NATUREREIGNISBEGLEITER
NaturEREIGNISbegleiter – Text 2 – Warum wir in Sachen Klima die Augen nicht zumachen dürfen
Natürlich ist die Auseinandersetzung mit den klimatischen Veränderungen kein Zuckerschlecken. Und natürlich neigt man – um Veränderungen aus dem Weg zu gehen – zu einem „Die Suppe wird nicht so heiß gegessen, wie sie gekocht wird“. Und wenn die Klimaleugner in das richtige Medienrohr blasen, dann funktioniert die Autosuggestion von „Wer wählt schon die Grünen?“ bis hin zu einem sogenannten „motivated reasoning“ (vgl. https://www.uni-bonn.de/de/neues/025-2024) oder einem Applaudieren in Richtung Donald Trumps „Der Klimawandel – das ist der weltweit größte Betrug aller Zeiten.“ (vgl. https://rp-online.de/politik/ausland/donald-trump-klimawandel-ist-groesster-betrug-aller-zeiten_aid-135509213)
Allerdings lassen sich Fakten nicht ignorieren. Es sei denn, man diffamiert sie mit dem Titel „Lügenpresse“ oder entlässt die Wissenschaftler, die unbequeme Tatsachen publizieren.
Die Physik bleibt unbestechlich.
Ein Satz ist mir im Gedächtnis geblieben, den Christoph Bals, der politische Geschäftsführer von Germanwatch, zum Ausgang der US-Wahl 2024 formuliert hat:
„Trump zweifelt die Realität der Klimakrise an und wird sich dafür einsetzen, die Förderung von Öl und Gas zu erhöhen, obwohl das die Lebensgrundlagen auf unserem Planeten zerstört. Aber die Klimakrise duldet keinen Aufschub, denn der Physik ist es letztlich egal, wer im Weißen Haus sitzt.“
(vgl. https://www.trierer-umschau.de/2024-11-06c/)
Und damit sind wir in Rheinland-Pfalz und dem Online-Vortrag „Klimawandel im Weinbau“ von Christopher Hermes vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Mosel. Am 8. Juli 2025 schloss er damit die erste Hälfte des Ausbildungsprogramms zum Naturerlebnisbegleiter ab (vgl. https://www.trierer-umschau.de/2025-01-01c/).
Keine Propaganda, kein Interpretieren, sondern Fakten.
Das Kompetenzzentrum für Klimawandelfolgen Rheinland-Pfalz hat für die Landkreise sogenannte „Klimasteckbriefe“ publiziert (vgl. https://www.klimawandel.rlp.de/mediathek/klimasteckbriefe). Damit kann jeder für seinen Landkreis Datenblätter zum Klima abrufen. Das ist praktisch, sachlich und gibt einen unverblümten Blick auf die Klimasituation. Dabei wird sogar die ausgewählte Region in ein Verhältnis zu Rheinland-Pfalz als Bundesland gestellt.
Die Trierer Umschau wollte natürlich Details über Trier erfahren und war selbst begeistert, dass am Anfang des Klimasteckbriefes eine Art Zusammenfassung formuliert wird (vgl. Anlage Trier_Factsheet aus https://www.klimawandel.rlp.de/mediathek/klimasteckbriefe):
„In Rheinland-Pfalz ist die Zunahme der Temperatur (+1,7 °C im Vergleich zum langjährigen Mittel 1881–1910) im Vergleich zum bundesweiten Durchschnitt (+1,5 °C) höher. Mit dem Klimawandel einher gehen Auswirkungen wie z. B. Dürre, Hitzestress oder Wasserknappheit. Die Klimaveränderungen wirken sich beispielsweise auf Landwirtschaft und Ökosysteme im Landkreis aus, z. B. durch Veränderungen der Vegetationsperiode. Zudem erfordern Temperaturanstieg und sich verändernde Niederschlagsverhältnisse eine Anpassung der Infrastruktur sowie Berücksichtigung in Planungsstrategien, um die negativen Folgen des Klimawandels zu minimieren und die Resilienz gegenüber zukünftigen Veränderungen zu stärken.“
In Trier selbst beträgt die Zunahme der Temperatur genau +1,5 Grad – die heißen Tage (mit Temperaturen über 30 Grad) haben sich im Zeitraum 1993 bis 2022 verdoppelt (14 Tage), die Frosttage (Tage mit Temperaturen unter 0 Grad) haben sich um 11 auf 61 verringert. Und die sogenannten „Sommertage“ mit Maximaltemperaturen von über 25 Grad haben sich von 35 auf 52 erhöht.
