Dieses Werbeplakat zur Landtagswahl 2026 in Rheinland-Pfalz motivierte uns dem Thema "Erdzeitalter" einen Text zu widmen - Foto: © * – Logo: © DLR Mosel

NATUREREIGNISBEGLEITER

NaturEREIGNISbegleiter – Text 14 – Die Kreidezeit gehört zum Erdmittelalter – doch was war davor und wie fühlen wir uns heute im sog. Anthropozän?

Danke an ein Werbeplakat (vgl. Foto), das irgendwie verlangt, den Begriff „Kreidezeit“ zu beleuchten.

Danke an Dr. Birgit Kausch, der Leiterin der Fachbereiche Geologie und Naturparkschule des Natur- & Geopark Mëllerdall (vgl. https://www.naturpark-mellerdall.lu/), welche mit ihrer Information zu „Wurzeln in der Erdgeschichte – Die Geologie der Mosel“ die Unterrichtsstunde 2 zum Naturerlebnisbegleiter gestaltete.

Danke auch an den zuletzt publizierten Text zu „NaturEREIGNISbegleiter / Lebendige Moselweinberge“ zu den Vogelmieren (vgl. https://www.trierer-umschau.de/2026-02-24-aa/) und dem darin notierten Begriff „Jungsteinzeit“.

Und danke an die Wissenschaft bzw. den Autor Roland Wengenmayr, der in einer Pressemitteilung der Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften das „Anthropozän“ (1945 bis heute) verortet hat.

Heute will ich auf das EREIGNIS mit dem Namen „Erdgeschichte“ blicken.

Danke an ChatGPT, die mir meine Frage mit Blick auf die Erdzeitalter (Geochronologie), die Entwicklung des Lebens, die Kontinentalbewegungen und die Region an der heutigen Mosel wie folgt beantwortet hat:

 

DIE ERDZEITALTER – mit Blick auf die Moselregion

 

1. Präkambrium (vor ca. 4,6 Mrd. – 541 Mio. Jahren)

Merkmale:

Entstehung der Erde, Abkühlung der Oberfläche, Bildung der ersten Ozeane.
Erste Lebensformen: einfache Einzeller (Bakterien, Cyanobakterien), später Eukaryoten.
In den Ozeanen bildeten Cyanobakterien den ersten Sauerstoff, was zur „Großen Sauerstoffkatastrophe“ führte – lebensverändernd für viele damalige Organismen. (*)
Erste stabile Kontinente entstanden (Urkontinente wie Vaalbara, Ur, später Rodinia).

Kontinente & Moselregion:

Die heutige Moselregion existierte nicht – sie war Teil von Tiefseeböden oder Krustenteilen, die später mehrfach umgeformt wurden.
Das, was heute Europa ist, war damals in Bruchstücken über den Globus verteilt.

Ende des Präkambriums:
Sauerstoffanreicherung und Eiszeiten („Schneeball Erde“) bereiteten den Übergang in eine neue, artenreichere Phase vor.

(*) Erklärung: Der Satz beschreibt einen sehr frühen Wendepunkt in der Erdgeschichte und lässt sich so verstehen:

Cyanobakterien (frühe, einfache Mikroorganismen) begannen in den Urozeanen durch Photosynthese Sauerstoff (O₂) zu produzieren.
Vorher gab es in der Erdatmosphäre kaum freien Sauerstoff; die meisten damaligen Lebewesen waren anaerob, also an ein Leben ohne Sauerstoff angepasst.
Als sich durch die Aktivität der Cyanobakterien immer mehr Sauerstoff im Wasser und später in der Atmosphäre ansammelte, hatte das dramatische Folgen:
Für viele damalige Organismen war Sauerstoff giftig → sie starben aus oder wurden in sauerstoffarme Nischen verdrängt.
Gleichzeitig wurde damit die Grundlage für neue, komplexere Lebensformen geschaffen (z. B. aerobe Atmung, später Vielzeller).

