FotoFallen-Dokumentation eines Luchses in der Gehege-Nachzucht Kilian westlich von Oberhof im mittleren Thüringer Wald - Foto: © BUND
FotoFallen-Dokumentation eines Luchses in der Gehege-Nachzucht Kilian westlich von Oberhof im mittleren Thüringer Wald - Foto: © BUND
Der Eurasische Luchs mit seinen optischen Besonderheiten: einem kurzen Schwanz mit schwarzer Spitze und mit Haarpinsel an den Ohren - Illustration: KI generiert / Trierer Umschau
Mehr als 100 Jahre lang galt der Luchs in Deutschland als ausgestorben. Erst die Wiederansiedlungsversuche von Naturschützern brachten die Raubkatze in den vergangenen Jahren in unsere heimischen Wälder zurück. - Video / YouTube: © Hessischer Rundfunk
Der markante Kopf eines Luchses wird auch als Backenbart bezeichnet – unter anderem wegen des buschigen Backenbarts - Foto: Angela - Pixabay

NATUREREIGNISBEGLEITER

NaturEREIGNISbegleiter – Text 16 – Wirbeltierbestand um 73 Prozent zu reduzieren. – Ein hoffnungsvoller Blick auf den Luchsbestand.

Die Zahlen in der Überschrift haben wir aus dem zum Tag der Artenvielfalt, dem 3. März 2026, in der Trierer Umschau veröffentlichten Artikel: vgl. https://www.trierer-umschau.de/2026-03-04-aa/

Und weil uns die aktuellen „Vereinfachungen“ in Sachen Umwelt- und Naturschutz in Deutschland (vgl. https://www.trierer-umschau.de/2026-02-26-aa/ ) im Hals stecken, freut uns die vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) zur Wiederansiedlung des Eurasischen Luchses in Deutschland veröffentlichte Presseinformation zum Tag der Artenvielfalt.

A propos „Reduktion des Wirbeltierbestandes“.

Unsere Zerstückelung der Reviere von Tieren führt zu einer automatischen Reduktion der Tiere beim Überqueren von Straßen. Der in der Überschrift angeführte Luchs hat ein Revier von 300 Quadratkilometern – das wäre eine Fläche von Trier nach Irrel über Speicher und Klüsserath zurück nach Trier. Und wir kennen hier die Menge an Straßen, die hier zu überqueren wären …

A propos „Wildtierbrücken“

Deshalb sind die Wildtierbrücken ein wesentlicher Teil für eine sichere Wildtier- bzw. Wirbeltierbewegung. Damit können Aufenthaltsflächen bzw. Reviere verbunden werden, was in der Folge auch eine genetische Pluralität gewährleistet. Vielleicht sollte man sich an den Niederlanden ein Beispiel nehmen: Dort gibt es mehr als 600 Wildtierbrücken im Land – Deutschland zählt etwa 150.

Der BUND feiert am diesjährigen Tag des Artenschutzes eine Tierart ganz besonders, die auch in Rheinland-Pfalz angesiedelt werden konnte: den Eurasischen Luchs.

Zum Luchsnachweis in Rheinland-Pfalz empfehlen wir folgenden Link:
https://fawf.wald.rlp.de/forschung-und-monitoring-unsere-aufgaben/koordinationszentrum-luchs-und-wolf/luchs/luchsnachweise-rheinland-pfalz

Vor unserer folgenden Kurzvorstellung des Eurasischen Luchses hier die Presseinformation des BUND:

 

Tag des Artenschutzes: Thüringens Luchse fühlen sich wohl

Paarungszeit sorgt für viele Nachweise – Gute Chancen für Nachwuchs

Erfreuliche Entwicklungen beim Luchs: Die im Rahmen des Projektes „Luchs Thüringen – Europas Luchse vernetzen“ ausgewilderten Luchse lassen sich derzeit besonders gut über Fotofallen nachweisen, wie die Projektpartner Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), WWF und viele weitere Beteiligte anlässlich des internationalen Tags des Artenschutzes am 3. März mitteilen. Ein Grund ist die Paarungszeit der Tiere, die im Februar ihren Höhepunkt erreicht.

Vor allem die männlichen Luchse sind in diesen Wochen verstärkt unterwegs und markieren ihre Reviere. Im südlichen Thüringer Wald konnte der besenderte Luchs Ionel gleich mehrfach dokumentiert werden, etwas entfernt wurde auch der Kuder (männliche Wildkatze) Viorel nachgewiesen. Beide Luchse kamen als Wildfänge aus den rumänischen Karpaten nach Thüringen. Auch die Gehege-Nachzuchten Frieda und Kilian wurden Ende Dezember per Fotofalle nachgewiesen – im mittleren Thüringer Wald westlich von Oberhof. Hinzu kommen Aufnahmen von insgesamt drei Luchsmännchen und einer Luchsin im südlichen Thüringen, die aus Nordbayern zugewandert sind.