Die Mosel und der Wein – Auswirkungen des Klimawandels
Wie wir aus dem Datenblatt erfahren konnten, fehlt es im Durchschnitt (!) nicht an Wasser – was zunächst für die Landwirtschaft und den Weinbau positiv sein könnte. Allerdings wirken sich das Phänomen der Starkregenereignisse inklusive Bodenerosion, aber auch Hitzewellen, auf das Pflanzenwachstum in den Weinbergen aus.
Dies hat Folgen, die mitunter für Außenstehende gar nicht so leicht erkennbar sind: Wärme bzw. Sonne kann zu einer hohen, sogenannten „Durchblührate“ führen. Das bedeutet, dass sich aus vielen Blüten reife Beeren entwickeln. Die hohe Beerenanzahl pro Traube wäre gut für den Ertrag. Doch wenn es zu heiß wird, wird die Zuckerbildung verlangsamt, und durch Hitzeschäden kann die Qualität der Trauben reduziert werden. Auch zu viel Niederschlag kann zu porösen Beeren führen bzw. zu einem gegenseitigen Abquetschen der Beeren. Und Feuchtigkeit führt ohnehin zu Pilzerkrankungen. Aber auch Insekten haben es auf die Weintrauben abgesehen. Wer sich interessiert, findet eine gute Zusammenfassung unter https://de.wikipedia.org/wiki/Rebkrankheiten_und_Sch%C3%A4dlinge_im_Weinbau.
Der Winzer steht nicht wehrlos da!
Aufgeben und Sonnen- bzw. Regenschirme verkaufen wäre die eine Lösung. Und natürlich gibt es auch radikale Möglichkeiten der Bewässerung, der Düngung, der Verwendung von Pflanzenschutzmitteln. Davon gibt es schon genug in den Böden der Weinberge. Doch am Ende eines extremen Umgangs mit der Natur folgt ein ausgelaugter Boden.
Das Getränk der Götter Dionysos bzw. Bacchus ist ein Kulturgut.
Wie der Künstler Bilder entstehen lässt, der Schriftsteller Phantasien zu Papier bringt, so gestaltet der Winzer die Kulturlandschaft der Weinberge. Und wenn er dabei ein paar Erkenntnisse aus der aktuellen Forschung zum Weinbau anwendet, wird ihm eine sichere Zukunft gegönnt sein – trotz der sich ändernden klimatischen Bedingungen.
Dazu zählt wohl in erster Linie ein guter Boden, denn ohne diesen gibt es keine gute Ernte. Und wenn ich dann noch robustere Rebsorten auswähle, bin ich einen guten Schritt weiter. Doch auch die Nährstoffversorgung ist wichtig, die über mein Begrünungsmanagement, meine Wasserversorgung und vor allem meinen Aufbau einer Dauerhumusschicht gewährleistet wird. Denn der gut geplante Boden speichert nicht nur Kohlenstoff und Stickstoff für die Weinrebe, er ist der Retter bei Trockenstress oder Trockenstressgefahr, da er fünf- bis siebenmal mehr Wasser speichern kann. Nässe allerdings führt auch nicht zum Erfolg, weshalb ein gut organisiertes Begrünungsmanagement hier einen Ausgleich schaffen kann, sodass ein Teil des Wassers und Stickstoffs den Reben entzogen wird, was im Reifeprozess zu weniger Fäulnis führt. Auch ein Laubschnitt (ein Entblättern) kann dazu führen, dass die Windbewegung im Weinberg die Feuchtigkeit abtrocknet. Umgekehrt verlangt ein Boden auch nach einem guten Hitzeschutz, der zum Beispiel über Holzhäcksel erfolgen kann. Auch die Bewässerung hat unterschiedliche Lösungsmöglichkeiten. Wer an Quantität sparen will, kann eine Unterflurbewässerung realisieren oder nachts bewässern, sodass die Verdunstung geringer ist. Was noch in den Kinderschuhen beim Weinbau steckt, ist das Thema Zisternen oder Regenwasserrückhaltebecken.
