NATUREREIGNISBEGLEITER - TEXT 30 & THÜNEN-INSTITUT
Klimawandel an der Mosel: Weinreben und Rotbuchen treiben immer früher aus – Folgen für Natur und Landwirtschaft
Der Klimawandel zeigt sich deutlich an der Mosel: Weinreben und Rotbuchen treiben immer früher aus. Was zunächst wie ein Vorteil wirkt, birgt erhebliche Risiken – vor allem durch Spätfrost. Ein Blick auf aktuelle Daten und die Entwicklung unserer Wälder.
Früher Austrieb bei Weinreben an der Mosel
Die Austrieb-Zeitpunkte bei den Weinreben an der Mosel haben sich – entsprechend der uns vorliegenden phänologischen Daten – vom langjährigen Mittelwert (30. April) im Jahr 2024 auf den 8. April und im letzten Jahr auf den 14. April verschoben. Also etwa zwei Wochen vor dem langjährigen Mittel. (vgl. https://www.trierer-umschau.de/2025-10-26-ga/)
Klimawandel bringt Risiko: Spätfrost gefährdet Blüten
Diese Sachverhalte übertragen sich auf alle Pflanzen, die aufgrund der veränderten Durchschnittstemperaturen früher austreiben – stets verbunden mit dem Risiko, dass Frost den Blüten schadet. So hatten wir von der Trierer Umschau im Bitburger Raum erfahren können, dass die Pfirsich- und Aprikosenblüten wohl mehrheitlich dem Frost zum Opfer fielen (vgl. https://www.trierer-umschau.de/2026-04-22-aa/).
Rotbuche unter Druck: Erkenntnisse aus der Forschung
Das Johann Heinrich von Thünen-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei, hat eine Pressemitteilung über die Rotbuche veröffentlicht. Aufgrund unserer Auseinandersetzung mit dem Waldzustandsbericht Rheinland-Pfalz (vgl. https://www.trierer-umschau.de/2026-04-20-ba/) waren wir neugierig, was darin zur „Rotbuche“ vermerkt ist:
„Die Rotbuche ist die Baumart, die von Natur aus am häufigsten in Rheinland-Pfalz vorkommt. Ihr Anteil beträgt rund ein Viertel der Waldfläche. In der zukünftigen Waldgeneration, das heißt bei den jungen Bäumen, nimmt sie aktuell sogar einen Anteil von 43 Prozent ein. Die warmen und trockenen Witterungsverhältnisse der vergangenen Jahre haben die Vitalität der Rotbuchen geschwächt. Blätter treiben nicht mehr aus oder fallen herunter, Äste und sogar ganze Kronenteile sterben ab. Das führt im Extremfall sogar zum Absterben des gesamten Baumes. Gerade in Altbeständen sind die Schäden sehr auffällig.“
Früher Austrieb der Rotbuche als Klimasignal
Dass unsere Bäume nicht allein gelassen werden, unterstreicht das im Text skizzierte „Level-II-Monitoring“:
„Rotbuche treibt immer früher aus
Die Rotbuche gehört zu den Spätzündern im Wald. Meist treibt sie Ende April die ersten Blätter aus. Auswertungen am Thünen-Institut für Waldökosysteme zeigen nun, dass der Austrieb Jahr für Jahr früher beginnt. Der Grund: klimawandelbedingt steigende Frühjahrstemperaturen.
In den Wäldern kehrt das Grün zurück. Während Ahorn und Hainbuche früh im Jahr ihre ersten Blätter zeigen, lässt sich die Rotbuche traditionell mehr Zeit. Aktuelle Beobachtungen zeigen allerdings einen veränderten Trend: Die Baumart treibt immer früher aus. Steigende Frühjahrstemperaturen verschieben die Vegetationsperiode nach vorne. Im Schnitt beginnt der Austrieb jedes Jahr etwa 0,3 Tage früher. Das belegen Daten der vergangenen 25 Jahre aus dem intensiven forstlichen Umweltmonitoring-Programm Level II.
Die Entwicklung ist nach Ansicht von Forschenden des Thünen-Instituts für Waldökosysteme in Eberswalde, wo Level II koordiniert wird, ein weiteres sichtbares Zeichen des Klimawandels in heimischen Wäldern. „Der verfrühte Austrieb bringt Chancen und Risiken mit. Er verlängert die Wachstumsphase, erhöht aber auch die Gefahr von Spätfrostschäden“, sagt Dr. Tanja Sanders, die am Eberswalder Institut das Level-II-Programm leitet.
