FOSSILE BRENNSTOFFE
„Das Zeitalter der fossilen Brennstoffe muss jetzt enden.“ – Amnesty International deckt auf, das die fossile Industrie 2 Milliarden Menschen bedroht
Auf welche Wand zu fährt die Weltklimakonferenz? Die immer noch in Belém (Brasilien) auf der Weltklimakonferenz COP 30 verhandelnden 198 Staaten gehen in die Verlängerung, da der Abschlusstext nicht einstimmig verabschiedet werden kann. Was mehr als 30 sogenannter „Industriestaaten“ in der Abschlusserklärung fehlt, ist die klare Terminierung eines Ausstiegs gegenüber den klimaschädlichen (fossilen) Brennstoffen. Der brasilianische Präsident Lula da Silva will sich mit dem Streichen der Passage insofern verteidigen, dass damit niemandem etwas vorgeschrieben würde bzw. man keine Frist setzen wolle. Hallo Regenwald! Hallo Zukunft! Hallo kochender Topf mit der Erde drin! Wir können nicht in ein Raumschiff steigen und zu einer Ersatzerde fliegen!
Alle Länder der Vereinten Nationen haben im Jahr 2016 im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte das Pariser Abkommen unterschrieben.
Darin steht in Artikel 4.a: „Zum Erreichen des in Artikel 2 genannten langfristigen Temperaturziels sind die Vertragsparteien bestrebt, so bald wie möglich den weltweiten Scheitelpunkt der Emissionen von Treibhausgasen zu erreichen, …“ – wobei sich das mit dem Temperaturziel auf Artikel 2 1.a bezieht: „… der Anstieg der durchschnittlichen Erdtemperatur deutlich unter 2 °C über dem vorindustriellen Niveau gehalten wird und Anstrengungen unternommen werden, um den Temperaturanstieg auf 1,5 °C über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen, …“ (vgl. ÜBEREINKOMMEN VON PARIS – EUR-Lex )
Für die Konferenztische in Belém möchte die Trierer Umschau deshalb auch gerne folgende Pressemeldung von Amnesty International vollständig übernehmen.
Die fossile Brennstoffindustrie gefährdet ein Viertel der Menschheit – neuer Bericht
Kartierung dieser Art erstmals durchgeführt – länderübergreifende Forschung zeigt Ausmaß und Tiefe des potenziellen Schadens durch die fossile Brennstoffindustrie
520 Millionen Kinder weltweit leben im Umkreis von 5 km zu Infrastruktur der fossilen Brennstoffindustrie
Indigene Völker überproportional betroffen
„Es geht uns nicht ums Geld; wir wollen nur das, was uns gehört. Wir wollen einfach fischen … es ist unser Recht. Und sie nehmen uns unsere Rechte weg.“ – Bruno Alves de Vega, handwerklicher Fischer
„Wir müssen gemeinsam Widerstand leisten und von den Staats- und Regierungschefs der Welt verlangen, dass sie ihre Verpflichtungen und Zusagen einhalten. Die Menschheit muss gewinnen.“ – Agnès Callamard
Mindestens 2 Milliarden Menschen weltweit – etwa ein Viertel der Weltbevölkerung – sind Risiken für ihre Gesundheit und ihre Lebensgrundlagen durch fossile Brennstoffinfrastruktur ausgesetzt, erklärten Amnesty International und das Better Planet Laboratory heute in einem neuen Bericht über die Schäden der fossilen Brennstoffindustrie für Klima, Menschen und Ökosysteme weltweit.
Der 163-seitige Bericht „Extraction Extinction: Why the lifecycle of fossil fuels threatens life, nature, and human rights“ [vgl. https://www.amnesty.org/en/documents/POL30/0438/2025/en/ ] zeigt, dass der gesamte Lebenszyklus fossiler Brennstoffe unersetzliche natürliche Ökosysteme zerstört und Menschenrechte untergräbt, besonders die von Menschen, die in der Nähe solcher Infrastruktur leben.
Die Nähe zu Kohle-, Öl- und Gasinfrastruktur erhöht nachweislich das Risiko für Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, negative reproduktive Folgen und andere gesundheitliche Beeinträchtigungen. Amnesty arbeitete mit dem Better Planet Laboratory an der University of Colorado Boulder zusammen, um erstmals eine globale Kartierung vorzunehmen, die das potenzielle Ausmaß der Schäden durch bestehende und zukünftige Förderstätten fossiler Brennstoffe schätzt.
