Ob die Winzer das genauso sehen, doch die Blüten der Ackerwinde haben eine eigene Schönheit, die eine Miniaturform der Calla (Zantedeschia) darstellen könnte.
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Ackerwinde
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Ackerwinde
Ackerwinde
Foto: Illustration: KI-generiert / Trierer Umschau
Quecke
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Quecke
Foto: Illustration: KI-generiert / Trierer Umschau

NATUREREIGNISBEGLEITER - TEXT 33

Ackerwinde und Quecke an der Mosel: Warum diese „Unkräuter“ für Winzer zum Problem werden

Die Moselweinberge verändern sich. Während Rebflächen zurückgehen und immer mehr Steillagen brachfallen, breiten sich Pflanzen aus, die Winzern seit Generationen Kopfzerbrechen bereiten: Ackerwinde und Quecke. Warum diese beiden Arten im Moselweinbau als „rote Tücher“ gelten, welche Rolle sie ökologisch spielen – und weshalb sie zugleich faszinierende Überlebenskünstler sind.

Weniger Weinberge, mehr Brachflächen: Die Mosel im Wandel

Wir haben vor die Augen geführt bekommen, dass sich die Weinanbauflächen aktuell wohl um 25 % reduzieren werden. (vgl. unseren Trierer-Umschau-NaturEREIGNISbegleiter-Lebendige-Moselweinberge-Artikel dazu unter: https://www.trierer-umschau.de/2026-04-17-ba/ ).

Da mag vieles eine Rolle spielen: der Rückgang des Alkoholkonsums, der fehlende Export in die Vereinigten Staaten, aber auch – und das betrifft nicht nur den Weinbau – der Generationswechsel (!). Alles Punkte, die sich gegenseitig bedingen. Das führt dazu, dass kleinere Mengen Wein gar nicht mehr abgefüllt werden können, weil die Dienstleister fehlen. Der fehlende Absatz führt zudem dazu, dass mitunter Wein gar nicht mehr abgefüllt wird. Und im Strudel der Fragezeichen wird weniger bestellt und damit weniger getrunken, wodurch auch die finanzielle Grundlage für die Winzerbetriebe eingeschränkt wird. Zudem – und Winzer halten da kein Blatt vor den Mund – scheint der Papierberg immer größer zu werden, wenn man über Entbürokratisierung spricht (Stichwort: Pestizideinsatz-Berichte).

Doch die Folgen des zunehmenden Brachlandes wirken sich – auch wenn dies in Sachen Artenvielfalt großartig ist – ebenfalls auf den Bestand bzw. Zustand und den Pflegeaufwand der vorhandenen Flächen aus. Da mag eine Rodung bzw. anderweitig lautende Verpflichtung nicht viel ändern.

„Oh nein, nicht schon wieder“ – Zwei Namen, ein rotes Tuch im Moselweinbau

In der Ausbildung zum Naturerlebnisbegleiter setzt man sich auch damit auseinander, welche Tiere und Pflanzen der Kulturpflanze „Weinrebe“ zu schaffen machen. Tiere und Pflanzen, die sich an der Rebe (von der Wurzel bis zu den Blättern), aber auch an den Trauben selbst zu schaffen machen. Zwei Pflanzen haben zwar die Weinrebe selbst nicht auf ihrer Speisekarte, doch sie konkurrieren mit den Weinreben und genießen die sonnenwarmen Flächen der Weinberge bzw. des Steillagenweinbaus. Diese roten Tücher für jeden Winzer heißen:

_ Ackerwinde (Convolvulus arvensis) und
_ Quecke (Elymus repens)

Die Ackerwinde – die man auch an Waldrändern und in Lichtungen mit guter Sonneneinstrahlung finden kann – ist für viele Moselwinzer deshalb ein rotes Tuch, weil sie sich mit ihren langen Trieben um Reben und Drähte windet und dadurch die Arbeit im Weinberg erschwert. Beim Heften, Entlauben oder bei der Weinlese stört sie ständig den Arbeitsablauf. Besonders problematisch ist, dass sie aus ihren tiefen Wurzeln immer wieder neu austreibt und sich in den warmen, trockenen Schieferlagen der Mosel sehr wohlfühlt.

Die Quecke gilt im Moselweinbau als hartnäckiger Gegner, weil sie sich mit unterirdischen Rhizomen (einer Art unsichtbarem Netzwerk) schnell im Boden ausbreitet. Sie konkurriert stark mit den Reben um Wasser und Nährstoffe, was besonders in trockenen Sommern problematisch wird. Da selbst kleine Wurzelstücke – wenn man die Pflanzen hackt oder umpflügt – erneut austreiben können, ist sie mechanisch nur schwer dauerhaft zu entfernen.

Beide Pflanzen konkurrieren um Wasser und Nährstoffe, bremsen den Arbeitsablauf oder das Wachstum der Weinstöcke und der Trauben und bedeuten mehr Kosten für die Winzer.

