NATUREREIGNISBEGLEITER
NaturEREIGNISbegleiter – Text 25 – Schafe und Ziegen als Projektpartner für die notwendige Entbuschung der Weinbergsbrachen
Weinbergsbrachen; dieses Stichwort war eines der ersten in der Ausbildung zum Naturerlebnisbegleiter (vgl. https://www.trierer-umschau.de/2025-01-01c/ ) das mich seit dem ersten Unterricht nicht mehr losgelassen hat. „Weinbergsbrachen müssen entbuscht werden, um die Biodiversität zu erhöhen“, das habe ich mir aus dem Vortrag des Naturschutzreferenten Dr. Peter Sound vom Mainzer Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität (MKUEM) gemerkt. Vor allem das 2017 initiierte Beweidungsprojekt mit einer Herde Burenziegen oberhalb von Kamp-Bornhofen auf dem Burgberg von Burg Liebenstein am Rhein blieb mir in Erinnerung. Ein solches Entbuschungsprojekt führt gleichzeitig dazu, das Landschaftsbild einer Region als „ursprünglich“ bzw. „gepflegt“ zu erhalten:
Denn die Gegenwart nagt an den Winzern!
Die folgende Presseinformation stellt in den Raum, dass möglicherweise 25 % der aktuellen Rebfläche aufgegeben werden. Vor allem die Steillagen sind betriebswirtschaftlich zu teuer bei den aktuellen Absatzschwierigkeiten. Glück dem Winzer, der seine treue Kundschaft hat.
Alternativen werden die Weinbaulandschaften einnehmen
Die Problematik der Weinbaubrachen ist das teilweise Fehlen einer Akzeptanz bezüglich einer anderweitigen Nutzung der für den Weinbau vorbehaltenen Flächen. Dazu haben wir bereits einen ersten Artikel verfasst (vgl. ). In Zusammenhang mit den zum „Vollfrühling“ (vgl. dazu unseren Kuckuck-Text: https://www.trierer-umschau.de/2026-04-16-ba/ ) gehörenden Apfelbaumblüten werden wir den heutigen Text und die unten übernommene Presseerklärung zu den Weinbergsbrachen als Anlass nehmen, „unsere Auffüllidee“ der Weinbergsbrachen in den Raum zu stellen.
Täglich kommen neue Nutzungsideen für die Weinbergsbrachen hinzu
Die Befragung der „Rosskastanie“ (in https://www.trierer-umschau.de/2026-04-16-ba/ ) hat uns logischerweise auch das Thema „Esskastanie“ streifen lassen und uns folgende Information „serviert“:
Esskastanien finden an den Weinbergen der Mosel besonders günstige Wachstumsbedingungen – vor allem aufgrund von Boden und Klima. Vor allem die schieferreichen, lockeren Böden der Steillagen sind gut durchlässig und verhindern Staunässe, was für Kastanien entscheidend ist. Hinzu kommt, dass die Böden leicht versauert sind, was die Esskastanien bevorzugen. Das milde, wärmebegünstigte Mikroklima der Moselhänge – Sonneneinstrahlung, Wärmespeicherung durch den Schiefer und insgesamt geringe Frostbelastung – schafft ideale Voraussetzungen für ein gesundes Wachstum.
A propos Befragung: Die Schaf- und Ziegenhaltung in den Weinbergen – ganz besonders im Hinblick auf die Entbuschung (vgl. dazu die unten übernommene Pressemeldung des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum (DLR) Mosel) – hat uns konkret auf die Burenziege gebracht, welche nicht nur Fleischlieferant ist, sondern vor allem für die Landschaftspflege verwendet wird: „Ihre Geländegängigkeit und die Tatsache, dass die kitzführende Geiß nicht gemolken werden muss, prädestinieren sie für den Einsatz in der Landschaftspflege, um die Verbuschung in extensiv genutzten Weidelandschaften in den Griff zu bekommen. Als typischer Laubfresser ist sie in der Lage (zum Teil auf den Hinterbeinen stehend), Sträucher bis in eine Höhe von 1,80 m zu verbeißen …“ (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Burenziege)
Womit wir unsere NaturEREIGNISbegleiter-Fragen zu
_ den Schafen
_ den Ziegen und
_ den Burenziegen
angefügt haben.
