NATUREREIGNISBEGLEITER
NaturEREIGNISbegleiter – Text 10 – Einhörner an der Mosel? – Ganz sicher in Potsdam im Museum Barberini und in der Ausstellung „Einhorn. Das Fabeltier in der Kunst
Kurz zum zweiten Text am heutigen Neujahrstag: Wenn ich schon am „Niemandstag“ bzw. „Nimmertag“ mit Peter Pan im Nimmerland (oder Niemandsland) durch die Lüfte fliege (vgl. https://www.trierer-umschau.de/2026-01-01-aa/ ), so ist auch ein beflügelter Ausflug nach Potsdam zu einer Ausstellung im Museum Barberini erlaubt. Und vielleicht erleuchtet uns die Lichterfee Klara die Räume dort. Denn:
„Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern Kunst macht sichtbar.“
Dieses Paul Klee zuzuschreibende Zitat war für mich als Ihr Trierer NaturEREIGNISbegleiter eines der ersten Zitate, das mich mit der Stadt in meinen Ohren und unweigerlich auch in meinen Augen bis heute begleitet.
Damit wären wir auch schon beim „Einhorn“ über das Aristoteles (384–322 v. Chr.) bereits berichtete. Auch die Bibelübersetzung ins Griechische (etwa 300–100 v. Chr.) hatte aus dem „Re’em“ ein Einhorn gemacht, das bis in die Lutherbibel vom Jahr 1912 „überlebte“.
„Otto von Guericke, der damalige Bürgermeister von Magdeburg, berichtete 1672 in seinen Neuen Magdeburger Versuchen von einem Fossilfund im Zeunickenberg bei Quedlinburg, den er als das Skelett eines Einhorns interpretierte: „Es trug sich auch in diesem Jahre 1663 zu, (…) dass man das Gerippe eines Einhorns fand.“ Im Jahre 1686 besuchte Gottfried Wilhelm Leibniz die Höhle und […] beschäftigte sich […] mit dem von Guericke beschriebenen Fund und entwarf in seiner Schrift Protagaea eine Fantasie-Rekonstruktion des angeblichen Einhorns. Diese Darstellung wird heute als Werbesymbol der Schauhöhle [der „Einhornhöhle“ – vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Einhornh%C3%B6hle_(Harz) ] genutzt“ (Text-Zitat aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Einhorn]
Wie überzeugend sichtbar das Einhorn in unserer Gegenwart ist, das zeigt das Potsdamer Museum Barberini
Wer vorhat die nächsten Tage in Richtung Berlin aufzubrechen, dem sei folgender Link bzw. Stopp in Potsdam empfohlen: https://www.museum-barberini.de/de/ausstellungen/16992/einhorn-das-fabeltier-in-der-kunst
Wer allerdings neugierig ist, warum wir in der Kombination von „NaturEREIGNISbegleiter“ und „Lebendige Moselweinberge“ das Einhorn besprechen wollen, den laden wir zu unserem heute sehr ausführlichen Textbeitrag ein.
Ihre Kinder oder alle Einhorn-Fans werden vielleicht sagen: „Ich muss kein Ereignis aus etwas machen, was ich jeden Tag um mich habe.“
Womit der Naturerlebnisbegleiter (so heißt die Ausbildung, die der Anlass unserer Textfolge ist) formulieren könnte: „Dann lass uns das Einhorn erleben.“
Das Einhorn erleben!
Denn das Einhorn begleitet uns wie ein Naturereignis: Es steht im Kinderzimmer, begleitet uns als Apothekenname oder als Wappenfigur (Schwäbisch Gmünd hat das Einhorn schon seit 750 Jahren auf seinem Wappen) und behauptet so seinen Platz im Alltag. Es entwickelt eine eigene Wirklichkeit, die selbst eine politische Rolle in der LGBT+-Community einnimmt. Denn neben der Regenbogenflagge gilt es als Zeichen für sexuelle Vielfalt (siehe auch: https://www.museumaargau.ch/blog/artikel/das-einhorn-ein-wesen-mit-vielen-bedeutungen ).
Selbst in Trier war es ein Teil des Stadtbilds: An der Porta Nigra existierte über Jahrzehnte eine Einhorn-Apotheke. Danke an den zwischen 2002 und 2007 in der Abteilung Kartographie an der Universität Trier aktiven Stefan Kühn, der uns seine zwei Fotos dazu zur Verfügung stellt. (vgl. auch http://www.webkuehn.de/index.htm).