Agnès Callamard, Generalsekretärin von Amnesty International, sagte:
„Die sich ständig ausweitende fossile Brennstoffindustrie gefährdet Milliarden von Leben und verändert das Klimasystem irreversibel. Bislang gab es keine globale Schätzung darüber, wie viele Menschen in unmittelbarer Nähe zu Infrastrukturen fossiler Brennstoffe leben. Unsere Zusammenarbeit mit dem Better Planet Laboratory zeigt das Ausmaß der massiven Risiken, die fossile Brennstoffe über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg darstellen. Kohle-, Öl- und Gasprojekte treiben das Klimachaos voran und schaden Menschen und Natur.
„Dieser Bericht liefert weitere Belege dafür, wie dringend Staaten und Unternehmen die Weltwirtschaft ‚ent-fossilisieren‘ müssen, um die schlimmsten Auswirkungen der Klimakrise auf die Menschenrechte abzumildern. Das Zeitalter der fossilen Brennstoffe muss jetzt enden.“
Das Better Planet Laboratory führte die Forschung und globalen Berechnungen an und kartierte das Ausmaß der Belastung durch fossile Brennstoffinfrastruktur, indem Daten zu bekannten Standorten solcher Anlagen mit Raster-Bevölkerungsdaten, Datensätzen zu kritischen Ökosystemen, globalen Emissionsdaten und Informationen zu indigenen Landrechten kombiniert wurden. Die Ergebnisse unterschätzen wahrscheinlich das tatsächliche globale Ausmaß, da die Dokumentation fossiler Brennstoffprojekte lückenhaft ist und es in vielen Ländern begrenzte Volkszählungsdaten gibt.
Der Bericht basiert außerdem auf umfassender qualitativer Forschung, die in Partnerschaft mit der Smith Family Human Rights Clinic der Columbia Law School durchgeführt wurde. Er enthält Interviews mit mehr als 90 Personen, darunter direkt betroffene Menschen aus handwerklichen Fischergemeinschaften in Brasilien (Guanabara-Bucht), indigene Landverteidigerinnen in Kanada (Wet’suwet’en-Gebiet) und Küstengemeinden im Senegal (Saloum-Delta), sowie Interviews mit Wissenschaftlerinnen, Journalistinnen, zivilgesellschaftlichen Organisationen und Regierungsvertreterinnen. Zudem werden Open-Source-Daten und Fernerkundung genutzt, um Erkenntnisse zu untermauern und zu visualisieren. Ergänzend einbezogen wurden Ergebnisse früherer Amnesty-Forschung sowie laufende Kampagnen gegen Öl- und Gasunternehmen in Ecuador, Kolumbien und Nigeria.
Erschütterndes Ausmaß der Gefährdung
Mindestens 2 Milliarden Menschen leben im Umkreis von 5 km zu mehr als 18.000 aktiven fossilen Brennstoffstandorten in 170 Ländern weltweit. Davon sollen mehr als 520 Millionen Kinder sein, und mindestens 463 Millionen Menschen leben sogar im Umkreis von nur 1 km – was sie deutlich höheren Gesundheits- und Umweltrisiken aussetzt.
Indigene Völker sind überproportional betroffen: Mehr als 16 % der globalen Infrastruktur fossiler Brennstoffe befinden sich auf indigenem Territorium. Mindestens 32 % der kartierten Standorte überschneiden sich mit einem oder mehreren „kritischen Ökosystemen“.(**)
Die fossile Brennstoffindustrie expandiert weiter: Mehr als 3.500 Infrastrukturprojekte weltweit sind vorgeschlagen, in Entwicklung oder im Bau. Die Zahlen deuten darauf hin, dass diese Expansion mindestens 135 Millionen weitere Menschen gefährden könnte. Auffällig ist, dass Öl- und Gasprojekte auf allen Kontinenten zunehmen, während neue Kohlekraftwerke und -minen vor allem in China und Indien entstehen.