Im langjährigen Durchschnitt beginnt der Austrieb der Rotbuche um den 26. April. Doch regional und selbst zwischen einzelnen Bäumen gibt es große Unterschiede: Im Süden treiben die Buchen früher aus als im Norden. Auch die Höhenlage und die Art und Stärke, wie Bäume den Wettereinflüssen ausgesetzt sind, beeinflussen den Zeitpunkt. Der früheste Austrieb auf den Flächen des Level-II-Monitorings wurde 2017 am 27. März im Steigerwald in Bayern dokumentiert. Die spätesten Austriebe fanden 1998 im Bayerischen Wald und 2010 in Esslingen bei Stuttgart statt – jeweils am 26. Mai.
Wie wird der Austrieb erfasst? Fachkundige Expert*innen beobachten die ausgewählten Bäume auf 19 Level-II-Flächen in ganz Deutschland mindestens einmal pro Woche und zu zwölf standardisierten Erhebungsbereichen. Unter anderem überprüfen sie den oberen Kronenraum mit Ferngläsern. Um die Erhebungen deutschlandweit vergleichbar zu machen, nehmen die Beteiligten regelmäßig an Vergleichsschulungen teil.
Was ist das Level-II-Monitoring?
Hintergrund: Das ist das Level II-Monitoring
Das Level-II-Monitoring ergänzt das Level-I-Monitoring, das die Zustände von Wald und Boden in regelmäßigen Abständen flächenrepräsentativ erhebt. Beide Zustandserhebungen sind Teil des Internationalen Kooperationsprogrammes Wälder (ICP Forests) unter dem Dach der Genfer Luftreinhaltekonvention (CLRTAP). Seit Mitte der 1990er Jahre werden mit Hilfe des Level-II-Monitorings Daten auf 112 Flächen im gesamten Bundesgebiet erhoben. Damit werden ökosystemar ausgerichtete Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge im Wald untersucht. Seit 2014 ist das Programm im deutschen Waldgesetz verankert.
Die Daten werden für interne, auf Anfrage auch für nationale und internationale Auswertungen, zur Verfügung gestellt.
Originalpublikation:
Krause, S., Sanders, T. European beech spring phenological phase prediction with UAV-derived multispectral indices and machine learning regression. Sci Rep 14, 15862 (2024). https://doi.org/10.1038/s41598-024-66338-w“
Die Rotbuche: Schlüsselbaum unserer Wälder
Name: Aufrechte Rotbuche
Lateinischer Name: Fagus sylvatica
Kurze, allgemeine Beschreibung
Die aufrechte Rotbuche ist ein großer, sommergrüner Laubbaum mit glatter, silbergrauer Rinde und einer dichten, weit ausladenden Krone. Sie kann Höhen von bis zu 40 Metern erreichen und mehrere hundert Jahre alt werden.
Die Blüte erfolgt im April bis Mai und ist eher unscheinbar; es gibt getrennte männliche und weibliche Blüten an einem Baum. Die Früchte, die sogenannten Bucheckern, reifen im September bis Oktober. Dabei handelt es sich um kleine, dreikantige Nüsschen, die in einer stacheligen Hülle sitzen.
Nutzbarkeit:
• Junge Blätter im Frühjahr sind essbar und haben einen milden, leicht säuerlichen Geschmack.
• Bucheckern sind ebenfalls essbar, sollten aber nur in kleinen Mengen roh verzehrt oder besser geröstet werden.
• Die Hauptnutzungszeit liegt im Frühjahr (Blätter) und Herbst (Früchte).
Was ist zu beachten
Eine Verwechslung ist kaum möglich, da die Rotbuche durch ihre glatte, graue Rinde und die typischen, ovalen Blätter gut erkennbar ist.
Bucheckern enthalten leicht giftige Stoffe wie Fagin und Oxalsäure. Deshalb sollten sie nicht in großen Mengen roh gegessen werden; durch Rösten werden diese Stoffe weitgehend unschädlich gemacht.
Beim Sammeln ist darauf zu achten, nur reife, braune Früchte zu verwenden. Diese sollten trocken gelagert oder zeitnah verarbeitet werden.
Kurze Geschichte der Baumart
Die Rotbuche stammt ursprünglich aus Europa und breitete sich nach der letzten Eiszeit stark aus. Sie ist heute die prägende Baumart der mitteleuropäischen Laubwälder.
In Deutschland ist sie seit mehreren tausend Jahren heimisch und bildet vielerorts natürliche Buchenwälder. Auch an der Mosel gehört sie seit der Wiederbewaldung nach der Eiszeit zur typischen Vegetation und ist dort bis heute weit verbreitet.
Welche Anforderungen an die Böden / die Umgebung bestehen?
Die Rotbuche bevorzugt nährstoffreiche, frische bis feuchte Böden, die gerne kalkhaltig sein dürfen. Sie wächst sowohl im Schatten als auch im Halbschatten und kann sich gut an unterschiedliche Lichtverhältnisse anpassen.