Entlang der Mosel ist inzwischen nur noch eine Einhorn-Apotheke geblieben, in Mülheim an der Mosel. Im gesamten Bundesland Rheinland-Pfalz finden sich noch drei weitere Einhorn-Apotheken: Bad Kreuznach, Frankenthal und Waxweiler. Seit dem Mittelalter steht das Einhorn für Heilung, Reinheit und für die Vorstellung eines universellen Gegengifts – eine Symbolik, die Apotheken über Jahrhunderte bewusst übernommen haben. So bleibt das Einhorn auch hier ein Grenzgänger zwischen Mythos und Alltag, zwischen Arznei und Imagination.
Das Einhorn im Kinderzimmer 2026
Wir haben es oben schon angedeutet: Eine überwältigende Einhorn-Präsenz findet sich heute in den Kinderzimmern der Gegenwart ebenso wie in den Sammlungen von Einhorn-Liebhaber:innen und Fans. Dort wird nicht gefragt, ob das Einhorn existiert. Es ist einfach präsent. Als Spielfigur, als Serienfigur, als Sammelobjekt mit Namen, Farbe und eigener Geschichte. Das Einhorn ist im Alltag angekommen und damit zugleich entmystifiziert und verzaubert als Begleiter:in (wir wollen hier das Einhorn nicht geschlechtlich zuordnen!).
Aktuelle Einhorn-Figuren
– Die BAYALA®-Einhörner aus dem Hause Schleich (https://de.schleich-s.com/collectio ns/bayala ) findet sich bei Kindern zwischen 5 und 12 Jahren – aber auch bei Sammler:innen.
– Die Figuren der Unicorn Academy schafften den Sprung vom Buch zur Netflix-Serie (https://www.spinmaster.com/en-US/brands/unicorn-academy/)
Das Einhorn im Comic und Film
_ Immer wieder seit 1976 taucht auch das junge Einhorn „Unico“ als Manga- und Comic-Figur auf (https://en.wikipedia.org/wiki/Unico) auf.
_ Nicht unerwähnt sollte der Zeichentrickfilm „Das letzte Einhron“ aus dem Jahr 1982 bleiben (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Das_letzte_Einhorn_(Zeichentrickfilm)
Und wer dann doch einmal bei eBay sucht, der hat eine Produktauswahl, die ohne Zweifel das Sammlerherz höherschlagen lässt …
Und wer den Einhorn-Spaß in vollen Zügen genießt, der kennt das Pummeleinhorn mit Sicherheit:
Was lese ich auf https://www.pummeleinhorn.de/ unter „Die Marke“): „Das Pummeleinhorn und die Glitzerwelt bilden ein farbenfrohes, magisches Universum voller liebenswerter Charaktere, das Kinder und Erwachsene gleichermaßen begeistert. – Und: „Mit bis zu 4 Millionen Aufrufen pro Monat auf Social Media ist Pummel & Friends zu einer magischen Plattform für alle geworden, die Humor, Freundschaft, Toleranz und Body Positivity feiern.“
Zurück zur Mosel
Damit wir auch das Thema „Lebendige Moselweinberge“ nicht unbeachtet lassen, zitieren wir die überaus intensiv mit Trier verbundene Hildegard von Bingen (vgl. dazu auch den Sonderdruck des Kurtrierischen Jahrbuchs von 1985 – https://www.mgh-bibliothek.de/dokumente/a/a047692.pdf ): aus Ihrem Buch „Physica“ das im Zeitraum 1150 bis 1160 entstand:
„Das Einhorn ist mehr warm als kalt, aber seine Stärke ist größer als seine Wärme, und es frisst reine Kräuter, und beim Gehen macht es gleichsam Sprünge, und es flieht den Menschen und die übrigen Tiere außer denen, die von seiner Art sind, und deshalb kann es nicht gefangen werden.“
(vgl. http://www.welterbe-klostermedizin.de/index.php/blog/188-das-einhorn-bei-hildegard-von-bingen#:~:don )
Und bevor ich zu dem Einhorn-EREIGNIS im Museum Barberini in Potsdam weiterleite, mit der wirklichen Empfehlung, diese Ausstellung in Potsdam nicht zu verpassen: Unser Respekt gegenüber den Kurator:innen und den Leihgeber:innen zeigt sich darin, dass wir einen Großteil der beiden Teile der Pressemappe hier übernommen haben – aus der „Pressemitteilung“ die wichtigsten Passagen, allerdings vollständig die „Gliederung der Ausstellung“, denn der dazu entstandene Text bleibt auch nach der Ausstellung eine Quelle zum Thema Einhorn.