Markus Port, Luchsexperte des BUND Thüringen: „Durch den Einsatz der Fotofallen können wir die Luchse auch nach Ausfall der Halsbandsender zuverlässig nachweisen. Besonders gut gelingt dies während der Paarungszeit, wenn insbesondere die Kuder weite Strecken zurücklegen. Auf den Ausgang der Paarungszeit sind wir sehr gespannt! Wenn es im Frühjahr Nachwuchs gibt, werden wir diesen mit etwas Glück ab dem Spätsommer ebenfalls mit unseren Fotofallen nachweisen können.“

Auch im Jahr 2026 sind weitere Auswilderungen geplant.

Max Boxleitner, Projektleiter beim WWF zu weiteren geplanten Auswilderungen: „Auf diese Weise soll das noch kleine Luchsvorkommen im Thüringer Wald auf eine stabile Größe anwachsen. Wo Luchse sind, siedeln sich auch zukünftig Luchse an. Die bereits stattfindenden Zuwanderungen machen dies deutlich und zeigen, dass wir auf einem guten Weg sind, die vielleicht wichtigste Trittsteinpopulation zur Vernetzung der Luchsvorkommen in Deutschland zu schaffen.“

Der Eurasische Luchs gilt in Deutschland laut Roter Liste als vom Aussterben bedroht. Die Zerschneidung seiner Lebensräume durch Straßen, Industriegebiete und Siedlungen stellt heute die größte Bedrohung für die scheuen Katzen dar. Bundesweit leben weniger als 200 erwachsene Tiere in voneinander isolierten Populationen. Umso wichtiger sind Projekte wie „Luchs Thüringen – Europas Luchse vernetzen“, die gezielt zur Wiedervernetzung beitragen. Der Luchs steht damit beispielhaft für angewandten Artenschutz in Deutschland: Nur durch grenzübergreifende Zusammenarbeit, langfristige Projekte und gesellschaftliche Akzeptanz kann die Rückkehr bedrohter Arten gelingen. Der Internationale Tag des Artenschutzes macht deutlich, wie wichtig solche gemeinsamen Anstrengungen für den Erhalt der biologischen Vielfalt sind.

Hintergrund:

„Luchs Thüringen – Europas Luchse vernetzen“ setzt sich dafür ein, dass der Luchs langfristig in Thüringen heimisch wird und seine Lebensräume europaweit besser vernetzt werden. Neben Forschung und Monitoring setzt das Projekt auf Aufklärung, Dialog und Umweltbildung – denn nur wenn Menschen den Luchs kennen, verstehen sie seine Bedeutung für stabile Ökosysteme.

„Luchs Thüringen – Europas Luchse vernetzen“ ist ein Gemeinschaftsprojekt von BUND, WWF, ThüringenForst, dem Wildkatzendorf Hütscheroda, dem Landesjagdverband Thüringen, dem UNESCO-Biosphärenreservat Thüringer Wald, dem Naturpark Thüringer Wald, der Georg-August-Universität Göttingen sowie der rumänischen Projektpartner ACDB und Romsilva. Das Projekt ist Teil des europäischen Luchsexperten-Netzwerks Linking Lynx, das sich dem Erhalt und der Vernetzung der Luchspopulationen Mitteleuropas verschrieben hat. Ziel ist es, durch gezielte Auswilderungen und die Vernetzung bestehender Populationen eine stabile und eigenständige Luchspopulation in Mitteleuropa aufzubauen. Viele der im Thüringer Wald ausgewilderten Luchse stammen aus dem Erhaltungszuchtprogramm der European Association of Zoos and Aquaria (EAZA).

Das Projekt wird im Programm „Förderung von Vorhaben zur Entwicklung von Natur und Landschaft (ENL)“ umgesetzt und vom Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie, Naturschutz und Forsten gefördert. Die Förderung erfolgt aus Mitteln des Freistaats Thüringen sowie aus ENL-Mitteln des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER).