Doch zunächst zu der Pressemeldung des DLR Mosel:
„Offenhaltung von Weinbergsbrachen
Ziegen und Schafe bieten eine Lösung in Zeiten des Wandels
Im Rahmen der Akademie Ländlicher Raum hat das Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Mosel am 26. März 2026 in Bernkastel-Kues eine Tagung durchgeführt, die sich einem in der Weinkulturlandschaft Mosel brandaktuellem Thema gewidmet hat: Ist eine Beweidung von brachfallenden Rebflächen geeignet, der drohenden Verbuschung und Bewaldung der charakteristischen Steillagen entgegenzuwirken. Über 60 Teilnehmende haben sich in der vierstündigen Veranstaltung weitreichend informieren können. Die Hälfte von Ihnen hatte sich bereits in einer Vorexkursion ein Beweidungsprojekt in der Flurbereinigung Graach Himmelreich besucht.
Die historisch gewachsene Steillagen im Moselgebiet sind durch die Nutzungsaufgabe von Rebflächen zunehmend bedroht. Während des Strukturwandels um die Jahrtausendwende sind ca. 3.500 ha der ehemals rund 12.500 ha großen Anbaufläche aus der Nutzung gefallen. Das waren seinerzeit mehr als 25 %. Jetzt, nur zwei Jahrzehnte später ist wieder zu befürchten, dass zahlreihe Winzerbetriebe ihre Betriebsfläche reduzieren oder sogar ganz aufgeben. Eine dramatische Entwicklung mit weitreichenden Folgen, aber nicht nur für die Weinbaubetriebe.
Dienststellenleiter Norbert Müller verwies auf die aktuellen Herausforderungen im Weinbau in Verbindung mit der Brachflächenproblematik, die das Dienstleistungszentrum ländlicher Raum (DLR) Mosel u.a. mit der Flächenbörse begleiten möchte. Er begrüßte die anwesenden Vertreter aus Politik und den Verbänden und die teilnehmenden Referenten. Die Moderation wurde von Torben Alles, Abteilungsleiter Landentwicklung und ländliche Bodenordnung übernommen.
Brachenproblem auf allen Ebenen
Es ist eine große Herausforderung neben Weinbergsbrachen die eigenen Rebflächen zu bewirtschaften, stellt Stefanie Vornhecke, Winzerin aus Senheim und Vizeweinbaupräsidentin in ihrem Statement zu Beginn der Tagung dar. Vogelfraß, Wildschweinschäden und Krankheitsdruck gingen von den Brachen aus. Das bedeutet einen permanenten Kampf um die Gesundheit und um die Ernte der Weintrauben. Im Zuge des drohenden Rückgangs der Rebflächen sieht sie auch die Kommunen in der Pflicht, mit Managementplänen einer zunehmenden Verbrachung entgegenzuwirken.
Differenzierter betrachtet Volker Hartmann das Thema Weinbergsbrachen aus Naturschutzsicht. Der Biologe der SGD Nord stellt die ökologischen Qualitäten der unterschiedlichen Entwicklungsstadien vor. Herausragend sind aber die offenen Weinbergsbrachen mit ihrer auf extrem heiße Standorte angepassten Flora und Fauna. Für die streng geschützte Mauereidechse oder die sehr seltene Zippammer ist das Moseltal quasi der „FC Bayern München“. Keine andere deutsche Landschaft kann die Mosel bezüglich des Vorkommens dieser beiden Charakterarten der Weinbergssteillagen schlagen. Beweidung vermag die bundesweit bedeutsame Artenvielfalt der Moselweinberge zu erhalten, wenn der Weinbau sich aus den strukturreichen Rebflächen zurückzieht. Aber dafür bedarf es nicht nur der Tiere, sondern auch viele kompetente und engagierte Tierhalter, die sich dieser Aufgabe widmen.
Bärbel Ellwanger, Leiterin Marketing und Nachhaltigkeitsmanagement der Mosellandtouristik GmbH stellt klar: Kein Gast will die Moselregion als Brachelandschaft sehen. Spektakuläre Landschaften sind die Anziehungspunkte. Mit zunehmender Verbrachung verliert die Region ihre Attraktivität. Die Kombination von Weinbau, Natur und Tiere sowie der direkte Kontakt zu den Weinbaubetrieben ist wichtig. Als positives Beispiel hebt sie den Themenweg „Graacher Eselspädchen“ hervor, der perfekt Tourismus und Natur nach dem Rückzug des Weinbaus für die Gäste präsentiert.