Die Trierer Umschau sieht mit ihrem heutigen Thema – ausgelöst sicher durch die Ausstellung in Potsdam – allerdings mehr. Für uns ist es die Reise in die Faszination eines Bildes, das in oder mit seiner Gegenwärtigkeit, seinem Inhalt und seiner Symbolik eine faktische Realität einnimmt.
Oder wie das Rilke-Zitat meint: Kunst macht das Unsichtbare sichtbar!
Deshalb – und nur deshalb – haben wir unseren „Zauberstab“ namens KI gebeten, uns für das Ereignis „Einhorn“ entsprechend Mosel-nahe Illustrationen zu kreieren. Wir bedanken uns und sagen:
Ein Grund mehr, sich die Ausstellung „Einhorn. Das Fabeltier in der Kunst“ vorzunehmen.
Pressemitteilung [wir übernehmen hier die für uns wichtigsten Passagen]
„Einhorn. Das Fabeltier in der Kunst
Wie kein anderes Tier hat das Einhorn die Phantasie angeregt. Seit Jahrhunderten ist es in vielen Kulturen belegt. Die Spur des Einhorns zeigt sich in der christlichen und außereuropäischen Kunst, in Naturwissenschaft und Medizin und einer vielfältigen Symbolik. Die Beschäftigung mit der Ikonographie des Einhorns lädt ein zu Reflexionen über Weltwissen, Ambivalenzen und Projektionen. Zum ersten Mal wird dieses Thema im Überblick von der Antike bis zur zeitgenössischen Kunst erforscht und ausgestellt.
Die Ausstellung Einhorn. Das Fabeltier in der Kunst präsentiert rund 150 Werke und Objekte, darunter Arbeiten von Arnold Böcklin, Albrecht Dürer, Hans Baldung Grien, Angela Hampel, Rebecca Horn, René Magritte, Gustave Moreau, Aurélie Nemours, Olaf Nicolai, Joachim Sandrart, Marie Cécile Thijs und Maerten de Vos. Die Bandbreite der Exponate bildet eine Zeitspanne vom zweiten Jahrtausend vor Christus bis in die Gegenwart ab und umfasst neben Gemälden und Grafiken auch Skulpturen, Manuskripte, Tapisserien, Videoarbeiten und Kunstkammerobjekte.
Das Einhorn stand und steht für Freiheit und Unbezähmbarkeit, für Reinheit und Unschuld, für Natürlichkeit und Zuneigung. Dabei ist die Faszination für das Fabeltier kein neues Phänomen – sie reicht über Jahrhunderte, sogar Jahrtausende zurück und ist in vielen Kulturen verbreitet. Ihren Ursprung hat die Erzählung vom Einhorn in Indien, von wo aus sie sich nach China und – über Persien und Ägypten – nach Europa verbreitete. Hier erhielt das Einhorn viele Bedeutungen: Es galt als Symbol für Christus, weshalb es auf vielen Altarbildern gezeigt wurde, es galt als Zeichen der Keuschheit und wurde oft mit einer jungen Frau gemalt, und seinem Horn wurden medizinische Wunderkräfte nachgesagt, weshalb sich viele Apotheken nach dem Einhorn benannten.
Im Mittelalter zweifelte niemand an der Existenz des Einhorns, schließlich kam es ja auch in der Bibel vor. Außerdem gab es als sichtbaren Beweis das wundersame Horn des Einhorns, das in manchen großen Kirchen zu sehen war: eine lange weiße, spiralig gedrehte Stange, die oben spitz zuläuft. Erst im 17. Jahrhundert konnten Naturforscher beweisen, dass es sich dabei um einen Zahn des Narwals handelt. Aber auch diese wissenschaftliche Erkenntnis konnte der Anziehungskraft des Einhorns keinen Abbruch tun.
