EUROPÄISCHE MASTHUHNINITIATIVE
Wenn man ist, was man ißt, dann hat Edeka mit der Qualzucht von Hühnern einiges mit uns vor – eine Dokumentation.
Vom Essen bei extremer Hitze über die E-Scooter zu Edeka und Hühnerbrustfilets, die von Muskelverfettung betroffen sind: Edeka ist noch Schlusslicht in Sachen Tierwohl. Da helfen auch keine Ausreden. Da sind Aldi, Rewe, Lidl und andere Supermarktketten mit Ihrer Verpflichtung zur Masthuhn-Initiative schon viel weiter! (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Europ%C3%A4ische_Masthuhn-Initiative ).
Als Verbraucher vertrauen wir letztendlich darauf, dass das uns Angebotene, dass das Beworbene und dass das entsprechend auf die Fahne eines Unternehmens notierte auch den Tatsachen entspricht. Wir können nicht jeden Einkauf auf die Waage einer Untersuchung legen: Deshalb sind wir angewiesen auf Stiftungen und Vereine, die Fragen stellen, die Untersuchungen starten und die sich eben nicht nur mit Ausreden abspeisen lassen.
Wenn es schmeckt – greifen Sie zu. Doch schmeckt es wirklich?
Wenn Sie welchen Fleischgeschmack auch immer nicht auf Ihrer Zunge spüren wollen, lohnt sich eine Tomatensauce. Da kann selbst leicht verdorbenes Fleisch noch als Speise verkauft werden. – Man entschuldige meine Ironie, die auch kein Vorwurf an irgendwelche Gastronomiebetriebe sein soll.
Doch wie die Einnahme von Giftstoffen nicht pauschal von unserem Körper einfach „durchgewunken“ wird, so mag auch das Fleisch von Qualzuchten nicht unbedingt gesundheitsförderlich sein.
Diese Aussage ist eine Pauschalaussage, die wir von der Trierer Umschau zunächst nicht nachweisen können. Deshalb ist das auch im Konditional notiert:
Was wir nachweisen können, ist ein Verstoß gegen das Tierwohl. Die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt hat nun eine zweite Pressemeldung innerhalb von sechs Wochen verschickt. Wobei wir Ihnen gerne beide in Textform als auch über eine Video-Information (siehe unsere Foto-Leiste) zugänglich machen wollen:
Vor zwei Tagen, am 11. August 205 hat die Albert Schweitzer Stiftung für unser Mitwelt folgende Pressemeldung – in Ergänzung zu der weiter unten notierten – versandt:
„Werbekritik an Edeka-Spot geht viral: Instagram-Video deckt Tierleid auf
Mit idyllischen Bildern von glücklichen Hühnern wirbt Edeka seit Jahren für Eier und Geflügelprodukte. Ein neues Instagram-Video der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt stellt diese Werbewelt nun radikal infrage und ging mit mehr als einer Million Zuschauern unerwartet viral.
Die satirisch angelegte “ Gegen-Werbung“ der Albert Schweitzer Stiftung zum aktuellen Edeka-Spot zeigt, wie weit die Realität in den Hühnerställen vom Tierwohl-Versprechen des Lebensmitteleinzelhändlers entfernt ist.
Im animierten Photoshop-Erklärvideo korrigiert Hausvideograf Noah, wie Edekas Werbespot aussehen würde, wenn die Macher sich an den realen Lebensbedingungen der Hühner orientiert hätten.
Aus der Edeka-Idylle wird ein Horror-Hühnerstall
Dabei freut Noah sich zunächst über den kreativen Clip, in dem zwei Edeka-Kundinnen mit ihrem Einkaufswagen durch den Hühnerstall fahren. Doch schon beim Anblick der Hühnerhof-Idylle stoppt er das Video und runzelt die Stirn: „Moment. Die allermeisten Hühner bei Edeka kommen doch aus Haltungsform 2.“
Ab diesem Moment bleibt kein Pixel auf dem anderen. Noah korrigiert die Anzahl der Hühner, baut einen Stall um die nun zusammengepferchten Vögel und verwandelt sie gleich noch in die typischen Qualzuchten, für deren Einsatz sich Edeka derzeit öffentlich rechtfertigen muss. Anschließend stiehlt Noah den Hühnern per Mausklick auch noch ihre Beschäftigungsmöglichkeiten und legt, ganz wie im echten Hühnerstall, ein paar kranke und tote Tiere dazwischen.