Ginni Braich, Senior Data Scientist am Better Planet Laboratory, die die Grundlage der globalen Ergebnisse verantwortete, sagte:
„Regierungen haben sich verpflichtet, fossile Brennstoffe abzuschaffen, doch wir haben nun klare Belege dafür, dass neue Projekte bevorzugt in unseren weltweit kritischsten Ökosystemen entstehen. Das widerspricht direkt den erklärten Klimazielen.“
Menschliche Kosten der Förderung fossiler Brennstoffe
„Wir erleben generationsübergreifende Erschöpfung … Wir werden das physisch nicht überleben. Wir waren nie die Auslöser, aber wir tragen die Hauptlast der Gewalt“, sagte die Wet’suwet’en-Landverteidigerin Tsakë ze’ Sleydo’ (Molly Wickham) im Hinblick auf den bevorstehenden Bau neuer Kompressoren, die die Rentabilität der Coastal GasLink-Pipeline in Kanada erhöhen sollen.
Die Förderung, Verarbeitung und der Transport fossiler Brennstoffe untergraben die Menschenrechte der umliegenden Gemeinschaften und verursachen schwere Umweltzerstörung, Gesundheitsrisiken sowie den Verlust von Kultur und Lebensgrundlagen.
Einige der befragten Gruppen beschrieben die Ausbeutung als eine Form wirtschaftlicher oder kultureller Plünderung, die von Unternehmen durch Einschüchterung und Zwang betrieben wird. „Es geht uns nicht ums Geld; wir wollen nur das, was uns gehört. Wir wollen einfach in der Guanabara-Bucht fischen, es ist unser Recht. Und sie nehmen uns unsere Rechte weg“, sagte Bruno Alves de Vega, ein städtischer handwerklicher Fischer aus Rio de Janeiro.
Alle von Amnesty befragten Umwelt- und Indigenenrechtsverteidiger*innen berichteten von gravierenden Sicherheitsrisiken, oft ausgelöst durch Konflikte mit Unternehmen, deren Aktivitäten traditionelle Lebensweisen und die Integrität von Ökosystemen bedrohen.
Über physische und digitale Bedrohungen hinaus haben Staaten und Unternehmen auf „Lawfare“ gesetzt – den Missbrauch rechtlicher Mittel, einschließlich strafrechtlicher Verfahren, um Verteidiger*innen zum Schweigen zu bringen, zu delegitimieren oder einzuschüchtern.
„Wenn wir aufstehen, um das Yin’tah (Wet’suwet’en-Territorium) zu verteidigen, werden wir kriminalisiert. Zivile Gerichtsbeschlüsse sind eine koloniale rechtliche Waffe geworden, ein Mechanismus zur Militarisierung unserer Gemeinschaft, zur Kriminalisierung unseres Volkes und zur Durchsetzung zerstörerischer Ausbeutung ohne indigene Zustimmung“, erklärten weitere Wet’suwet’en-Verteidiger*innen.
Gemeinschaften, die in unmittelbarer Nähe zu fossiler Infrastruktur leben, kritisierten das Fehlen direkter und sinnvoller Konsultation und mangelnde Transparenz seitens der Unternehmen. Viele gaben an, den Umfang der laufenden Tätigkeiten oder Ausbaupläne nicht vollständig zu verstehen und keinerlei Zustimmung zu Projekten auf ihrem Territorium gegeben zu haben.
Befragte aus dem Saloum-Delta im Senegal äußerten Bedenken über die mangelhafte Kommunikation der Behörden und des Projektbetreibers Woodside (eines großen australischen Konzerns) zu den möglichen ökologischen und sozioökonomischen Folgen des Sangomar-Projekts.
Candy Ofime, Forscherin und Rechtsberaterin für Klimagerechtigkeit bei Amnesty International, sagte:
„Diese Fallstudien sind nur einige Beispiele eines globalisierten Problems. Die meisten Betroffenen prangerten das Machtungleichgewicht zwischen ihren Gemeinschaften und den Unternehmen sowie das Fehlen wirksamer Rechtsmittel an.
„Die Ära der fossilen Brennstoffe geht unweigerlich zu Ende, und Staaten müssen aufhören, Umwelt- und Menschenrechtsverteidiger*innen zu kriminalisieren, die ihre Gemeinschaften schützen wollen.
„Regierungen müssen körperliche und digitale Bedrohungen untersuchen und robuste Schutzprogramme einführen, damit kritische Stimmen, die eine dringende und gerechte Energiewende verlangen, sicher und wirkungsvoll an Klimaschutzmaßnahmen mitwirken können.“
Zerstörung unersetzlicher natürlicher Ökosysteme
Die meisten dokumentierten Projekte führten zu Verschmutzungs-Hotspots, die nahegelegene Gemeinden und empfindliche Ökosysteme in sogenannte „Opferzonen“(***) verwandelten.