„Das Einhorn ist magisch. Das mythische Wesen ist ein vielschichtiges Zeichen, von dem eine besondere assoziative Energie ausgeht. Es ist in keinem Zoo als lebendes Tier zu sehen, aber zugleich allgegenwärtig – in der Popkultur, als Werbung oder in den Kinderzimmern“, erklärt Michael Philipp, Chefkurator des Museums Barberini und Kurator der Ausstellung. „Das eine Horn auf der Stirn, das kein anderer Vierfüßer trägt, gilt als Zeichen der Auserwähltheit. Es zeigt das Einhorn als etwas Außergewöhnliches, das einer anderen Welt als der alltäglichen angehört. Dieser übernatürliche Status, seine ferne Vertrautheit, macht es zu einer Projektionsfläche für Sehnsüchte und Idealvorstellungen, die sich aus überlieferten Geschichten und Bildern speist.“
Kunstwerke von Maerten de Vos bis Rebecca Horn
Die umfangreiche Ausstellung im Museum Barberini beleuchtet anhand herausragender Kunstwerke die vielen Facetten des Einhorns. Sie zeigt das monumentale Gemälde von Maerten de Vos, der 1572 ein Einhorn als machtvollen, kampfbereiten Charakter por¬traitierte (Staatliche Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen Mecklenburg-Vorpommern, Schwerin), aber auch die Plastik eines knienden Einhorns aus Tibet aus dem 18. Jahr¬hundert, die aus einem buddhistischen Tempel stammt (Museum Rietberg, Zürich). Auf einer persischen Fliese aus dem 13. Jahrhundert kämpft das Einhorn gegen den Elefanten (Staatliche Museen zu Berlin, Museum für Islamische Kunst), auf einem Wand¬teppich von etwa 1625 gegen Löwen und Panther (Adornes Estate, Brügge). Aber es wird auch gejagt – Alexander der Große kämpft, wie ein Manuskript aus dem 13. Jahr¬hundert zeigt, gegen ein ganzes Heer von Einhörnern (Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett), auf einem Altargemälde von etwa 1480 scheucht der Erzengel Gabriel das Einhorn zur Jungfrau Maria (Erfurter Dom).
Zu sehen ist das große Horn des Einhorns aus St. Denis, das im Mittelalter berühmt war und von vielen Pilgern aufgesucht wurde (Musée de Cluny, Paris), ebenso wie alte Apothekengefäße für medizinisches Einhornpulver (Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg; Deutsches Apotheken-Museum, Heidelberg). Um 1533 malte Hans Baldung Grien das Einhorn mit anderen Geschöpfen im Paradies (Angermuseum, Erfurt), Paulus Potter setzte es 1650 zur Legende von Orpheus, der die wilden Tiere besänftigt (Rijksmuseum, Amsterdam). Gedruckte Reiseberichte künden von angeblichen Einhorn-Sichtungen, Naturwissenschaftler wie Conrad Gessner erforschen das Tier (beide Staatsbibliothek Berlin – Preußischer Kulturbesitz). Kostbare Kunstkammer-gefäße aus Elfenbein oder Silber feiern im 16. und 17. Jahrhundert das schöne Tier (u.a. Grünes Gewölbe, Staatliche Kunstsammlungen Dresden).
Wie sehr das Einhorn für Künstlerinnen und Künstler seit dem 19. Jahrhundert zum Musterbeispiel der kreativen Phantasie wurde, zeigen Werke von Arnold Böcklin
(Bayerische Staatsgemäldesammlungen – Sammlung Schack München; Muzeum Narodowe w Poznaniu, Posen) oder Arthur B. Davies, der eine märchenhafte Landschaft mit vier Einhörnern um 1906 ins Bild setzt (The Metropolitan Museum of Art, New York), von Alfred Kubin (Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg) und René Magritte (Privatsammlung) bis Rebecca Horn (Tate, London). Die künstlerische Inspiration des Einhorns wirkt bis in die jüngste Zeit, etwa in den Photographien von Marie Cécile Thijs, Videoarbeiten von Maïder Fortuné oder Skulpturen von Olaf Nicolai.“
Gliederung der Ausstellung [wir übernehmen hier den vollständigen Text, der einfach nur lesenswert ist!]
„In vielerlei Gestalt.
Ursprung und Wandlungen des Einhorns
Die Vorstellung vom Einhorn hat ihren Ursprung in Indien. Von dort verbreitete sie sich nach Tibet, China und Japan sowie Persien. Auf seiner Wanderung über Zeiten und Räume hinweg erfuhr das Motiv des einhörnigen Tieres zahlreiche Wandlungen. Jede Kultur passte es ihrer Überlieferung an und wies ihm eigene Bedeutungen zu.
Bei der künstlerischen Darstellung spielten die jeweilige Bildtradition und regionale Tiervorkommen eine Rolle. Rinder, Gazellen oder Steinböcke konnten mit nur einem Horn gezeigt werden. Das lag mitunter an der Profildarstellung, bei der nur ein Horn sichtbar ist, und meinte keineswegs immer das mythische Einhorn.
