WELTKLIMAKONFERENZ 2025
Die Weltklimakonferenz in Brasilien nur mit schönen Worten garnieren führt dazu, dass die Büchse der Pandora sich öffnen wird
Wer wagt, gewinnt, heißt es so schön. Und wer keine Bremse in Sachen Klimaschutz anziehen will, der schaut mal, was passiert. Inzwischen wissen gut 50 % der Deutschen (wenn ich nach dem aktuellen ZDF-Politbarometer gehe – vgl. https://www.trierer-umschau.de/2025-11-08-aa/), dass der Klimaschutz mehr als nur wichtig wäre. Doch dann kommen die Sätze, die mit „Aber“ anfangen, die mit „Es könnte“ so schön klingen und mit einem „möglicherweise“ oder „vielleicht“ in Frage gestellt werden. Und das mit der „Büchse der Pandora“ (Google KI sagt, dass die Redewendung bedeutet, „dass man durch eine Handlung unkontrollierbares Unheil oder negative Folgen in die Welt setzt“) ist sowieso an den Haaren herbeigezogen.
Und dann kommt noch der Zeigefinger, der sagt: Wir müssen uns erst verteidigen können, dann kommt der Klimaschutz. Doch das Klima wird sagen: Ihr könnt euch jetzt vielleicht militärisch verteidigen, ihr könnt Krieg führen, doch die Verteidigung schützt euch nicht vor dem, was ihr jetzt nicht mehr bremsen könnt – die Erderwärmung! Nein, das ist nicht bloß ein paar Grad mehr Temperatur auf unseren Thermometern. Nein, das bedeutet, dass ALLES an belebter Natur an Lebenssicherheiten verliert. Das Fehlen von etwas führt zum Aus- oder Absterben von etwas anderem. Das Vertraute, das wir so sehr halten wollen (mit anderen Worten „konservieren wollen“), zerfällt wie Staub. Da müssen also keine Bomben fallen – das Klima ist da gewaltiger in Sachen Zerstörung. Und auch kein roter Knopf muss gedrückt werden. Es ist wie bei einer Wasserrutsche: Am Ende fallen wir in das große Becken, in dem wir uns erst orientieren müssen. Und wenn dieses große Becken zu heiß wäre, verbrennen wir. Und wenn darin – ganz symbolisch gemeint – Piranhas schwimmen, muss nichts mehr gesagt werden.
Damit zu der sehr klaren, uns auffordernden Pressemitteilung von Germanwatch im Vorfeld der UN-Weltklimakonferenz im brasilianischen Belém vom 10. bis 21. November 2025. Im Vorfeld trafen sich bereits am 6. und 7. November Staats- und Regierungschefs zu einem Klimagipfel in der brasilianischen Stadt. Die Pressemeldung von Germanwatch (einer unabhängigen Umwelt- und Entwicklungsorganisation mit Sitz in Bonn, die sich für eine zukunftsfähige globale Entwicklung einsetzt) erschien im Vorfeld des Treffens.
Unser Titelbild verdanken wir der Umweltorganisation Greenpeace und deren Aktion vom 5. November in Berlin. – Wir zitieren aus der Presseinfo:
„Wenige Tage vor Beginn der UN-Klimakonferenz (COP30) demonstrieren 14 Aktivist:innen von Greenpeace mit einer Projektion am höchsten Gebäude Deutschlands, dem Berliner Fernsehturm. Mit mehreren Projektoren verwandeln die Umweltschützer:innen die markante silberne Kugel in 200 Metern Höhe in einen brennenden Erdball. Auf den Schaft des Turms projizieren sie den Appell “Act Now!” (“Jetzt handeln!”).“
Nun zur Gemanwatch-Meldung:
„Weltklimakonferenz muss neue Phase einleiten: Vom Verhandeln ins Handeln
In schwieriger geopolitischer Gemengelage steht die Bewährungsprobe für globalen Klimaschutz an: Kann die Weltgemeinschaft einen Plan entwickeln, um die Lücke zwischen Notwendigem und politisch bisher Möglichem zu schließen?