Zurück zum Klimawandel – dem Ereignis, das unsere Gegenwart und unsere Zukunft prägt
Dass unser Klima wärmer wird, erfährt der Winzer mit dem Sachverhalt, dass die Weinreben inzwischen 14 Tage früher blühen. Das erhöht gleichzeitig auch das Risiko – wie beim Obstbau – in Bezug auf Spätfröste. Womit wir wiederum beim Thema Bewässerung wären, der Frostschutzbewässerung, welche über folgenden YouTube-Link vom Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (BZL) gut erklärt wird:
https://www.youtube.com/watch?v=BPMgRkFRsrQ
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein bewusstes Erleben unserer Natur. Weitere Ereignisse werden in Folge besprochen.
(*) Ergänzung zu unserer Abbildung
(Eine Grafik aus der Webseite des Kompetenzzentrums für Klimawandelfolgen, vgl. https://www.klimawandel.rlp.de/)
Die Grafik zeigt sehr deutlich, wie sich die mittlere Temperatur in den Jahren 1881 bis 1910 von 8,1 °C über die Zeitspanne 1971 bis 2000 (mit einer mittleren Jahrestemperatur von 8,9 °C) auf 9,9 °C in der Zeitspanne 1995 bis 2024 erhöht hat.
Die Abkürzungen RCP2.6, RCP4.5 und RCP8.5 beziehen sich dabei auf sogenannte „Emissionsszenarien“ bzw. „repräsentative Konzentrationspfade“ (Representative Concentration Pathways, RCP), die sehr gut vom schweizerischen National Centre for Climate Services (NCCS) vorgestellt werden (vgl. https://www.nccs.admin.ch/nccs/de/home/klimawandel-und-auswirkungen/grundlagen-zum-klima/was-sind-emissionsszenarien-.html – woraus wir auch die folgenden Zitate nehmen):
• RCP8.5 bedeutet als Szenario „kein Klimaschutz“: „Es werden keine Klimaschutzmaßnahmen ergriffen. Die Treibhausgasemissionen nehmen stetig zu.“
• RCP4.5 bedeutet als Szenario „begrenzter Klimaschutz“: „Der Ausstoß von Treibhausgasemissionen wird zwar eingedämmt, aber der Gehalt in der Atmosphäre steigt noch weitere 50 Jahre.“
• RCP2.6 bedeutet „konsequenter Klimaschutz“: „Klimaschutzmaßnahmen werden ergriffen. Mit einer umgehend eingeleiteten Senkung der Emissionen wird der Anstieg der Treibhausgase in der Atmosphäre bis in etwa 20 Jahren gestoppt. Damit lassen sich die Ziele des Pariser Klimaabkommens 2016 erreichen.“
(Siehe auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Repr%C3%A4sentativer_Konzentrationspfad)
Vortext / Kommentar / Text: Christph Maisenbacher – 20. Oktober 2025
Quelle / Inspiration: Webinar „Klimawandel im Weinbau“ – Ausbildung zum Naturerlebnisbegleiter – Christopher Hermes am 08.07.2025 (Dienstleistungszentrum ländlicher Raum Mosel – DLR Mosel)
Link-Zitate: alle Zitate, die wir übernehmen sind im Text mit einem Link versehen
Social-Media-Teaser: ChatGPT
Foto: © Kompetenzzentrum für Klimawandelfolgen / Klimadaten-Tool (Danke an Franziska Teubler) – Logo: © DLR Mosel
Dieser Text in LEICHTER SPRACHE ist veröffentlicht unter: https://www.trierer-umschau.de/2025-10-19-cb/