Der Ausdruck „Große Sauerstoffkatastrophe“ ist deshalb bewusst zugespitzt:
Katastrophe für die damalige Lebenswelt,
aber entscheidend für die langfristige Entwicklung des Lebens auf der Erde.

 

2. Paläozoikum („Erdaltertum“, 541 – 252 Mio. Jahre)

Hauptabschnitte: Kambrium – Ordovizium – Silur – Devon – Karbon – Perm

Kambrium (541–485 Mio. J.)

„Kambrische Explosion“: Explosion der Lebensformen im Meer (Trilobiten, erste Weichtiere, frühe Gliederfüßer).
Kontinente wie Gondwana, Laurentia (Nordamerika), Baltica (Nordeuropa) und Sibirien entstanden.
Ordovizium & Silur (485–419 Mio. J.)

Erste Wirbellose und Fische mit Kieferbildung.
Erste Landpflanzen (Moose, Gefäßpflanzen) erobern das Festland.
Bildung der ersten Riffe.

Devon (419–359 Mio. J.) – „Zeitalter der Fische“

Große Entwicklung der Fische und der ersten Amphibien.
Pflanzen breiten sich stark aus → Bildung erster Wälder.
In Mitteleuropa: Rheinisches Schiefergebirge entsteht – hier beginnt die geologische Geschichte der Moselregion!
Die Gesteine um Trier und entlang der Mosel stammen überwiegend aus dem Devon.
Damals war das Gebiet Meeresboden in der Nähe des Äquators.

Karbon (359–299 Mio. J.)

Üppige Sumpfwälder (Riesenfarne, Schachtelhalme), Entstehung großer Kohleflöze.
Erste Reptilien.
Gebirge wie die variszische Gebirgsbildung entstehen – das Moselgebiet wird gehoben und verformt, später stark erodiert.

Perm (299–252 Mio. J.)

Bildung des Superkontinents Pangäa.
Trockene Wüstenklimate, Rückgang der Meereslebewesen.
Am Ende: größtes Massenaussterben der Erdgeschichte (~90 % aller Arten).
Ende des Paläozoikums:
Das Perm-Trias-Massenaussterben markiert den Übergang zum Mesozoikum.

 

3. Mesozoikum („Erdmittelalter“, 252 – 66 Mio. Jahre)

Hauptabschnitte: Trias – Jura – Kreide

Trias (252–201 Mio. J.)

Beginn: Pangäa zerbricht → neue Ozeane entstehen.
Erste Dinosaurier, Flugsaurier, Säugetiervorfahren.
In Mitteleuropa herrschten trockene Wüstenklimate.
Moselregion: lag im Bereich eines flachen Binnenmeeres, Ablagerung von Sandsteinen und Tonen.

Jura (201–145 Mio. J.)

Warmes Klima, Pangäa zerbricht weiter, Europa liegt unter flachen Meeren.
Dominanz der Dinosaurier.
Erste Vögel (Archaeopteryx).
Moselregion: Meeresablagerungen, Kalksteine – später Grundlage mancher Gesteinsformationen in der Region.

Kreide (145–66 Mio. J.)

Höchster Meeresspiegel der Erdgeschichte.
Blütenpflanzen erscheinen, neue Insektenarten.
Kontinente nähern sich heutiger Position an.
Ende durch Meteoriteneinschlag (Yucatán): Aussterben der Dinosaurier.

 

4. Känozoikum („Erdneuzeit“, 66 Mio. Jahre – heute)

Hauptabschnitte: Paläogen – Neogen – Quartär

Paläogen (66–23 Mio. J.)

Säugetiere und Vögel übernehmen ökologische Nischen.
Europa hebt sich; Gebirge wie Alpen und Eifel entstehen (tektonische Aktivität!).
Moselgebiet: Wieder Hebung und Erosion der alten Schiefergebirge.

Neogen (23–2,6 Mio. J.)

Erste Menschenaffen, später Urmenschen.
Klima wird kühler.
Moselregion:
Beginn der Einschneidung der Mosel in ihr heutiges Tal.
Der Fluss folgt älteren Verwerfungen und Tälern im devonischen Schiefer.
Vulkantätigkeit in der Eifel prägt die Landschaft.

