WELTKLIMAKONFERENZ 2025
„Liebe als Anfang und Ordnung als Grundlage; Fortschritt als Ziel“ – die brasilianische Flagge sollte nach der Weltklimakonferenz 2025 auf Halbmast wehen
Unsere Überschrift bezieht sich auf die so wesentliche Inschrift „Ordem e Progresso“ (Ordnung und Fortschritt) in der brasilianischen Flagge.
Dazu lesen wir in einem interessanten Text zur Entstehung:
Die aktuelle „Flagge wurde von Raimundo Teixeira Mendes entworfen und von Décio Vilares gezeichnet. Sie griff das positivistische Mantra von Auguste Comte auf: „L’amour pour principe et l’ordre pour base; le progrés pour but“ [Liebe als Anfang und Ordnung als Grundlage; Fortschritt als Ziel].“ (aus folgendem – lesenswerten – Link: library-brown-edu ).
Zum Thema Positivismus sagt mir Google: „Positivismus ist eine philosophische Haltung, die besagt, dass einzig durch wissenschaftliche, empirische und objektive Methoden gewonnenes Wissen als gültig angesehen werden kann. Dabei werden subjektive Erfahrungen, Meinungen und metaphysische Spekulationen ausgeschlossen, weil sie nicht objektiv messbar sind. Der Begriff wurde maßgeblich durch den französischen Philosophen Auguste Comte [1798–1857] im 19. Jahrhundert geprägt, der vorschlug, soziale Phänomene mit denselben wissenschaftlichen Methoden zu untersuchen wie die Naturwissenschaften.“
Und die Weltklimakonferenz, die dieses Jahr in Belém in Brasilien stattfand? – Sie hat dieses Wissen in der Abschlusserklärung quasi in ein Unwissen transformiert. Sie hat – trotz aller vorliegenden Fakten – mit dem Würfel „Hoffnung“ einen Konsens der Allgemeinplätze veröffentlicht. Einen Konsens, mit dem 198 Länder „endlich“ nach Hause fahren konnten.
Der Konsens ist hier abrufbar: COP30 Action Agenda_Final Report.docx
Den „Emissions Gap Report“ (den „Bericht zu wie weit wir von den Klimazielen entfernt sind“) – die Kurzfassung – gibt es auf Wikipedia unter https://de.wikipedia.org/wiki/Emissions_Gap_Report.
Und unter „2025“ steht: „Der diesjährige Bericht stellt fest, dass die Erde selbst bei Einhaltung aller gegenwärtigen Klimaschutzzusagen auf eine Erwärmung von 2,3 bis 2,5 Grad Celsius bis zum Jahr 2100 zusteuere. Der Finanzmittelbedarf der Entwicklungsländer, um sich an die Folgen des Klimawandels anzupassen, sei 12- bis 14-mal so hoch wie die tatsächlich zugesagten Investitionen der Industrieländer.“
Wir verabschieden uns von Brasilien und halten fest (Sie sehen, wir hoffen nicht), dass die nächste Weltklimakonferenz 2026 im türkischen Badeort Antalya stattfindet – in dem Land, das erst 2021 das Pariser Klimaabkommen ratifiziert hat.
So lange sollte die brasilianische Flagge auf Halbmast stehen. Denn die Ausrichter der Konferenz müssten trauern im Hinblick auf das, was erreicht wurde.
Wir verabschieden uns allerdings nicht ohne die Kommentare, welche wir in den 24 Stunden nach der Weltklimakonferenz 2025 erhalten haben, hier zu veröffentlichen.
