ZDF POLITBAROMETER
Das ZDF misst in regelmäßigen Abständen, ob die Stimmung im deutschen Lande nach oben oder nach unten geht.
Der aktuelle Politbarometer des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF), durchgeführt von der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen vom 4. bis 6. November, wirkt wie ein spontanes, mitunter erstaunliches Stimmungsbild unserer Gesellschaft. Vergleichbar mit dem Wetter, das sich über unseren Köpfen präsentiert. Weht der Wind aus einer anderen Richtung, könnte die Sonne kommen, der Tag grau sein, es regnen oder auch – um der Jahreszeit gerecht zu werden – schneien. Und gerade da zeigen sich Emotionen in deutlichster Form: Der eine freut sich über Temperaturen unter dem Gefrierpunkt und möglichst viel Schnee, weil er dann vielleicht Ski- oder Schlittenfahren kann, einen Schneemann bauen oder einfach das Weiß genießen. Und der andere flucht, weil das Fahren zur Arbeit bei Glatteis zum Risiko wird.
Als wir die Zahlen und Fakten des ZDF-Politbarometers – das wir wie immer 1:1 gerne weitergeben – studiert haben, ist uns aufgefallen: 49 % der Befragten wären dafür, dass die Wehrpflicht wieder eingeführt werden soll – für Frauen und Männer. Ist das ein Erfolg für die Gleichstellung der Frau oder eine Rache der Männer an den Frauen?
Dass die militärische Verteidigung Deutschlands als Teil der NATO „eher schlecht“ (81 Prozent der Befragten meinen das) aufgestellt ist, liegt an der ewigen Jammerei der Bundesregierung, dass mehr für die Verteidigung ausgegeben werden müsse. Das hat gut geklappt. Es muss ja einen Grund geben, dass Deutschland 88,5 Milliarden US-Dollar im Jahr 2024 für Rüstung ausgegeben hat (vgl. https://www.trierer-umschau.de/2025-11-03-aa/). Danke dennoch an alle 18- bis 34-Jährigen, die mit 55 Prozent Nein zur Wehrpflichtseinführung gesagt haben.
Und dank des Blicks in Richtung Klimaschutz in Deutschland scheint der Ruf der Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche „Wir brauchen neue Gaskraftwerke“ sich gut in unserem Gehirn festgesetzt zu haben. Leider heißt in diesem Zusammenhang „konservativ“ das Intensivieren des „Konservierens“ von fossilem Energieverbrauch und auch von Abhängigkeiten. Denn wer liefert das benötigte Gas? Deshalb sind auch die 22 Prozent bzw. 28 Prozent der Befragten, die meinen, dass Deutschland „zu viel“ bzw. „gerade richtig“ für den Klimaschutz tun würde, im Grunde 20 Prozent zu viel. Dennoch haben die 46 Prozent, die meinen, „zu wenig“, die Augen offen. Und mit Blick auf die Welt (Brasilien) zur anstehenden Weltklimakonferenz der Vereinten Nationen scheint ganz und gar kein Optimismus in Richtung Klimaschutz vorhanden zu sein: 0 Prozent glauben, dass sich viel bewegen würde – obwohl das „viel“ dringend notwendig ist!
Hoffen wir zumindest, dass der Plan von Brasiliens Präsident Lula da Silva auf positive Resonanz stößt und die 125 Milliarden Dollar für den so vorgestellten Regenwald-Fonds bzw. „Tropical Forest Forever Facility“ (FFFF) – zu Deutsch etwa „Tropenwälder für immer“ – eingesammelt werden können (vgl. https://www.tagesschau.de/ausland/amerika/klimaschutz-regenwald-tfff-100.html ).
Das ganz im Bewusstsein, den wir von der Trierer Umschau vertreten: Nicht Waffen bedrohen die Existenz der Menschheit, sondern der Klimawandel. Und wenn 2024 2,7 Billionen Euro weltweit für Rüstung ausgegeben wurden, wären die 125 Milliarden nur 5 % vom Gesamtbetrag (vgl. https://www.trierer-umschau.de/2025-11-03-aa/).
