NATUREREIGNISBEGLEITER
NaturEREIGNISbegleiter – Text 9 – Weinberge – Weinjahr – Wein in Flaschen – Weinkonsum – Weinpreise – oder ist der Winzer deshalb optimistisch, weil seine Stöcke in Richtung Sonne stehen? – Zum Buch von Claudia Müller
Denke ich an Claudia Müller, dann denke ich an die erste Winzerin, die ich über ein Unternehmetreffen kennenlernen durfte. „Hallo, ich bin die Claudia, und was machst Du?“ war ihre Begrüßung.
Denke ich an Claudia Müller, denke ich an ihre stolze Präsentation des neu erworbenen „Wein-Ape“, den sie als mobile Weinbar umgebaut hat und mir in Wittlich auf dem Parkplatz an der Karrstraße vorgestellt hat.
Denke ich an Claudia Müller, so war sie der Grund, warum ich mich der Ausbildung zum Thema „Naturerlebnisbegleiter“ widme.
Denke ich an Claudia Müller, so fehlt es unserer Trierer Umschau Redaktion nie an Bildmaterial rund um den Weinbau.
Denke ich an Claudia Müller, so haben wir öfters darüber gesproche, dass es im Sinne der Weinliebhaber, der Wein-Neueinsteiger und der Besucher unserer Moselregion interessant wäre, so ein „Weinjahr“ in Text- und Bildform festzuhalten.
Und damit wären wir bei der Buchpublikation „Wozu braucht man Weinberge? Es gibt doch Traubensaft und Wein in Flaschen… – Mit einer Ürziger Winzerfamilie durch ein Weinjahr.“ – Diese Buchpublikation hat Claudia Müller in diesem Jahr fertiggestellt. Für mich als Natur-Erlebnis- bzw. Natur-EREIGNIS-Begleiter ist dieses Buch eine Quelle, die ich nicht missen möchte.
Denn: Denke ich an Claudia Müller, dann denke ich unabdingbar an den Steillagenweinbau, mit dem sich ihr WeinGut Benedict Loosen Erben aus Ürzig an der Mosel in Permanenz auseinandersetzt.
Auf Seite 5 Ihres Buches ist zu lesen:
„Der Begriff Steillage oder Steilstlage ist genau definiert, denn als Steillage werden Weinberge mit einer Hangneigung ab 30° bezeichnet, ab 50° ist es eine Steilstlage. Die Lage „Ürziger Würzgarten“ ist deutschlandweit die mit den meisten steilsten Weinbergen.“
Und Sie ergänzt auf Seite 12:
„Für die Bearbeitung eines Hektar Weinbergs in Flachlagen benötigt man ungefähr 200 bis 250 Stunden. Mit nahezu 100 % Handarbeit liegt der Arbeitseinsatz in den nicht flurbereinigten Ürziger Steillagen in der Einzelpfahlerziehung je nach Mechanisierungsrad bei bis zu 1.600 Stunden je Hektar. Ein Hektar entspricht 10.000 Quadratmetern.
Basierend auf den uralten, zumeist wurzelechten Reben und die felsigen Standorte mit den Schieferverwitterungsböden sind zudem die Erträge geringer als in den Flachlagen. Die lockerbeerigen Trauben bringen meist kleine Erträge mit einer tollen Aromenvielfalt und von sehr guter Qualität. Das ist die Grundlage exquisiter Weine.“
Dem Thema „wurzelecht“, das sich auf die Steillagen-Reben des WeinGuts Benedict Loosen Erben bezieht, werden wir wohl wegen seiner Komplexität, einen eigenen Text widmen müssen. Hier sei nur kurz notiert, dass bei einem wurzelechten Rebstock die Wurzeln und der fruchttragende Teil dieselbe Pflanze sind.