So bestand im asiatischen wie persischen Raum eine Vielfalt an Ausprägungen des Einhorns. Dagegen blieb im christlichen Europa die Vorstellung des Fabeltiers bis über das Mittelalter hinaus einheitlich. Dorthin war es erst gelangt, nachdem im 2./3. Jahrhundert ein unbekannter Autor in seiner Schrift Physiologus das Einhorn beschrieben hatte. Zunächst wie eine Ziege dargestellt, etablierte sich um 1500 seine Gestalt als pferdeähnlich.
Tier unter Tieren.
Illustrationen zu Bibel, Heiligenlegenden und Mythen
Bis ins 17. Jahrhundert war die Existenz des Einhorns unbestritten, schließlich erwähnte es die Bibel mehrere Male. Allegorische Tiergruppen und Verbildlichungen von Erzählungen, in denen viele verschiedene Tiere vorkommen, schlossen das Einhorn mit ein.
Aus der Bibel sind es die Schöpfungsgeschichte, das Paradies und die Sintflut, daneben erscheint es in christlichen Legenden wie der Versuchung des heiligen Antonius oder dem Tod des heiligen Stephanus. Ein Thema aus der klassischen Antike ist der Mythos von Orpheus, der die wilden Tiere bezaubert. Allerdings erwähnt keine dieser mythologischen oder religiösen Geschichten das Einhorn ausdrücklich.
Das Einhorn wird im Kreis der anderen Tiere gezeigt, was auf die Selbstverständlichkeit seines Vorkommens weist. Hier hat es keine handlungsbestimmende Rolle und nur selten eine symbolische Bedeutung. Die Künstler reizten auch der Zauber des Ungewohnten und die mythisch aufgeladene Erscheinung des Einhorns. Daher ist es häufig an prominenter Stelle zu sehen und wirkt als Blickfang.
Von der Verkündigung bis zur Auferstehung.
Das Einhorn in der christlichen Bildwelt
Über viele Jahrhunderte war das Einhorn ein christliches Symbol. Seine Bedeutung ging von der Schrift Physiologus aus, die bis ins späte Mittelalter verbreitet war und großen Einfluss ausübte. Diese theologische Tierkunde fügte den antiken Quellen über das Einhorn eine Legende hinzu: Das wilde Tier könne nur von einer Jungfrau gefangen werden, in deren Schoß es zur Ruhe komme. Das Einhorn stehe für Jesus, die Jungfrau für Maria. So erhob der Physiologus das Einhorn zu einer Allegorie des zentralen christlichen Mysteriums, der Menschwerdung Gottes.
Diese Vorstellung war Ausgangspunkt für die zahllosen Darstellungen des Einhorns in Gebetbüchern und auf Altarbildern. Am häufigsten gezeigt ist die Szene der Verkündigung, die Botschaft des Erzengels Gabriel an Maria von der Empfängnis Jesu. Das 12./13. Jahrhundert kannte auch Bilder von der Tötung des Einhorns, die auf Christi Kreuzigung verweisen.
Nach etwa 1550 änderten sich die religiösen Bildkonzeptionen, das Motiv des Einhorns verlor an Bedeutung. Gegenwärtig blieb es aber in den weiterhin sichtbaren Altarbildern.
Augenzeugen und Naturforscher.
Das Einhorn in Reisebericht und Tierkunde
Niemals hatte jemand in Europa das Einhorn gesehen, von dem die antiken Texte berichten. Aber die in Kirchenschätzen und Kunstkammern aufbewahrten Narwalzähne, als Horn
des Einhorns angesehen, galten als Beweis seiner Existenz. Reiseberichte aus fernen Gebieten erwähnten Einhorn-Vorkommen, Illustrationen beglaubigten die Schilderungen. Landkarten und Landschaftsbilder zeigten es in außereuropäischen Gebieten.
Die Wissenschaft des 16. Jahrhunderts forderte die Überprüfbarkeit von Wissen und hinterfragte die Quellen. Sie begann, am Bestehen des Einhorns zu zweifeln. Naturforscher des 17. Jahrhunderts bewiesen die tatsächliche Herkunft des „Einhorn-Horns“ vom Narwal. Diese Erkenntnis erschütterte das überlieferte Bild vom Aussehen des
Einhorns und damit den Glauben an sein Dasein.
Zu Beginn des 18. Jahrhunderts findet sich in einem wissenschaftlichen Buch bei einer Abbildung des pferdähnlichen Einhorns die Bezeichnung Unicornu fictitium, erfundenes Einhorn. Ungeachtet solcher Feststellungen blieb die Gestalt Teil des Bildgedächtnisses.