Im Einzelnen finden Sie in Folge die Pressemitteilungen bzw. Kommentare von:
1_ Terre des Hommes Deutschland – Pressemitteilung vom 22. November 2025 – 18.23 Uhr
2_ Germanwatch – Pressemitteilung vom 22. November 2025 – 19:04 Uhr
3_ Greenpeace – Presseinformation vom 22. November 2025 – 20:04 Uhr
4_ Deutsche Umwelthilfe (DUH) – Pressemitteilung vom 22. November 2025 – 20:39 Uhr
5_ Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) – Medienhinweis vom 23. November 2025 – 05:06 Uhr
1_ „Terre des Hommes zum Ergebnis der Weltklimakonferenz COP30: „An wichtigen Stellen fehlt es an Substanz.“
Nach Abschluss der 30. Weltklimakonferenz in Belém, Brasilien, zieht die Kinderrechtsorganisation Terre des Hommes ein gemischtes Fazit:
„Als Kinderrechtsorganisation messen wir das Ergebnis der Weltklimakonferenz daran, ob der überfällige Schutz der Rechte von Kindern und Jugendlichen erkennbar geworden ist. Das ist leider nicht wirklich der Fall: Jugendlichen wurde zwar eine wichtige Rolle und aktive Beteiligung zugesprochen, doch an anderen wichtigen Stellen fehlt es an Substanz, vor allem an der praktischen Umsetzung beschlossener Kinderrechte“, so Terre des Hommes-Vorstandssprecher Joshua Hofert.
„Ein Beispiel ist der Fonds für Klimaschäden: Hier sollen Kinder und Jugendliche einerseits an Entscheidungen beteiligt werden. Andererseits gab es keine Einigung zur Kompensation kindesspezifischer Schäden: Kinder und Jugendliche, die infolge des Klimawandels Beeinträchtigungen in ihrer Entwicklung, Bildung oder Gesundheit erfahren, bekommen also weiter keine Entschädigung. Kinder zwar zu beteiligen, ihnen aber keinen Anspruch auf Entschädigung zu gewähren, lässt nur den Schluss zu, dass sie nicht ernst genommen werden.“
Im Vorfeld der Weltklimakonferenz hatte Terre des Hommes gemeinsam mit neun weiteren Kinderrechts- und Umweltorganisationen gefordert, die Rechte heutiger und kommender Generationen von Kindern und Jugendlichen zur Grundlage aller klimapolitischen Entscheidungen zu machen.
Terre des Hommes-Vertreter*innen waren zudem in Belém vor Ort und arbeiteten auf der Klimakonferenz dafür, dass die Rechte und Stimmen von Kindern und Jugendlichen in den Verhandlungen und Beschlüssen berücksichtigt wurden. Célia Alldridge, Terre des Hommes-Projektkoordinatorin in Brasilien, weist dabei auch auf positive Ergebnisse hin:
„Die Klimakrise ist immer auch eine Frage der Generationengerechtigkeit und sie kann ohne die Perspektive von Kindern und Jugendlichen nicht fair bewältigt werden. Im Vergleich zu früheren COPs haben sich Kinder und Jugendliche hier in Belém deutlich stärker einbringen können – mit dem Ergebnis, dass zum Beispiel im Text zur Klimaanpassung die besondere Gefahr berücksichtigt wird, die der Klimawandel für Kinder darstellt. Das sind gute Ansätze, aber wie immer kommt es in der Klimapolitik jetzt vor allem darauf an, dass den Worten Taten folgen und die großen Hebel für den Klimaschutz bewegt werden.““
(Meldung erhalten über das Presseportal (ots) – Der Name „Terre des Hommes“ steht für eine „Erde der Menschlichkeit“).
2_ „Weltklimakonferenz: Gute Dynamik von erbittertem Widerstand weniger Staaten gebremst – Ergebnisse nicht ausreichend
Wichtige Fortschritte im Anpassungsbereich und bei sozial gerechter Transformation – aber nicht groß genug / Rückschritte in anderen Bereichen zumindest verhindert
Nach Ansicht der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch hat die Weltklimakonferenz (COP30) das aktuelle Tauziehen um die internationale Klimapolitik wie unter einem Brennglas gezeigt. “Trotz der sich dramatisch zuspitzenden Klimakrise ist eine kleine Gruppe großer Staaten bereit, alles zu tun, um das fossile Geschäftsmodell zu verlängern. Die reichen Staaten stellen zudem nicht das notwendige Geld bereit. Trotz der anfangs guten Dynamik auf der Konferenz konnten daher dringend notwendige Ergebnisse nicht im Konsens erzielt werden”, bilanziert Christoph Bals, Politik-Vorstand von Germanwatch. “Im Anpassungsbereich und in Bezug auf die sozial gerechte Transformation wurden wichtige Fortschritte erreicht – wenn auch nicht ausreichend große. In vielen anderen Bereichen konnten Rückschritte zumindest verhindert werden.”