Hier investieren Europa und der Freistaat Thüringen in die ländlichen Gebiete.“

 

KURZVORSTELLUNG

Name: Eurasischer Luchs
Zoologisch: Lynx lynx

Kurze allgemeine Beschreibung der Tierart
Der Eurasische Luchs ist die größte wildlebende Katzenart Europas. Er besitzt einen kräftigen Körperbau, lange Beine, große Pfoten und einen relativ kurzen Schwanz mit schwarzer Spitze. Typisch sind die auffälligen Haarpinsel an den Ohren sowie der ausgeprägte Backenbart. Sein Fell ist gelblich bis rötlichbraun mit dunklen Flecken, die individuell unterschiedlich stark ausgeprägt sind.
Er ist ein heimlicher, äußerst anpassungsfähiger Beutegreifer und zählt zu den sogenannten „Schlüsselarten“ in europäischen Waldökosystemen.
Eine Schlüsselart (auch „Keystone Species“ genannt) ist eine Tier- oder Pflanzenart, die für das ökologische Gleichgewicht eines Lebensraumes eine besonders wichtige Rolle spielt – obwohl sie zahlenmäßig nicht unbedingt häufig vorkommt. Wird eine solche Art aus dem Ökosystem entfernt, kann sich das gesamte Gefüge deutlich verändern. Beim Luchs bedeutet dies: Durch seine Jagd auf Rehe beeinflusst er indirekt den Waldaufbau. Wenn weniger junge Bäume verbissen werden, können sich Wälder vielfältiger entwickeln. Davon profitieren wiederum zahlreiche andere Tier- und Pflanzenarten.

Wie leben die Tiere?
Luchse leben streng einzelgängerisch. Jedes Tier beansprucht ein eigenes Revier, das gegenüber Artgenossen desselben Geschlechts verteidigt wird.
Sie bewohnen vor allem ausgedehnte, strukturreiche Wälder mit Felsen, Totholz, Dickicht und Rückzugsräumen. Höhlen im klassischen Sinne nutzen sie nicht dauerhaft, wohl aber geschützte Verstecke wie Felsnischen, Wurzelteller umgestürzter Bäume oder dichte Jungwaldflächen.
Sie halten keinen Winterschlaf und bleiben ganzjährig aktiv. Der Luchs ist vor allem dämmerungs- und nachtaktiv, kann jedoch auch tagsüber beobachtet werden.
Jungtiere verlassen nach etwa einem Jahr das Mutterrevier und wandern teilweise viele hundert Kilometer, um neue Lebensräume zu besiedeln.

Welche Sinnsorgane nutzen die Tiere?
Der Luchs verfügt über:
• ausgezeichnetes Gehör (unterstützt durch die charakteristischen Ohrpinsel)
• sehr gutes Nachtsehen
• feinen Geruchssinn
• empfindliche Tasthaare (Vibrissen)
Seine Sinne ermöglichen es ihm, Beute nahezu lautlos aufzuspüren und sich selbst geräuschlos fortzubewegen.

Wie unterscheiden sich Weibchen und Männchen?
Männchen (Kuder) sind deutlich größer und schwerer als Weibchen.
• Männchen: ca. 18–30 kg
• Weibchen: ca. 15–21 kg
Optisch unterscheiden sie sich kaum – beide tragen das typische gefleckte Fell, die Ohrpinsel und den Backenbart. Männchen wirken meist massiger im Kopf- und Schulterbereich.

Informationen zur Paarung / Fortpflanzung
Die Paarungszeit (Ranz) liegt zwischen Februar und April.
Nach einer Tragzeit von etwa 70 Tagen bringt das Weibchen meist 1–3 Jungtiere zur Welt. Die Jungen werden blind geboren und bleiben mehrere Monate bei der Mutter.
Die Aufzucht erfolgt ausschließlich durch das Weibchen.

Zeitspannen: Geburt – Geschlechtsreife – Höchstalter
• Geburt: Mai/Juni
• Selbstständigkeit: nach etwa 10–12 Monaten
• Geschlechtsreife: mit etwa 2 Jahren
• Mögliches Höchstalter: in freier Wildbahn ca. 15 Jahre, in Gefangenschaft bis zu 20 Jahre

Jahresablauf
• Winter: Aktiv, Jagd auf Rehwild
• Spätwinter/Frühjahr: Paarungszeit
• Frühsommer: Geburt der Jungtiere
• Sommer/Herbst: Aufzucht, zunehmende Selbstständigkeit
• Spätherbst: Jungtiere beginnen Abwanderung

Nahrung
Hauptbeute ist das Reh.
Daneben:
• Hasen
• Füchse
• kleinere Säugetiere
• gelegentlich Vögel
Der Luchs jagt durch Anschleichen und kurzen, kraftvollen Sprung.

Welche Regionen besiedeln die Tiere? (vor allem in Rheinland-Pfalz)
In Rheinland-Pfalz leben Luchse vor allem im Pfälzerwald, der mit den Vogesen ein zusammenhängendes Waldgebiet bildet.
Auch im Hunsrück und angrenzenden Mittelgebirgsregionen gibt es einzelne Nachweise wandernder Tiere.
An der Mosel selbst sind Luchse selten, doch größere, ruhige Waldgebiete im Hinterland bieten potenziellen Lebensraum.