Erkundung, Verarbeitung, Standortentwicklung, Transport und Stilllegung fossiler Brennstoffe verursachten oder riskierten Schäden für Menschen und Wildtiere, führten zu schwerer Verschmutzung, Treibhausgasemissionen und zur Zerstörung wichtiger Biodiversitätsgebiete oder Kohlenstoffsenken.
Trotz internationaler Klimazusagen und wiederholter Aufforderungen der UN, fossile Brennstoffe dringend abzuschaffen, sind staatliche Maßnahmen vollkommen unzureichend. Fossile Energieträger machen weiterhin 80 % der weltweiten Primärenergieversorgung aus, während die Industrie ihre Bemühungen verstärkt, unangemessenen Einfluss in klimapolitischen Foren auszuüben, um eine rasche Abkehr zu verhindern.
Agnès Callamard sagte:
„Staaten sollten einen vollständigen, schnellen, gerechten und finanzierten Ausstieg aus fossilen Brennstoffen einleiten und einen gerechten Übergang zu erneuerbaren Energien sicherstellen, der im Einklang mit den Menschenrechten steht. Amnesty International fordert dringend die Annahme und Umsetzung eines Vertrags zur Nichtverbreitung fossiler Brennstoffe.
„Die fossile Brennstoffindustrie und ihre staatlichen Unterstützer behaupten seit Jahrzehnten, menschliche Entwicklung erfordere fossile Brennstoffe. Doch wir wissen, dass sie unter dem Deckmantel wirtschaftlicher Entwicklung vielmehr Gier und grenzenlosen Profit bedient, Rechte nahezu straffrei verletzt und Atmosphäre, Biosphäre und Ozeane zerstört haben.
„Gegen diese fortgesetzten Muster, gegen die globale politische Ökonomie fossiler Brennstoffe, müssen wir gemeinsam Widerstand leisten und von den Staats- und Regierungschefs der Welt verlangen, dass sie ihre Verpflichtungen erfüllen. Die Menschheit muss gewinnen.“
Amnesty schrieb an die in dieser Untersuchung genannten Unternehmen, und deren Antworten wurden im Bericht berücksichtigt. [vgl. https://www.amnesty.org/en/documents/POL30/0438/2025/en/ ]
(**) Kritische Ökosysteme: Natürliche Lebensräume mit hoher Biodiversität, entscheidend für die Kohlenstoffspeicherung und/oder so empfindlich, dass deren weitere Degradation oder Umweltkatastrophen einen kaskadenartigen Ökosystemkollaps auslösen würden.
(***) Opferzone (sacrifice zone): Ein stark kontaminiertes Gebiet, in dem einkommensschwache und marginalisierte Gruppen die unverhältnismäßige Last von Verschmutzung und toxischen Stoffen tragen.“
(*) wir respektieren jede Autorin und jeden Autor von Stickern, welche im öffentlichen Raum Meinungen kundtun. Gerne korrigieren wir unseren Bildtext, wenn die Autorin / der Autor es wünscht.
Sollte ein/e Autor:in auf dem Sticker identifizierbar sein, haben wir diese um eine Veröffentlichungs-Erlaubnis gebeten.
Dennoch haben wir darauf hinzuweisen, dass das Anbringen von Stickern auf öffentlichen wie privaten Flächen eine Sachbeschädigung nach § 303 StGB geahndet werden kann.
(vgl. auch https://www.juraforum.de/lexikon/aufkleber )
NOTIZ: wir haben den Sticker unter „Aufkleber“ auf der Webseite „GruenerAntifaShop“ entdeckt!
Vortext / Kommentar: Christph Maisenbacher – 22. November 2025
Quelle (vollständig zitierter Text): Amnesty International UK – Press Release – Übersetzung: ChatGPT 5.1
Link-Zitate: alle Zitate, die wir übernehmen sind im Text mit einem Link versehen
Social-Media-Teaser: ChatGPT
Sticker: © Autor*in unbekannt (*) – Foto: Trierer Umschau / Trier (April 2025
Dieser Text in LEICHTER SPRACHE ist veröffentlicht unter: https://www.trierer-umschau.de/2025-11-22-ab/