Die aus dem Pariser Abkommen ausgestiegene Supermacht USA, oft unterstützt von Russland und Saudi-Arabien, versucht mit Macht das fossile Geschäftsmodell zu erhalten, das durch die Revolution in Richtung Erneuerbare Energien und Elektrifizierung endlich unter Druck steht. In diesem Umfeld war es erstaunlich, dass bei der COP eine große Dynamik entstanden ist, konkrete Pläne zum Herunterfahren der fossilen Energien zu verabreden. Die fehlende Handlungsfähigkeit der EU, angesichts der zusammengestrichenen Klimabudgets angemessene Finanzzusagen für Anpassung und Transformation der armen Länder zu machen, nahm ihr viel an Glaubwürdigkeit beim Aufbau von Allianzen. Durch den Widerstand einiger Staaten, wobei Russland und Saudi Arabien gemeinsam mit anderen BRICS-Staaten eine wichtige Rolle spielten, spiegelt sich diese erfreuliche Dynamik nicht wie notwendig im Ergebnis. Zusammen mit dem Klimatext der G20 zum Klimaschutz zeigt sich aber, dass die meisten Staaten weiter auf Kurs Energierevolution bleiben wollen, “Die Atmosphäre in einer von Zivilgesellschaft und indigenen Akteuren geprägten COP trug maßgeblich zur lange spürbaren positiven Dynamik dieser Klimakonferenz bei”, so Bals.
Kein ausreichender Schub für Emissionsminderung – Ansätze für mehr
Im Laufe der Konferenz nahm die Idee eines Fahrplans für den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen und zum Schutz von Wäldern länderübergreifend Schwung auf. Allerdings kam es zu keiner Einigung. Im finalen Text werden fossile Brennstoffe nun nur indirekt erwähnt. Die brasilianische Präsidentschaft will diese beiden Roadmaps nun als Vorreiterinitiative weiterführen.“Die Weltklimakonferenz erzeugt so leider nicht den notwendigen Schub für die schnellere Reduzierung der Emissionen und zum Schließen der Ambitionslücken für Klimaschutz und Finanzierung. Nun gilt es zumindest die Dynamik aus Belém aufzugreifen und auf bisher noch zögerliche Länder zuzugehen. Die EU und Deutschland müssen mit Ländern des Globalen Südens wirkmächtige Koalitionen bilden, die auch finanzielle und technologische Unterstützung anbieten”, sagt Petter Lydén, Leiter des Bereichs Internationale Klimapolitik bei Germanwatch.
Brasilien hat bereits erklärt, dass es die Arbeit an einem Fahrplan für den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen weiterführen wird. “Zusätzlich gibt es mit einer Initiative aus Kolumbien weitere Möglichkeiten, die die EU und Deutschland unterstützen sollten. Die EU sollte die Staaten unterstützen, die jetzt Fahrpläne zum Ausstieg aus fossilen Energien erstellen wollen,” so Lydén.
Klimaanpassung: Es geht voran, wenn auch zu langsam
Anpassung stand bei der Klimakonferenz in Belém weniger im Zentrum als erwartet. Es wurde aber immerhin ein Paket aus Indikatoren, Finanzierung und Umsetzungsschritten beschlossen: Die Staaten verabschiedeten 59 Indikatoren zur Konkretisierung des Globalen Anpassungsziels (GGA) unter Hinweis darauf, dass mehrere Vertragsparteien weiterhin Vorbehalte gegenüber den Indikatoren haben – und es möglicherweise sogar noch auf die nächste COP verschoben wird. Zudem wurde die Baku-Adaptation-Roadmap als zentrales Umsetzungsinstrument etabliert, auch wenn weiterhin wichtige Fragen aus früheren COPs offenbleiben. Die COP30 bietet Ansatzpunkte für eine bessere Anpassung – damit das Anpassungsziel jedoch zu einem Hebel für eine wirksame Anpassung vor Ort wird, müssen die Indikatoren verbessert und die Anpassungsfinanzierung tatsächlich zuverlässig bereitgestellt werden.