Sie benötigt ein gemäßigtes Klima mit ausreichender Wasserversorgung, verträgt jedoch keine Staunässe. In jungen Jahren kann sie empfindlich auf Spätfröste reagieren, ist insgesamt aber eine frostharte Baumart.
Welche Besonderheiten wären zu der Baumart zu nennen
Die Rotbuche bildet sehr dichte Kronen, wodurch nur wenig Licht den Boden erreicht. Dadurch entsteht oft ein schattiger Waldboden mit wenig Unterwuchs.
Sie ist eine typische Klimaxbaumart und bestimmt langfristig die natürliche Waldentwicklung in Mitteleuropa. Zudem ist sie sehr langlebig und kann über Jahrhunderte hinweg stabile Bestände bilden.
Welche positiven Eigenschaften hat die Baumart?
Die Rotbuche ist ein wertvoller Schattenbaum und prägt durch ihre dichte Krone das Landschaftsbild. Ihr Holz ist vielseitig nutzbar und zählt zu den wichtigsten Laubhölzern Europas.
Zudem verbessert sie durch ihr Laub die Bodenqualität und sorgt für ein ausgeglichenes Mikroklima im Wald. Besonders auffällig ist ihre schöne Herbstfärbung in warmen Gelb- und Brauntönen.
Wo an Weinbergen kann ich die Baumart am besten finden?
An der Mosel findet man die Rotbuche vor allem an Waldrändern oberhalb der Weinberge sowie in schattigen Hanglagen. Sie wächst häufig dort, wo Weinbauflächen in natürliche Waldgebiete übergehen.
Besonders typisch sind Übergangszonen zwischen offenen Weinbergen und geschlossenen Laubwäldern.
Kann ich diese auch im privaten Garten kultivieren?
Die Rotbuche ist kein „Unkraut“, sondern ein bewusst gepflanzter Baum. Sie siedelt sich nur selten von selbst im Garten an, es sei denn, Samen werden durch Tiere eingetragen.
Aufgrund ihrer Größe eignet sie sich vor allem für größere Gärten oder Parkanlagen. Gepflanzt wird sie meist als Jungbaum. In den ersten Jahren benötigt sie ausreichend Wasser und einen geschützten Standort, idealerweise im Halbschatten.
Welche Bedeutung hat die Baumart für Insekten oder andere Tiere?
Die Rotbuche ist eine wichtige Nahrungsquelle für viele Tiere. Bucheckern dienen unter anderem Wildschweinen, Eichhörnchen und verschiedenen Vogelarten als Nahrung.
Zudem bietet sie Lebensraum für zahlreiche Insektenarten. Alte Bäume mit Höhlen sind besonders wertvoll für Vögel und Fledermäuse.
Welche ökonomische Funktion hat die Baumart?
Die Rotbuche ist eine der wichtigsten Baumarten der europäischen Forstwirtschaft. Ihr Holz wird vielseitig verwendet, etwa für Möbel, Parkett und als hochwertiges Brennholz mit hohem Heizwert.
Welche ökologische Funktion hat die Baumart?
Die Rotbuche spielt eine zentrale Rolle im Ökosystem Wald. Sie stabilisiert den Boden, speichert große Mengen CO₂ und trägt zur Regulierung von Temperatur und Luftfeuchtigkeit bei.
Darüber hinaus bildet sie die Grundlage für artenreiche Waldgemeinschaften.
Gibt es esoterische, religiöse oder mythologische Bedeutungen der Baumart?
Die Buche galt in früheren Zeiten als Symbol für Wissen und Ordnung. Der Begriff „Buch“ wird häufig mit der Buche in Verbindung gebracht, da früher Schriftzeichen in Buchenholz geritzt wurden.
In mythologischen Vorstellungen steht sie für Beständigkeit, Schutz und Weisheit.
Alle Texte zum Thema „NaturEREIGNISbegleiter / Lebendige Moselweinberge“ finden Sie unter:
https://www.trierer-umschau.de/netzwerk/naturereignisbegleiter/
Vortext / Kommentar: Christph Maisenbacher – 28. April 2026
Quelle (vollständig zitierter Text):
Johann Heinrich von Thünen-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei – Nadine Kraft Presse- und Öffentlichkeitsarbeit (Pressemitteilung vom 21. April 2026)
Link-Zitate: alle Zitate, die wir übernehmen sind im Text mit einem Link versehen
SEO & Social-Media-Support: ChatGPT
Foto 1: © Thünen-Institut / Tanja Sanders – Logo: © DLR Mosel – Foto 2: KI-generiert / Trierer Umschau
Dieser Text in LEICHTER SPRACHE ist veröffentlicht unter:
https://www.trierer-umschau.de/2026-04-28-ab/
Die Text-Folge „Lebendige Moselweinberge“ ist Dauno gewidmet:
vgl. https://www.trierer-umschau.de/2025-11-03-ba/