Sagenhafte Kraft gegen Gift.
Das Einhorn in der Heilkunde
Bereits die frühesten Quellen sprachen dem Horn des Einhorns medizinische Eigenschaften zu. Wer aus einem Gefäß trinke, das daraus gefertigt ist, sei gefeit gegen Krampf und
Epilepsie, und selbst Gifte würden neutralisiert. In einer christlichen Legende hieß es, das Einhorn reinige einen See vom Gift einer Schlange, indem es mit seinem Horn ein Kreuz über dem Wasser schlage.
Auf dieser Überlieferung gründete im Mittelalter der Glaube an die heilende Wirkung des Einhorn-Horns. Fürsten ließen sich daraus Trinkpokale anfertigen und überprüften
ihre Speisen mit Stücken dieses Horns. In Pulverform war es ein begehrtes Heilmittel gegen nahezu alle Krankheiten. Die Verwendung einer solchen Substanz in Arzneien
war lange Zeit keineswegs unüblich, kamen doch auch Materialien wie Edelsteine, rote Korallen oder Eberzähne zum Einsatz.
Im 16. Jahrhundert begannen Ärzte, den Nutzen des Hornpulvers zu bezweifeln. Doch blieb es weiterhin Teil von Arzneirezepturen. Der anhaltende Glaube an seine Heilkraft spiegelt sich auch im Namen der Einhorn-Apotheken.
Wehrhaft und streitbar.
Das Einhorn bei den Wilden Leuten und im Kampf gegen Tiere und Menschen
Zu den wichtigsten Eigenschaften des Einhorns zählten die frühen Autoren seine Wildheit, Angriffslust und Stärke. Niemand könne ein Einhorn lebend fangen. Diese Einschätzung beruhte auch auf einer Vermischung mit Berichten über das Nashorn. Das späte Mittelalter sah das Einhorn in Gesellschaft der Wilden Leute, dem Gegenbild zur Zivilisation. Diese mythischen Naturwesen konnten das Einhorn zähmen und sogar reiten.
Gegenüber allen Lebewesen verhielt sich das Einhorn aggressiv. Es attackierte andere Tiere, etwa Drachen und Löwen sowie seinen Lieblingsfeind, den Elefanten. Aber auch Menschen waren vor ihm nicht sicher. In persischen wie europäischen Heldenerzählungen musste ein mutiger Kämpfer gegen ein böses Einhorn antreten. Als Untier konnte es auch Menschen verfolgen und in den Abgrund treiben oder hinterrücks anfallen.
Diesen unheimlichen und bedrohlichen Aspekt des Einhorns thematisierten Künstler bis ins 16. Jahrhundert. Auch die zeitgenössische Kunst kennt die kämpferische Natur
des Einhorns.
Kostbar, selten, staunenswert.
Glanzstück der Kunst- und Wunderkammer
Seit dem 16. Jahrhundert sammelten Fürsten und wohlhabende Bürger kostbare, seltene oder kuriose Objekte in Kunst- und Wunderkammern. Sie stammten von Künstlerhand oder aus der Natur, wie Straußeneier und Korallen. Das Horn des Einhorns – tatsächlich der Zahn des Narwals – war überaus begehrt. Das lag nicht nur an seiner Stellung zwischen Phantastik und Wirklichkeit, sondern auch an seinem besonderen Erscheinungsbild
sowie seiner kulturellen Bedeutung.
Bildhauer verarbeiteten Teile des Horns zu Trinkpokalen, die Goldschmiede mit
kostbaren Fassungen versahen. Auch anderweitig erschien das mythische Einhorn in
den Kunstkabinetten, als anmutige Kleinplastik von Meisterhand in Elfenbein oder Silber ausgeführt.
Das Einhorn war das Kunstkammerstück schlechthin – ein edles Rarissimum, das
Staunen erregte und seinen Besitzer adelte. Die Zeit der Kunst- und Wunderkammern begann in der späten Renaissance und reichte bis ins 18. Jahrhundert. Diese Sammlungen bildeten im Kleinen die ganze Welt ab – zu der gehörte auch das Einhorn.
Innige Gemeinschaft.
Das Einhorn und die Jungfrau
Noch während die religiöse Deutung von Jungfrau und Einhorn vorherrschte, etablierte sich das Thema auch außerhalb des kirchlichen Bereichs. Im Zeitraum von etwa 1350
bis 1550 entstanden zahlreiche Kunstwerke, die das enge Miteinander von Frau und
Tier zeigen. Sie bewegen sich im Spannungsfeld zwischen mütterlicher Fürsorge und
Verführung.
