UMWELT-CAMPUS BIRKENFELD
Umwelt-Campus Birkenfeld: Klimaneutrales Metallpulver für den 3D-Druck – neue Anlage setzt Maßstäbe
Wie entsteht eigentlich Metallpulver für den industriellen 3D-Druck? Der Umwelt-Campus Birkenfeld erklärt nicht nur die Technologie hinter der additiven Fertigung, sondern hat nun auch eine Anlage zur klimaneutralen Herstellung solcher Metallpulver eingeweiht. Das Projekt verbindet moderne Produktion, Recycling und erneuerbare Energien – und könnte zu einem wichtigen Zukunftsbaustein nachhaltiger Industrie werden.
Additive Fertigung: Wie Metallteile heute Schicht für Schicht entstehen
Der Umwelt-Campus Birkenfeld hat eine Anlage zur klimaneutralen Herstellung von Metallpulver für die additive Fertigung eingeweiht.
Bevor wir uns der dazu erhaltenen Pressemitteilung widmen, darf ich Ihnen wie uns selbst als Nicht-Insider das Verfahren in etwa erklären: Bei der sogenannten additiven Fertigung – oft auch Metall-3D-Druck genannt – werden Bauteile nicht wie in einer klassischen Werkstatt aus einem großen Metallblock herausgefräst, sondern Schicht für Schicht aufgebaut. Dafür benötigt man ein sehr feines Metallpulver als Ausgangsmaterial.
Das VIGA-Verfahren: Wie aus flüssigem Metall feines Pulver entsteht
Dieses Pulver wird am Umwelt-Campus Birkenfeld mit dem sogenannten VIGA-Verfahren hergestellt. Die Abkürzung steht für „Vacuum Inert Gas Atomization“, also eine Verdüsung von flüssigem Metall unter Vakuum und Schutzgas. Dabei wird Metall zunächst eingeschmolzen. Anschließend trifft ein starker Gasstrom auf die flüssige Metallschmelze und zerstäubt sie in Millionen winziger Tröpfchen. Während diese abkühlen, erstarren sie zu feinen, nahezu kugelförmigen Metallpartikeln – also zu Metallpulver.
Warum kugelförmiges Metallpulver für den 3D-Druck entscheidend ist
Gerade diese gleichmäßige Form ist entscheidend, damit das Pulver später in 3D-Druckanlagen präzise verarbeitet werden kann. Dort wird das Pulver in hauchdünnen Schichten aufgetragen. Ein Laser schmilzt jeweils nur die Stellen auf, die zum gewünschten Bauteil gehören. Danach folgt die nächste Pulverschicht. So entsteht Schritt für Schritt ein fertiges Metallteil.
Auf diese Weise können hochkomplexe Bauteile hergestellt werden, die mit herkömmlichen Verfahren oft nur schwer oder gar nicht produzierbar wären – etwa besonders leichte Flugzeugteile, medizinische Implantate oder technische Komponenten mit innenliegenden Kühlkanälen. Der Umwelt-Campus Birkenfeld verbindet diese moderne Fertigungstechnologie dabei mit nachhaltigen Ansätzen wie Recycling, Ressourcenschonung und der Nutzung erneuerbarer Energien.
Umwelt-Campus Birkenfeld weiht klimaneutrale Metallpulver-Anlage ein
Mit diesem Wissen übergeben wir zur Pressemeldung des Umwelt-Campus Birkenfeld:
„Umwelt-Campus Birkenfeld erzeugt klimaneutrales Metallpulver für die additive Fertigung
Am Umwelt-Campus Birkenfeld (UCB) der Hochschule Trier wurde ein bedeutender technologischer Meilenstein erreicht: Eine Anlage zur Herstellung von Metallpulvern nach dem VIGA-Verfahren (Vakuum-Inertgas-Verfahren) ist erfolgreich aufgebaut und in Betrieb genommen worden. Damit setzt der Campus neue Maßstäbe in der nachhaltigen Materialproduktion für die additive Fertigung.