Zudem gibt es ein neues Ziel für die Anpassungsfinanzierung: die Verdreifachung der Mittel bis 2035. Die konkrete Formulierung bietet allerdings großen Interpretationsspielraum – sowohl in Bezug auf das Referenzjahr als auch auf die Länder, die einzahlen sollen. “Die Heftigkeit der Wetterextreme nimmt immer weiter zu, die globale Temperatur ist aktuell bereits um 1.5 Grad gestiegen. Das beschlossene Ziel liegt deutlich unter dem, was aus wissenschaftlicher Sicht notwendig wäre und was die Entwicklungsländer gefordert haben“, betont Ute Sudmann, Bereichsleiterin für Zukunftsfähige Finanzflüsse bei Germanwatch.
“Aber das Ziel macht klar: Industrie- und reiche Schwellenländer müssen sehr schnell, verlässlich und regelmäßig ihre öffentlichen Mittel für die internationale Anpassungsfinanzierung erhöhen. Im deutschen Haushalt für 2026 ist nicht einmal eine Stabilisierung gesichert. Um Gelder zu mobilisieren, sollten Länder wie Deutschland und die EU zusätzliche Abgaben im Sinne des Verursacherprinzips einführen. Jene, die den größten Schäden verursachen, müssen endlich die Kosten ihres Handelns tragen. Industrie- und reiche Schwellenländer haben dazu in Belem bei weitem noch nicht genug auf den Tisch gelegt. Die Verhandlungen bei der COP haben auch gezeigt, dass vielen Industrieländern nicht klar ist, wie sehr dies in ihrem eigenen Interesse ist – für ihre Sicherheit und wirtschaftliche Stabilität.”“
(Text direkt von Germanwatch / Stefan Küper, Pressesprecher – Katarina Heidrich, Pressereferentin)
3_ „Greenpeace zum Ende der COP30
Den Abschluss der Weltklimakonferenz COP30 kommentiert Martin Kaiser, geschäftsführender Vorstand von Greenpeace:
“Diese Weltklimakonferenz ist ein weiteres Opfer der Lobbymacht der Ölstaaten. COP30 ist gestartet mit riesigen Erwartungen und endet mit einer herben Enttäuschung. Die Beschlüsse zeigen das Versagen der internationalen Staatengemeinschaft, gemeinsam und couragiert die eskalierende Klimakrise einzudämmen. Ölkonzerne und Exportländer wie Saudi-Arabien und Russland haben verhindert, dass die Konferenz einen beschleunigten Ausstieg aus Öl, Gas und Kohle verabschiedet. Auch die USA, die nicht am Verhandlungstisch saßen, hatten bereits im Vorfeld Druck auf kleine Länder ausgeübt und so zum Scheitern beigetragen.
Auch fehlt ein Aktionsplan zum Schutz der Wälder. Ausgerechnet eine Konferenz im Amazonas-Regenwald, einem der globalen Klima-Kipppunkte, scheitert daran, die Zerstörung von Wäldern bis 2030 zu stoppen. Das ist ein Armutszeugnis für diese Konferenz und ihre brasilianische Präsidentschaft.
Europa hat seine nötige Rolle nicht gefunden. Durch die lange verzögerte Entscheidung zum EU-Klimaziel wurden viel zu spät fortschrittliche Allianzen aufgebaut und es fehlen zusätzliche finanzielle Mittel. So entwickelte der richtige Einsatz der EU für einen schnellen Ausstieg aus den Fossilen am Ende zu wenig Dynamik und keine ausreichenden Mehrheiten.
Auftritt und Äußerungen von Bundeskanzler Friedrich Merz zerschlugen in Brasilien diplomatisches Porzellan. Die Scherben musste Umweltminister Carsten Schneider auflesen und zudem die EU zu mehr Ambition treiben. Schneiders gelungener Auftritt in Belém kann allerdings nicht die richtungslose Klimapolitik der Bundesregierung kaschieren. Fehlinvestitionen in fossiles Gas, eine wirtschaftsfeindliche Politik gegen Elektromobilität und Unsicherheit bei der Wärmepumpenförderung haben Deutschland im internationalen Vergleich zurückgeworfen. Um zum 1,5-Grad-Limit zurückzukehren, braucht Deutschland jetzt einen klaren klima- und wirtschaftspolitischen Kompass.