Die Künstler gingen von der bekannten christlichen Vorstellung und ihrer Ikonographie aus, die den Zeitgenossen präsent war. Nun jedoch konnte das Einhorn etwa bloß
als Erkennungszeichen einer edlen Dame dienen. Erweiterungen wie die Mahnung zu
ehelicher Treue, das Ideal der Triebbeherrschung oder ironische Pointen wie die Liebesverfallenheit des Minnesängers überlagerten die christliche Tradition. Dabei waren
die Legende von der Besänftigung des Einhorns durch die Jungfrau wie die Tugend
der Keuschheit stets mitgedacht. Viele dieser Szenen sind von Innigkeit geprägt.
Unabhängig vom Nachlassen der christlichen Wertschätzung des Einhorns, aber im selben Zeitraum, klang auch die weltliche Darstellung von Frau und Einhorn am Ende
des 16. Jahrhunderts aus.
Viele Eigenschaften, viele Bedeutungen.
Das Einhorn als Symbol
Neben den großen Themenfeldern, in denen das Einhorn über Jahrhunderte eine Rolle spielte – Christentum, Naturkunde, Medizin, Kunstkammer –, fand es seit dem späten Mittelalter in den unterschiedlichsten Zusammenhängen ikonographischen Einsatz. Das Einhorn war im Bildgedächtnis fest verankert und wurde zum frei verfügbaren Kulturgut. Es ließ sich nahezu beliebig aufladen.
Als Allegorie der Keuschheit war es aus der Mariensymbolik abgeleitet, daneben konnte es sowohl als Zeichen der Tugend allgemein wie auch für das Laster des Hochmuts stehen. Im politischen Bereich erschien es als herrschaftliches Signum, und in
der Heraldik diente es der persönlichen Identifikation und Inanspruchnahme. Lehrhafte Embleme betonten einzelne Eigenschaften wie Klugheit, Kostbarkeit und Schnelligkeit – an die sogar noch Handelsmarken im 20. Jahrhundert anknüpften.
Jede dieser Verwendungen konnte auf die ästhetische Besonderheit des Einhorns bauen, sein ansprechendes Äußeres garantierte Aufmerksamkeit. Das hervorstehende Horn wirkt wie ein Ausrufezeichen.
Aneignung, Identifikation, Verwendung.
Das Einhorn in der Kunst seit dem 19. Jahrhundert
Bevor das Einhorn um 1600 aus der Malerei verschwand, war es in der europäischen Kunst allgegenwärtig, seine Bedeutung als christliches oder moralisches Symbol
festgelegt. Das war anders, als sich am Ende des 19. Jahrhunderts Künstler – und im 20./21. Jahrhundert auch Künstlerinnen – dem Einhorn zuwandten. Jetzt war es eine persönliche Entscheidung, dieses Motiv in die eigene Bildwelt aufzunehmen.
Bei solchen Aneignungen konnten Elemente der Überlieferung wie das Thema Frau und Einhorn eine Rolle spielen oder aber neue Bezüge entstehen, etwa das Hinterfragen von Geschlechterrollen. Häufig gehörte die Identifikation mit dem Einhorn als einem
magischen, außer der Norm stehenden Phänomen dazu. Als neues Medium eröffnete der Film im 20. Jahrhundert die Möglichkeit, das Erscheinen des Tieres zu thematisieren.