Wir übernehmen hier den vollständigen Text der Pressemeldung zum ZDF-Politbarometer November I 2025:
„Mehrheit zweifelt an Problemlösungskompetenz der Bundesregierung/Geteilte Meinung zu Rückkehr syrischer Geflüchteter
Die Bundesregierung ist nun seit sechs Monaten im Amt und immer wieder wird Streit innerhalb der Koalition öffentlich. Zudem kommt der angekündigte Herbst der Reformen bisher nicht so recht voran. Entsprechend glaubt nur eine Minderheit von 38 Prozent der Befragten, dass die Bundesregierung einen wichtigen Beitrag zur Lösung der Probleme in Deutschland leistet, 58 Prozent bezweifeln das, darunter auch 27 Prozent der Unions- und 41 Prozent der SPD-Anhänger (Rest zu 100 Prozent hier und im Folgenden jeweils „weiß nicht“). Damit einhergehend erreicht die Unzufriedenheit mit der Arbeit von Schwarz-Rot einen neuen Tiefstwert: 55 Prozent der Befragten stellen der Bundesregierung ein eher schlechtes Zeugnis aus, für 39 Prozent macht sie ihre Sache eher gut. In der AfD sehen die meisten aber keine Alternative: Rund zwei Drittel (65 Prozent) glauben, die Politik wäre schlechter, wenn die AfD an einer Bundesregierung beteiligt wäre, für 20 Prozent würde eine AfD-Regierungsbeteiligung zu einer besseren Politik führen (kein großer Unterschied: 11 Prozent).
Koalitionstreue
Die Konflikte innerhalb der Bundesregierung lassen auch erhebliche Zweifel an der Koalitionstreue der drei Regierungsparteien aufkommen: Für 55 Prozent der Befragten steht die CDU nicht voll zur Koalition (steht dazu: 32 Prozent), 65 Prozent denken das über die CSU (steht dazu: 21 Prozent) und 50 Prozent über die SPD (steht dazu: 38 Prozent). Dennoch erwartet eine Mehrheit von 57 Prozent, dass die schwarz-rote Regierung bis zur nächsten regulären Bundestagswahl im Frühjahr 2029 bestehen bleibt, 37 Prozent rechnen nicht damit. Ähnlich äußerten sich die Befragten im Juli, als über die Besetzung einer Stelle am Bundesverfassungsgericht gestritten wurde.
Bürgergeld: Verschärfungen
Die Bundesregierung plant, die Regelungen beim Bürgergeld zu verschärfen. Etwa drei Viertel (74 Prozent) der Befragten und klare Mehrheiten in den Anhängerschaften von CDU/CSU (96 Prozent), AfD (90 Prozent) und SPD (74 Prozent) finden eine Verschärfung beim Bürgergeld richtig, insgesamt 24 Prozent lehnen das ab. Geht es allerdings ganz allgemein um Kürzungen im Bereich Soziales, sprechen sich nur 29 Prozent für solche Einsparungen aus, 63 Prozent sind dagegen. Geringere Sozialausgaben finden in keiner der Parteianhängergruppen deutliche Unterstützung. Klaren Rückhalt gibt es für die seit Längerem diskutierte stärkere Besteuerung hoher Einkommen: 69 Prozent der Befragten befürworten Steuererhöhungen für Besserverdienende, 27 Prozent bewerten das kritisch.
Projektion
Wenn am nächsten Sonntag wirklich Bundestagswahl wäre, lägen die CDU/CSU mit 26 Prozent (minus 1) und die AfD mit ebenfalls 26 Prozent (plus 1) gleichauf. Die SPD würde sich auf 14 Prozent (minus 1) verschlechtern, die Grünen würden hinzugewinnen und kämen auf 12 Prozent (plus 1). Die Linke bliebe bei 10 Prozent (unverändert) und alle anderen Parteien – inklusive BSW und FDP – bekämen zusammen 12 Prozent (unverändert), darunter keine Partei, die mindestens drei Prozent erzielen würde. Mit diesem Ergebnis hätte Schwarz-Rot weiterhin keine parlamentarische Mehrheit.