Auch wenn das Ergebnis nicht den Hoffnungen und Erwartungen entspricht, eines wurde in Belém überdeutlich: Die globale Klimabewegung ist zurück. An der Seite indigener Gemeinschaften fordert sie Lösungen und politisches Handeln. Der Schutz des Regenwalds ist mit der neuen Anerkennung indigener Landrechte, mehr direkter Förderung für indigene Gemeinschaften und einem Tropenwaldfonds näher gerückt. Für die Öl- und Gasindustrie werden ihre Lobbyerfolge schnell zu einem Pyrrhussieg. Mit jedem Extremwetterereignis wird der Druck der Bevölkerung auf das tödliche, fossile Geschäftsmodell größer. Klimaschutz ist Menschenrecht.”“
(Text direkt von der Greenpeace-Pressesprecherin Sabine Beck)
4_ „Deutsche Umwelthilfe zum Abschluss der COP 30: „Kein Paris-Moment in Belém für Wald- und Klimaschutz“
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) sieht nach Abschluss der COP 30 in Brasilien die dringend notwendige Abkehr von fossilen Energieträgern noch immer auf wackeligen Füßen. Die neue TAFF-Initiative („Transition Away from Fossil Fuels“) brauche schnellstmöglich einen klaren globalen Pfad mit Zwischenzielen, dem Abbau fossiler Subventionen und einem verbindlichen Ausbau von Energieeffizienz und erneuerbaren Energien. Auch beim Waldschutz fehlen ambitionierte Fristen und Ziele. Mit Blick auf extrem klimaschädliche Methanemissionen lassen die Staaten nach Sicht der DUH enorme Reduktionspotenziale unausgeschöpft.
Dazu DUH-Bundesgeschäftsführer Sascha Müller-Kraenner:
„Der ‚Paris-Moment‘ in Belém ist ausgeblieben. Gemessen an den Anforderungen greifen die Beschlüsse zum Ausstieg aus den fossilen Energien und zum Stopp der globalen Entwaldung zu kurz. Beim Einstieg in den weltweiten Ausstieg aus den fossilen Energien gelingt nach dem Dubai-Gipfel 2023 der nächste Trippelschritt. Allerdings fehlt ein verbindlicher Zeitplan. Gegen die fortschreitende Entwaldung gibt es mit neuen Initiativen wie der „Forest Pledge“ und der Tropical Forests and Forest Finance Facility TFFF zwar wichtige Signale, aber auch hier braucht es noch ambitionierte Fristen und Ziele. Neue Waldschutzversprechen auf internationaler Ebene sind außerdem wenig wert, solange die EU gleichzeitig an der EU-Entwaldungsverordnung sägt.
Zur Halbzeit des Global Methane Pledge ignorieren die Staaten noch immer kostengünstige Minderungspotenziale, gerade in der Landwirtschaft und in der fossilen Energiewirtschaft. Wir fordern die Bundesregierung auf, ihre Unterstützung für den neuen Tropenwaldfonds erheblich aufzustocken, sich für eine ambitionierte Entwaldungsverordnung einzusetzen und eine nationale Methanstrategie vorzulegen, die sich an den Potenzialen kostengünstiger Minderung in Energie, Abfall und Landwirtschaft orientiert.““
(Text direkt von DUH Presse)
5_ „Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK) zum Abschluss der COP30: „Es sollte die COP der ‚Wahrheit und Umsetzung‘ sein – geliefert wurde beides nicht“:
In den vergangenen zwei Wochen haben rund 50.000 Menschen aus aller Welt am UN-Klimagipfel COP30 im brasilianischen Belém teilgenommen. Zu den zentralen Themen zählten die Einhaltung der 1,5-°C-Grenze, die Umsetzung nationaler Klimapläne (NDCs), ein besserer Schutz der Regenwälder, Klimafinanzierung sowie eine stärkere Zusammenarbeit bei der Klimaanpassung. Hier erläutern die wissenschaftlichen Direktoren des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), Johan Rockström und Ottmar Edenhofer, ihre Einschätzung zum Ausgang der Konferenz.