Im Zentrum der Anlage steht ein innovativer Prozess: Metallische Abfälle werden zunächst induktiv aufgeschmolzen und anschließend mithilfe von Gas verdüst. Besonders hervorzuheben ist der konsequent nachhaltige Ansatz: Der gesamte Prozess läuft mit grünem Strom. Auch die eingesetzten Gase werden unter Nutzung erneuerbarer Energien hergestellt. Auf diese Weise entsteht „klimaneutrales Metallpulver“, welches insbesondere für moderne Fertigungsverfahren wie den 3D-Druck von großer Bedeutung ist.
Forschung zu Kreislaufwirtschaft und Ressourceneffizienz
Realisiert wurde die Anlage im Rahmen des Projekts „CZS Center KRAFt: Carl-Zeiss-Stiftung Center Kreislaufwirtschaft und Ressourceneffizienz mittels additiver Fertigungstechnologien“. Gefördert wird das Vorhaben von der Carl-Zeiss-Stiftung (CZS). Zusätzliche Unterstützung beim Aufbau der Pulververdüsungsanlage kam vom Ministerium für Wissenschaft und Gesundheit Rheinland-Pfalz.
Bereits jetzt gilt die Anlage als Leuchtturmprojekt für die Region: In einem weiten Umkreis gibt es keine vergleichbare Einrichtung an einer Hochschule.
Auch die wissenschaftliche Zusammenarbeit spielt eine zentrale Rolle. Zu den Kooperationspartnern im Projekt KRAFt zählen das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) sowie die Hochschule Aalen. Gemeinsam arbeiten die Partner daran, die Ressourceneffizienz additiver Fertigungstechnologien zu steigern und Materialkreisläufe für die Additive Fertigung zu schließen. Zudem werden im Projekt für die einzelnen Prozessschritte detaillierte Energie- und Stoffbilanzen erstellt, analysiert und gezielt optimiert. An allen drei Standorten wird der Einsatz, der am Umwelt-Campus Birkenfeld hergestellten Metallpulver intensiv erforscht.
Prof. Michael Wahl: „Der Aufbau der Anlage war äußerst aufwendig“
„Der Aufbau der Anlage war äußerst aufwendig und nur dank des großen Engagements vieler Beteiligter möglich. Mein Dank gilt allen Mitwirkenden. Besonders die Unterstützung des Landesbetriebs Liegenschafts- und Baubetreuung in Idar-Oberstein und unserer Betriebstechnik war entscheidend für den Erfolg des Projekts“, sagt Gesamtprojektleiter Prof. Michael Wahl.
Mit der Inbetriebnahme der Pulververdüsungsanlage eröffnen sich vielfältige neue Forschungsmöglichkeiten. Der Umwelt-Campus Birkenfeld positioniert sich damit als führender Standort für nachhaltige Innovationen in der additiven Fertigung.
Interessierte Unternehmen und Institutionen sind eingeladen, sich für eine Zusammenarbeit bei Prof. Dr. Michael Wahl ( m.wahl@umwelt-campus.de ) zu melden.
Das CZS Center KRAFt wird bis April 2031 mit 12 Millionen Euro durch die Carl-Zeiss-Stiftung gefördert.
Über die Carl-Zeiss-Stiftung
Die Carl-Zeiss-Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt, Freiräume für wissenschaftliche Durchbrüche zu schaffen. Als Partner exzellenter Wissenschaft unterstützt sie sowohl Grundlagenforschung als auch anwendungsorientierte Forschung und Lehre in den MINT-Fachbereichen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik). 1889 von dem Physiker und Mathematiker Ernst Abbe gegründet, ist die Carl-Zeiss-Stiftung eine der ältesten und größten privaten wissenschaftsfördernden Stiftungen in Deutschland. Sie ist alleinige Eigentümerin der Carl Zeiss AG und SCHOTT AG. Ihre Projekte werden aus den Dividendenausschüttungen der beiden Stiftungsunternehmen finanziert.“
Vortext / Kommentar: Christph Maisenbacher – 7. Mai 2026
Quelle (vollständig zitierter Text): Umwelt-Capmus Birkenfeld / Hochschule Trier – Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Tana Loch-Horn
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Foto: © Jannik Scheer / Umwelt-Campus Birkenfeld
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