Impression von der Ausstellung "Angrenzen / Abgrenzen" im Historisischen Museeum Saar in Saarbrücken - Foto: Historisches Museum Saar / © Fotograf: Oliver Dietze
Erinnerung an alte Zeiten: Grenzkontrolle in Weiskirchen 1954 - Foto: Historisches Museum Saar / © Fotograf: Josef Hinterholz / Hismus
Grenzsteine - Foto: Historisches Museum Saar / © Fotograf: Andreas_Dorn
Auch eine Pandemie schafft Grenzen. Hier zwischen dem deutschen Saarbrücker Stadtteil Guedingen und dem französischen Alsting- Foto: Historisches Museum Saar / © Fotografin: Alix Haefner

GRENZEN

Wann gibt es keine Grenzen mehr? – Das „Angrenzen / Abgrenzen“ wird zum Thema in Saarbrückener Historischen Museum Saar – Eine Annäherung

Wer mit Europa im Trierer Raum groß geworden ist, der hat den 26. März 1995 fest in seiner Erinnerung verankert – als zwischen sieben Staaten der Europäischen Union die Grenzkontrollen wegfielen. Und ab diesem Datum in annähernd 27 Ländern das Wort „Landesgrenze“ möglicherweise eine – so sage ich als Bürger der EU – nur noch symbolische Bedeutung bekommen hat.

Warum wir heute über Grenzen sprechen?

Das Historische Museum Saar auf dem Schlossplatz 15 in 66119 Saarbrücken zeigt noch bis zum 1. März 2026 die in Zusammenarbeit mit dem PixxelCult e. V. realisierte Ausstellung „ANGRENZEN/ABGRENZEN. Fotografische Perspektiven“ (vgl. https://www.historisches-museum.org/startseite).

Und wenn es schon um das Thema Grenzen geht, möchte ich ein Zitat von Helmut Kohl aus seiner ersten Regierungserklärung heranziehen, das im Heute eine so immense Bedeutung annimmt: So formulierte er als Bundeskanzler am 13. Oktober 1982:

„Mauer, Stacheldraht und Schießbefehl sind und können nicht das letzte Wort zwischen Ost und West sein, in Deutschland, in Europa und in der Welt. Menschlichkeit und Vernunft weigern sich, dies hinzunehmen.“

Es folgte ein „Anpacken“ der stationären Grenzkontrollen zwischen Frankreich und Deutschland im Jahr 1984. Dies als Folge der deutsch-französischen Konsultationen am 28. und 29. Mai auf Schloss Rambouillet bei Paris.

„Wir werden die Grenzen zwischen unseren Ländern abschaffen“, so lautete das von Helmut Kohl und dem französischen Staatspräsidenten François Mitterrand verkündete Credo. Gesagt, getan: Es folgte das sogenannte „Saarbrücker Abkommen“ am 13. Juli 1985 bezüglich des schrittweisen Abbaus von Kontrollen an der deutsch-französischen Grenze.

So stand unter „Titel 1“ im Vertrag unter „Unverzüglich anwendbare Maßnahmen“ und dem Artikel 1: „Die Formalitäten im Personenverkehr an der Grenze zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Frankreich werden für Angehörige der Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaften unter den in diesem Abkommen festgelegten Bedingungen aufgehoben.“
Und unter Artikel 2: „Die Polizei- und Zollbehörden führen im Regelfall eine einfache Sichtkontrolle der die Grenze mit verminderter Geschwindigkeit überquerenden Fahrzeuge durch, ohne diese anzuhalten …“
Als Angehöriger der EU konnte man eine grüne E-Scheibe an der Windschutzscheibe anbringen, um zum Ausdruck zu bringen, dass man die grenzpolizeilichen Vorschriften, besonders in Zusammenhang mit den Freigrenzen von erlaubten Waren, einhält.

Am 9. November 1989, kurz vor 19.00 Uhr, wurde überraschend die militärisch so aufwendig bewachte Grenze zwischen der ehemaligen DDR (Deutschen Demokratischen Republik) und der Bundesrepublik Deutschland aufgehoben.
Details zur Aufhebung und der genaue Wortlaut des „Auslösers“ und Politbüro-Mitglieds Günter Schabowski finden sich unter https://www.bundesregierung.de/breg-de/schwerpunkte/deutsche-einheit/ausschnitt-aus-der-pressekonferenz-von-sed-politbuero-mitglied-guenter-schabowski-am-9-november-1989-in-berlin-403860.