Johan Rockström, Erdsystemwissenschaftler und Direktor des PIK:
„Zehn Jahre nach Paris wurde die COP30 als Gipfel der ,Wahrheit und Umsetzung‘ ausgerufen. Wissenschaftlich gesehen wäre das genau richtig gewesen. Doch die in Belém versammelten Staats- und Regierungschefs sind dieser Aufgabe nicht gerecht geworden. Die ,Wahrheit‘ ist: Unsere einzige Chance, 1,5 °C in Reichweite zu halten, besteht darin, die globale Emissionskurve 2026 zu brechen und die Emissionen anschließend jedes Jahr um mindestens 5 Prozent zu senken. ,Umsetzung‘ hätte konkrete Fahrpläne für den beschleunigten Ausstieg aus fossilen Energien und für den Schutz der Natur erfordert. Beides blieb aus, und das trotz einer engagierten, wissenschaftsorientierten und umsichtig agierenden brasilianischen Präsidentschaft. Falsche Hoffnung ist das Letzte, was die Welt in dieser Phase hoher Risiken braucht. In nur fünf bis zehn Jahren werden wir voraussichtlich die 1,5°C-Grenze überschreiten mit gravierenden Folgen für Milliarden Menschen, die unter zunehmenden Wetterextremen leiden, und mit Blick auf mögliche Kipppunkte, etwa im Amazonas oder in den tropischen Korallenriffen. Leider setzt die COP30 die Entwicklung der vergangenen Jahre fort und nährt erneut falsche Hoffnungen. Was wir brauchen, ist echte Umsetzung: ein glaubwürdiger Plan mit wirksamen Politiken und Regulierungen, beginnend mit einem beschleunigten, geordneten und gerechten Ausstieg aus fossilen Energien. Das wäre echte Hoffnung.“
Ottmar Edenhofer, Klimaökonom und PIK-Direktor:
„Die COP30 ist nicht von wegweisenden Beschlüssen geprägt. Die Staaten versprechen zu wenig und selbst diese Zusagen werden nicht eingelöst. Die klaren Botschaften des Weltklimarats (IPCC) dringen offensichtlich nicht ausreichend durch. Und erneut wurde das auf der COP28 vereinbarte Ziel, den Ausstieg aus den fossilen Energien einzuleiten, im Verhandlungstext nicht weiterentwickelt. Dennoch hat die COP30 das Potenzial, sich stärker zu einer Plattform für neue klimapolitische Initiativen zu entwickeln. In Belém wurde etwa diskutiert, wie der Luft- und Seeverkehr besteuert werden könnte. Die Debatte über Klimazölle war kontrovers, hat aber die Verbindung zwischen Klima- und Handelspolitik deutlich gemacht. Eine große Initiative zur Finanzierung des globalen Regenwaldschutzes wurde gestartet, und minilaterale Ansätze, etwa zwischen China und der EU zur Finanzierung von Emissionsminderungen, rücken als Zukunftsoption in den Blick. Auch wenn viele dieser Ansätze noch mit Problemen behaftet sind, bleibt es wichtig, dass die COP ein Ort bleibt, an dem neue Klimaschutzinitiativen angestoßen und weiterentwickelt werden.““
(Text-Zusendung direkt von der PIK Pressestelle)
Vortext / Kommentar: Christph Maisenbacher – 23. November 2025
Quelle (vollständig zitierter Text): vgl. die fünf vollständig übernommenen Kommentare zum Ende der 30. Weltklimakonferenz COP30 in Belém (Brasilien) mit den dazu notierten Text-Hinweisen
Link-Zitate: alle Zitate, die wir übernehmen sind im Text mit einem Link versehen
Social-Media-Teaser: ChatGPT
Foto: ilanwet – Pixabay
Dieser Text in LEICHTER SPRACHE ist veröffentlicht unter: https://www.trierer-umschau.de/2025-11-23-cb/