Der Clip erreichte innerhalb weniger Tage mehr als eine Million Views, darunter auch zahlreiche Kundinnen und Kunden von Edeka, und löste eine Welle an Reaktionen aus.
Wut, Empörung und Zustimmung in den Kommentaren
Unter dem Video entlädt sich der Frust vieler Verbraucherinnen und Verbraucher. Tausende Kommentare sprechen von Verbrauchertäuschung und Greenwashing oder fordern Edeka auf, Stellung zu beziehen. Viele bedanken sich auch für die Aufklärung und teilen den Clip.
Die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt will Edeka mit der Aktion in die Verantwortung nehmen. „Wenn ein Unternehmen mit schönen Bildern wirbt, sich dahinter aber nachweislich sehr viel Tierleid verbirgt, dann ist es unsere Aufgabe, diese Diskrepanz sichtbar zu machen“, sagt Mahi Klosterhalfen, Präsident der Stiftung. „Wir wollen, dass Edeka endlich aus der Qualzucht aussteigt und echte Verbesserungen in der Haltung umsetzt.“
Ob das Video langfristig etwas an der Praxis des Lebensmitteleinzelhändlers ändert, bleibt offen. Sicher ist aber: Der Clip hat eine Debatte neu entfacht, die Edeka bereits seit mehreren Monaten unter Druck setzt. Dieser Fall zeigt, wie Social Media zum mächtigen Werkzeug für Verbraucher- und Tierschutz werden kann. Mehr Infos gibt es auf https://www.stoppt-edekas-leidensmittel.de/ .
Bereits am 24. Juni 2025 wurde bereits folgende Presseinformation von der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt verschickt:
„Fleisch von kranken Tieren bei Edeka: Neue Untersuchung deckt Missstände auf
Edekas „Gut & Günstig“-Hühnerbrustfilets sind von Muskelverfettung betroffen. Das fand die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt heraus. Die krankhafte Veränderung des Gewebes ist ein klares Indiz für Qualzucht und hat auch Folgen für Verbraucherinnen und Verbraucher. Eine Protestaktion in Hamburg soll den Edeka-Verbund zum Handeln bewegen.
Die aktuelle Untersuchung der Albert Schweitzer Stiftung umfasst mehr als 500 Fleischproben aus 67 Edeka-Filialen in 23 deutschen Städten. Untersucht wurden Packungen frischer Hühnerbrustfilets der Edeka-Eigenmarke „Gut & Günstig“ aus Haltungsform 2.
Heraus kam, dass 94,5 % der untersuchten Produkte von Muskelverfettung (auch bekannt als „White Striping“) betroffen waren, klar zu erkennen an weißen Fettstreifen, die parallel zu den Muskelfasern verlaufen.
Was ist Muskelverfettung?
Wer in den vergangenen Jahren die Medien verfolgt hat, kennt die schlimmen Bilder aus den Hühnerställen: In großer Enge liegen die unnatürlich schweren Tiere oft in ihren eigenen Fäkalien, können vor Schmerzen und Schwäche kaum die Augen öffnen und kollabieren mitunter noch vor dem Schlachttransport.
Industriell genutzte Masthühner sind aus wirtschaftlichen Gründen so gezüchtet, dass sie ihr Zielgewicht bereits nach ca. 30 Tagen erreichen. Dieses rasante Wachstum überfordert den Organismus und führt neben Schmerzen und Stress häufig auch zu einem Absterben von Muskelgewebe, welches dann durch Fett ersetzt wird.