Welche Reviere beanspruchen die Tiere?
• Weibchen: ca. 100–200 km²
• Männchen: bis zu 300 km² oder mehr
Die Reviergröße hängt stark vom Nahrungsangebot ab.

Tarnung und Verteidigung
Das gefleckte Fell dient als perfekte Tarnung im Waldlicht.
Luchse vermeiden direkte Konfrontationen. Bei Bedrohung ziehen sie sich zurück. Dank kräftiger Krallen und Zähne sind sie jedoch wehrhaft.

Gefahren für die Tiere
Der Eurasische Luchs war in Deutschland im 19. Jahrhundert ausgerottet.
Heute nimmt der Bestand langsam wieder zu, gilt aber weiterhin als gefährdet.
Gefahren:
• Lebensraumzerschneidung (Straßen)
• Wilderei
• Verkehrsunfälle
• geringe genetische Vielfalt
Natürliche Feinde gibt es kaum; Jungtiere können von Wölfen getötet werden.

Bedeutung für Natur und andere Tiere
Der Luchs reguliert vor allem den Rehbestand.
Dadurch trägt er zur natürlichen Waldverjüngung bei, da weniger Verbissdruck auf jungen Bäumen lastet.
Als Spitzenprädator stabilisiert er das ökologische Gleichgewicht.
Ein Spitzenprädator (auch „Top-Prädator“) ist ein Beutegreifer, der in der Nahrungskette ganz oben steht. Er hat in seinem natürlichen Lebensraum kaum oder keine natürlichen Feinde. Beim Luchs bedeutet das: Er jagt andere Tiere (vor allem Rehe), wird selbst aber – abgesehen vom Menschen – nicht regelmäßig von anderen Arten gejagt. Spitzenprädatoren regulieren die Bestände ihrer Beutetiere und verhindern Überpopulationen. Dadurch tragen sie maßgeblich zur ökologischen Balance bei.

Wo an oder um die Weinberge an der Mosel kann ich die Tierart finden?
Direkt in Weinbergen ist der Luchs nicht anzutreffen.
In größeren, ruhigen Waldgebieten oberhalb der Mosel, insbesondere in strukturreichen Mischwäldern mit wenig menschlicher Störung, bestehen theoretische Chancen auf Nachweise – Sichtungen bleiben jedoch äußerst selten.

Gibt es diese Tiere auch im Garten?
Nein. Luchse meiden Siedlungsgebiete. Ein Garten bietet keinen geeigneten Lebensraum.

Esoterische, religiöse oder mythologische Bedeutungen
Der Luchs gilt in vielen Kulturen als Symbol für:
• Wachsamkeit
• Intuition
• Geheimwissen
• „Durchblick“ (im übertragenen Sinn)
In der europäischen Mythologie wurde ihm besondere Sehkraft zugeschrieben – er konnte angeblich „durch Dinge hindurchsehen“.
Als Krafttier steht er für stille Stärke, Selbstständigkeit und innere Klarheit.

 

Hier noch ein interessanter Link um Landesamt für Umwelt Rheinland-Pfalz mit dem Titel „Artenschutzproekt „Luchs“:
https://lfu.rlp.de/natur/artenschutz/artenschutzprojekte-konzepte-und-hilfsprogramme/luchs
„Luchs Thüringen“ erklärt auch die Billegende „Kilian“ unter
https://luchs-thueringen.de/de/aktuelles/unsere-luchse-haben-sich-gut-eingelebt

 

Alle Texte zum Thema „NaturEREIGNISbegleiter / Lebendige Moselweinberge“ finden Sie unter: https://www.trierer-umschau.de/netzwerk/naturereignisbegleiter/

 

Vortext / Kommentar: Christph Maisenbacher – 9. März 2026
Quelle (vollständig zitierter Text): Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)
Link-Zitate: alle Zitate, die wir übernehmen sind im Text mit einem Link versehen
Social-Media-Teaser: ChatGPT
Foto 1: Jevgeni Fil – Pixabay & Logo: © DLR Mosel – Foto 2: © BUND – Foto 3: Illustration: KI generiert / Trierer Umschau – Foto 4: Angela – Pixabay – Video / YouTube: © Hessischer Rundfunk

Dieser Text in LEICHTER SPRACHE ist veröffentlicht unter: https://www.trierer-umschau.de/2026-03-09-bb/

Die Text-Folge „Lebendige Moselweinberge“ ist Dauno gewidmet:
vgl: https://www.trierer-umschau.de/2025-11-03-ba/