 

Quartär (2,6 Mio. J. – heute)

Eiszeiten und Warmzeiten im Wechsel.
Entwicklung des Homo sapiens.
Mosel: formt ihr heutiges Tal – ein Kerbtal mit Mäandern, während des Abschmelzens der Eismassen vertieft.
Menschen siedeln in der Region seit dem Altpaläolithikum, später keltisch-römische Kultur (Augusta Treverorum/Trier).

Quartär (2,6 Mio. Jahre – heute)
Hauptabschnitte: Pleistozän – Holozän

 

Pleistozän (2,6 Mio. – 11.700 Jahre vor heute)
(bereits kurz erwähnt, hier der vollständige Kontext für den Übergang zum Holozän)

Merkmale:

Wechsel von Kaltzeiten (Glazialen) und Warmzeiten (Interglazialen).
Große Eisschilde über Nordeuropa und Nordamerika.
Starke Klimaschwankungen prägen Landschaft, Vegetation und Tierwelt.
Entwicklung und Ausbreitung der Gattung Homo (Homo erectus, Neandertaler, früher Homo sapiens).

Moselregion im Pleistozän:

Kein direktes Inlandeis, aber periglaziales Klima (Tundra, Steppen).
Dauerfrostböden, starke Frostverwitterung.
Enorme Erosionskraft der Flüsse durch Schmelzwasser.
Die Mosel beginnt, sich tief in das devonische Schiefergebirge einzuschneiden.
Entstehung der Grundform des heutigen Moseltals (Kerbtal).

Übergang zum Holozän – Ende des Pleistozäns:

Rasche globale Erwärmung.
Rückzug der Gletscher.
Aussterben vieler Großsäuger (z. B. Mammut, Wollnashorn).
Beginn einer vergleichsweise stabilen Warmzeit.

 

Holozän (seit ca. 11.700 Jahren)

Epoche des Quartärs – unsere heutige Warmzeit

Allgemeine Merkmale:

Relativ stabiles, warmes Klima im Vergleich zu früheren Erdphasen.
Rasche Ausbreitung von Wäldern (zunächst Birke und Kiefer, später Laubwälder).
Voll entwickelte Tier- und Pflanzenwelt Mitteleuropas.
Der Mensch wird zum dominierenden landschaftsprägenden Faktor.

Entwicklung des Lebens im Holozän

Keine grundsätzlich neuen Tiergruppen – aber massive Veränderung der Lebensräume.
Rückgang großer Wildtiere durch Jagd und Lebensraumverlust.
Zunehmende Domestikation von Pflanzen und Tieren.

Der Mensch im Holozän

Mesolithikum: Jäger und Sammler passen sich den neuen Wäldern an.
Neolithikum: Sesshaftigkeit, Ackerbau, Viehzucht.
Entstehung von Dörfern, später Städten und komplexen Gesellschaften.
Beginn großräumiger Eingriffe in Böden, Wälder und Flüsse.

Moselregion im Holozän

Landschaft & Geologie:

Das Moseltal ist nun weitgehend ausgebildet.
Der Fluss vertieft sich nur noch geringfügig, beginnt stärker zu mäandrieren.
Ausbildung der heutigen Flussterrassen.
Fruchtbare Auenböden entstehen durch regelmäßige Überschwemmungen.

Vegetation:

Dichte Laubmischwälder (Eiche, Buche, Ulme, Linde).
Später zunehmende Rodung durch den Menschen.
Entstehung einer Kulturlandschaft, keine „Urlandschaft“ mehr.

Menschliche Nutzung:

Frühe Besiedlung seit dem Mittelsteinzeitalter.
Kelten: erste größere Siedlungsstrukturen.
Römer:
Gründung von Augusta Treverorum (Trier).
Straßen, Brücken, Weinbau.
Mittelalter bis Neuzeit:
Terrassierter Weinbau prägt die Hänge.
Flussregulierungen, Städte, Infrastruktur.