Hier unser Lebendige-Moselweinberge-Fragebogen und in der Bilderleiste oben Abbildungen, um die zwei Rote-Tücher-Pflanzen erkennen zu können:

 

 

Ackerwinde (Convolvulus arvensis): Die windende Kletterpflanze der Weinberge

 

Name: Ackerwinde
Lateinischer Name: Convolvulus arvensis

Kurze Beschreibung

Die Ackerwinde ist eine ausdauernde, krautige Kletter- und Kriechpflanze. Ihre Triebe können sich um andere Pflanzen, Rebstöcke oder Drähte winden. Die Blüten sind trichterförmig, meist weiß bis rosa, und erscheinen ungefähr von Mai bis Oktober. Die Pflanze bildet kleine Kapselfrüchte mit Samen, verbreitet sich aber vor allem über ihr tiefes Wurzel- und Ausläufersystem.

Essbarkeit und Nutzung

Die Ackerwinde ist keine klassische Sammel- oder Speisepflanze. Wegen enthaltener Alkaloide und möglicher Unverträglichkeiten sollte sie nicht als Wildgemüse genutzt werden. Für eine Naturführung eignet sie sich eher als Anschauungspflanze für Anpassung, Durchsetzungsfähigkeit und Weinbergsökologie.

Was ist zu beachten?

Beim Mitnehmen sollte man vorsichtig sein: Schon kleine Wurzelstücke können wieder austreiben. Deshalb sollte man Ackerwinde nicht achtlos in Garten, Kompost oder Weinbergsrand werfen. Eine Verwechslung ist vor allem mit anderen Winden möglich; wichtig sind die kleinen, trichterförmigen Blüten und die pfeil- bis spießförmigen Blätter.

Kurze Geschichte der Pflanzenart

Die Ackerwinde ist in Europa und Asien heimisch und heute weltweit in gemäßigten Regionen verbreitet. In Deutschland gehört sie seit langer Zeit zur Acker- und Weinbergsbegleitflora. Für die Mosel gibt es keinen einfachen „Einwanderungszeitpunkt“ – sie ist dort eher als alte, heimische beziehungsweise alteingebürgerte Begleitpflanze offener Kulturlandschaften zu verstehen.

Standort: Böden und Umgebung

Die Ackerwinde bevorzugt lockere, tiefgründige, nährstoffreiche und eher trocken-warme Böden. Sie kommt gut mit Sonne, Wärme und Trockenheit zurecht. Genau deshalb passt sie gut in offene, warme Weinbergslagen der Mosel. (Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft)

Besonderheiten

Besonders auffällig ist ihre enorme Regenerationskraft. Sie treibt aus tiefen Wurzeln und aus kleinen Wurzelstücken immer wieder neu aus. Ihre unterirdischen Ausläufer können sich stark ausbreiten, was sie für Winzer so hartnäckig macht. (Ökolandbau)

Positive Eigenschaften

Ökologisch ist die Ackerwinde nicht nur „Unkraut“. Ihre Blüten werden von Insekten besucht, unter anderem von spezialisierten Wildbienen der Gattung Systropha, die auf Windenpollen spezialisiert sind. (Wikipedia)

Wo findet man sie an Weinbergen?

An der Mosel findet man sie besonders an offenen, warmen Stellen: im Unterstockbereich, an Weinbergsrändern, auf Wegen, an Trockenmauern, Böschungen und in gestörten Bodenbereichen.

Im privaten Garten

Im Garten siedelt sich die Ackerwinde meist von selbst an. Ein gezielter Anbau ist nicht zu empfehlen, weil sie schnell lästig wird und andere Pflanzen überwachsen kann. Sie wird deshalb fast immer als Unkraut bezeichnet.

Bedeutung für Tiere

Für manche Insekten ist die Ackerwinde eine wichtige Blütenpflanze. Vögel können die Samen aufnehmen. Für Weidetiere ist sie wegen möglicher Inhaltsstoffe nicht unproblematisch und sollte nicht als Futterpflanze betrachtet werden.

Ökonomische Funktion

Für Winzer hat sie vor allem eine negative ökonomische Bedeutung: Sie erschwert Pflegearbeiten, konkurriert mit Reben um Wasser und Nährstoffe und verursacht zusätzlichen Arbeitsaufwand.

Ökologische Funktion

Sie bedeckt offene Böden, bietet Blüten für Insekten und ist Teil der Weinbergsbegleitflora. Gleichzeitig kann sie bei starkem Auftreten andere Pflanzen verdrängen und die Bewirtschaftung erschweren.

Esoterische, religiöse oder mythologische Bedeutungen

Winden werden symbolisch oft mit Bindung, Umschlingung, Beharrlichkeit und Wiederkehr verbunden. Für die Ackerwinde passt dieses Bild besonders gut: Sie verschwindet scheinbar, kommt aber immer wieder aus der Tiefe zurück.

 

 

Quecke (Elymus repens): Das unsichtbare Netzwerk unter den Reben

 

Name: Quecke
Lateinischer Name: Elymus repens

Kurze Beschreibung

Die Quecke ist ein ausdauerndes Süßgras mit langen, unterirdischen Ausläufern, den sogenannten Rhizomen. Sie bildet aufrechte Halme mit schmalen, graugrünen Blättern und unscheinbaren Ähren. Die Blütezeit liegt meist zwischen Juni und August. Die Pflanze vermehrt sich sowohl über Samen als auch besonders stark über ihr Rhizomnetz im Boden.