Stadtbürgermeister Patrice-Christian-Roger Langer sieht den Steillagenweinbau in Traben-Trarbach als ein Erbe unter Druck an. Mit der Aufgabe der Rebflächen in der Steillage verliert die Landschaft rund um die ehemalige Weinmetropole ihre Eigenart. Beweidung ersetzt den Weinbau zwar nicht, kann aber der Negativwirkung der Verbuschung entgegenwirken. Deshalb befürwortet die Stadt Traben-Trarbach das Beweidungsprojekt am nahegelegenen Starkenburger Fels, das innerhalb der dortigen Flurbereinigung initiiert und umgesetzt wurde. Finanziert wird es aus Ersatzgelder der Naturschutzverwaltung und landespflegerischen Kompensationsverpflichtungen der Deutschen Bahn und der Flurbereinigung. Ein Positivbeispiel auch aus kommunaler Sicht.
Kompetenzen und Förderung gefordert
Seit vielen Jahren bemüht sich Marco Berweiler von der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz um die Qualifizierung und Beratung von Tierhaltern. Er kennt also sowohl die Bedürfnisse von Weidetieren und Beweidern besonders gut aus. Das Tierwohl steht an erster Stelle. Dafür müssen die Weidetierarten zu den Weideflächen passen. Für die Weinbergsbrachen sind grundsätzlich sowohl Ziegen als auch Schafe gut geeignet. Doch ist hier entscheidend, wie weit die Brachen bereits mit Gehölzen zugewachsen sind. Die richtige Reihenfolge wäre, zuerst die Ziegen die Gehölzbestände auflichten zu lassen und später nach der Bildung größerer Grasflächen Schafe hinzuzunehmen. Die Kombination macht´s. Nicht zu vernachlässigen ist aber auch der wirtschaftliche Aspekt für die Tierhalter. Denn auch wenn sich beispielsweise aus der Vermarktung von Tierprodukten ein Mehrwert generieren lassen könnte, kostendeckend ist die Beweidung damit noch lange nicht.
Für die Moselregion hat Berweiler auch eine Vision: Ein Band aus Magerweiden entlang der Steillagen.
Förderprogramme für die Beweidung von Weinbergsbrachen und Grünland stellt Pascal Paulen vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Rheinhessen-Nahe- Hunsrück vor. Im Vertragsnaturschutz gibt es eine finanzielle Förderung für die Freistellung und Offenhaltung von Weinbergsbrachen. Alleine reichen die Fördergelder nicht aus, um die Kosten der Pflegemaßnahmen auszugleichen. Aber gekoppelt mit weiteren Agrarförderungen können doch relevante finanzielle Anreize generiert werden, um die Offenhaltung der Weinbergsbrachen zu unterstützen.
Positivbeispiele aus der Region
Wie kann eine wirkungsvolle Entflechtung von Rebflächen und Weinbergsbrachen geschehen und dabei die Belange von Weinbau und Naturschutz in gleicher Weise berücksichtigen? Die Möglichkeiten, wie das mit einer Flurbereinigung gelingen kann stellen der Landentwickler Uwe Thömmes und die Landespflegerin Lea Böhm vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Mosel am Beispiel Kröv vor. Hier konnten durch geschicktes Flächenmanagement einerseits Brachen wieder in Nutzung überführt werden. Andererseits wurden mehrere zusammenhängende Bereiche als Ökopool für kommunale Kompensationsverpflichtungen aus der Bauleitplanung gebildet. Nach erfolgter Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde sind im Anschluss landespflegerische Ausgleichsmaßnahmen umgesetzt worden. Die Stützung des örtlichen Weinbaus und die Entwicklung ökologische und landschaftsästhetisch hochwertiger Landschaftsbereiche sichern hier nachhaltig eine intakte Weinkulturlandschaft.
Einen großen Coup landete der Landkreis Cochem-Zell mit dem Wanderschäfer Steffen Carmin. Für ein Pilotprojekt der Stiftung Natur und Umwelt zog er an die Mosel. Heute beweidet er zusammen mit seiner Lebensgefährtin und einer 400 Tiere umfassenden Herde fast 100 Hektar vorrangig Brachen. Das geschieht allerdings nicht nur in den Weinbergssteillagen, da das Futter zu einseitig und auf Dauer auch nicht auskömmlich wäre. Zudem bedarf es Ausweichflächen um auf Witterung und Jahreszeiten reagieren zu können. Das erfordert eine sorgsame Planung von Beweidungsflächen und Wanderwegen. Eindrucksvoll zeigt Carmin, dass nicht nur Ziegen, sondern auch seine Schafe sich durch die Brachen regelrecht durchbeißen können und das Weideareal jährlich ein stückweit ausdehnen können. Man muss ihnen nur Zeit geben und sie richtig leiten, so Carmin.