Kontinentale Situation im Holozän

Kontinente liegen bereits nahezu in heutiger Position.
Keine großräumigen tektonischen Verschiebungen mehr.
Veränderungen erfolgen vor allem durch:
Klima
Erosion
menschliche Aktivität

 

Gesamtzusammenhang (Quartär → Holozän):

 

Aspekt Pleistozän Holozän
Klima stark schwankend relativ stabil
Eis große Eisschilde eisfrei (Mitteleuropa)
Mosel starke Tiefenerosion Mäander & Terrassen
Mensch Jäger & Sammler Sesshaftigkeit, Kultur
Landschaft natürlich geprägt Kulturlandschaft

 

Zusammenfassung der Kontinentalbewegung:

 

Epoche Superkontinent / Bewegung Bedeutung
Archaikum – Proterozoikum Erste Urkontinente (Ur, Rodinia) Sauerstoff, erste Ozeane
Paläozoikum Bildung und Zerfall von Gondwana, Laurussia → Pangäa Variszische Gebirgsbildung, Devonische Meere
Mesozoikum Zerfall Pangäas → heutige Kontinente entstehen Dinosaurierzeit, Binnenmeere in Europa
Känozoikum Annäherung an heutige Positionen Alpenhebung, Eifel-Vulkanismus, Moseltalbildung

 

Moselregion im Überblick:

 

Zeitraum Zustand / Entwicklung
Devon (~400 Mio. J.) Meeresboden in Tropen; Bildung der Schiefergesteine
Karbon (~320 Mio. J.) Hebung – variszisches Gebirge entsteht
Mesozoikum Erosion, Meeresüberflutungen, Ablagerungen
Känozoikum Hebung Mitteleuropas, Bildung der Flussläufe
Quartär bis heute Eiszeitliche Einschneidung, Bildung des Moseltals, heutige Landschaftsformen

 

Fazit:
Die Mosel fließt heute durch eine Landschaft, deren Gesteinsgrundlage über 400 Millionen Jahre alt ist.
Ihr Tal selbst ist jedoch jung – höchstens 2 Millionen Jahre alt.
Das Gebiet um Trier war einst tropisches Meer, dann Gebirge, dann wieder Flachland – bis die Mosel sich schließlich in das alte Schiefergebirge einschnitt und das heutige, eindrucksvoll geschwungene Tal formte.

 

Ausblick I – Kontinentalbewegung

Die Erde bleibt in Bewegung: Denn was auf den ersten Blick fest und unverrückbar scheint, ist in Wahrheit ein Prozess ständiger Veränderung: Die Kontinente der Erde bewegen sich weiter – langsam, aber unaufhaltsam. Afrika driftet nach Norden und schiebt sich allmählich auf Europa zu, während sich das Mittelmeer langfristig verengen wird. Gleichzeitig entfernen sich Amerika und Europa weiter voneinander; der Atlantik wächst Jahr für Jahr. In Asien drückt der indische Subkontinent weiter gegen den Kontinentrand – der Himalaya hebt sich noch immer. Auch Australien ist unterwegs: Es wandert nach Norden und verändert schrittweise die geographische Ordnung Südostasiens. Diese Bewegungen geschehen jenseits menschlicher Zeitmaßstäbe, prägen aber das Antlitz unseres Planeten nachhaltig: mit Geschwindigkeiten von ein bis zehn Zentimetern pro Jahr. Die Erde ist kein statischer Körper – sie ist ein dynamisches System in fortwährender Umgestaltung.

 

Ausblick II – Die Zeit ab 1945 oder kurz: Das Anthropozän

Die Wissenschaft prägte vor 26 Jahren den Begriff „Anthropozän“. Die Zeit, die vom Menschen und seiner destruktiven Kraft bestimmt wird. In einem Presseartikel der Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V. vom 17. Juli 2023 – den wir im Folgenden vollständig übernehmen – erläutert der Autor Roland Wengenmayr (vgl. https://www.roland-wengenmayr.de/ ), wie man sich auf ein Jahr einigte, in dem das Anthropozän seinen Anfang nahm:

 

Die Verortung des Anthropozäns
Text: Roland Wengenmayr (Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.)