Und wer wirklich einmal den Sachverhalt „Steillage“ inklusive der dort in sehr konzentrierter Form anzutreffenden Flora und Fauna kennenlernen will, dem bietet das WeinGut von Claudia Müller geführte Wanderungen an:
„Festes Schuhwerk und der Witterung entsprechende Kleidung ist erforderlich. Höhen werden mittels Treppen, Leitern und Anstiege durch steile Weinberge bewältigt.“ (Seite 35).
Steillagen sind eben Steillagen! Und Steillagen sind auch immer von sogenannte Trockenmauern durchzogen. Gleichzeitig sind sie eine betriebswirtschaftliche Herausforderung. Denn manche Weinberge sind ausschließlich in Handarbeit zu bewirtschaften. So wie die Weinberge im nicht flurbereinigten „Ürziger Würzgarten“. Dort werden die Uralten, wurzelechten Reben in der zeit- und kostenintensiven Einzelpfahl Erziehung bearbeitet, so wie es die Vorfahren auch im letzten Jahrtausend machten. Nicht umsonst ist die Lage „Ürziger Würzgarten“ eine historische Weinberglage, deren Wein unter Mosel-Weinkennern weltweit bekannt ist.
Was Steillagen an Flora und Fauna anzubieten haben, zeigt das Buch auf den Seiten 41 bis 48 sehr ausführlich.
Dem Haupt-Thema „Ein Jahr im Wingert“ sind sehr detailliert mit Text und Bild die Seiten 16 bis 36 gewidmet. Zwanzig Seiten, die erklären, aufklären, informieren und den Leser am Ende mit unkompliziert vermitteltem Wissen (hoffentlich) seinen Mosel-Wein genießen lassen.
Apropos „Weingenuss“. Es gehört wahrscheinlich zum Dasein eines Winzers, optimistisch zu bleiben. Oder zumindest ein sonniges Gemüt in sich zu traben. Vielleicht kommt das von der Ausrichtung der Weinberge in Richtung Sonne.
Doch Winzer zu sein bedeutet auch Unternehmer zu sein und wenn dann Zahlen wie im letzten Jahr auf den Tisch kommen, dann verdunkelt sich der Himmel.
Vom „wein-abc“ liegt folgender Text-Ausschnitt vom 30. Mai 2025 vor (vgl. https://www.wein-abc.de/deutscher-weinmarkt-im-umbruch/):
„Der durchschnittliche Weinkonsum pro Kopf (Personen ab 16 Jahre) lag 2023/24 bei 22,2 Litern für Stillwein und 3,6 Litern für Schaumwein. Das heißt, im Vergleich mit den Vorjahren, dass jeder dt. Bürger (ab 16 Jahren) im Jahr durchschnittlich 0,3 Liter Stillwein und 0,2 Liter Schaumwein weniger getrunken hat – also Was wiederum heißt, dass insgesamt etwa 43 Millionen Wein und Schaumwein jährlich weniger konsumiert wurden. Der größte Teil dieses Rückgangs, so Christian Schörer (Generalsekretär DWV), entfiel auf inländischen Stillwein (–22,3 Mio. Liter), gefolgt von ausländischem Stillwein (–19,4 Mio. Liter) und Schaumwein (–2,2 Mio. Liter). Als Gründe für den zurückgehenden Konsum werden gesellschaftliche und wirtschaftliche Gründe genannt.“
Zeitgleich entstand im Mai 2025 die „Zukunftsinitiative Deutscher Weinbau e.V.“ (vgl. https://dein-wein-von-hier.de/ ), die mit einer Pressemitteilung vom 25. August 2025 mahnende Worte in den Raum stellte:
„Steillagen an der Mosel, sanfte Hügel in Rheinhessen, endlose Weinberge in der Pfalz – all dies prägt seit Jahrhunderten das Bild unserer Heimat. Wenn der Preisverfall im Weinbau nicht gestoppt wird, werden große Teile dieser Kulturlandschaften unwiederbringlich verschwinden.
Die aktuelle Situation ist dramatisch:
• Trauben- und Fassweinpreise liegen aktuell bei nur 40–60 Cent pro Liter – weit unterhalb der Produktionskosten.