Top Ten
Bei der Beurteilung von Politikerinnen und Politikern nach Sympathie und Leistung („Was halten Sie von?“) liegt Verteidigungsminister Boris Pistorius weiterhin vorn. Er wird auf der Skala von +5 bis -5 mit einem Durchschnittswert von 1,5 (hier und im Folgenden Vergleichswert von Ende Oktober: 1,7) bewertet. Mit großem Abstand folgt wie zuletzt Johann Wadephul mit 0,3 (0,6), danach kommen Bärbel Bas mit 0,2 (0,1) und Lars Klingbeil mit 0,1 (0,0). Auf Rang fünf und bereits im Negativbereich steht Friedrich Merz mit minus 0,4 (minus 0,2), dahinter sind Markus Söder mit minus 0,5 (minus 0,5), Robert Habeck mit ebenfalls minus 0,5 (minus 0,7) und Alexander Dobrindt mit minus 0,6 (minus 0,4). Sahra Wagenknecht wird mit minus 1,9 (minus 2,0) eingestuft und Alice Weidel bleibt mit minus 2,5 (minus 2,5) Schlusslicht.
Syrische Geflüchtete in Deutschland
Besonders umstritten ist in diesen Tagen die Rückkehr syrischer Geflüchteter in ihr Herkunftsland. 15 Prozent sind der Ansicht, dass nach Ende des Bürgerkriegs jetzt möglichst alle Geflüchteten schnell nach Syrien zurückkehren müssen. 44 Prozent finden, nur diejenigen, die hier keinen Job haben, sollten jetzt zurückkehren müssen und 37 Prozent meinen, man sollte mit der Entscheidung darüber noch warten, bis sich die Lebensverhältnisse in Syrien verbessert haben. Zwar gibt es bei dieser Frage deutliche Einstellungsunterschiede in den verschiedenen politischen Lagern, jedoch sagt keine der Anhängergruppen mehrheitlich, dass jetzt möglichst alle schnell nach Syrien zurückkehren sollen.
Klimaschutz
In Brasilien beginnt nächste Woche die Weltklimakonferenz der Vereinten Nationen. Dass dort für den Klimaschutz viel erreicht wird, glauben lediglich 5 Prozent der Befragten. 92 Prozent gehen davon aus, dass auf dieser Weltklimakonferenz wenig (67 Prozent) oder gar nichts (25 Prozent) erreicht wird. Was den Klimaschutz in Deutschland angeht, sieht eine relative Mehrheit nach wie vor Handlungsbedarf: 46 Prozent sind der Ansicht, dass bei uns zu wenig für den Klimaschutz getan wird, für 22 Prozent wird zu viel getan und 28 Prozent sind mit den aktuellen Maßnahmen zufrieden.
Aufstellung der Bundeswehr
Beim Thema Bundeswehr herrscht in der Bevölkerung Pessimismus vor: Wenn es im Falle einer militärischen Auseinandersetzung um die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands geht, meinen – ähnlich wie vor eineinhalb Jahren (April 2024: 79 Prozent) – 81 Prozent der Befragten, dass die Bundeswehr als Teil der NATO eher schlecht aufgestellt ist, nur 13 Prozent (April 2024: 13 Prozent) sagen „eher gut“.
Die Umfrage zum Politbarometer wurde wie immer von der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen durchgeführt. Die Interviews wurden in der Zeit vom 4. bis zum 6. November 2025 bei 1.322 zufällig ausgewählten Wahlberechtigten telefonisch und online erhoben.“
Redaktions-Notiz: Alle 16 Politbarometer-Fotos haben wir begleitend zu unserem Standard-Text veröffentlicht (siehe oben!)
Vortext / Kommentar: Christph Maisenbacher – 8. November 2025
Quelle (vollständig zitierter Text): ZDF Kommunikation
Link-Zitate: alle Zitate, die wir übernehmen sind im Text mit einem Link versehen
Social-Media-Teaser: ChatGPT
Fotos: © ZDF/Forschungsgruppe Wahlen
Dieser Text in LEICHTER SPRACHE ist veröffentlicht unter: https://www.trierer-umschau.de/2025-11-08-ab/
