Monarchfalter – Foto: Terry Murphy - Pixabay
Monarchfalter – Foto: Marcy Patridge auf Pixabay
Monarchfalter – Foto: Joshua J. Cotte - Unsplash
Monarchfalter – Foto: Kevindvt - Pixabay
Monarchfalter – Ansammlung in Michoacán (Mexico) – Foto: Guillaume Micalex-- Unsplash
Admiral Schmetterling – Foto: Leopictures - Pixabay
Distelfalter – Foto: Jürgen - Pixabay
Die Días de los Muertos (Tage der Toten) vom 31. Oktober bis 2. November sind immer auch mit dem von Kanada aus zum 1. November in Mexiko ankommenden Monarchfalter verbunden.
Video: YoutTube © Silvia Zaragoza

NATUREREIGNISBEGLEITER

NaturEREIGNISbegleiter – Der Admiral Schmetterling und der Distelfalter fliegen nach Afrika – der Monarchfalter nach Mexiko, zum Fest der Toten. – Text 4

Zur Information: Dieser Text war sozusagen „passend“ für den Monatsanfang vorbereitet. Nur hatte das Ableben meines Hundes (vgl. https://www.trierer-umschau.de/2025-11-03-ba/) mir dies erst heute möglich gemacht.

In der Ausbildung zum Naturerlebnisbegleiter erfährt man in zwei Unterrichtseinheiten einiges über das Thema „Schmetterlinge im Weinberg“. Die Umweltbiowissenschaftlerin Lea Böhm vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Mosel übernahm im April dieses Jahres die Aufgabe, die sich in Tagfalter, Nachtfalter und Kleinschmetterlinge (zu denen auch die Motten zählen) gliedernden Schuppenflügler vorzustellen.

Motiviert von dem Unterricht, sind mir vor allem die Überwinterungsstrategien der Schmetterlinge im Bewusstsein geblieben. Nicht nur, dass der bekannte Zitronenfalter als Falter quasi lebendig-eingefroren an einem Zweig hängend auf den Frühling wartet. Viel erstaunter war ich zu erfahren, dass Schmetterlinge – wie Vögel – aus unseren Breiten in Richtung Afrika wandern. Sie nutzen dabei zum Teil die gleichen Routen wie die Zugvögel und – man höre und staune – erreichen Geschwindigkeiten von über 20 km/h. Zu den Wanderfaltern aus Deutschland bzw. der Mosel-Region zählen der Distelfalter und der Admiral-Schmetterling. Interessant ist, dass aus den Überwinterungsgebieten die Folgegeneration zurückfliegt bzw. Folgegenerationen zurückfliegen.

Konkret fliegt der Admiral-Schmetterling eine Strecke von 2000 bis 3000 Kilometern zwischen Nordafrika und Mitteleuropa. Mit Unterstützung der Winde kann er diese Distanz in etwa zwei Wochen bewältigen. Der Distelfalter legt bis zu 7500 Kilometer zwischen Nordeuropa und Westafrika zurück. Dabei ist es üblich, dass der Flug in Etappen und in einer Folge von Generationen realisiert wird.

Eine Erklärung fanden wir auf der Webseite „NaturDetektive – Bundesamt für Naturschutz (BfN)“ unter
https://naturdetektive.bfn.de/lexikon/zum-lesen/tiere/insekten-spinnen/distelfalter-eine-unglaubliche-reise.html :

„In West-Afrika fliegt die erste Generation Distelfalter los. Nach 3000 bis 4000 Kilometern Flug machen sie Pause und legen ihre Eier an Disteln ab. Während die Raupen schlüpfen, sich dick und rund fressen und sich wieder verpuppen, sterben die Alttiere. Sobald die neuen Schmetterlinge aus der Puppenhülle geschlüpft sind, setzen sie den Weg ihrer Eltern fort. Das wiederholt sich noch zweimal – bis die Urenkel der West-Afrika-Falter in Nord-Europa angekommen sind […]“

Und damit sind wir auch schon mitten im mexikanischen Totenfest (Fiesta de Día de Muertos), welches auch vom Humboldt Forum Berlin in diesem Jahr vom 31. Oktober bis 2. November 2025 aufgegriffen wurde. Einen passenden Text zur zeitgleich stattfindenden Ausstellung entdeckten wir im Umweltkalender Berlin:

Jedes Jahr im Herbst kommen bis zu 60 Millionen Monarchfalter nach Zentralmexiko in die Wälder Michoacáns, um dort zu überwintern. Ihre Reise ist spektakulär. Aus dem Nordosten der USA und aus Kanada kommend, legen sie bis zu 4.500 Kilometer zurück, um in ihr Winterquartier zu gelangen. Dort verbringen sie den Winter im Halbschlaf und flattern auf, wenn die Sonne sie wärmt – dann zeigt sich ein faszinierendes Schauspiel in Orange-Gelb am Himmel des Biosphärenreservats. Da die ersten Monarchfalter Anfang November zum Totenfest einflattern, ist unter den indigenen Völker der Mazahua, Otomí und Purépecha der Glaube verbreitet, dass es sich um die Seelen der Verstorbenen handelt, die zurückkehren. Sie werden verehrt und willkommen geheißen. Bevor sich die Schmetterlinge im Frühjahr auf den Rückweg machen, paaren sie sich und legen ihre Eier auf dem Weg in den Norden auf Seidenpflanzen ab. Auf dem Hin- und Rückflug sterben bis zu vier Generationen, genauso viele werden unterwegs geboren.“ (vgl. https://www.umweltkalender-berlin.de/angebote/details/95851?dat=2025-11-01 )

Mich fasziniert, wie ein Schmetterling zum rituellen Begleiter eines Festes werden kann – eines Festes, das übrigens im Jahr 2008 in die Liste des immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen wurde.