Am 26. März 1995 wurden die Grenzen innerhalb des Schengen-Raums zwischen Belgien, Deutschland, Frankreich, Luxemburg, den Niederlanden, Portugal und Spanien ganz abgebaut.

Inzwischen sind 25 der 27 EU-Mitgliedstaaten Teil des Schengen-Raums (eine Ausnahme bilden Irland und Zypern). Dazu kommen Island, Liechtenstein, Norwegen und die Schweiz,
so dass im Grunde 450 Millionen Menschen sich zwischen den 29 Ländern ohne Kontrollen an den Binnengrenzen bewegen können. Nimmt man die Grenzen unter die Lupe, so überschreiten täglich 3,5 Millionen Menschen die Binnengrenzen.

Überschattet wird „Schengen“ von den Covid-Grenzschließungen und den in der Folge immer wieder hochgehaltenen „Sicherheitskontrollen“ an der deutsch-luxemburgischen oder deutsch-polnischen Grenze.

 

Eine aktuelle Pressemeldung der IHK Trier lautet klar und deutlich:
Grenzkontrollen belasten die regionale Wirtschaft.

„Die von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Trier durchgeführte Unternehmensumfrage zu den aktuellen Grenzkontrollen zwischen Deutschland und Luxemburg zeigt ein mehrheitlich kritisches, aber differenziertes Stimmungsbild: Rund zwei Drittel der befragten Betriebe sprechen sich für ein Ende der Kontrollen aus, ein Großteil davon sofort (45 %), weitere (18 %) nach Ablauf der derzeitigen Frist im März 2026. Etwas mehr als ein Drittel (37 %) befürwortet eine Fortführung, überwiegend begründet mit Sicherheitsaspekten.

Von den 60 teilnehmenden Unternehmen gaben fast die Hälfte (28 Betriebe) an, negativ von den Grenzkontrollen betroffen zu sein. Besonders stark leiden laut Umfrage Einzelhandel, Logistik und Dienstleistungsbetriebe in der Grenzregion Trier-Luxemburg. „Die Grenzkontrollen führen zu Verzögerungen im Berufs- und Lieferverkehr, schrecken Kundinnen und Kunden aus Luxemburg ab und beeinträchtigen das Vertrauen, das in 40 Jahren Schengen mühsam aufgebaut wurde“, betont Jennifer Schöpf-Holweck, Hauptgeschäftsführerin der IHK Trier. „Unsere Region lebt von Offenheit und freien Übergängen.“

Die Umfrage zeigt zudem, dass die Umsätze betroffener Betriebe zurückgehen:
• 32 % der Unternehmen berichten von leichtem,
• 29 % von mittlerem,
• und 14 % von starkem Umsatzrückgang.

Ähnlich fällt die Einschätzung zur Kundenfrequenz aus: Besonders der Einzelhandel meldet einen spürbaren Rückgang luxemburgischer Kundschaft. Zudem sehen viele Unternehmen den wirtschaftlichen Nutzen der Kontrollen in keinem Verhältnis zum Aufwand. Kritik richtet sich vor allem an den Standort der Kontrollstellen – etwa auf der A64, weit hinter der Grenze – sowie an Staus, Zeitverluste und höhere Betriebskosten. Schöpf-Holweck fordert, die Belastungen für Unternehmen spürbar zu reduzieren: „Unsere Betriebe wünschen sich intelligente Lösungen statt pauschaler Kontrollen – etwa digitale Systeme, Fastlanes für regionale Fahrzeuge oder die Konzentration der Sicherheitsmaßnahmen auf die EU-Außengrenzen.““

 

Wenn das kein Grund wäre, einen Schritt weiter in Richtung „Welt ohne Grenzen“ zu gehen? Die Institution namens Vereinte Nationen existiert bereits. Die Probleme unserer Gegenwart bezogen auf den Klimawandel betreffen uns alle – ohne Grenzen. Somit brauchen wir im Grunde keine Schlagbäume, Grenzbefestigungen, Visapapiere, Einreiseverbote oder andere Drohgebärden. Denn – um es immer und immer wieder zu sagen: das Klima kennt keine Grenzen und die Folgen des Klimawandels auch nicht.

