SCHOKOLADE & WÄLDER
Osterhase frisst Wälder – nicht nur die Schokoladenpreise steigen, auch die Zerstörung der Waldflächen für den Kakaoanbau
Osterhase frisst Wälder I
Aus dem Regal in den Einkaufswagen. Vielleicht mit etwas mehr Bedacht in diesem Jahr. Die Preise haben sich nochmals erhöht. Dennoch werden die Schoko-Osterhasen das Osterfest begleiten. Und die Schokolade wird wohl auch 2026 gut schmecken.
Wirklich schmecken? Wie gut schmeckt der Gedanke, dass – und die Studie der Welt-Naturstiftung WWF (World Wide Fund For Nature) verdeutlicht dies – der Anbau von Kakaopflanzen am fruchtbarsten auf frisch gerodetem Waldboden besonders gut gedeiht.
Dazu kommt, dass nach wenigen Jahren intensiven Kakaoanbaus viele gerodete Waldflächen stark ausgelaugt sind. Das bedeutet, dass die Böden ihre Fruchtbarkeit verlieren, die Erträge sinken und die Kleinbauern die Flächen nicht mehr wirtschaftlich nutzen können. Es folgt ein problematischer Kreislauf: Neue Waldgebiete werden gerodet, um den Anbau fortzusetzen. Zurück bleiben Flächen mit Busch- oder Grasvegetation, die deutlich weniger Artenvielfalt und Klimaschutzfunktion (Stichwort: CO₂-Speicher!) bieten als ursprünglicher Regenwald.
Fünfmal der Hunsrück-Hochwald – fünfzehnmal der Meulenwald
Für den Schokoladenanbau werden jährlich bis zu 150.000 Hektar Wald gerodet!
Das entspricht fünfmal der Fläche des Schwarzwälder Hochwaldes im Hunsrück mit seinen etwa 30.000 Hektar Wald oder gut fünfzehnmal dem Meulenwald mit seinen gerundeten 10.000 Hektar Wald – pro Jahr wohlgemerkt …
Mit Blick auf diese Waldzerstörung – die im Grunde wie ein gefräßiger Monster-Osterhase kein Ende nimmt – bleibt nur der Verzicht auf Schokolade. Bye-bye Osterhase, Weihnachtsmann und Schokotafeln … Und nein: In unseren Breiten wird die Kakaopflanze nicht wachsen.
Der Anbau von Kakao in Deutschland ist auch unter den Bedingungen der Erderwärmung auf absehbare Zeit nicht möglich. Die Kakaopflanze benötigt ein ganzjährig warmes, frostfreies Klima mit konstanten Temperaturen zwischen 24 und 30 Grad Celsius sowie eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit – Bedingungen, wie sie nur in tropischen Regionen rund um den Äquator vorkommen.
Zwar steigen im Zuge des Klimawandels auch in Deutschland die Durchschnittstemperaturen, doch bleiben entscheidende Faktoren unverändert: Frostereignisse treten weiterhin auf, die Luftfeuchtigkeit ist zu gering, und die jahreszeitlichen Schwankungen sind zu stark. Bereits kurze Kälteperioden können die empfindlichen Pflanzen irreversibel schädigen.
Konkret: Für ihr Wachstum benötigt die Pflanze äußerst stabile klimatische Bedingungen. Ideal sind ganzjährig gleichmäßige Temperaturen zwischen 24 und 30 Grad Celsius, eine hohe Luftfeuchtigkeit von bis zu 90 Prozent sowie reichliche, gleichmäßig verteilte Niederschläge. Frost verträgt der Kakao nicht, ebenso wenig starke Temperaturschwankungen. Zudem gedeiht er am besten im Halbschatten größerer Bäume.
Damit kurz zur Kakaopflanze (vgl. unsere Abbildungen oben): Sie ist ein immergrüner Baum aus den tropischen Regenwäldern Mittel- und Südamerikas und liefert die Grundlage für Schokolade. Charakteristisch ist ihr ungewöhnlicher Wuchs: Blüten und Früchte entstehen direkt am Stamm. In den farbigen Kakaoschoten reifen die begehrten Bohnen heran.
Nach der Ernte der Kakaoschoten werden diese mit Messern geöffnet und die darin eingebetteten Bohnen samt Fruchtfleisch von Hand herausgelöst und fermentiert; dabei werden sie mehrere Tage in Kisten oder unter Blättern gelagert. Mikroorganismen bauen das Fruchtfleisch ab, Wärme entsteht, und die typischen Schokoladenaromen entwickeln sich. Anschließend werden die Bohnen getrocknet, geröstet, von der Schale befreit und zu Kakaomasse vermahlen – der Grundlage für Schokolade.
Zurück zum waldfressenden Osterhasen, der seinen Ursprung im tropischen Gürtel rund um den Äquator hat:
„Osterhase frisst Wälder [II – Die Presseinformation des WWF]
WWF-Studie: Kakao-Anbau treibt Entwaldung in den Tropen massiv voran
Ostern ist Hochsaison für Schokolade. Was Schokohasen und Pralinen mit der Zerstörung der Wälder zu tun haben, zeigt eine aktuelle WWF-Studie: Der konventionelle Kakaoanbau trägt zur massiven Zerstörung der Tropenwälder bei und verlagert sich immer stärker in neue, bislang weitgehend intakte Waldgebiete. In den wichtigsten Kakao exportierenden Ländern Elfenbeinküste, Ghana und Kamerun gehen mittlerweile 60 Prozent der durch Agrarrohstoffe verursachten Waldverluste auf den Kakaoanbau zurück.