„Wie von den indigenen Gemeinschaften Mexikos praktiziert, gedenkt el Día de los Muertos (Tag der Toten) der vorübergehenden Rückkehr verstorbener Angehöriger und geliebter Menschen auf die Erde. Die Feierlichkeiten finden jedes Jahr Ende Oktober bis Anfang November statt. Dieser Zeitraum markiert auch den Abschluss des jährlichen Zyklus des Maisanbaus, der wichtigsten Nutzpflanze des Landes.

Familien ermöglichen die Rückkehr der Seelen zur Erde, indem sie Blütenblätter, Kerzen und Gaben entlang des Weges vom Friedhof zu ihren Häusern auslegen. Die bevorzugten Speisen der Verstorbenen werden zubereitet und sowohl am häuslichen Altar als auch am Grab zusammen mit Blumen und typischen Handwerksarbeiten, wie etwa ausgeschnittenem Papier, aufgestellt. Auf alle Vorbereitungen wird große Sorgfalt verwendet, denn es wird geglaubt, dass die Toten ihren Familien entweder Wohlstand (z. B. eine reiche Maisernte) oder Unglück (z. B. Krankheit, Unfälle, finanzielle Schwierigkeiten) bringen können – je nachdem, wie zufriedenstellend die Rituale ausgeführt werden. Die Toten werden in verschiedene Kategorien eingeteilt, je nach Todesursache, Alter, Geschlecht und in einigen Fällen auch nach Beruf. Für jede verstorbene Person ist ein bestimmter Verehrungstag festgelegt, der sich nach diesen Kategorien richtet. Diese Begegnung zwischen Lebenden und Toten bestätigt die Rolle des Einzelnen innerhalb der Gesellschaft und trägt dazu bei, den politischen und sozialen Status der indigenen Gemeinschaften Mexikos zu stärken.“
(aus: https://ich.unesco.org/en/RL/indigenous-festivity-dedicated-to-the-dead-00054 – Übersetzt von ChatGPT).

Um dann doch einen Bogen zu dem Wander- bzw. Monarchfalter mit seiner auffälligen orange-schwarzen Zeichnung zu schlagen, darf ich Interessierte auf den Wikipedia-Eintrag verweisen (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Monarchfalter ) und daraus folgende Passage hervorheben:

„Die Tiere wandern aus ihrem über 100 Millionen Hektar großen Lebensraum [in Nordamerika und dem kanadischen Süden] von September bis November in die mexikanische Sierra Nevada und versammeln sich auf weniger als 20 Hektar. Auf ihrer Wanderung finden sie sich jährlich immer wieder an den gleichen Rastplätzen ein und bilden über die Nacht teilweise große Kolonien. Die Falter sitzen bei niedrigen Temperaturen und starkem Wind dichter beisammen und bilden noch größere Kolonien. Bei Temperaturen unter 10 °C können die Falter nicht fliegen und ruhen bei entsprechendem Wetter auch tagsüber. Bei Sonnenschein und über 13 C können sie ihre Wanderung fortsetzen. Für die Wanderung von Kanada bis Mexiko benötigen die Falter acht bis zehn, aus den südlicheren Gebieten vier bis sechs Wochen. Durchschnittlich legen sie etwa 50 Kilometer am Tag zurück.“

Für mich sind das Naturereignisse, auf die ich durch die Unterrichtseinheiten zum Naturerlebnisbegleiter aufmerksam wurde.

Und wenn ich mir die Wanderfalter und ihre sich über mehrere Generationen erstreckenden Reisen durch den Kopf gehen lasse, führt dieses Naturereignis ohne Zweifel zu den Zukunftsstudien der Weltraumfahrt und der im Raum stehenden Idee eines Generationenraumschiffs (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Generationenraumschiff). Was wiederum ganz aktuell zu dem an der Technischen Universität München entwickelten „Projekt Hyperion“ führt (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Projekt_Hyperion). – Nur dass hier statt Generationen von Wanderfaltern eben Generationen von Menschen Zeit und Raum überbrücken sollen …

Wikipedia hat einen sehr ausführlichen Text zum Thema Schmetterlinge, auf den wir gerne hinweisen: https://de.wikipedia.org/wiki/Schmetterlinge

Und ganz in unserer Nähe kann man Schmetterlinge auch im „Jardin des Papillons“, dem Schmetterlingsgarten in Grevenmacher, studieren (vgl. https://www.papillons.lu/). Und wer es lieber per Foto unternehmen will, hier ist ein interessanter Link: https://www.dahmstierleben.de/zoo/schmetterlingsgarten.

 

Vortext / Kommentar: Christph Maisenbacher – 8. November 2025
Link-Zitate: alle Zitate, die wir übernehmen sind im Text mit einem Link versehen
Social-Media-Teaser: ChatGPT
Foto 1: Terry Murphy – Pixabay / Logo: © DLR Mosel – Foto 2: Marcy Patridge auf Pixabay – Foto 3: Joshua J. Cotte – Unsplash – Foto 4: Kevindvt – Pixabay – Foto 5: Guillaume Micalex– Unsplash – Foto 6: Leopictures – Pixabay – Foto 7: Jürgen – Pixabay
Video: YoutTube © Silvia Zaragoza
Die Text-Folge „Lebendige Moselweinberge“ ist Dauno gewidmet (vgl. https://www.trierer-umschau.de/2025-11-03-ba/)

Dieser Text in LEICHTER SPRACHE ist veröffentlicht unter: https://www.trierer-umschau.de/2025-11-08-db/