Essbarkeit und Nutzung

Früher wurden die unterirdischen Rhizome teilweise genutzt, etwa als Notnahrung oder für Teeaufgüsse. Heute spielt die Quecke als Nahrungspflanze kaum noch eine Rolle. Junge Triebe sind theoretisch essbar, die Pflanze wird jedoch überwiegend als problematisches Acker- und Weinbergsgras wahrgenommen.

Was ist zu beachten?

Die Quecke ist leicht mit anderen Gräsern zu verwechseln. Typisch sind ihre langen, hellen Rhizome im Boden. Beim Entfernen sollte man möglichst viele Rhizomstücke ausgraben, da selbst kleine Reste erneut austreiben können. Deshalb sollte man sie nicht unkontrolliert auf Komposthaufen entsorgen.

Kurze Geschichte der Pflanzenart

Die Quecke ist in Europa und großen Teilen Asiens heimisch und zählt seit Jahrhunderten zur typischen Begleitflora von Äckern und Weinbergen. In Deutschland ist sie seit langer Zeit verbreitet und gehört auch an der Mosel zu den klassischen Kulturfolgerpflanzen offener Böden.

Standort: Böden und Umgebung

Die Quecke bevorzugt lockere, nährstoffreiche Böden und wächst besonders gut an sonnigen, offenen Standorten. Sie ist trockenheitsverträglich, robust und kommt mit den warmen Bedingungen vieler Moselweinberge gut zurecht. Besonders wohl fühlt sie sich auf bearbeiteten oder offenen Böden.

Besonderheiten

Ihre größte Besonderheit ist ihr weit verzweigtes Rhizomnetz. Dadurch kann sich die Pflanze schnell ausbreiten und selbst nach Bodenbearbeitung erneut austreiben. Die Quecke gilt deshalb als besonders widerstandsfähig und schwer dauerhaft zu entfernen.

Positive Eigenschaften

Die Quecke schützt offene Böden vor Erosion und kann zur Bodenlockerung beitragen. Ihre Wurzeln stabilisieren den Boden und bieten Lebensraum für Bodenorganismen. Zudem dient sie manchen Insekten und Kleintieren als Deckung.

Wo findet man sie an Weinbergen?

An der Mosel wächst die Quecke häufig:
• im Unterstockbereich,
• an Weinbergsrändern,
• auf Fahrgassen,
• an Böschungen,
• und in offenen oder regelmäßig bearbeiteten Bodenbereichen.

Im privaten Garten

Im Garten siedelt sich die Quecke oft von selbst an und wird fast immer als Unkraut betrachtet. Ein gezielter Anbau ist selten sinnvoll, da sie sich stark ausbreitet und andere Pflanzen verdrängen kann. Wer sie entfernen möchte, muss die Rhizome möglichst vollständig aus dem Boden holen.

Bedeutung für Tiere

Die Quecke bietet Insekten, Spinnen und Bodenlebewesen Schutzräume. Samen können von einigen Vogelarten genutzt werden. Für viele Tiere ist sie Teil dichter Bodenvegetation.

Ökonomische Funktion

Für Winzer bedeutet die Quecke meist zusätzlichen Arbeitsaufwand. Sie konkurriert mit Reben um Wasser und Nährstoffe und erschwert die Pflege des Unterstockbereichs. Besonders in trockenen Jahren kann dies die Vitalität der Reben beeinträchtigen.

Ökologische Funktion

Die Pflanze schützt den Boden vor Austrocknung und Erosion und trägt zur Bodenstruktur bei. Gleichzeitig kann sie bei starkem Auftreten andere Pflanzen verdrängen und Monobestände bilden.

Esoterische, religiöse oder mythologische Bedeutungen

Eine größere mythologische Bedeutung besitzt die Quecke kaum. Symbolisch steht sie jedoch oft für Widerstandskraft, Beharrlichkeit und Überlebensfähigkeit, weil sie selbst unter schwierigen Bedingungen immer wieder austreibt.

 

 

Alle Texte zum Thema „NaturEREIGNISbegleiter / Lebendige Moselweinberge“ finden Sie unter:
https://www.trierer-umschau.de/netzwerk/naturereignisbegleiter/

 

Text: Christph Maisenbacher (KI supported) – 7. Mai 2026
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Foto 1: WikimediaImages (Pixabay) – Logo: © DLR Mosel // Foto 2: Thomas (Pixabay) – Foto 3: Illustration: KI-generiert / Trierer Umschau – Foto 4: © Orest Lyzhechka (iStock) – Foto 5: Illustration: KI-generiert / Trierer Umschau

Dieser Text in LEICHTER SPRACHE ist veröffentlicht unter:
https://www.trierer-umschau.de/2026-05-07-bb/

Die Text-Folge „Lebendige Moselweinberge“ ist Dauno gewidmet:
vgl. https://www.trierer-umschau.de/2025-11-03-ba/