[…]
Ein wichtiges Thema im Zusammenhang mit der Verbrachung insbesondere der durch Trockenmauern geprägten Weinbergsterrassen hob abschließend Martin Dötsch, Ortsbürgermeister von Kobern-Gondorf und Steillagenwinzer hervor. Die fehlende finanzielle Unterstützung bei Mauersanierungen führt dazu, dass die Betriebe gezwungen sind, alte, ökologisch und kulturhistorisch wertvolle Weinbergsterrassen aufzugeben, um wirtschaftlich überleben zu können. Sein Betrieb hat deshalb schon ein Viertel seiner Terrassenweinberge aus der Nutzung nehmen müssen. Eine finanzielle Förderung ist für den Erhalt der historischen Weinbaulandschaften insbesondere an der Terrassenmosel unerlässlich, sonst würden noch mehr Trockenmauern unter den Gebüschen der Brachen verschwinden. Er plädierte zudem für eine stärkere Kooperation von Praxis und Wissenschaft zur Entwicklung neuer Konzepte im Steillagenweinbau, ohne die die Zukunftsfähigkeit der Moselregion gefährdet ist.
Die Zeit drängt
Alle Signale, die von den Teilnehmern der Tagung gesendet wurden, zeigen die dringliche Notwendigkeit des schnellen Handelns in den Steillagen der Moselregion auf. Beweidung kann nach Aufgabe der weinbaulichen Nutzung wenigstens den offenen Charakter der Weinbaulandschaft bewahren und zudem eine ökologische Wertsteigerung bringen. Dazu bedarf es aber kreativer Ideen und Konzepte, finanzieller Unterstützung und vor allem ein schnelles, entschlossenes Handeln.“
HIER UNSERE KURZVORSTELLUNGEN:
Name: Schafe
Lateinischer Name: Ovis aries
Kurze allgemeine Beschreibung der Tierart
Schafe sind domestizierte Säugetiere aus der Familie der Hornträger (Bovidae). Sie gehören zu den ältesten Nutztieren des Menschen und werden seit Jahrtausenden vor allem wegen ihrer Wolle, ihres Fleisches und ihrer Milch gehalten. Ihr Erscheinungsbild variiert je nach Rasse stark – von kleinen, robusten Landschafen bis zu großrahmigen Zuchtrassen.
Wie leben die Tiere
Schafe sind ausgeprägte Herdentiere und leben fast ausschließlich in Gruppen. Sie besitzen ein starkes Sozialverhalten und orientieren sich eng aneinander. In der Regel werden sie vom Menschen gehalten und geführt, etwa durch Hirten oder Elektrozäune.
Sie halten keinen Winterschlaf und bleiben ganzjährig in ihrem Gebiet. Ihre Bewegung ist eher ruhig und gleichmäßig; sie grasen langsam und wandern dabei kontinuierlich weiter. In extensiver Haltung werden sie oft zur Landschaftspflege eingesetzt, etwa in Weinbergen.
Welche Sinnesorgane nutzen die Tiere
Schafe verfügen über ein gutes Gehör und einen ausgeprägten Geruchssinn. Besonders auffällig ist ihr breites Sichtfeld (bis zu etwa 300°), das ihnen hilft, Feinde früh zu erkennen. Ihr Sehvermögen ist allerdings weniger scharf als beim Menschen.
Unterschiede zwischen Weibchen und Männchen
Weibliche Schafe (Mutterschafe oder Auen) sind meist etwas kleiner und leichter als männliche Tiere (Widder). Widder besitzen häufig kräftigere Hörner und einen massigeren Körperbau. Bei vielen Rassen tragen nur die Männchen Hörner, bei anderen beide Geschlechter oder keine.
Paarung / Fortpflanzung
Die Paarungszeit (Brunst) liegt meist im Herbst. In dieser Zeit konkurrieren die Widder um die Weibchen. Nach einer Tragzeit von etwa fünf Monaten bringt das Mutterschaf in der Regel ein bis zwei Lämmer zur Welt. Die Geburt erfolgt häufig im Frühjahr, wenn das Nahrungsangebot am größten ist.