Offiziell leben wir noch in der geologischen Epoche des Holozän. Doch der Mensch verändert das Erdsystem in einem Ausmaß, dass bereits von einem neuen Zeitalter die Rede ist: dem Anthropozän. Klare wissenschaftliche Belege, vor allem ein konkreter Referenzort für die neue Epoche fehlten jedoch bisher. Diese Lücke hat eine internationale geologische Arbeitsgruppe nun geschlossen. Ein kleiner See in Kanada soll künftig für die Wissenschaft den Übergang in das Zeitalter des Menschen bezeugen. Wesentliche Impulse für die Erforschung des Anthropozäns und auch für die Arbeit der Gruppe kamen aus der Max-Planck-Gesellschaft.

Das Anthropozän ist heute zum geflügelten Wort geworden. Es war Paul Crutzen, Nobelpreisträger und ehemals Direktor am Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz, der den Begriff im Jahr 2000 auf einer internationalen Wissenschaftskonferenz in die Debatte einbrachte und in der Folgezeit maßgeblich prägte. Das Anthropozän ist das Zeitalter, in dem der massive Einfluss des Menschen überall auf dem Planeten Erde nachweisbar ist: in der Luft, im Wasser, an Land, vom Weltall aus und in Ablagerungen im Boden. Letztere führen zur Geologie, in deren wissenschaftlichen Kompetenzbereich die Bestimmung und offizielle Benennung der Erdzeitalter fällt.

2009 setzte die Internationalen Kommission für Stratigraphie – so der Name der zuständigen Fachrichtung – die Anthropocene Working Group (AWG) ein, um die Existenz des Anthropozän wissenschaftlich zu untersuchen. Bereits 2019 einigte sich die AWG darauf, das neue Zeitalter als geologische Realität anzuerkennen. Um allerdings offiziell zur neuen Epoche zu werden, sind globale Nachweise nötig, die strengen wissenschaftlichen Kriterien genügen müssen. Konkret müssen drei Anforderungen erfüllt sein: Es braucht einen Ort, der als Referenzpunkt dient, eine zumindest grobe zeitliche Festlegung, wann das neue Zeitalter begonnen hat, und einen Marker, der ein typisches Merkmal der Epoche darstellt und gut zu belegen ist. Auf diesem Weg hat die AWG nun einen wichtigen Schritt vollzogen: Als geologische Referenz für die neue Epoche schlägt sie den Crawford Lake im Süden der kanadischen Provinz Ontario vor – wie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am 11. Juli in einer Pressekonferenz im Harnack-Haus der Max-Planck-Gesellschaft in Berlin bekanntgaben. „Der See ist mit 24 Metern sehr tief für seine Größe“, erklärt Francine McCarthy, Professorin für Geowissenschaften an der Brocks University in Ontario. Sein entsprechend ruhiges Tiefenwasser ermöglicht eine ungestörte Sedimentablagerung. Die jährlichen Schichten des Sediments sind besonders gut unterscheidbar und bilden so ein stabiles geologisches Archiv.

Putonium als Marker

Zu jeder Epoche soll es idealerweise auf der Welt einen geologischen Referenzpunkt geben, einen Global Stratotype Section and Point (GSSP). An diesen mit „Golden Spikes“, goldfarbenen Metallplaketten, markierten Orten sind stratigraphische Schichtungen als geologische Archive besonders detailliert ablesbar; sie dienen als Stellvertreter für die ihnen zugeordnete Epoche des Erdzeitalters. Entsprechend streng sind die Auswahlkriterien. Beim Anthropozän betritt die Geologie nun Neuland, denn es geht um sehr junge stratigraphische Schichten. Die Frage war also, welche Spuren menschlicher Aktivität im Boden den Beginn des Anthropozäns definieren sollen. Paul Crutzen hatte zusammen mit dem US-amerikanischen Biologen Eugene Stoermer im Jahr 2000 vorgeschlagen, als Marker die Spuren der industriellen Revolution mit den zunehmenden Emissionen von Dampfmaschinen zu nehmen. Tatsächlich ließen sich solche Spuren zwar im Boden nachweisen, erklärt Colin Waters von der britischen University of Leicester und Vorsitzender der AWG, doch nur lokal vor allem in Europa: „In Australien würde man nichts finden.“ Damit wäre das Kriterium einer globalen Nachweisbarkeit verfehlt.

