezeit und Paläogen war katastrophal, ein Großteil des Lebens verschwand von der Erde. Damals dominierende Wirbeltiergruppen, wie die Dinosaurier und viele große Meeresreptilien, fielen den Auswirkungen des Asteroideneinschlags vor rund 66 Millionen Jahren zum Opfer. Doch die Katastrophe traf nicht alle Organismen in gleichem Ausmaß: Schildkröten beispielsweise überlebten mit nur minimalen Verlusten.

Eine neue Studie aus der Arbeitsgruppe von Serjoscha Evers, Paläontologe der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns (SNSB), zeigt nun: Insbesondere die Schildkröten, die sich von hartschaligen Organismen wie Schnecken oder Muscheln ernährten, überlebten das Massenaussterben weitgehend unbeschadet. Und dies mit einer mehr als fünfmal so hohen Wahrscheinlichkeit, als solche Schildkröten, die Fische gejagt haben oder reine Pflanzenfresser waren.

Offenbar wirkte sich diese ökologische Anpassung bei Schildkröten auf ihre Überlebenswahrscheinlichkeit aus. „Wir beobachten hier einen ökologischen Filter. Die Spezialisierung auf hartschalige Nahrung verschaffte diesen Schildkrötenarten einen evolutionären Vorteil“, erläutert Autor Serjoscha Evers. „Dies liegt wahrscheinlich an der Resilienz dieser Nahrungsquellen selbst – hauptsächlich Muscheln und Schnecken – gegenüber den katastrophalen Auswirkungen des Impakts. Pflanzenfresser hatten im nuklearen Winter nach dem Einschlag Schwierigkeiten zu überleben – mit Auswirkungen auf die gesamte Nahrungskette bis hin zu Fleischfressern. Schnecken und andere Opportunisten dagegen konnten gut überleben. Schildkröten, die genau auf solche Beutetiere spezialisiert waren, standen also weniger unter Druck.“

Wovon sich Schildkröten ernähren, zeigen spezielle anatomische Merkmale ihrer Kiefer. Auf dieser Basis konstruierten Serjoscha Evers und sein Doktorand Guilherme Hermanson von der Universität Fribourg in der Schweiz einen großen Datensatz, der alle Schildkrötenlinien an der Kreide-Paläogen-Grenze einschließt. So konnten die Paläontologen mittels statistischer Modelle bewerten, in welcher Weise die Ernährung als ökologischer Faktor die Aussterbewahrscheinlichkeit bei Schildkröten beeinflusst hat.

Seniorautor Serjoscha Evers leitet das Urwelt Museum Oberfranken, eines von insgesamt zehn Museen der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns. Guilherme Hermanson ist Doktorand an der Université de Fribourg in der Schweiz.

Originalpublikation:
Guilherme Hermanson, Serjoscha W. Evers; Ecological selectivity of diet on turtle K/Pg survivorship. Biol Lett 1 March 2026; 22 (3): 20250790. https://doi.org/10.1098/rsbl.2025.0790

 

Wir wünschen Ihnen Frieden!*

 

Vortext / Kommentar: Christph Maisenbacher – 23. Mai 2026
Quelle (vollständig zitierter Text): Staatliche Naturwissenschaftliche Sammlungen Bayerns (SNSB) – Öffentlichkeitsarbeit – Katja Henßel
Link-Zitate: alle Zitate, die wir übernehmen sind im Text mit einem Link versehen
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Foto 1: © Trierer Umschau – Foto 2: © Quelle: Joschua Knüppe / Staatliche Naturwissenschaftliche Sammlungen Bayerns

Dieser Text in LEICHTER SPRACHE ist veröffentlicht unter:
https://www.trierer-umschau.de/2026-05-23-bb/

* warum wir Ihnen Frieden wünschen:
https://www.trierer-umschau.de/2025-07-29-aa/

** unsere zwei für das Wetter zuständigen Dach-Tauben haben wir vorgestellt in:
https://www.trierer-umschau.de/2026-05-12-aa/