Das Einhorn war und ist flexibel genug, sich in ironischer oder sakraler, symbolistischer oder surrealer, magischer oder träumerischer, selbst abstrakter Verwendung zu behaupten. In einer von Rationalismus dominierten Welt ist sein Refugium die künstlerische Phantasie.“
Laufzeit: bis 1. Februar 2026
Adresse: Museum Barberini, Alter Markt, Humboldtstraße 5–6, 14467 Potsdam
Öffnungszeiten: Mi–Mo 10–19 Uhr
Link zur Ausstellung:
https://www.museum-barberini.de/de/ausstellungen/16992/einhorn-das-fabeltier-in-der-kunst
Auch lesenswert zum Thema „Einhorn“:
_ zum Einhorn als Wappentier: https://de.wikipedia.org/wiki/Einhorn_(Wappentier)
_ zum Narwahl, dem „Einhorn der Meere“: https://de.wikipedia.org/wiki/Narwal
_ sowie zwei Texte zum Auftauchen und Verschwinden des Einhorns in der Bibel: https://www.reflab.ch/wie-das-einhorn-in-der-bibel-auftauchte-und-wieder-verschwand/ und https://www.domradio.de/artikel/religionsexperte-erklaert-das-verschwinden-des-einhorns
Alle Texte zum Thema „NaturEREIGNISbegleiter / Lebendige Moselweinberge“ finden Sie unter: https://www.trierer-umschau.de/netzwerk/naturereignisbegleiter/
Vortext / Kommentar / Nachwort: Christph Maisenbacher (KI-suportet) – 1. Januar 2026
Quelle: Museum Barberini, Potsdam (https://www.museum-barberini.de/de/ausstellungen/16992/einhorn-das-fabeltier-in-der-kunst )– Pressemappe / der Teil „Pressemitteilung“ wurde in Auszügen übernommen – der Teil „Gliederung der Ausstellung“ wurde vollständig übernommen
Link-Zitate: alle Zitate, die wir übernehmen sind im Text mit einem Link versehen
Social-Media-Teaser: ChatGPT
Foto 1: Illustration: KI generiert / Trierer Umschau – Logo: © DLR Mosel – Foto 2: © Stefan Kühn – Foto 3: © Stefan Kühn – Foto4: Illustration: KI generiert / Trierer Umschau – Foto 5: Myriam – Pixabay – Foto 6: Illustration: KI generiert / Trierer Umschau – Foto 7:Illustration: KI generiert / Trierer Umschau
Fotos zur Ausstellung „Einhorn. Das Fabeltier in der Kunst“ im Potsdamer Museum Barberini (die digitale Verwendung der Bilder ist nur mit einer Auflösung von maximal 72 dpi gestattet) – bitte beachten Sie die Copyright-Hinweise, hier zusammengefasst und unter den Bildern jeweils in der Bildlegende notiert. Die Bildlegenden wurden unmittelbar und ohne Veränderung aus der Pressemappe übernommen und mit dem Hinweis © Museum Barberini ergänzt. Da die Abbildungen zur Ausstellung nicht verändert werden dürfen, haben wir die jeweiligen Formate unbeschnitten gelassen und sie lediglich mit einem hell-monochromen Hintergrund versehen, um sie mit unserem Redaktionsformat in Einklang zu bringen.
Foto 8: © Jens Ziehe / © Museum Barberini – Foto 9: Keresztény Múzeum / Christliches Museum, Esztergom / Photo: Attila Mudrák / © Museum Barberini – Foto 10: © Marie Cécile Thijs / courtesy SmithDavidson Gallery / © Museum Barberini – Foto 11: Grünes Gewölbe, Staatliche Kunstsammlungen Dresden / Photo: J. Lösel / © Museum Barberini – Foto 12: Staatliche Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen Mecklenburg-Vorpommern, Schwerin / Photo: SSGK/Ulrich Pfeuffer / © Museum Barberini – Foto 13: Lucile Audouy, Paris / © Museum Barberini – Foto 14: Musée de Cluny – musée national du Moyen Âge, Paris / © bpk, Berlin/GrandPalaisRmn/Gérard Blot / © Museum Barberini – Foto 15: Muzeum Narodowe w Poznaniu, Posen / © Museum Barberini – Foto 16: Kupferstich-Kabinett, Staatliche Kunstsammlungen Dresden / Photo: C. Micksch / © VG Bild-Kunst, Bonn 2025 / © Museum Barberini – Foto 17: Musée Gustave Moreau, Paris / © bpk, Berlin/GrandPalaisRmn/Sylvie Chan-Liat / © Museum Barberini – Foto 18: Privatsammlung / © VG Bild-Kunst, Bonn 2025 / © Museum Barberini – Foto 19: Rijksmuseum, Amsterdam / © Museum Barberini – Foto 20: Museo Nacional del Prado, Madrid / © Museum Barberini – Foto 21: Privatsammlung / Photo: Uwe Walter, Berlin / © VG Bild-Kunst, Bonn 2025 / © Museum Barberini – Foto 22: Rijksmuseum, Amsterdam / © Museum Barberini – Foto 23: Evangelische St. Gotthardt- und Christuskirchengemeinde, Brandenburg an der Havel / © Museum Barberini
Dieser Text in LEICHTER SPRACHE ist veröffentlicht unter: https://www.trierer-umschau.de/2026-01-01-bb/
Die Text-Folge „Lebendige Moselweinberge“ ist Dauno gewidmet (vgl. https://www.trierer-umschau.de/2025-11-03-ba/)