Zeitspanne: Geburt – Geschlechtsreife – Höchstalter
Lämmer sind kurz nach der Geburt bereits mobil und folgen der Mutter. Die Geschlechtsreife tritt nach etwa 6 bis 12 Monaten ein, wird jedoch meist erst später genutzt. Schafe können ein Alter von etwa 10 bis 12 Jahren erreichen, in Einzelfällen auch älter.
Jahresablauf
Im Frühjahr werden die Lämmer geboren. Der Sommer dient dem Wachstum und intensiven Grasen. Im Herbst beginnt die Paarungszeit. Im Winter leben Schafe oft von Heu oder verbleiben auf winterlichen Weiden, je nach Haltungsform.
Nahrung
Schafe sind Pflanzenfresser. Sie ernähren sich hauptsächlich von Gräsern, Kräutern und jungen Trieben. In Weinbergsregionen tragen sie zur Offenhaltung der Flächen bei, indem sie Bewuchs kurz halten.
Regionen (vor allem Rheinland-Pfalz)
Schafe sind in ganz Rheinland-Pfalz verbreitet. Besonders häufig findet man sie in offenen Landschaften wie der Eifel, im Hunsrück sowie entlang der Mosel, wo sie auch zur Pflege von Steillagen-Weinbergen eingesetzt werden.
Reviere
Schafe besitzen keine festen Reviere im klassischen Sinne. Ihr Aufenthaltsgebiet wird vom Menschen bestimmt. In freier Weidehaltung nutzen sie größere Flächen gemeinsam als Herde.
Tarnung / Verteidigung
Schafe verfügen über keine ausgeprägten Tarnmechanismen. Ihre wichtigste „Strategie“ ist das Leben in der Herde. Bei Gefahr fliehen sie gemeinsam. Schutz bieten oft Hirten, Zäune oder Herdenschutzhunde.
Gefahren
Gefahren bestehen vor allem durch Raubtiere wie den Wolf, der in einigen Regionen wieder heimisch ist. Auch Krankheiten, Parasiten und extreme Wetterbedingungen können problematisch sein.
Durch menschliche Haltung sind Schafe insgesamt nicht gefährdet – im Gegenteil, sie sind weit verbreitet. Herausforderungen entstehen eher durch wirtschaftliche Bedingungen der Landwirtschaft.
Bedeutung für die Natur / andere Tiere
Schafe spielen eine wichtige Rolle in der Landschaftspflege. Sie verhindern die Verbuschung von Flächen und fördern dadurch die Artenvielfalt. Viele Pflanzen- und Insektenarten profitieren von den kurz gehaltenen Wiesen.
Wo an der Mosel zu finden
An der Mosel trifft man Schafe häufig in den steilen Weinbergen und auf brachliegenden Flächen, die durch Beweidung offen gehalten werden. Besonders gut lassen sie sich in naturnah bewirtschafteten Weinlagen beobachten.
Im eigenen Garten?
In privaten Gärten sind Schafe eher selten, da sie viel Platz benötigen. In ländlichen Gebieten mit großen Grundstücken oder angrenzenden Weiden kann man sie jedoch gelegentlich sehen.
Ökonomische Funktion
Schafe liefern Wolle, Fleisch (Lammfleisch) und teilweise Milch (z. B. für Käse). Zudem werden sie zur kostengünstigen Landschaftspflege eingesetzt, was insbesondere im Weinbau wirtschaftlich relevant ist.
Ökologische Funktion
Sie tragen zur Offenhaltung von Kulturlandschaften bei und fördern Biodiversität. Durch selektives Fressen beeinflussen sie die Pflanzenzusammensetzung positiv.
Esoterische, religiöse und mythologische Bedeutung
Schafe haben seit Jahrtausenden eine starke symbolische Bedeutung. Im Christentum steht das Lamm für Reinheit, Unschuld und Opferbereitschaft (z. B. „Lamm Gottes“). In vielen Kulturen symbolisieren Schafe Sanftmut, Gemeinschaft und Fürsorge.
Auch in der Astrologie ist das Tier präsent, etwa im Sternzeichen Widder, das für Kraft und Durchsetzung steht.