Schlussendlich einigten sich die Forschenden auf Plutonium-Isotope aus oberirdischen Atomwaffentests, die ab 1945 stattfanden, als zuverlässigsten Marker. Da ihr Fallout in der Atmosphäre rund um die Erde verfrachtet wurde, ist das Plutonium überall nachweisbar. Das gilt für alle zwölf Orte auf fünf Kontinenten, die die AWG als Kandidaten untersucht hat. Im Crawford Lake ist das Plutonium ab Ende der 1940er-Jahre zu finden, mit einem schnellen Anstieg ab 1950. Um diesen Zeitpunkt herum soll nun also der Beginn des Anthropozäns festgelegt werden, so die Empfehlung der AWG. Der Vorschlag, Crawford Lake mit dem „Golden Spike“ für das Anthropozän zu versehen, muss nun aber weitere Abstimmungen innerhalb der stratigrafischen Fachcommunity durchlaufen. Wenn er entsprechende Mehrheiten findet, könnte die International Union of Geological Sciences den neuen GSSP im August 2024 ratifizieren.

Anthropozän-Forschung in der Max-Planck-Gesellschaft

Die Erforschung der zwölf Kandidatenorte wurde vom Haus der Kulturen der Welt in Berlin finanziell unterstützt, das seit dem „Anthropocene Project“ 2013-14 und der „Anthropocene Curriculum“ Initiative eng mit dem Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte und der AWG zusammengearbeitet hat. Auch dieses Projekt hat Paul Crutzen mit initiiert, der 1995 den Nobelpreis für Chemie für seine Forschung zum Ozonloch erhalten hatte und bis zu seinem Tod 2021 Mitglied der AWG war. Zudem war er maßgeblich am Aufbau eines interdisziplinären Clusters für Erdsystemforschung innerhalb der Max-Planck-Gesellschaft beteiligt, der bedeutende Forschungsbeiträge zum Anthropozän leistete und leistet.

Jüngstes Mitglied des Clusters ist das Max-Planck-Institut für Geoanthropologie in Jena. Es erforscht, wie die vom Menschen geschaffenen Bedingungen immer mehr Bereiche unseres Planeten in Mitleidenschaft ziehen. Dazu führt das Institut natur- und geisteswissenschaftliche Disziplinen unter einem Dach zusammen. Die Menschen hätten mit ihrer Infrastruktur eine neue Erdsphäre, die Technosphäre, als Teil des Erdsystems geschaffen, stellt Gründungsdirektor und Wissenschaftshistoriker Jürgen Renn fest, der auch Direktor am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte ist. Renn, McCarthy und Waters sind sich im Gespräch einig: Eine Rückkehr ins Holozän ist nicht mehr möglich, die Veränderungen des Menschen werden noch in Tausenden von Jahren sichtbar sein.“

 

Alle Texte zum Thema „NaturEREIGNISbegleiter / Lebendige Moselweinberge“ finden Sie unter: https://www.trierer-umschau.de/netzwerk/naturereignisbegleiter/

 

Vortext / Kommentar: Christph Maisenbacher – 28. Februar 2026
Quelle (vollständig zitierter Text): Abteilung Kommunikation –
Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V. -Text: Roland Wengenmayyr
Link-Zitate: alle Zitate, die wir übernehmen sind im Text mit einem Link versehen
Social-Media-Teaser: ChatGPT
Foto: Trierer Umschau -– Logo: © DLR Mosel

Dieser Text in LEICHTER SPRACHE ist veröffentlicht unter: https://www.trierer-umschau.de/2026-02-28-ab/

Die Text-Folge „Lebendige Moselweinberge“ ist Dauno gewidmet (vgl. https://www.trierer-umschau.de/2026-11-03-ba/)