Aus genau diesem Blickwinkel heraus sollte man die Ausstellung im Historischen Museum Saar vielleicht doch besuchen. – Wir übernehmen die dazu vorliegende Pressemeldung:

 

Historisches Museum Saar und PixxelCult e.V. präsentieren:

„ANGRENZEN/ABGRENZEN. Fotografische Perspektiven“

Das Historische Museum Saar zeigt in Kooperation mit PixxelCult e.V. die Sonderausstellung „ANGRENZEN/ABGRENZEN. Fotografische Perspektiven“. [Bis] 1. März 2026 beleuchtet die Präsentation die facettenreichen Bedeutungen von Grenzen – historisch, politisch und persönlich – durch eindrucksvolle fotografische Arbeiten. Es handelt sich zugleich um die vorerst letzte Wechselausstellung, bevor das Haus mit dem Umbau anlässlich der Neukonzeption seiner Dauerausstellung beginnt.

Grenzen trennen – und verbinden. Sie sind sichtbar oder unsichtbar, politisch gesetzt oder persönlich empfunden. ANGRENZEN/ABGRENZEN beleuchtet zunächst Grenzen in der Geschichte des Saarlandes. Anlässlich des 70. Jahrestages der Saarabstimmung von 1955 sowie des 90. Jahrestages der Abstimmung von 1935 bietet die Ausstellung einen fotografischen Rückblick auf die wechselvolle Geschichte der Grenzregion Saarland. Die Zeiträume 1920–1935 und 1947–1957 werden in den Blick genommen, von internationaler Verwaltung über quasi Eigenstaatlichkeit bis zur „kleinen Wiedervereinigung“ mit der Bundesrepublik Deutschland.

Im Zentrum der Ausstellung stehen zeitgenössische fotografische Arbeiten, die Grenzen aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten:

„Schengen“ – Ruth Stoltenberg zeigt Orte wie Schengen, Perl und Apach im Dreiländereck Deutschland-Luxemburg-Frankreich und macht sichtbar, wie offene Grenzen Europa prägen.

„Covid Grenzen“ – Alix Häfner dokumentiert die im März 2020 während der Corona-Pandemie geschlossenen Grenzübergänge im Saarland.

„Duldung“ – Stefanie Zofia Schulz porträtiert Menschen mit „Duldungsstatus“ in der Landesaufnahmestelle Lebach, die in einem Alltag ständiger Ungewissheit leben.

„Grenzsteine“ – Fotografien von Andreas Dorn und Yael Paris zeigen steinerne Zeugnisse vergangener Grenzen entlang der heutigen Grenzen zu Deutschland, Frankreich und Luxemburg.

„Grenzgänger“ – Thomas Roessler porträtiert Passanten auf der Freundschaftsbrücke in Kleinblittersdorf und gibt Einblicke in den Alltag und Austausch über nationale Grenzen hinweg.“

 

 

Wir empfehlen ergänzend noch folgende Links:
_ zum Saarbrücker Abkommen: https://www.saarbruecken.de/kultur/stadtarchiv/schaufenster_stadtgeschichte/schnipsel_und_schnappschuesse/deutsch_franzoesische_und_europaeische_geschichte_wird_in_saarbruecken_geschrieben
_ zum Schengen-Raum: https://www.consilium.europa.eu/de/policies/schengen-area/#members
_ zum Schengener Abkommen: https://www.auswaertiges-amt.de/de/service/visa-und-aufenthalt/schengen-207786

 

Vortext / Zwischentext / Endtext / Kommentar: Christph Maisenbacher – 8. November 2025
Quelle (vollständig zitierter Text): Pressemeldung der INK Trier vom 29.10.2025 (vollständiger Text) und: Historisches Museum Saar – Pressemitteilung – Christiene Gerstner (Marketing und Öffentlichkeitsarbeit) – (am Ende leicht gekürzter Text)
Link-Zitate: alle Zitate, die wir übernehmen sind im Text mit einem Link versehen
Social-Media-Teaser: ChatGPT
Fotos: bereitgestellt vom Historischen Museum Saar – folgende Fotografen sind einzeln zu nennen: Foto 1: © Fotograf: Oliver Dietze – Foto 2: © Fotograf: Josef Hinterholz / Hismus – Foto 3: © Fotograf: Andreas Dorn – Foto 4: © Fotografin: Alix Haefner

Dieser Text in LEICHTER SPRACHE ist veröffentlicht unter: https://www.trierer-umschau.de/2025-11-08-cb/