„Muskelverfettung ist kein Schönheitsfehler, sondern ein klarer Hinweis auf systematische Tierquälerei“, erklärt Irina Fronescu, Bereichsleitung Kampagnen bei der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt. „Und die Verbraucherinnen und Verbraucher stehen noch vor einem weiteren Problem: Das Fleisch kann bis zu 224 % mehr Fett und bis zu 9 % weniger Protein enthalten.“
Von Muskelverfettung betroffenes Hühnerfleisch ist qualitativ minderwertiger als Fleisch aus tierschutzfreundlicheren Zuchtlinien, die weniger schnell wachsen. Trotzdem werden Hühnerbrustfilets von Edeka als hochwertiges Lebensmittel beworben und haben einen Ruf als „gesunde Wahl“. Viele greifen deshalb gezielt zu diesen Produkten und eben auch zur Edeka-Eigenmarke „Gut & Günstig“.
Verantwortungsloses Verhalten von Edeka
„Hier wird das Vertrauen der Kundinnen und Kunden missbraucht“, meint Irina Fronescu. „Wie passt der Verkauf von Fleisch kranker Hühner mit dem nachhaltigen Image samt Tierwohl-Versprechen zusammen? Edeka behauptet immer wieder, nur stellvertretend angeprangert zu werden und dieselben Ziele wie andere Händler zu verfolgen. Doch die Fakten sprechen eine andere Sprache: Von allen großen Lebensmitteleinzelhändlern in Deutschland hat Edeka bisher am wenigsten für eine Erhöhung der Tierschutzstandards getan.“
Die Konkurrenz macht es besser
Aldi, Rewe, Lidl und andere Supermarktketten haben sich bereits zu den Kriterien der Masthuhn-Initiative verpflichtet. Sie nehmen ihre Verantwortung gegenüber Tieren sowie Verbraucherinnen und Verbrauchern somit ernst. Warum bleibt ausgerechnet Edeka, der größte Lebensmitteleinzelhändler in Deutschland, tatenlos?
„Hier können wir nur Vermutungen anstellen“, sagt Irina Fronescu. „Es liegt nahe, dass auf Vorstandsebene ein veraltetes Verständnis von Unternehmensführung herrscht. Im aktuellen Edeka-Geschäftsbericht findet sich zum Beispiel kein einziges Wort über Tierhaltung. Wir erleben mit dem Vorstandsvorsitzenden Markus Mosa eine Managementkultur, die sich hinter PR-Strategien versteckt, aber inhaltlich auf dem Stand von vorgestern verharrt.
Wir fordern Edeka deshalb erneut auf, der Verantwortung gerecht zu werden: Bekennen Sie sich zu höheren Tierschutzstandards, treten Sie der Masthuhn-Initiative bei und formulieren Sie einen konkreten Plan für den Ausstieg aus den Haltungsformen 1 und 2 für alle Tierarten. Wir stehen weiterhin für einen Dialog bereit.“
Über die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt
Die Albert Schweitzer Stiftung setzt sich für eine Welt ein, in der kein Tier mehr für die Herstellung von Lebensmitteln leidet. Die Stiftung nutzt juristische Mittel und wirkt auf wichtige Akteure aus Wirtschaft und Politik ein, um Tierschutzstandards zu erhöhen, den Verbrauch von Tierprodukten zu reduzieren und das pflanzliche Lebensmittelangebot zu verbessern. Interessierten bietet sie fundierte Informationen und zeigt Alternativen auf. Mehr erfahren Sie auf https://albert-schweitzer-stiftung.de. “
Vortext / Kommentar: Christph Maisenbacher – 13. August 2025
Quelle (vollständig zitierter Text): ots / Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt
Link-Zitate: alle Zitate, die wir übernehmen sind im Text mit einem Link versehen
Foto 1: Foto: © Animal Welfare Observatory / Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt
Foto 2: © Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt
Video 1 und 2: © Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt
Dieser Text in LEICHTER SPRACHE ist veröffentlicht unter: https://www.trierer-umschau.de/2025-08-13-cb/