Ab morgen leitet das Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs die diesjährige Weltklimakonferenz COP30 im brasilianischen Belém ein. Die Konferenz selbst startet am Montag. Die Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch sieht sie zehn Jahre nach dem Pariser Klimaabkommen als Härtetest für funktionierende internationale Klima-Zusammenarbeit in geopolitisch schwieriger Zeit.
“Die Staatengemeinschaft muss nun, wo endlich alle Regeln des Pariser Klimaabkommens verabschiedet sind, vom Verhandeln ins Handeln kommen. Wird sie ernsthaft beginnen, die globale Lücke zu schließen zwischen dem, was nötig ist und dem, was bisher politisch möglich erscheint? Es geht darum, ab jetzt jährlich die noch unzureichenden Klimaziele nachzubessern, einen Plan für den beschleunigten Ausstieg aus den fossilen Energien zu beschließen und einen politischen Durchbruch beim globalen Ziel für die Anpassung an den Klimawandel zu erreichen”, sagt Laura Schäfer, Leiterin des Bereichs Internationale Klimapolitik bei Germanwatch. Neben diesen Themen müsse der UN-Klimaprozess (UNFCCC) auch selbst reformiert werden: “Wenn die UNFCCC jetzt mutig reformiert wird, kann sie vom Forum der Verhandlungen zum Motor des Handelns werden“, fügt Schäfer hinzu.
Staaten müssen dabei unterstützt werden, eigene Ziele überzuerfüllen
Klar ist: Die zur Gefahrenabwehr notwendigen Pariser Klimaziele werden auch mit den neuen Klimazielen der Länder nicht erreicht. Petter Lydén, Co-Bereichsleiter für Internationale Klimapolitik bei Germanwatch: “Wichtig ist, ab jetzt jedes Jahr über die bisherigen Ankündigungen hinauszugehen. Es gilt, einen Fahrplan für den beschleunigten Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas zu verabschieden. Die sich ständig verbessernde Wettbewerbsfähigkeit von erneuerbaren Energien und Elektrifizierung sowie andere veränderte Rahmenbedingungen sollten es vielen Ländern ermöglichen, über die bisher vorgelegten Selbstverpflichtungen hinauszugehen. Dies gilt nicht zuletzt für Deutschland und die EU, die mit einem EU-Klimaziel, das erhebliche Schlupflöcher aufweist, nach Belém reisen. Auf der COP30 ist es unerlässlich, dass die Welt Wege findet, um diese größeren Emissionsreduktionen in den kommenden Jahren zu ermöglichen und zu unterstützen.“
Anpassungsziel muss konkret und verbindlich werden
Ein zentraler Prüfstein der COP30 in Belém ist das Globale Ziel für Anpassung. Nachdem in Dubai vor zwei Jahren erstmals ein politisches Fundament geschaffen wurde, muss es in Belém durch Indikatoren messbar und mit Leben gefüllt werden. “Um das Anpassungsziel zu einem echten politischen Hebel zu machen, müssen sich die Staaten auf robuste und gerechte Indikatoren einigen. Diese müssen auch klare Messgrößen für Finanzierung, Kapazitätsaufbau und Technologietransfer enthalten. In Belém entscheidet sich, ob das Globale Anpassungsziel die notwendige Richtung und Verbindlichkeit erhält”, sagt Schäfer.