Name: Ziegen
Lateinischer Name: Capra aegagrus hircus
Kurze allgemeine Beschreibung der Tierart
Ziegen sind domestizierte Säugetiere aus der Familie der Hornträger (Bovidae). Sie zählen zu den ältesten Nutztieren der Menschheit und sind besonders für ihre Anpassungsfähigkeit bekannt. Ziegen gelten als widerstandsfähig, neugierig und beweglich und kommen auch mit kargen Lebensräumen gut zurecht.
Wie leben die Tiere
Ziegen sind gesellige Tiere und leben meist in Gruppen mit klarer Rangordnung. Sie sind sehr bewegungsfreudig und klettern geschickt, weshalb sie auch steile und felsige Gebiete problemlos nutzen können.
Sie halten keinen Winterschlaf und bleiben ganzjährig in ihrem Lebensraum. Im Gegensatz zu Schafen sind sie aktiver und erkunden ihre Umgebung intensiv. In der Landschaftspflege werden sie gezielt eingesetzt, da sie auch Sträucher und junge Bäume fressen.
Welche Sinnesorgane nutzen die Tiere
Ziegen verfügen über einen sehr guten Gleichgewichtssinn, der ihnen das Klettern erleichtert. Ihr Sehfeld ist – ähnlich wie bei Schafen – sehr breit, wodurch sie Gefahren früh wahrnehmen können. Zudem haben sie einen feinen Geruchs- und Hörsinn.
Unterschiede zwischen Weibchen und Männchen
Männliche Ziegen (Böcke) sind meist größer, kräftiger und haben ausgeprägtere Hörner als weibliche Tiere (Ziegen oder Geißen). Böcke entwickeln häufig einen starken Eigengeruch, besonders während der Paarungszeit. Weibchen wirken insgesamt schlanker und leichter.
Paarung / Fortpflanzung
Die Paarungszeit liegt meist im Herbst. In dieser Zeit zeigen Böcke ein auffälliges Verhalten, um Weibchen zu beeindrucken. Nach einer Tragzeit von etwa fünf Monaten werden ein bis drei Zicklein geboren, meist im Frühjahr.
Zeitspanne: Geburt – Geschlechtsreife – Höchstalter
Zicklein sind kurz nach der Geburt sehr aktiv und können schnell laufen und klettern. Die Geschlechtsreife tritt nach etwa 6 bis 12 Monaten ein. Ziegen können ein Alter von etwa 10 bis 15 Jahren erreichen.
Jahresablauf
Im Frühjahr werden die Jungtiere geboren. Der Sommer ist geprägt von intensiver Nahrungssuche. Im Herbst beginnt die Paarungszeit. Im Winter passen sich Ziegen an kargere Nahrung an oder werden vom Menschen versorgt.
Nahrung
Ziegen sind Allesfresser im weiteren Sinne, jedoch überwiegend Pflanzenfresser mit einer besonderen Vorliebe für Blätter, Zweige, Rinde und Kräuter. Sie gelten als „Selektivfresser“ und nehmen gezielt unterschiedliche Pflanzen auf – auch solche, die andere Weidetiere meiden.
Regionen (vor allem Rheinland-Pfalz)
Ziegen sind in Rheinland-Pfalz verbreitet, vor allem in trockenen und steilen Regionen wie den Moselhängen, im Hunsrück und in der Eifel. Sie werden gezielt zur Pflege von Trockenrasen und Weinbergsbrachen eingesetzt.
Reviere
Ziegen besitzen keine festen Reviere. Ihr Lebensraum wird meist durch menschliche Haltung bestimmt. In freier Haltung nutzen sie gemeinsam größere Flächen und bewegen sich aktiv darin.
Tarnung / Verteidigung
Ziegen besitzen keine ausgeprägte Tarnung. Ihre wichtigste Verteidigung ist ihre Beweglichkeit. Sie können schnell fliehen und nutzen dabei auch steiles Gelände. Zudem können sie sich mit ihren Hörnern gegen Angreifer wehren.
Gefahren
Gefahren bestehen durch Raubtiere wie den Wolf. Auch Krankheiten, Parasiten und extreme Witterung können eine Rolle spielen.
Insgesamt sind Ziegen als Haustiere nicht gefährdet. Probleme entstehen eher durch veränderte landwirtschaftliche Nutzung und Rückgang extensiver Weideflächen.
Bedeutung für die Natur / andere Tiere
Ziegen tragen stark zur Offenhaltung von Landschaften bei. Sie verhindern die Verbuschung und fördern dadurch lichtliebende Pflanzenarten. Dies wirkt sich positiv auf Insekten, Vögel und andere Tiere aus.