Hintergrund dieser Entwicklung: Kakao gedeiht besonders gut auf frisch gerodeten Waldböden, doch die Fruchtbarkeit lässt schnell nach, Erträge sinken und viele Kleinbauern sehen sich gezwungen, neue Flächen zu erschließen. So verschiebt sich der Anbau immer weiter in unberührte Wälder – ein Muster, das sich seit Jahrzehnten wiederholt. Allein in Liberia gingen zwischen 2021 und 2024 rund 2,5 Millionen Hektar Wald verloren, wovon 15 Prozent direkt auf den Kakaoanbau zurückzuführen sind. Und laut WWF richtet sich der Blick zunehmend auf das Kongobecken mit dem zweitgrößten Regenwald der Erde und eines der artenreichsten Ökosysteme. In Kamerun, wo die Entwaldung lange Zeit gering war, nimmt der Waldverlust mit der Ausweitung des Kakaoanbaus inzwischen deutlich zu. Allein im Jahr 2023 wurden dort 103.000 Hektar Primärwald zerstört – ein historischer Höchstwert.
„Beim Blick auf die Schokolade wird deutlich, wie direkt unser Konsum in Deutschland und Europa mit der globalen Waldzerstörung verknüpft ist. Diese Verantwortung müssen wir ernst nehmen“, fordert Johannes Zahnen, Referent für Forstpolitik beim WWF Deutschland. „Das ist ein politisches Problem, was wir nicht auf die Verbraucher abwälzen können. Wir brauchen klare und verbindliche Regeln, damit Produkte, die wir importieren, nicht zur Waldzerstörung beitragen. Die EU-Waldschutzverordnung EUDR [EU Deforestation Regulation] ist genau dafür gemacht. Sie muss so schnell wie möglich ohne weitere Verwässerungen umgesetzt werden.“
Die EUDR verpflichtet Unternehmen erstmals verbindlich dazu, nachzuweisen, dass Kakao und andere Rohstoffe nicht mit Entwaldung in Verbindung stehen. Durch vollständige Rückverfolgbarkeit bis zur Anbaufläche soll sie für entwaldungsfreie Lieferketten sorgen und freiwillige Selbstverpflichtungen durch überprüfbare Regeln ersetzen. Laut WWF liegt das auch im Interesse von Unternehmen, Verbraucherinnen und Verbrauchern sowie der Herkunftsländer: Die Verordnung sorgt für faire Wettbewerbsbedingungen, reduziert Risiken und garantiert, dass Produkte im EU-Markt nicht zur Waldzerstörung beitragen.
Dass es auch so kommt, ist allerdings alles andere als sicher: Aktuell befindet sich die Verordnung in einem Revisionsprozess. Wegen des Drucks mehrerer Mitgliedstaaten, insbesondere seitens der deutschen Bundesregierung, muss die EU-Kommission bis Ende April einen neuen Vorschlag mit Erleichterungen vorlegen. Die diskutierten Änderungswünsche lassen laut WWF Schlimmes befürchten: „Getrieben von Teilen der heimischen Forst- und Agrarlobby droht die EUDR gerade unter dem Deckmantel des Bürokratieabbaus zerlegt zu werden“, kritisiert Johannes Zahnen. „Werden die bekannten Pläne umgesetzt, droht die Verordnung nahezu wirkungslos zu werden, weil die Produkte und Rohstoffe nicht mehr bis zum Herkunftsort zurückverfolgt werden könnten. Der wichtigste Hebel zum Stopp der Entwaldung würde damit entfallen.“
Wie wenig das Bürokratie-Argument trägt, zeigt ein offener Brief vom April 2024: Darin bekräftigen 120 Organisationen und Genossenschaften aus Ghana und der Elfenbeinküste – die mehr als 700.000 Klein-Kakaobauern vertreten – ihre Unterstützung für die EUDR. Trotz begrenzter Einkommen und technischer Ressourcen bereiten sie sich aktiv auf die Waldschutzverordnung vor und begreifen sie als ‚Chance für nachhaltige Lieferketten‘ – während die deutsche Forst- und Agrarlobby über angebliche Überforderung klagt.
Wird die EUDR konsequent und sozial gerecht umgesetzt – begleitet von fairen Preisen, Unterstützung für Kleinbauern und Investitionen in nachhaltige Anbausysteme – kann sie den Anreiz zur Rodung neuer Wälder wirksam reduzieren. Der WWF warnt davor, das Gesetz abzuschwächen oder weiter zu verzögern. Nur eine starke und verbindliche Waldschutzverordnung kann verhindern, dass sich die Entwaldung weiter verlagert und die letzten großen Regenwälder unter Druck geraten, so die Umweltschützer:innen.“
Vortext / Kommentar: Christph Maisenbacher – 5. April 2026
Quelle (vollständig zitierter Text): Pressestelle WWF Deutschland (Immo Fischer)
Link-Zitate: alle Zitate, die wir übernehmen sind im Text mit einem Link versehen
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