Finanzierung für Anpassung und Verluste, auch aus neuen Quellen
Ohne ausreichende Finanzierung werden die Ziele des Pariser Klimaabkommens – sowohl im Bereich der Minderung als auch der Anpassung – für die meisten Länder nicht umsetzbar sein. Mit Spannung wird deshalb die Baku-to-Belém Roadmap erwartet, die aufzeigen soll, wie bis zum Jahr 2035 öffentliche und private Gelder in Höhe von 1,3 Billionen US-Dollar jährlich organisiert werden können. “Arme und gefährdete Länder brauchen Klarheit, wie und wann sie verlässliche Finanzierung von den Ländern erhalten können, die die Klimakrise verantwortet haben. Die COP muss sicherstellen, dass es ausreichend öffentliche Mittel für Anpassung sowie Verluste und Schäden und wo notwendig auch Klimaschutz gibt. Angesichts knapper Kassen und gestärkt durch den Internationalen Gerichtshof sollten nun die Verursacher der Klimakrise ihren Beitrag leisten. Deutschland sollte sich etwa einer Gruppe von Staaten anschließen, die eine Abgabe auf Premiumtickets und Privatjets durchsetzt. Die Global Solidarity Levies Taskforce hat diese Initiative vorbereitet. Solche konkreten Vorschläge können neue Finanzquellen mobilisieren, ohne die Schuldenlast armer Entwicklungsländer noch weiter zu erhöhen”, so Ute Sudmann, Co-Bereichsleiterin für Zukunftsfähige Finanzflüsse bei Germanwatch.
Kanzler Merz muss klimapolitische Führungsrolle übernehmen
Bundeskanzler Merz wird am Freitag am vorgeschalteten Leaders Summit in Belém teilnehmen. „Von Bundeskanzler Merz erwarten wir ein klares Signal: Deutschland steht hinter den Zielen des Pariser Abkommens und ist bereit, die notwendigen Veränderungen konsequent im eigenen Land umzusetzen. Das ist Ausdruck notwendiger globaler Verantwortung – und zugleich im direkten sicherheits- und wirtschaftspolitischen Interesse Deutschlands. Denn die Klimakrise zählt zu den größten sicherheitspolitischen Herausforderungen unserer Zeit“, so Schäfer.
[Folgende Rede hielt Bundeskanzler Friedrich Merz am https://www.bundeskanzler.de/bk-de/aktuelles/rede-kanzler-world-climate-leaders-summit-2392986 ]
Germanwatch erwartet zudem von Bundeskanzler Merz, dass Deutschland seiner weltweiten Führungsrolle auch im Finanzierungsbereich gerecht wird. “Die aktuellen Kürzungen in den Haushalten für 2025 und 2026 gefährden Deutschlands Zusagen für das internationale Klimafinanzierungsziel in Höhe von mindestens 6 Milliarden Euro pro Jahr. Diese Lücke sollte aus dem deutschen Klimatransformationsfonds geschlossen werden. Zudem muss sich Deutschland ein neues Finanzierungsziel setzen. Dieses muss mindestens eine Verdopplung der Haushaltsmittel für die deutsche Klimafinanzierung auf 12 Milliarden Euro bis 2030 vorsehen. Zur Generierung der Mittel sollte Deutschland gemeinsam mit anderen Ländern neue Abgaben nach dem Verursacherprinzip einführen. Das Gutachten des Internationalen Gerichtshofes hat deutlich gemacht, dass ausreichende internationale Klimafinanzierung nicht nur Wohltätigkeit, sondern eine klare rechtliche Verpflichtung ist”, betont Sudmann.“
Vortext / Kommentar: Christph Maisenbacher – 8. November 2025
Quelle (vollständig zitierter Text): zu unserem Greenpeace-Foto: Text-Ausschnitt aus der Pressemeldung Greenpeace-Precherin Miryam Nadkarni / zum vollständig übernommenen Text von Germanwatch: Germanwatch Pressemeldung von Katarina Heidrich
Link-Zitate: alle Zitate, die wir übernehmen sind im Text mit einem Link versehen
Social-Media-Teaser: ChatGPT
Foto: © Kevin McElvaney / Greenpeace
Dieser Text in LEICHTER SPRACHE ist veröffentlicht unter: https://www.trierer-umschau.de/2025-11-08-bb/
