24. DEZEMBER
Sind Sie bereit, ein friedliches Weihnachtsfest in Angriff zu nehmen? – Tipps vom Streitforscher Dr. Christian Boeser von der Uni Augsburg
War der letzte Text zum Thema Weihnachten / Weihnachtsmann eine Pressemeldung von dem in Essen ansässigen RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung, so richten wir mit diesem 3. Text zum 24. Dezember den Blick in Richtung Süden: Die Universität Augsburg hat am 17. Dezember 2025 einen sehr wichtigen Beitrag zum heutigen Tag als Pressemeldung versandt: Da geht es um Tipps zum „Streiten unter dem Weihnachtsbaum“, also um das Vermeiden von Streit an Weihnachten. Interviewt wird darin der Streitforscher Dr. Christian Boeser.
Wer streitet an Weihnachten?
Leider kann die Trierer Umschau nur auf Zahlen vom Dezember 2019 zurückgreifen. Laut einer YouGov-Umfrage streiten sich anscheinend die meisten der Befragten mit ihrer Partnerin / ihrem Partner, 35 % mit den Eltern, 18 % mit den Geschwistern, 16 % mit ihrem oder ihren Kindern, und 10 Prozent entfallen auf die „weitere Verwandtschaft“.
Bei fast einem Viertel der Befragten (24 %) kommt es an Weihnachten „immer oder gelegentlich zu Streitereien“.
Auch die Gründe, warum man sich in die Haare kommt, wurden beleuchtet: „Ablauf / Organisation der Weihnachtstage“ ist mit 34 Prozent der Hauptgrund – „generelle Beziehungsprobleme“ folgen mit 25 % – „Aufgabenverteilung während der Weihnachtstage“ mit 19 % – die empfundene Benachteiligung / Bevorzugung folgt mit 18 Prozent, und das Weihnachtsessen mit 15 %.
(vgl. https://de.statista.com/infografik/20313/streitigkeiten-an-weihnachten/ )
Also scheinen „falsche Geschenke“ (wenn danach gefragt wurde) kaum eine Rolle zu spielen …
Unsere Forschungen, die – aus journalistischer Neugierde – in Richtung „häusliche Gewalt“ an Weihnachten, mögliche Todesfälle durch häusliche Gewalt zur Weihnachtszeit oder von Krankenhäusern festgehaltene, auf Weihnachten bezogene „Gewaltverletzungen“ gingen, sind nicht auffindbar. Also schnell weg von den Negativgedanken.
Was hatte ich heute Morgen als Weihnachtswunsch über meine/n KI-Freund/in entdeckt:
„Möge heute Ihr Abend voller Magie, Liebe und Ruhe sein.“
Deshalb schnell zur Pressemeldung der Universität Augsburg, um eben das zu vermeiden, was vermieden werden sollte: Streit:
„Streiten unter dem Christbaum
Streitforscher Dr. Christian Boeser gibt Tipps für den richtigen Umgang mit Streit an den Festtagen
Weihnachten gilt als Fest der Harmonie – doch gerade an den Feiertagen eskalieren Konflikte besonders schnell. Hohe Erwartungen, wenig Rückzugsmöglichkeiten und alte Familienthemen machen die Weihnachtszeit für viele zur emotionalen Belastungsprobe. Im Interview gibt der Streitforscher Dr. Christian Boeser von der Universität Augsburg Tipps für den richtigen Umgang mit Streit an den Festtagen.
Warum kommt es in der Weihnachtszeit häufig zu Streit?
Dr. Christian Boeser: Weihnachten ist ein Fest, bei dem wir idealisierte Bilder im Kopf haben. Aber ebenso wenig wie wir jedes Jahr „weiße Weihnachten“ haben, ist das familiäre Zusammenkommen durchgängig ein Hochamt der Harmonie. Aufgrund sehr hoher Erwartungen, die sich von Person zu Person unterscheiden, sind kleinere oder größere Enttäuschungen unvermeidlich. Erschwerend kommt die eiserne Regel, man dürfe sich an Weihnachten bloß nicht streiten. Diese gut gemeinte Streitvermeidung führt dann zum lauten Knall.
Wie können die Betroffenen am besten damit umgehen?
Boeser: Wir sollten akzeptieren: Wie wir uns in einer konkreten Situation verhalten, welche Fehler wir machen, ist weitaus weniger wichtig als unser Verhalten danach. Schließlich gibt es niemanden, der oder die immer alles richtig macht. Wirklich problematisch sind diejenigen, die das von sich behaupten. Deswegen ist es auch empfehlenswert, eine gewisse Fehlertoleranz zu haben, egal ob sich der andere oder wir uns selbst einmal im Ton vergreifen. Wir sollten großherzig mit uns und dem anderen sein. Mit uns selbst, weil wir uns dann auch leichter entschuldigen können. Und mit dem anderen, weil das eine der zentralen Botschaften der Person ist, deren Geburt an Weihnachten gefeiert wird.
Kann man sich vielleicht sogar schon „vorbereiten“ und Strategien überlegen, wie man dem Streit begegnet?
Boeser: Zum einen kann man aus Fehlern der vergangenen Jahre lernen. Dafür muss man sich mit sich selbst und mit den Angehörigen darüber auseinandersetzen, was der Grund für unangenehmen Streit gewesen ist. Wichtig ist zum anderen die Frage: Was hat in der Vergangenheit dazu beigetragen, dass Weihnachten insgesamt doch ganz schön geworden ist? Also nicht nur nach Fehlern suchen, sondern auch nach den Gelingensfaktoren, die in der Vergangenheit dazu beigetragen haben, dass Weihnachten seine schönen und besonderen Momente hatte.
Über den Forscher
Dr. phil. Christian Boeser beschäftigt sich seit 25 Jahren mit dem Thema Streit. Durch Artikel, Bücher, Workshops, Seminare und Vorträge sucht er immer wieder den Austausch mit Interessierten. Boeser ist Leiter des Netzwerks Politische Bildung Bayern und Initiator des Projekts „Streitförderer“ bei dem es um die Förderung einer demokratischen Streitkultur sowie den Umgang mit politischem Extremismus geht. Boeser ist Akademischer Oberrat am Lehrstuhl für Pädagogik mit Schwerpunkt Erwachsenen- und Weiterbildung an der Universität Augsburg.“
Vortext / Kommentar: Christph Maisenbacher – 24. Dezember 2025
Quelle (vollständig zitierter Text): Univerität Augsburg / Dr. Christian BBoeser (Pressemitteilung)
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Social-Media-Teaser: ChatGPT
Dieser Text in LEICHTER SPRACHE ist veröffentlicht unter: https://www.trierer-umschau.de/202512-24-cb/