• Bereits 2024 gab es ähnlich niedrige Preise – ein zweites Jahr in Folge würde für viele Betriebe das Aus bedeuten.
„Halten wir diese Entwicklung nicht auf, verlieren wir nicht nur Betriebe, sondern auch ein großes Stück unserer kulturellen Identität“, warnt Thomas Schaurer, Gründer und Vorsitzender der Zukunftsinitiative Deutscher Weinbau e.V.“
Dass hier keine Zahlen aus der Luft gegriffen sind, belegt uns das Kompetenzzentrum Weinmarkt & Weinmarketing Rheinland-Pfalz zum Beispiel mit Zahlen vom 3. November 2025: https://www.weinmarketing.rlp.de/Weinmarketing/Fassweinpreise/Berichte/KommentarFassweinmarktPfalz03112025 . Zwischen 40 Cent und einem Euro ist nicht viel Spielraum für die Winzer.
Damit sind wir wieder bei dem Familienunternehmen, dem WeinGut Benedict Loosen Erben. Denn als Steillagen Weingut steht man vor hohen Produktionskosten, die sich immer öfter nicht mehr rechnen. Die Sendung „SWR Aktuell“ hatte sich im Januar 2025 diesem Thema gewidmet: vgl. https://www.swr.de/swraktuell/rheinland-pfalz/zursache-steillagen-wein-weinbau-krise-rlp-100.html
Wer die Zahlen studiert, dem sollte bewusst sein, dass Flaschenweine, um kostendeckend verkauft zu werden, den Winzerbetrieben zwischen 5 und 15 Euro (für Steillagen-Weine) bringen müssten.
Denke ich an Claudia Müller, muss ich wieder zurück auf den Anlass dieses Textes kommen: Ihr Buch „Wozu braucht man Weinberge? Es gibt doch Traubensaft und Wein in Flaschen… – Mit einer Ürziger Winzerfamilie durch ein Weinjahr.“ Das Buch hat 66 Seiten, ist mit Hardcover und hat ein Format von 28,5 x 20,5 Zentimeter.
Bestellungen gehen am schnellsten unter: https://www.ble-mosel.de/p/buch-wozu-braucht-man-weinberge-es-gibt-doch-traubensaft-und-wein-in-flaschen
Und wer noch mehr wissen will, dem empfehlen wir den SWR-Fernsehbericht zu „Claudia Müller und ihr Buch „Wozu braucht man Weinberge?“ unter: https://www.swr.de/leben/lebensgeschichten/claudia-mueller-und-ihr-buch-wozu-braucht-man-weinberge-100.html
Und ganz im Sinne des „NaturEREIGNISbegleiters“ habe ich für mein bestelltes Buch eine kleine Widmung erhalten:
„… wie ein großer Wein reift auch die Liebe zum Wissen.
Dieses Buch ist eine Hommage an beides…“
Danke Claudia für Deine Worte und Dein Buch!
Alle Texte zum Thema „NaturEREIGNISbegleiter / Lebendige Moselweinberge“ finden Sie unter: https://www.trierer-umschau.de/netzwerk/naturereignisbegleiter/
Text: Christph Maisenbacher – 14. Dezember 2025
Quelle: das besprochene Buch von Claudia Müller
Link-Zitate: alle Zitate, die wir übernehmen sind im Text mit einem Link versehen
Social-Media-Teaser: ChatGPT
Foto 1: © Claudia Müller – Logo: © DLR Mosel – Foto 2: © Claudia Müller – Foto 3: Foto: Chris Marmann / WeinGut Benedict Loosen Erben – Foto 4: © Claudia Müller
Dieser Text in LEICHTER SPRACHE ist veröffentlicht unter: https://www.trierer-umschau.de/2025-12-14-db/
Die Text-Folge „Lebendige Moselweinberge“ ist Dauno gewidmet (vgl. https://www.trierer-umschau.de/2025-11-03-ba/)