Wo an der Mosel zu finden
Ziegen findet man häufig an steilen, trockenen Moselhängen, besonders dort, wo Flächen gepflegt oder offengehalten werden. Sie werden gezielt in Weinbergsbrachen und Naturschutzflächen eingesetzt.
Im eigenen Garten?
In normalen Gärten sind Ziegen selten, da sie viel Platz benötigen und Zäune überwinden können. In ländlichen Gegenden mit großen Grundstücken oder kleinen Höfen sind sie jedoch gelegentlich anzutreffen.
Ökonomische Funktion
Ziegen liefern Milch (z. B. Ziegenkäse), Fleisch und Fell. Zudem werden sie zur kostengünstigen Landschaftspflege eingesetzt, insbesondere in schwer zugänglichen Gebieten wie Steillagen.
Ökologische Funktion
Ziegen fördern die Biodiversität, indem sie verbuschte Flächen offenhalten und eine vielfältige Vegetation ermöglichen. Sie tragen zur Pflege wertvoller Kulturlandschaften bei.
Esoterische, religiöse und mythologische Bedeutung
Ziegen haben in vielen Kulturen eine ambivalente Symbolik. Sie stehen einerseits für Fruchtbarkeit, Lebenskraft und Unabhängigkeit, andererseits auch für Wildheit und Ungebundenheit.
In der Mythologie erscheint die Ziege etwa im Bild des Gottes Pan in der griechischen Antike. In religiösen Kontexten kann sie sowohl Opfer- als auch Symboltier sein (z. B. „Sündenbock“).
Name: Burenziege
Lateinischer Name: Capra aegagrus hircus (Rasse: Burenziege)
Kurze allgemeine Beschreibung der Tierart
Die Burenziege ist eine robuste und großrahmige Hausziegenrasse, die ursprünglich aus Südafrika stammt. Sie wurde vor allem zur Fleischproduktion gezüchtet und zeichnet sich durch ihre Widerstandsfähigkeit, Anpassungsfähigkeit und ihr ruhiges Wesen aus. Typisch ist ihr weißer Körper mit braunem Kopf.
Wie leben die Tiere
Burenziegen sind Herdentiere und leben in Gruppen mit klarer Rangordnung. Sie sind sehr beweglich und kletterfreudig, allerdings meist etwas ruhiger als andere Ziegenrassen.
Sie bleiben ganzjährig in ihrem Lebensraum und halten keinen Winterschlaf. In der Landschaftspflege werden sie gezielt eingesetzt, da sie auch dichtes Gestrüpp und Gehölze fressen und so Flächen offenhalten.
Welche Sinnesorgane nutzen die Tiere
Burenziegen besitzen ein breites Sichtfeld, einen guten Geruchssinn und ein feines Gehör. Ihr ausgeprägter Gleichgewichtssinn ermöglicht ihnen sicheres Bewegen auch in steilem Gelände, wie es an der Mosel häufig vorkommt.
Unterschiede zwischen Weibchen und Männchen
Männliche Tiere (Böcke) sind deutlich größer und kräftiger als weibliche Tiere (Geißen). Böcke entwickeln stärkere Hörner und einen massigeren Körperbau. Zudem verströmen sie besonders in der Paarungszeit einen intensiven Eigengeruch. Weibchen sind leichter gebaut und wirken insgesamt feiner.
Paarung / Fortpflanzung
Die Paarungszeit liegt meist im Herbst. Nach einer Tragzeit von etwa fünf Monaten bringen Burenziegen häufig zwei, manchmal auch drei Jungtiere zur Welt. Die Geburt erfolgt überwiegend im Frühjahr.
Zeitspanne: Geburt – Geschlechtsreife – Höchstalter
Die Jungtiere sind kurz nach der Geburt sehr aktiv und folgen der Mutter schnell. Die Geschlechtsreife wird nach etwa 6 bis 12 Monaten erreicht. Burenziegen können etwa 10 bis 15 Jahre alt werden.
Jahresablauf
Im Frühjahr werden die Jungtiere geboren. Der Sommer ist geprägt von intensiver Nahrungsaufnahme und Wachstum. Im Herbst beginnt die Paarungszeit. Im Winter leben die Tiere von karger Vegetation oder werden durch den Menschen zugefüttert.
Nahrung
Burenziegen sind vielseitige Pflanzenfresser. Sie bevorzugen Blätter, Zweige, Rinde und Kräuter und fressen auch dornige Sträucher. Dadurch sind sie besonders gut geeignet, um verbuschte Flächen und Weinbergsbrachen zu pflegen.
Regionen (vor allem Rheinland-Pfalz)
Burenziegen werden in Rheinland-Pfalz gezielt eingesetzt, insbesondere in trockenen und steilen Regionen wie den Moselhängen, im Hunsrück und in der Eifel. Dort dienen sie häufig der Landschaftspflege.
Reviere
Burenziegen besitzen keine festen Reviere. Ihr Lebensraum wird durch die Haltung bestimmt. Innerhalb ihrer Weideflächen bewegen sie sich aktiv und nutzen auch schwer zugängliche Bereiche.
Tarnung / Verteidigung
Eine besondere Tarnung besitzen Burenziegen nicht. Ihre Verteidigung besteht vor allem in ihrer Beweglichkeit und ihrer Fähigkeit, steiles Gelände zu nutzen. Zudem können sie ihre Hörner zur Abwehr einsetzen.
Gefahren
Gefahren bestehen durch Raubtiere wie den Wolf. Auch Krankheiten, Parasiten und extreme Wetterbedingungen können eine Rolle spielen.
Da es sich um eine gezüchtete Nutztierrasse handelt, ist ihr Bestand insgesamt nicht gefährdet. Herausforderungen ergeben sich eher aus wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Tierhaltung.
Bedeutung für die Natur / andere Tiere
Burenziegen leisten einen wichtigen Beitrag zur Landschaftspflege. Sie halten Flächen offen, verhindern die Verbuschung und schaffen Lebensräume für viele Pflanzen- und Tierarten, insbesondere Insekten.
Wo an der Mosel zu finden
Burenziegen sind an der Mosel vor allem in steilen Weinbergsbrachen und auf naturnah gepflegten Flächen anzutreffen. Dort werden sie gezielt eingesetzt, um schwer zugängliche Bereiche zu bewirtschaften.
Im eigenen Garten?
In normalen Gärten sind Burenziegen kaum zu halten, da sie viel Platz benötigen und sehr geschickt im Überwinden von Zäunen sind. In ländlichen Gegenden mit ausreichend Fläche können sie jedoch gehalten werden.
Ökonomische Funktion
Burenziegen werden hauptsächlich zur Fleischproduktion genutzt. Zusätzlich spielen sie eine wichtige Rolle in der kostengünstigen Landschaftspflege, insbesondere in schwierig zu bewirtschaftenden Regionen.
Ökologische Funktion
Sie fördern die Artenvielfalt, indem sie verbuschte Flächen offenhalten und eine abwechslungsreiche Vegetation ermöglichen. Dadurch profitieren zahlreiche Tierarten von ihrem Einsatz.
Esoterische, religiöse und mythologische Bedeutung
Wie andere Ziegen stehen auch Burenziegen symbolisch für Lebenskraft, Anpassungsfähigkeit und Eigenständigkeit. In mythologischen Zusammenhängen ist die Ziege häufig mit Naturkräften und Fruchtbarkeit verbunden.
Als „Sündenbock“ hat die Ziege zudem eine lange kulturelle Bedeutung als Träger von Schuld und Reinigung.
Alle Texte zum Thema „NaturEREIGNISbegleiter / Lebendige Moselweinberge“ finden Sie unter: https://www.trierer-umschau.de/netzwerk/naturereignisbegleiter/
Vortext / Kommentar: Christph Maisenbacher – 17. April 2026
Quelle (vollständig zitierter Text): Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Mosel – Bernkastel-Kues – Torben Alles
Link-Zitate: alle Zitate, die wir übernehmen sind im Text mit einem Link versehen
Foto 1: Clickerhappy – Pixabay – Logo: © DLR Mosel – Foto 2: Illustration: KI-generiert / Trierer Umschau – Foto 3: Artur Pawlak – Pixabay – Foto 4: Illustration: KI-generiert / Trierer Umschau – Foto 5: René Schaubhut – Pixabay – Foto 6: Illustration: KI-generiert / Trierer Umschau
Dieser Text in LEICHTER SPRACHE ist veröffentlicht unter:
https://www.trierer-umschau.de/2026-04-17-bb/
Die Text-Folge „Lebendige Moselweinberge“ ist Dauno gewidmet:
vgl. https://www.trierer-umschau.de/2025-11-03-ba/
